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Neue jüdische Presse · 1906-05-18 · Heft 19 (18.5.1906) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 19 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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'! Nr. 19. Bunte Chronik. Die Zukunft Palästinas. Oberst Cander, der wiederholt in Palästina geweilt, an der kartographischen Aufnahme desselben und an der Herstellung der meisterhasten Karte des Wesh'ordanlandes, welche, wir dem Palestine Exploration Fund danken, hervorragenden Anteil genommen hat. und seit länger als einem Menschcnalter sich der Palästinaforschung erfolgreich widmet, hat in London in einer zionistischen Versammlung seine Ansichten über die Zukunst Palästinas dargelegt. Wir entnehmen ans dem Vortrage des christlichen Redners folgende Stellen: „Sie wissen alle, daß Palästina ein sehr kleines Land ist, nicht größer als Wales, und daß ein gewöhnlicher Schnellzug von Tan bis Beerscheba etwa drei Stunden brauchen wurde. Es umfaßt nur 6000 Quadratmeilen (zirka 15,6 Quadratkilometer) westlich, 4000 Qüadratmeilen (zirka 10,1 Quadratkilometer) östlich, des Jordans, 4000 Quadratnreilen in Syrien und im Libanon-Gebiet. Das sind unbestreitbare, unbestrittene Tatsachen; aber Palästina ist nicht kleiner geworden; es hat heute genau denselben Umfang, wie in jenen Tagen, wo es von einer großen Bevölkerung Ihrer Väter bewohnt war. Augenblicklich ist seine Bevölkerung nur sehr gering: etwa 600000 Seelen Im Lande, respektive 1000000, wenn man Syrien im Norden hinznrcchuet. Bei meinen Besichtigungen des ganzen Landes und der Untersuchung der alten Ruinenstädtc schätzte ich die Bevölkerung in jenen Tagen des 'Gedeihens auf mindestens 10000000 Seelen mehr, als gegenwärtig. Ich bin den verschiedenartigen Ansichten über Palästina begegnet. Die einen meinen, es besteht nur aus Sand und Palmenbänmen, andere, es seien nichts als Steine vorhanden. Wenn diese Leute im Herbst nach Palästina gegangen sind und Jerusalem und Hebron besuchten, dann haben sie Palästina von Frankfurter JsrckeMsches Familienblatt. seiner schlechtesten Seite kennen gelernt und den unfreundlichsten Teil des ganzen - Landes besichtigt. Wären sie aber im iApril oder März dorthin gereist, dann hätten sie ein völlig verschiedenes Palästina vorgefunden; in dieser Jahreszeit ist die ganze^Ebene von Saron init Gras und den sogenannten Saronrosen, Narzissen, rotem Fingerhut, Federnelken usw. bedeckt, und wenn sie das Jvrdanthal auswärts gepilgert oder im Osten das Gilead-Gebirge hinangcstiegen wären, dann würden sie einen ganz anderen Eindruck von den landschaftlichen Schönheiten Palästinas gewonnen haben. Sie waren in England an grüne Felder und Hecken gewöhnt und dachten, jedes Land mit Felsenbildung fei unfruchtbar. Sizilien und Griechenland waren ebenso felsig und sahen ebenso unfruchtbar aus, wie Palästina; aber man konnte ihnen gegenüber nicht dieselben Einwändc erheben, wie in den ersten Tagen der zionistischen Bewegung, wo ausdrücklich betont wurde, Palästina sei unbewohnbar. DergroßartigeErsolgder palästinischen Kolonien ließ erkennen, daß dieses Land von einer beträchtlichen, ackerbautreibenden Bevölkerung bewohnt werden kann. „Meine Ansicht über die Zukunft Palästinas ist bekannt. 'Angesichts der Tatsache, daß die das Heilige Land umgebenden Nationen, Egypten, die Türkei und Europa, allesamt den Wunsch haben, dasselbe zu besitzen, wird, wie ich glaube, keine derselben einwillige», es irgend einer Macht zu überlassen. Somit bleibe kein anderer Weg übrig, als Palästina zu neutralisieren, und die beste Neutralisierung würde in der Rückgabe an seine rechtmäßigen Besitzer, an die Juden, bestehen. 'Ans diesem Grunde habe ich die zionistische Bewegung stets begünstigt. Es wurde von dein „unveränderlichen" Osten gesprochen, und doch ist im Oste;' alles in ewigem Wechsel. Es ist wahr: die Türken haben bisher keine Anstalten gemacht, abzuziehep und sie werden sich der Bildung eines neutralen Staates oder der Errichtung einer jüdischen Hcim- Seite 11. stätte im Lande »übersetzen. Aber es muß daran erinnert werden, daß nichts so hoffnungslos aussah, als die babylonische Gefangenschaft, ehe sie ihr Ende erreichte. Die Türken hatten versucht, dem allinählichen Eindringen europäischer Zivilisation Widerstand entgegenzusetzen, aber das gelang ihnen nicht und jetzt sind sie selbst gezwungen, Eisenbahnen zu baue», und das Projekt einer Eisenbahn nach Akabah, an der Mündung des __ gleichnamigen Meerbusens, ist in dieser Hinsicht besonders interessant. Diese Anzeichen eines bei den Türken sich geltend machenden Fortschrittes erledigen die eine der gegen den Zionismus erhobenen Einwendungen. Ein anderer Eknwand, aus den bereits hingewiesen wurde, bezog sich auf den Umfang Palästinas. Wenn man bedenkt, daß es früher eine Bevölkerung von zehn Millionen ernährt hat, so ist es absurd, arxzunehmen, daß Palästina, weil es jetzt bereits beinahe eine Million ernährt, nicht noch eine fernere Million ernäheren könnte. Ich habe das Wachstum des Zionismus während langer Jahre verfolgt und viele Jahre dürften noch vergehen, ehe dessen Ideale sich verwirklichen werden. 'Aber wenn eine Bewegung eine Wirklichkeit in der Zukunft sein soll, dann muß diese Bewegung auf Wirklichkeiten in der Vergangenheit gegründet sein, und Palästina ist die einzige wirkliche Heimat des jüdischen Volkes; an Palästina und an kein anderes Land unter der Sonne sind seine nationalen Erinnerungen für immerdar geknüpft." Verein Aionleßore, Seitersteasse 22 pri. Verei ns - Localitiiten geöffnet täglich von 12—3 und 6—11 Uhr. Samstag und Sonntag den ganzen Tag. * Frieda*. Nicolaus, Schuhmacher Telefon 5080. Ulmenstrasse I, Ecke Rüsterstrasse, empfiehlt sich in Anfeitignng feiner H6FF611- U. DSMienSttetel. 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