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Neue jüdische Presse · 1906-08-17 · Heft 32 (17.8.1906) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 32 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite lu. Frankfurter Israelitischer FamilienblaN. Nr. 32. entsprechenden Vortrag großes Gewicht legte. — Zn meisterhafter Weise hat er dieses unerniüdlich durch persönliches Beispiel gezeigt und waren alle Teilnehmer bestrebt, diesen! 'Beispiele nach Kräften nachzuahmcu. Infolgedessen ivar auch der Erfolg ein guter, indem alle Teilnehmer Las erreichte Pensum in jeder Weise beherrschen. Nachdem nun der Grundstein zu dieser Fortbildung ini.Chasonus gelegt, ist von allen Beteiligten der einstimmige Wunsch geäußert worden, diese Hebungen nicht nur ivährend der Ferien, sondern auch während des ganzen Jahres wenigstens einmal wöchentlich sortzusetzen, da inan sich unter einer solchen bewährten Leitung Größeres zu erreichen verspricht. Auch kann nicht genug betont werden, wie ein solcher Unterricht unser althergebrachtes 'Chasonus in der erhabensten Weise zur Geltung bringt und auch den minder stimmbegabten Kollegen befähigteinen Vortrag zu liefern, der sich vorteilhaft von dem eines ungeschulten Chasscn unterscheidet. Mit besonderer Freude sieht man daher der Fortsetzung des Kursus entgegen, und sprechen wir die.Hoffnung aus, daß mit dem Interesse auch die Zahl der Teilnehmer wachsen möge. — ' Würzburg. Sterbefall. Am 9. ds. wurde ein Lehrerveteran, der seine letzten Tage als Pfründner im hiesigen jüdischen Spital verbrachte, zu Grabe getragen. Jakob Kahn, geboren zu Höchberg bei Würzburg, war ein Lehrer alten Schlages. Seine Ausbildung hatte er in einem christlichen'Lehrerseminar genossen, da s. Zt. noch kein jüdisches Seminar in Bayern bestand. Sein jüdisches Wissen 'eignete er sich bei hervorragenden Rabbinen an. Nach einer Anstellung in Mainbernheim siedelte er nach Dettelbach über, woselbst er über 40 Jahre amtierte. Ständig hatte 'er Zöglinge in Pension bei sich, da sein Lehrgeschick tvcit bekannt wurde. Auch christliche Pensionäre gingen zu ihm. Durch die kgl. Negierung wurde ihm einstens die Stellvertretung an der christlichen Schule zu Dettelbach übertragen, gewiß ein Beweishohen Vertrauens und hoher Anerkennung. Der Heimgegangene hatte manches Herbe zu ertragen. So verlor er'durch den Tod seine beiden Söhne, seine einzigen Kinder. Er selbst blieb bis in's höchste Alter körperlich und geistig rüstig. Fast 90 Jahre erreichte er, nachdem vor wenigen Jahren seine Frau ihm im Tode voranging. Strutzburg i. Elf. Die unter der Leitung des Herrn Dr. Grombachcr stehende R e l i g i o n s s ch u l e der israel. Gemeinde war am 1. Juli von 319 Kindern (156 Knaben und 163 Mädchen) frequentiert..— ' ' Zu der ausgeschriebenen K a n t o r st c l l e der israel. Gemeinde kn Weißenburg, die nunmehr Herr Gustav Klcin-Straßburg erhalten hat, hatten sich nicht weniger als 70 Kandidaten gemelde t. Budapest. In Angelegenheit der jüdischen V o lks sch u le n hat der U n t erri ch t sm i n i ste r eine neue Verordnung herausgegeben, ans welcher -folgendes hervorzuheben ist: Die jüdisch-konfessionellen Schulen unterstehen der Leitung der zu bildenden Schulstühle (Lchnlkomnrissiönen). Der Schulstuhl besteht aus sieben von der Gemeinde gewählten Mitgliedern. Amtlich gehören ihm an: der Oberrabbiner, der Gemeindevorsteher und der Leiter (Direktor) der schule. Außerdem delegieren nach § 117 des G. A. XXXVIII v. I. 1868 die Lehrverbände Vertreter in den Lchulstuhl. . Die Kommission wählt selber (durch geheime Wahl) einen Vorsitzenden, Bors.-Ttellvertreter und einen Schriftführer. Alle Aufsichtsrechte: die Festsetzung de- Lehrpersonals, Creierung neuer Stellen und die Besoldung der Lehrergehören zu den Befugnissen der Schulkommission. Ms Berufungsinstanz gegen die Beschlüsse der Kommission, mit Ausnahme der Wahlen und des Disziplinarverfahrens, ivird. die Generalversammlung der isr. Gemeinde bezeichnet. Kiralh-Helmecz (Ungarn). Rabbiner Josef Wald, der während 30 Jahren Rabbiner der hiesigen autonom-orthodoxen Gemeinde ivar und ein hervorragendes jüdisches Wissen besaß, ist gestorben. Komotau. Zum Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde wurde Herr Dr. Emil Krakauer, bisher Rabbiner-Stellvertreter in Budweis, gewählt. Budapest. Die Beamten der neologen Kultusgemeinden haben einen ' Landesverein der K u l t u s g e m e r n.d e a n g e st e l l t e n gegründet, welcher die Unterstützung notleidender Mitglieder, sowie der Witwen und Waisen der Mitglieder bezweckt. Aus den Vereinen. Posen, (k) Der Verein »I ü d. Mädchenh e i m" tritt zum ersten Male mit einem Berichte vor die Oeffentlichkeit. Das Stistungskapital von 30 000 JLber Frau Justizrat Apolant geb. Ephraim bildete den Grundstock. In der Hauptversammlung wurden in den Vorstand gewählt neben Frau Jnstizrat Apolant als Ehrenmitglied Frau Licht, Frau Czapski, Frau Ephraim, Frau Lesser und Frau Peyser, ferner die Herren Stadtrat Schleyer, Kaufmann Hamburger, Kaufmann Korniker, Bankier Knttner und Rechtsanwalt Placzek, von denen letzterer zum Vorsitzenden, Herr Knttner zum Schatzmeister, Herr Korniker zum Schriftführer bestimmt wurden. Am 1. Oktober 1904 konnte das Mädchenheim — cs wurde eine große sechs- .zimmerige Wohnung Rittcrstr. 17 gemietet — mit vier Zöglingen eröffnet werde». Bald war die Zahl von sechs Zöglingen, die bei der Gründung für die ersten Jahre als Maximalzahl in Aussicht genomnicn war, erreicht, und der Vorstand sah sich in die glückliche Lage versetzt, bei der durch die Zahl der Mitglieder und die eingehenden Spenden gegebenen sicheren Einnahnicn, die Anzahl der Zöglinge zunächst 'auf acht und dann sogar auf zehn zu vermehren. Der Pensionspreis konnte dabei auf dem niäßigen Satz von dreißig Mark festgestellt werden, wofür außer Wohnung und völlig freier Verpflegung auch freie ärztliche'Behandlung und Wäsche gewährt wird. Während des abgelaufenen Jahres fanden 16 Mädchen Aufnahme, hiervon sind bis zum 1. Oktober 1905 sieben wieder ausgeschiedcn, zwei wegen Krankheit, eins weil zu schwächlich, drei haben auswärts Stellung genommen und - ein Mädchen ging ins Elternhaus zurück, als die Eltern ihren Wohnsitz nach Posen verlegten. Von den verbleibenden neun Mädchen sind sieben als Kontoristinnen in Stellung, zwei sind als Lehrmädchen im Putzfach tätig. Eine reichhaltige Bibliothek, die dem Heim durch freundliche Gönner zugewiesen wurde, sorgt für geistige Anregung und Fortbildung. Im übrigen wird die freie Zeit durch kleine .Hilfeleistungen in der Wirtschaft, sowie durch notwendig gewordenes Ausbcsscrn der eigenen Garderobe^ ausgefüllt. Die gesamte innere Einrichtung, der Wirtschastsgegcnstände und Wohnungsausstattung im Änschaffungswertc von 2737,35 Mark, sind 'schon im ersten Jahre Äbgeschrieben, einerseits, weil der Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit von Mädchen und Frauen hierzu 2000 Mark hergegeben hatte, andererseits, Ivcil naturgemäß im ersten Jahre die Spenden zahlreicher geflossen sind, als für die Zukunft zu crivarten ist. Gleichwohl ergibt sich ein Ueberschuß von 1379,59 Mark. An Pensionsgeld der Zöglinge wurde vereinnahmt 2898 JL, diese Summe steht gegenüber einer Ausgabe von 2861,61 JL, an Verpftegnngskosten einschließlich Beheizung, Beleuchtung und Dicnstlohn, sodaß der Verein die gesamten Verwaltungskosteii, Gehalt der Hausniuttcr (Frau Seraphine Salz), Mieten usw. zuznschießcn hat. Die Zahl dev Verpflegungstage betrug 3504 und kommt pro Kopf für den Tag der Betrag von 0,64Vs ^heraus. In Wirklichkeit hat die Verpflegung mehr gekostet, da erhebliche Geschenke in Lebensmitteln gemacht wurden. Aus der zionistische« Bewegung. Lemberg. Veranlaßt durch die Weigerung des Rektorats, die Eintragung der jüdischen Studenten als „jüdische Nationalität" zu gestatten, hatte die jüdischnationale Studentenschaft bei Scmesterbcginn beschlossen, die Rubrik „Nationalität" in den Universitätsdoknmenten lieber mit dem Vermerk „Ohne Nationalität" auszufüllen. Dies half. Der soeben erschienene Rektoratsbericht besagt hierüber: „Bezüglich der Forderung der Hörer mosaischer Konfession, welche auch dem Unterrichtsministerium unterbreitet .wurde, daß in den Dokumenten der Universität der Anerkennung der jüdischen Nationalität Ausdruck gegeben werde, beschloß der akademische Senat: In Anbetracht dessen, daß eine solche Nationalität in Oesterreich überhaupt nicht anerkannt ist, wird von dem Nachweise der Nationalität der Akademiker in den Universitätsstatistiken überhaupt Ab st and ge - n o ni m c n und wird der Senat sich auf den Ausweis der Religion der Hörer beschränken, welche o o ipso ihre nationale Zngehörigkeit dokuinentiert." Odessa. 14. Aug. Die allgemeine Versammlung der russischen C h o w e w e - Zion wählte Ingenieur U s s i s ch k i n zu ihrem Vorsitzenden. Ussischkin hielt eine Rede, in der er betonte, daß, nachdem jetzt der Zionismus in Palästina reale Arbeit leiste, für die Chowcwe-Zion die Zeit gekommen sei, sich dem Zionismus anzuschließen. Das zionistische Aktionskomitee in Köln arbeite, einen großen, allgemeinen Charter von der türkischen Negierung zu bekommen, und die Chowewe-Zion Niögen sich zur Vervollständigung der Arbeit des zionistischen Aktionskomitees bemühen, kleine Rechte, aber viele, in Palästina zu erreichen. Janar Im Ostjordanland haben ruffische Juden 37 000 Duman Land zu 21/* Frcs. der Duman gekauft. Das Land ist in Teile von 500 Duman eingetcilt ivorden, und sind sämtliche Teile 'bereits verkauft worden. Unter den Käufern befinden sich zwei Girer Chassidiin ans Warschau, ein Lehrer ans Jalta, ein Doktor ans Charkow, ein Schächter ans Minsk, mehrere Krämer ans Kischincw, und nur wenige gelernte Ackerbauer. Keiner der Kolonisten darf sein Land verkaufen, jedoch ist es jedem gestattet, der Kolonie sein Land zum Kaufpreise ziirückzugeben'. Im ersten Jahre führen die Kolonisten gemeinschaftliche Wirtschaft. In der Kolonie dürfen nur jüdische Arbeiter beschäftigt werden. New-Nork. Eine groß angelegte Ausstellung von p a l ä st i n e n s i s ch e n Produkten soll hier nächstes Jahr veranstaltet werden. Kunst und Literatur. L e b e n u n d R e l i g i o n. Gedanken aus den Werken, Briefen und hinterlasseiien Schriften von Max Müller, Professor der orientalischen Sprachen in Oxford. 251 Seiten mit eineni Porträt. Geschmackvoll broschiert JL 3, eteg. Leinenband JL. 4, Prachtausgabe JL. 5,50. Verlag Max Kielmann, Stuttgart. Der berühmte Sanskritforscher offenbart sich hier als tief'religiös empfindender Mensch, der der Uebcrzengnng lebt, daß hier auf Erden alles weislich geordnet sei. Trotzdem Müller als frommer Christ schreibt, enthält das Buch vieles, das auch der Jude mit Nutzen lesen wird. 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