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Neue jüdische Presse · 1906-06-08 · Heft 22 (8.6.1906) · page 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 22 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches FamilrenvlaN. Rr 22 die Herren Dr. B o d e n h e i m c r und T r. H c y - mann sprachen, an: jede einzelne dieser. Veranstaltungen verlief harmonisch und stellte eine Glanzleistung dar. Nicht.so einträchtig war der Gang der Verhandlungen, die Montag früh 91/? Uhr eröffnet wurden. Herr- Dr. B o d e n h c i m e r hielt die Bcgrüßniigsrcde. — Herr Dr. Adler-Lübeck schlägt die Wahl folgender Herren als Bureau vor: Dr. Bodenheimcr, Dr. &rönemarm, Prof. Marburg als Vorsitzende und Assessor Dr. Friedcmann, Tr. Franck, Tr. ilollenschcr, Dr. Lcszinskh, Julius Simon,^Tr. Adler als Beisitzer. — Dr. Löwe erhebt Widerspruch gegen die Wahl per Akklamation, doch wird mit allen gegen drei Stimmen eine Stiniinzcttclwahl abgelehnt und das Bureau, wie vorgeschlagen, gewählt. Hierauf erstatten die Herren D r. H a n t k e den Bericht des Zentralbureaus und -Dr. Friedemann den Bericht über die allgemeine Lage, wozu Herr Feiwcl das Korreferat übernommen hatte. Herr Dx. Friedmann beurteilt die Alliance israelitc universelle und die Jca abfällig, jedoch sehr warm den Hilfsvcrein der deutschen Juden, der in Palästina jüdische und nicht deutsche oder französische Politik treibt. Das Verhältnis des Zionismus zur Jto sei erst gut gewesen, habe sich jedoch durch Schuld englischer Zionisten verschlechtert. Eine Stellungnahme zur Jto sei vorläufig überflüssig, da man noch nicht wisse, wohin ihr Weg gehe. — Herr Feiwel bespricht die politischen Verhältnisse im Orient, er meint, daß die politische Situation sich gebessert habe. Die Debatte über die Berichte, die sich nunmehr entspann, erstreckte sich lediglich auf das Verhältnis der politischen zu den Zione-Zionisten und auf Palästinasrage», nicht aber auf Agitation iuid Organisation, die ja das eigentliche Behandlungsgcbict der Delegiertcntagc sind, während jene Fragen vor das Forum des Kongresses gehören. Herr Dr. J eremias protestiert scharf gegen die Palästina-Politik des A C„ häufig von Zwischenrufen der Fraktion Löwe unterbrochen. —'.Herr Dr. Israel Anerbach spricht dagegen-dem A. C. für seine Palästina-Politik seine Anerkennung aus, tadelt cs jedoch, wegen der Brüsseler Konferenz und daß es nach de» Pogromen in Rußland nichts getan habe. Herr D r. C i t r o n spricht in sehr versöhnlichem Sinne, er verwirft die praktische Tätigkeit in Palästina und meint, man solle sich auf die Erziehung der kommenden Geschlechter und' Propagierung der zionistischen Idee beschränken; keinesfalls seien aber Nationalfondsgclder in Palästina anzulegen. Die verschiedenen Richtungen im Zionismus mögen sich friedlich vertragen. — Herr Dr. M üH s a m begründet einen Älntrag, jüdisch-nativnalc, wirtschaftliche und soziale Jnteresscn-Verbind-- ungcn zu schaffen. — Herr Hugo Schach t e l verweist auf die Nachbarländer Palästinas und Cypern, wo man etwas schassen könne. — Herr Dr. Friebemann weist die Angriffe auf das A.-C. wegen der Brüsseler Konferenz zurück und weist nach, daß der Präsident, Herr Wolffsohn, nach den russischen Wirren nichts versäumt habe, Hilfsaktionen einzuleiten. — Herr Prof. Marburg als Mitglied des engeren A-C. will verschiedene Vorwürfe richtig stellen. Was die Brüsseler Konferenz betrifft, so werde mit denen, die sich fern hielten, gegenwärtig Beratungen geangen; er hoffe günstige Resultate derselben. In Palästina würden keine Nationalfonds-Gelder verschleudert, nur.für Musterfarmen werden solche aiisgegebcn. Zn der Nachmittag-Sitzung wird die Debatte fortgesetzt. Aus derselben heben wir folgendes hervor : Herr Dr. S t r ä u ß - Heioelberg verlangt öbligätorische Selbstbesteuerung. —'Herr Dr. Klee konstatiert, daß Professor Marburg versprochen habe, daß. keine zionistischen Gelder ohne Rechts garantie aus gegeben werden. — Herr Dr. Littmann stellt den Antrag, daß es den politischen Zionisten verboten werde, sich politische Zionisten zu nennen. — Herr Dr. Dannenberg fordert auf, die Alliance zu erobern. — Herr Zloeisti begründet einen Airtrag, daß in der Begünstigung der Zuwanderung nach Palästina durch das A-C. eine Gefahr für die politische Arbeit zu erblicken sei und die'moralische Verantwortung gegen die Zuwandernden abgelehnt werde. — Der Antrag wird bis zum Palästinareferat zurückgestellt. — Herr Dr. Bvdenheiürer spricht über die Notwendigkeit, das Orgänisationsstatut zu ändern; er verlangt dringend, daß die Agitationin versöhnlichem Ssnnc geführt werde. Der Antrag Littmann wird abgelehnt, der Antrag Hamburg, daß jede Ortsgruppe verpflichtet sei, einen Korrespondenten für den Sharcklub zu ernennen und daß mindestens einmal jährlich i» jeder Ortsgruppe Über die Bedeutung des Share- Klubs gesprochen werde, wird angenoinme». (Schluß folgt.) Kunst und Literatur, Jahrbuch XXI, heransgegeben von der israclitischungarijchcn Literatur-Gesellschaft, redigiert von Josef Bünüezi, Budapest 1906, 394 S. Oktav. ' Wie die anderen ähnlichen Vereinigungen gibt auch die isr.-nngar. Liter.-Gesellschast alljährlich ein Jahrbuch heraus, das nebst dein Geschäftsberichte eine Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten enthält. Bei einem Vergleiche des vorliegenden 21.' Jahrbuches mit seinen Vorgängern, muß man Linen gewissen Rückgang gegenüber diesen konstatieren. Die genannte Gesellschaft, der eiire ganze Garde, hervorragender Publizisten irnb auch wissenschaftlicher Schriftsteller angchört,^ müßte in ihrem Jahrbiiche mehr bieten, als — mit wenigen Ausnahmen — eine Anzahl in verschiedenen Vereinen schon gehaltener Vorträge. Es leidet auch diese Vereinigung an dem Uebel, das allen ähnlichen Unternehmungen gemeinsam ist, an dem alles ertötenden JndisfcrciitiSii'nis des Publikums. Dieses, soweit cs überhaupt hierfür etlvas übrig hat, glaubt seiner Pflicht gegenüber diesen Bestrebungen Genüge geleistet zu haben, wenn es alljährlich seinen Obulus an den Verein' abführt. Damit ist alles erledigt. Den wissenschaftlichen Bestrebungen wird die größte Gleichgültigkeit eiitgegcngebracht. Den literarischen Publikationen des Vereins wird nicht einmal ei» bescheidenes Plätzchen im Bücherschränke cingeränint, in dem sonst kein Klassiker und kein Buch der bekannteren modernen Schriftsteller fehlt. Die den zahlenden Mitgliedern der Gesellschaft gratis zugehenden Veröffentlichungen werden gewöhnlich — man kann übrigens diese Gepflogenheit auch hierzulande häufig bemerken — verschenkt. Daß 'unter solchen Umständen sich nicht? fo bald ein Schriftsteller hergeben will, einem solchen Unternehmen seinen Forschcrfleiß und seine Kräfte zuzuwenden, läßt sich leicht begreifen. Hier Wandel zu schaffen, ist nicht leicht. Dem unreligiös erzogenen Publikum Interesse an das Judentum betreffende Arbeiten aufzuzwingen, ist ebenso unmöglich, und unfruchtbar, wie eS nnniöglich ist, verdorrtem Holz« Leben einzuhauchen. Hier heißt es, erst einen geeigneten Boden, der die Saat aiifzunehmen fähig ist, zu schaffen. Es gilt, sich eine neu« Generation zu erziehen, welcher das Judentum nicht mehr fremd ist, wie es heute bei dem größten Teile der Judenheit der Fall ist. Wie aber die Neologie, aus welcher obiges Jährbulch hervorgegangen, dies fertig bringen soll, ist' nicht gut zu sagen. Alle Theorien der Reform, des sogenannten religiösen Fortschrittes müßten über den Haufen geworfen werden, um den Weg zur Erreichung dieses Zieles, eine wahrhaft jüdisch fühlende, denkende und handelnde Generation heranzuziehen, zu ebnen. Allerdings würden in diesem Falle auch, die geistigen Produkte dieser Vereinigungen, ihre Jahrbücher sowohl, wie auch ihre sonstigen Publikationen, eine gründliche Metamorphose durchzumachcn haben. Es würde mehr Posüives puf dem Gebiete der jüdischen Religionswissenschaft von ihnen verlangt werden. Es würde in diesem Falle nicht mehr möglich sein, daß an einen jüdische» Literaturverein, wie es bei der genannten Vereinigung tatsächlich vorgekommen ist, das Ansinnen gestellt wird, ein'Werk auf seine Kosten und mit seiner Empfehlung zu veröffentlichen, das mit dem Pentateuch ärger umspringt, als Wellhansen samt all seinen nichtjüdischen Vor- und Nachtretern.*). Eine solche Tätigkeit heißt nicht das Judentum fördern, sondern ihm das Grab bereiten. Wollen diese Vereinigungen und deren Leiter etwas für das Judentum tun, so müssen erstsie zu demselben zurückkehren. Wirkliche jüdische Arbeit leisten, nicht, wie bisher, den Geist der Negation alles Religiösen fördern und -züchten, sondern Rückkehr zu dem Urquell aller jüdischen Wissenschaft, zur Thora und auch *) Das obenerwähnte bibelkritische Werk des neologen Rabbiner von Großwardein ist nach den s. Zt. erschienenen Berichten von der Kommission der Gesellschaft tatsächlich zur Annahme empfohlen worden, infolgedessen der damalige Vorsitzende, Rabb.> Dr. Kohn Budapest, abdizierte. Die Veröffentlichung des WcrkeS ist jedoch unterblieben. - ' zu ihrer Betätigung — wenn die jüdischen Literaturgesellschastcn sich zu diesem 'Programme bekennen werden, so tragen sie ihrerseits ein gut Stück dazu bei, für die Bestrebungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft eine neue, begeisterte Generation heranznbilden. Was die einzelnen Aufsätze betrifft, so behandeln dieselben verschiedene, das Judentum betreffende und z. Zt. auch, aktuelle Fragen, wie z. B. der Aufsatz „Staat und Konfession" von Dr. Armin Frisch und „D i e T r e n n u n g des C h r i stc n - t u m s v o in I u d e n t it m" von Dr. B. Edelstein. Letzterer ist ein geschichtlicher Rückblick auf den von der Entstehung des Christentums an über 400 Jahre dauernden Trennungsprozeß der Tochterrcligron von dem Judentum, aus dein sie hervorgegangen. Der Artikel von Dr. Frisch behandelt hinwieder das Verhältnis ' des Staates zur Kirche, besonders in Ansehung des Judentums. Aktuelle Bedeutung erhält dieser Artikel lmrch die gegenwärtig sich vollziehende Trennung von Staat und Kirche in Frankreich. Eine gewisse Aehnlichkeit oder Zusammengehörigkeit läßt sich zwischen den Arbeiten des Dr. I.- Heller „Das Glci chnis v v m echten Ri n ge" und „I ittcr» es saute Beg c gnn n ge n" von F. Lö w y konstatieren. Dr. Heller weist in seiner Arbeit auf Grund des historischen Werkes „Scheinet Jehuda" nach, daß das Gleichnis von den Ringen, das' Lessing von Bocaccio entlehnt hat, von einem Juden (Ephraim Sancho) stammt, der es zum ersten Male am Ende des elften Jahrhunderts dem König Don Pedro von Arragonien gegenüber gebrauchte. Löwy dagegen führt in seine» „Begegnungen" eine größere Anzahl moralischer Sentenzen, Erzählungen und Aussprüche früherer und jetziger Dichter und Denker an, die ohne vom Talmud beeinflußt zu sein, ein Analogon im Talmud oder in der talmudischen Literatur (Midrasch) haben. Ms ein zu begrüßendes Novum in Ungarn kann die Beschäftigung mit der Müteperiode der spanischhebräischen Dichtkunst 'bezeichnet werden. Fm vorliegenden Jahrbuche ist diese Periode mit zwei Arbeiten vertreten. Die eine von Josef Patai enthält eine Anzahl Dichtungen von dem Meister der hebräischen Dichtkunst) Moses Iben Esra, in guter ungarischer Uebersetzung, nebst einigen biographischen Notizen über den Verfasser. Ignaz Gabor hingegen führt uns den von der spanisch-hebräischen Dichtung beeinflußten jüd. Troubadour, den Italiener Manuello in den einzelnen Phasen seines stürmisch bewegten Lebens nebst einigen Gedichten aus diesen verschiedenen Zeiträumen vor Augen.Jn Ansehung des in letzterer Zeit gesteigerten Interesses für das heilige Land 'gewinnen auch die Aufsätze „Meine Reise nach Jerusalem" von Dr. Kclemen- Togaras (vorgetragenam9.Januar im jüdischen Leseverein zu Klausenbnrg) und „Alte Stadtbilder aus Palästina" von Seminarlehrer Dr. S. K r a u s z - B u d a p e st, eine gewisse Aktualität. An weiteren Arbeiten , sind zu nennen, eine Lebensbeschreibung und Würdigung des vor einem Jahre verstorbenen letzten deutschen Predigers der neologen Gemeinde in Budapest- Dr. M. Katserling von seinem Schwiegersohn Dr. Ed. Neum an n in Nagykanizsa. Der Vortrag von Ludwig Blau über den Anteil der Juden an der Kultur und der Schluß 'eines größeren Aufsatzes humorissischen Inhalts unter dem Titel „Alte Tagebücher" von Dr. Agai, Mitteilungen über die traurige Lage der Juden Marokkos von Levison-Fernsalem, nebst einigen Gedichten bilde» den übrigen Inhalt des Jahrbuches. Unter den Gedichten sei das von E r n ö S z 6 p „Z w e i B eitler" besonders erwähnt. ' .F. Vereins-Kalender. Hebräischer Sprachverein „Jvrijo". Sonntag,. nachmittags 3 Uhr, Bleichstraße 21, parterre: Vortrag: »Die Bedeutung der Sprache für die Nation". Verein Montefiore. Mittwoch, den 13. Juni, abends 9 Uhr, Seilerstraße 21 Part., Herr Mfred Berger: „Die Deutschen und ihre Eigenart". Zionistische Bereinigung Frankfurt a. M. Dienstag, den 12. Juni, abends 9 Uhr> im^Kursaal Milani. Tages-Ordnnng: Bericht über den Delcgiertentag "in Hannover. Gäste willkommen. - . fernste Oe/ß Salat &. %aionnaisf psr Flasche 90 Pf, ohne Glas. Savita - Tafelöl — .patentamtlich geschützt — ist von Autoritäten glänzend begutachtet. Zimmerweg 3. Telefon 1130. Prompter Versand nach Auswirts. aller Sorten Obst, Gemüse, Südfrüchten, Aepfel, grosser Auswahl. Citronen, Orangen in Heinrich Hoch, Obsthalle, Am Peterstor 2. Rasier-, frisier- und jtaarsehneide-Salöns :; Wilhelm Heiner, jörneplätz 3. Parfümerien. Anfertigung Ton Haararbeiten, Zwicken, Massieren und Hühneraugeaschneiden;in und aussex AemMkWe.

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