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Neue jüdische Presse · 1906-06-08 · Heft 22 (8.6.1906) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 22 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage za Nr. 22 des ♦ Inhalt der Beilage: Artikel: Die Duma und die Juden. — Personalien. — Moses Mirsky. — ZAus den Vereinen. — Aus der Lehr erwelt. — Aus derzionistischenBewegung. — Kunstund Literatur.—V er e ins - K a lend er. Die Duma und die Juden. Der erste Zusammenstoß zwischen Biircaukratie und Gewählten des Volkes hat stattgefnndc»; auf die Adresse der Duma an den Zaren antwortete das Ministerium. Die Bnreankratie hat gesprochen und wie häßlich die Sprache! „Nitzewo njet" »Absolut nichts!) .... das ist das große Programm des großen Goremykin . . . weder Amnestie, noch Freiheit, noch Land verspricht der weise Staatsmann seinem Volke, sondern Repressalien nach dem bisherigen Muster. V o r e r st, meint der kluge Minimstermust O r d » u n g im Lande einzichen und nachher Recht; während der dümmste Mnschik weiß, daß das beständige Terror die Folge der Rechtsl o f i g k e i t ist. WaS da der weise Herr zu hören bekommen hat, spottet jeder Beschreibung; der ganze -Zorn und Ingrimm des Volkes wurde auf sein reaktionäres Haupt ansgeschüttet. Die Duma, auch der Führer der Rechten, Graf Heiden, haben seinem Ministerium ein Mißtrauensvotum ausgesprochen und seinen Abzug kategorisch verlangt. Allein ein russischer Minister braucht kein Vertrauen des Volkcs solange die Magaika das einzige r e ch t s g e b o - tene Gesetz des 2 taates ist . . lind was min? Die Situation ist derart: Ans der einen Seite die isolierte Negierung, die hinter sich gar "keine Parte« bot und nur noch über .die mechanische Organisation der physischen Gewalt, die polizeiliche Demoralisation, das schwarze Hundert, die Pogrome, die bestechlichen Beamten und die Mörder verfügt. Auf der anderen Seite aber das ganze Volk, das zum Kampf entschlossen ist. Die Regierung verschcnizt sich hinter den Zaren und so wird der letzte Rest von Vertrauen zum Monarchen dem Volke genommen. Die Spannung zwischen Duma und Regierung wächst von Tag zu Tag, ein Fortbestehen dieses Zustandes ist für die. Dauer nicht denkbar. Jeder will die.Initiative des endgiltigcn Bruches dem Gegner überlassen. Die .Regierung würde sich vielleicht auf ihre Kanonen verlassen und die Duma auseinander gesagt haben, aber das Ausland, wie man sagt, betont seine Anleihe-Bedingung: Das Manifest vom 17. Oktober zu halten. Vielleicht hängt die Reise Wittes nach dem Ausland damit zusammen, sich zu vergewissern, ob nicht bei einem völligen Bruch mit der Duma sich die Geldschränke für die russische Regierung zuschließcn würden und bannt das russische Volk wiederum auf die Einsicht des W e st e n s angewiesen ist. Was. unscre russischen Brüder betrifft, so sind noch viel größere Pogrome-als bisher zu erwarten, sobald eine Revolution ausbricht. Trepow trifft alle nötigen Vorkehrungen zum Pogrom, bereits jetzt hört man Ailgstruse ans mancher.jüdische,i Stadt,, die Zeichen -des nahe./bevorstehenden Pogroms häufen sich, vielleichtnur blosies Eiilschnchtcrn . . . 'Die nächsten Tage sägen es »«s. S—n. :; Personalien. Bcrlip. St e r b efall. Am 1. dss. Mts. verschied hier Herr- Leopold Aron, der als Vorsteher der Altcrsbersorguygsanstalt, als Mitglied der Kommission für. Fricdhofsangelcgenheiten, der Armen-Konl- 'iiissiost üM rege» jilnteil/än .den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde genommen hat. . Mosrs ltifrslty. Au Babels Strömen einst verschloß der Trcnnnngsschmerz Inda den liederreichen Mund und des Eroberers Sehnsucht nach dem Liede Zions, blieb ungestillt. Israels vielgerühmte Sangesknnst ging aber auch in den 'harten Zeiten des Gvlusgeschicks iiicht ganz verloren und selbst Könige von Polen wußten sich keine reicheren Genüsse zu verschaffen, als den Sabbatliederir ihrer jüdischen Untertanen zu tauschen. Daß auch in linsere grobmateriellc Zeit hinein »och der Nachhall dieser altjüdischen Sangesknnst erklingt — wer wollte das leugnen! Tie ganze Erhabenheit, die herzdurchzitternde Schönheit der a.'ten jüd. Weisen aber, die scheint dahingcschwnnten. Und doch kiweinu, umipnei ch a t o e i n n — Ai ose s Al i r s k y hat geendet! Tie zarten Händchen sinken. wieder zur Untätigkeit zurück, ein kindliches Lächeln, beseligt von dem nicht endenwollendcn Beifallssturm, grüßt die Zuhörer. Lied aus Lied, Weise auf Weise läßt dieser Kindermund erschalle», von den L ynagogengesäng e n gehl er mit spielender Leichtigkeit zu Kompositionen von Ru bin stein, Beethoven mir d M o z a r t über und auch in diesen Bravourstücken der Meister des Tenors entzückt die glockenhelle jknabcnstiinme des Hörers Herz. Das ist keine angelernte Künstelei. Diesem Kinde M-U. sie lebt! Sie lebt und zwingt die Gemüter mit .Herrschergewalt in ihren Bann und der sie meistert — i st ein jüdisches Kind! M o s e s M i r s k y, ein l L j ä h r i g e r K n a b e, ist es, der durch sein heutiges Ko nze rt im Saale des D r. H o ch' s ch c n K o n s e r v a t o - r k u m s solche Gedankengänge in uns auszulösen wußte. Ein mutwilliges Kind betritt das Podium. Ta mit einennnale geht ein Ruck durch die kleine Gestalt. Ist das noch der Knabe, den wir so gerne «ruf dem Spielplatz mit gleichaltrigen Kameraden sehen möchten? Nein! Schon schwingt sich Ton auf Ton aus dieser kleinen Brust dmpor! So rein, so klar, so schmelzend! Es ist der Schlag der 'Nachtigall, 'es ist .des Kukuks Lockruf, es ist der Lerche trillerndes Lied — da, Fanfaren tönen drein — die Taube girrt — und ein Menscheumund erstirbt in langem Flehn! Da steht ein Greis im Silberhaar, er kennt die Schmerzen des Lebens, es zuckt in seinen Pulsen, es rast in seinem Hirn. Ans gramverzehrtcm Kummer richtet er sich ans! Zum Firmamente schweift sein Auge, das Kindesange zum Vaterblick! Haschist Singe» ein innerer Drang und wenn auch Schulung der Stimme eine gewisse Reife verliehen hat, nird ihr auch künftig die abgerundete Vollendung geben kau», das Zusammenwirken von Stimmaterial und 'Auffassungsbegabung, welches den dieser Zauberkehle entsteigenden Toneffckt erzeugt, ist eine natürliche, elementare Begabung des jungen Künstlers. In Holland wurde Moses Mirsky mit den ehrendsten Auszeichnungen bedacht, so besitzt er die golde.ne Medailte des Mnsikvereins in Ainst eir d a m, in seiner Heimat England ist s e i n N a m e s p r ichwörtli ch geworden. Für Deutschland gab er soeben sein erstes Konzert und es ist sicher, daß er bei eineni ferneren Auftreten vor einem größercn Kreise die gesangliebenden Massen, ebenso fiir seine Kunst begeistern wird, wie er uns heute zu huldigender 'Anerkennung zu zwingen verstand. Möge i h in ein gütiges Geschick die Wege zu ruhmvoller Laufbahn ebnen und ihn d c m I ic d e n t u in z u S t o l z u n d Z i e r h e r a n - wachsen lassen! Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Montefiore-Verein. „Die Tendenzen des „Montesiore'-Vereins", so lautete das Thema des ersten diesjährigen. DiskussionS- .Abend am . Mittwoch,, den 6. d. Mts. Ter ungemein starke Besuch desselbenbewies, wie lebhaft das Interesse :besonders der jüngeren Mitglieder durch die Einrichtuirg dieser Vorträge -geweckt wurde., Der Referent, Herb Tr. L äf f l e r /zweiter Vorsitzender des Vereins,- zeichnete mit. kurzen, klaren Strichen die. Wege und Ziele, vor und erntete den wärmsten Beifall für. seine formvollendeten. Äusführungen. ''An der nachsolgenten Diskussion beteiligten sich eine ganze Reihe von Mitgliedern. Am Schlüsse des Abends fand dann noch die Gratis-Berlosung einer Lsirzahl.Theaterkarten für das . hiesige Schauspielhaus statt, - »Fürth. Vereins-Gründung.. Nach zwei längen Bcratungsabenden wurde hier ein Verein zur Förder uit g j ü disch - ges e.tze s treue n .Lebens konstituiert, dein sofort 50 Mitglieder beiträten. Der Verein stellt 'sich, zur. Aufgabe, .die von der Kultüsgemeinde. geführten. .Institutionen auszu-. bauen, gleichzeitig, aber, bei-der Gemeinde für Instandhaltung ihrer .Institutionen, cinzntreten,. Aus der Lehrerwett. Kaschau (Ungarn). S t e r b e f a l l. An der Schwelle des OsfenbarungssesteS ist ein Mann ab- . berufen worden, mit dessen Hinscheiden die Orthodoxie Ungarns einen schweren Verlust erleidet. Unser Rabbiner, Rabbi Moses Jungreiß, dessen hervorragende Frömmigkeit und Gelehrsamkeit ihn zu einem Führer in Israel machte, ist nicht mehr! Was er war, zeigte seine Ueberführung zur letzten Ruhestätte, Tausende, darunter Dutzende von Rabbinern aus allen Teilen Ungarns, folgten seiner Bahre. Ans der zionistische« Bewegung. Hannover. Der IV.Delegiertentag der Zionistischen Bereinigung fnr Dentschtand Glänzend war das äußere Gepräge des 10. Detegiertentaaes. Die Hannoversche Ortsgruppe hatte in einer Weise alles arrangiert, daß ihr der aufrichtigste Dank und Anerkennung für ihre Leistungen gebührt. Montag Abend fand ein Lichtbrlder-Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Löwe-Berlin über Palästina. statt, demselben schloß sich ein Kommers und

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