Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 16 (27.4.1906)
- Date
- 1906-04-27
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1". Frankfurter JfraelttffcheS Favniiendtan. ->li- 16 hatten eine Anzahl Herren, die diesmal nicht anwesend sein tonnten, schriftlich ihr Einverständnis erklärt. Als Ergebnis der Beratung sei erwähnt: Alle 14 Tage soll der Schinr in Nürnberg im Vereins- Hanse der Adas-Israel (Essenweinstraße 7)_ stattfinden, das nächste Mal am 6. Mai, mit der Tagesordnung: 1 Stunde Mischnajis: Mas. Jebomaus (Referent: Herr Ellinger in Fürth), 1 Stunde Gemoro: Mas. Schabbos (Referent: Herr Tr. Weinberg in Sulzbürg), 1 Stunde Pausek: Orach chajim mit Mögen Awrohoni von vorne (Referent: Herr Gutmann in Fürth), 1 Stunde: 1) Muser, 2) Binoh loitini, 3) Troschoh, über Aumer (Referent: Herr Oppenheimer in Sulzbürg). Zuni Schlüsse wurde seitens der Versammlung Herrn Oppenheimer noch warmer Tank gesagt dafür, das; er endlich eine Idee zur Ausführung gebracht hat, die seit Jahren die bahr. Lehrerschaft beschäftigt und in anderen Bezirken schon lange verwirklicht werden konnte. Besonders sei noch betont, .baß sich die Versammlung einhellig bereit erklärt hat, für ein solches „Lernen" gerne materielle Opfer aus eigenen Mitteln zu leisten, was schon aus dem Entschlüsse zu erkennen ist, so oft als nur möglich das ,Lernen" stattfindcn zu lassen. Berlin. Von den Zöglingen der preußischen Zehrerseminare waren .621 evangelisch, 731 katholisch und 16 jüdisch:. unter den 16 604 Schükern der staatlichen Präparandenschulen befand sich nur 1 Jude. Breslau. Am 24. dss. Mts. feierte Herr Rabbiner Dr. M. S. Znckcrmandel, seit 1898 Stiftsrabbiner der Mora-Sal.-Leipziger-Stiftung (als Nachfolger des angesehenen Lexikographen'Prof. Lewy), feinen 70. Geburtstag. Der Jubilar ist in Ungar- Brod (Mähren) als Sohn des Rabbinats-Assessors Samson Zuckcrmairdel geboren, besuchte die Jcschiwoh des berühmten Rabbiners Salomon Quetsch in Letpnik, dann das G.ymnasinm in Mckolsburg, wo der damalige mährische Landesrabbincr und spätere Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch fein Lehrer war, und dann das jüdisch-theologische Seminar in Breslau. Er war, ehe er seine hiesige Stelle übernahm, Rabbiner in Gnesen, Märk.-Friedkand, Pasewalk, Fries üird Pleschen. Der Jubilar ist ein hervorragender Talmudist und hat die jüdische Wissenschaft mit einer Anzahl Schriften bereichert. Schwerin i. Meckl. Dr. F e i l ch e n f e l d. der Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin, hat zu seinem 50jährigen Toktorjubiläum vom Großherzog von' Mecklenburg-Schwerin die Große Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten. Aus de« Vereinen. Fraitkfurt a. M. Nächsten Montag Abend 7 Uhr findet in der Frankfurt-Loge die Generalversammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur statt. Frankfurt a. M. Montefiore-Berein. Nach stattgehabter Konstituierung setzt sich der Vorstand des „Montefiore"-Vercins nunmehr wie folgt zusammen: 1, Vorsitzender: Herr Felix Meyer, 2. Vorsitzender: Herr Tr. med. Gustav Löffler, 1. Schriftführer: Herr Sally Spangenthal, 2. Schriftführer: Herr Paul Kornblum, 1. Kassier: Herr Willy Mainz, 2. Kassier: Herr Henri Ettinger, Bibliothekar: Herr Alfred Berger, Beisitzer die Herren Max^Frenkel, Selmar Geis, F. Mayer, Sigmund Singer. Infolge der guten Erfolge, welche in den letzten Jahren mit der Einrichtung von Spezial- Ausschüssen erzielt wurden, hat der Vorstand beschlossen, auch in diescur Jahr wiederum verschiedene Komitees einzuberufcn. Unter Heranziehung zahlreicher Mitglieder werden folgende Ausschüsse gebildet : 1. Ausschuß für geistige Interessen, 2 Ausschuß für gesellige Zwecke, 3. Ausschuß für Propaganda-Zwecke, 4. Ausschuß für Vergrößerung . der Bibliothek, 5. Ausschuß für Hausverwaltung. Tie Tätigkeit dieser Ausschüsse wird bereits demnächst beginnen, und cs ist daher begründete Aussicht vorhanden, daß der „Montefiore"-Vcrein mit einem ausgezeichneten Arbeitsprogramm an die Oeffentlichkeit treten wird. Für den Sommer sind auch verschiedene Neuerungen geplant, cs wird den Mitgliedern diesbezügliche Mitteilung demnächst zugehen. _ Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Zur Steuer der Wahrheit. (Schluß). . An meine Ausführungen in der letzten Numincr d- Bl. hat der Redakteur der „Jüdischen Rundschau", Herr Tr. Heinrich Loewc, einen längeren Artikel angeschlosseiy dem er die Ueberschrist „Entgegnung" egeben hat. Merkwürdigerweise! Tenn er entladet arin seinen Zorn, teils direkt, teils in dunklen Anspielungen,' auf alle möglichen Tinge und Menschen, die ihn jemals geärgert haben. Nur für eins hat er in dem über 100 Zeilen langen Aufsatz keinen Platz gesunden, nämlich für die in seiner Ueberschrist verheißene „Entgegnung" auf meinen sachlichen und sachlich begründeten Borwurf. Es ist nun ein in Volksversammlungen und wohl auch in Zeitungspolcmiken häufig angewandter Kunstgriff, durch nicht zur Sache gehörige Bor- und Einwürfe eine unbequeme Erörterung auf ein anderes Gebiet überzuspielcn. Wenn ich mich also dadurch verleiten ließe, auf diese nicht zur Sache gehörigen Tinge eiuzugehen, so hätte die Rundschau damit erreicht, die Leser von der Hauptsache abzulenken. Deswegen ist es notwendig, die Tiskussion auf das richtige Thema zurückzuführen: Mein Vorwurf ging dahin, daß die Rundschau einen ungünstigen Bericht des Gouverneurs vonUlganda über dieses ungesunde und für arbeitende Europäer nicht geeignete tropische Tiefland mittelst einer Verwechselnug benutzt habe, um das nach allen Berichten durchaus gemäßigte und gesunde Klima des Hochlandes von Ostafrika der Oeffentlichkeit als verderblich für Europäer hinzustellen; daß ferner diese seitens der Rundschau vorgeuommenc Verwechselung der beiden Gebiete „Uganda" nnd „Britisch- Ostafrika" deswegen nicht leichthin entschuldbar wäre, weil der Unterschied unzähligemal hervorgehoben worden sei und sogar in dem von ihr selbst zitierten Bericht des Gouverneurs Sadler zum Ausdruck komme. Auf diesen Vorwurf hat Herr Tr. Locive nichts geantwortet, darüber können sich alle wirr durchcinandersprudelnden, zusammenhanglosen Jnvektiven gegen alle möglichen Persönlichkeiten — ich vermag nur teilweise zu erraten, welche Personen und Vorgänge gemeint sind — nicht hinwegtäuschcn. Wenn die „Entgegnung" der Rundschau sagt: „Der Zweck der in der „Jüdischen Rundschau" abgedruckten Notiz aus dem Bericht des englischen Gouverneurs war lediglich der, einsichtigen Lesern zu zeigen, wie die Machenschaften zu beurteilen sind, die sich gegen die Objektivität der nach Ostasrika entsandten „Zionistischen Forschungsexpedition richteten", so ist das ja für „einsichtige Äser" nur eine Wiederholung und Bestätigung dessen, was ich gesagt hatte! Trenn sowohl ist meiner, als auch in der soeben zitierten Acußcrung der Rundschau ist nichts anderes gesagt, als daß Herr Dr. Loewe einen ungünstigen Bericht über das Klima von „Uganda" benutzt habe, um ein .Urteil über das Klima von „Ostafrika" zu fällen. Tie Logik, mit der diese Bestätigung als „Entgegnung" bezeichnet wird, dürfte wohl jedem außer der Redaktion der Jüdischen Rundschau unergründlich bleiben. Nachdem diese Hauptsache erledigt ist, mag es mir erlaubt sein, aus einige der zahlreichen Juvcktivcn, soweit sie sich gegen mich zu richten scheinen, kurz einzugehen. Herr Tr. Loewc berichtet, daß man der zionistischen Expeditton Unwahrheit, Tcndenzmacherei usw. vorgeworfen habe. Wenn er unter diesem „man", wie ich vermute, trotz der ironisch verneinenden Form auch mich, gemeint wissen will, so erkläre ich, daß niemand ein Recht hat, den Bericht der Expedition als einheitliches Ganzes zu behandeln. Gegen das Mitglied. Herrn Wilbnschewicz, spreche ich den Vorwurf der voreingenommenen Berichterstattung hiermit ausdrücklich aus und behaupte ferner, daß er eine Aufgabe übernommen habe, der er weder theoretisch noch praktisch gewachsen gewesen ist. Falls man diese jederzeit frei und offen kundgegebenc Meinung als „Machenschaften" bezeichnen will, befinde ich mich als Objekt dieses Vorwurfs in guter Gesellschaft. Tamit die Leser selbst prüfen können, mag hier folgen, wie der sachverständige Leiter dieser „einheitlichen" Expedition, Major Gibbons, sich über den Bericht des Herrn Wilbuschewicz ausspricht: „Tas Studium von Herrn Wilbuschcwiczs Bericht hintcrläßt den Eindruck der äußerste» Eitttäuschung. Ein junger Mann, der zum ersten Male eine Lehrzeit in Afrika durchmacht, kehrt nach kurzein Aufenthalt von 6 Wochen zurück und läßt sich mit überlegenem Selbstvertrauen nicht nur über die Tinge aus, die im Felde seiner eigenen beschränkten Erfahrung liegen, sondern auch über solche, die außerhalb des Bereiches seines Wiffens liegen. Ich kann diesen Bericht am besten als das Resultat der unreifen Schlußfolgerungen, die aus einer sehr beschränkten nnd wenig methodischen Erfahrung hervorgehen, beschreiben, und kann denselben einer ernstlichen Betrachtung nicht empfehlen." Im Anschluß hieran widerlegt Major Gibbons Schritt für Schritt einen Teil der zahlreichen unzutreffenden Angaben und Schlußfolgerungen des Herrn Wilbuschewicz, bis er zuletzt resigniert damit abbricht. Es ist natürlich unmöglich, das alles hier wiederzugeben. Nur einen Satz möchte ich noch zitiere», weil er sich gerade auf die dem Herrn W. ursprünglich allein übertragene Aufgabe, Untersuchung der Wasservcrhältnisse, bezieht. Bekanntlich ist Herrn W. auch von einem Aktiouskomitccmitglied, dem niemand wissenschaftliche Bedeutung und sachliches, vorsichtiges Urteil absprechcn wird, der Vorwurf gemacht worden, er habe diese seine Aufgabe überschritten und über Tinge mitgeurteilt, denen er nicht gewachsen sei. Hören wir also, wie Major Gibbons über den Wassersachvcrstänbigen, Herrn Wilbuschewicz, spricht: „Alles scheint vom Gesichtspunkt des Sohnes eines russischen Gutsbesitzers - angesehen. worden zu sein. Ter Verfasser scheint auf eincin Plateau, das 6—9000 Fuß über dem Meeresspiegel liegt, eine Wolga oder Donau erwartet und alles nach dem Maßstabe eines kultivierten Landes gemessen zu haben." Major Gibbons, als. alter Afrikaner, sicht die Aussichten sür eine jüdische Besiedelung bei genügender Geldaufwendung durchaus nicht ungünstig an, doch will ich darüber mit Herrn Dr. Loewe nicht diskutieren, sondern beabsichtige, diese Frage an dieser oder an einer anderen Stelle in einer ausführlichen Arbeit zu erörtern. Mer in dem von Herrn Tr. Loewe benutzten Sadlerschen Bericht und in meiner ersten Zuschrift au den „General-Anzeiger" war davon auch gar keine Rede, sondern nur von dem Klima nnd der Möglichkeit sür Europäer vom gesundheitlichen Standpunkt, dort zu leben nnd zu arbeiten. Taher hat Herr, Dr. Loewe auch in diesem Punkte das Thema bersch'oben, indem er als den „Schlußsatz des ganzen Buches" zitierte: „Zum Schluß muß ich bemerke», daß ich dieses zuletzt entworfene Bild als das 'allzu optimisttsche ansche, denn nur etwas kritischer mich verhaltend, müßte ich sagen: „Wo nichts ist, ist nichts zu machen!" '— Dieser Satz ist. nicht — oder nur rein äußerlich durch den Zufall der Stoffgruppierung — der Schlußsatz des ganzen Buches, sondern nur der Schlußsatz des Einzelberichtes des Herrn Wilbuschewicz. Außerdem bezieht er sich an der Stelle, an der er steht, nicht einmal auf das Gesamtergebnis der Forschung des Herrn W., sondern nur auf eine engbegrenztc Spezialfrage, nämlich, auf die Möglichkeit einer Milchwirtschaft, wen» er auch auf die Ansicht des Herrn W. über das Gesamtergebnis paßt. Wenn Herr Tr. Loewe diesen Satz nun als Schlußsatz des ganzen Berichtes zitiert, um ihn in den Augen der Leser als das zusammenfassendc Gesainturteil der ganze» Expedition erscheinen zu lassen, so mögen die Leser des „Generalanzeigers" beurteilen, wie trefflich es Herrn Tr. Loewe zu Gesichte steht, wenn er anderen Leuten den übrigens durchaus unzutreffenden Vorwurf macht, daß sie „durch teilweises Abdrucken einen ihnen vielleicht bequemeren Sinn hineinlegen." Um den Raum dieses Blattes und die Freundlichkeit seiner Redaktion nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen, will ich auf die verschiedenen persönkicheu Angriffe des Herrn Tr. Loewc nicht eingchen, insbesondere werden wohl meine engeren Gesinnungsgenossen, ebenso wie ich selbst, gern darauf verzichten, sich, mit Herrn Tr. L. über den Begriff eines „guten Zionisten" zu verständigen. Wir halten uns für die besseren Zionisten, >veil ivir mutatis mutandis ein wenig so denken und fühlen wie Heinrich Heine in Paris, der sich danach sehnt, sei» altes Mütterchen in Tcutschland noch einmal zu scheu: „Deutschland hat ewigen Bestand, Es ist ein kerngesundes Land, Allein die alte Frau kann sterben." — Palästina und unsere unverjährbarcn Rechte darauf haben ewigen Bestand, und die Entwicklung der internationalen politischen Machtverhältnisse wird es uns einst als reife Frucht zufallen lassen,- aber dich jüdische Volk kann sterben, es stirbt jeden Tag und jede Stunde, und deswegen können ivir uns nicht, bei der Scheintätigkeit unzulänglicher Ideologen beruhigen. Wer auf einen Vorwurf muß ich noch, besonders mit Rücksicht auf den zionistischen Teil der Leser dieses Blattes, eiugehen. Herr Dr. Loewe macht mir zum Vorwurf, daß ich meine Kritik nicht in einer zionistischen Zeitung veröffentlicht habe. Es wäre ja i n der Tat das Natürlichste, die Rundschau selbst für diesen Zweck in Anspruch zu nehnlen. Aber schon aus dem Tone, in dem die „Entgegnung" der Jüdischen Rundschau gehalten ist, werden die Leser einen Begriff davon erhalten haben, weshalb es für jemanden, der etwas auf sich hält, allmählich, unmöglich geworden ist, mit einer gegen die Redaktion gerichteten, wenn auch noch so sachlich gehaltenen Kritik an die Rundschau heranzutrcten. Bildet doch der Ton der „Jüdischen Rundschau", insbesondere mich der willkürlichen Zusätze und Einschicbnngcn, seit langem den Gegenstand beständiger Beschwerden aus allen Teilen Teutschlauds, sodaß ein großer Teil der Korrespondenten zu der Ueberzengung gelangt ist, daß der Preßausschuß sie gegen die beständigen Gehässigkeiten und Texteutstellungen des Redakteurs nicht schützen kann. Herr Dr. Loewe sieht fortwährend Angriffe auf seine politische Ueberzengung und versteht nicht, daß mau nur gegen seinen Ton protestiert, der es wohlerzogenen Leuten unmöglich macht, mit der „Jüdischen Rundschau" Beziehungen zu unterhalten. Da in der „Entgegnung" des Herrn Dr. Loewe auch eine Bcinerkung über Posen cnthakien ist, so mag von vielen. Beispielen das eine hier erwähnt werden. Herr Dr. Jeremias in Posen hat der „Jüdischen Rundschau" über den ersten Poscner Tistriktstag einen Bericht cingcsandt, in dein der Redakteur eine Einschicbung machte, worin gesagt war, baß Herr Dr. Loewe aus Berlin in Posen „gegen die Uebergriffc des Tcrritorialismus" gesprochen habe. Drotzdem ließ Herr Dr. Loewe das „F." unter dem Berichte stehen, sodaß es den Anschein hatte, als stammten auch diese Worte ans der Feder des Herrn Dr. Jeremias. 4tun wird Niemand einem Nedaktenr das Recht bestreiten, Berichte nach redaktionellen Gesichtspunkten in Einzelheiten zu ändern. Wenn er aber, wie hier, durch Einschiebung den Sinn zu seinen Gunsten, nicht als Redakteur, sondern als Pqrteimann, verändert, so hat er die Anstandspflicht, die Unterschrift des Korrespondentender in dieser Sache sein Gegner ist, — Tr. I. ist Dtttglied dev Jto und durch diesen scheinbar von ihm stammendem Bericht natürlich "in eine peinliche Lage-gebracht