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Neue jüdische Presse · 1906-04-20 · Heft 15 (20.4.1906) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 15 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Frankfurter JsraelttiMes Faunlienblatt. Nr. 15 Kauen — Flossen und Schuppen.) Bei den Vögeln sind Zeichen nicht angegeben, nur 24 verbotene Arten aufgezählt; alle andern dürfen wir essen. Da wir jedoch die 24 Vogelnamen nicht genau übersetzen, die Arten also nicht bestimmen können, dürfen wir nur die wenigen, uns herkömmlich' bekannten Vogelarte» genießen (Hühner, Tauben usw.). Die jüdischen Speisegesetzv gehören zu den „C h u k k i n", d. h. zu jenen Gesetzen, deren Grund menschliche Weisheit höchstens vermuten kann. Cs genüge uns der eine Grund, den die Thora selbst angibt: Ihr w e r d c t d n r ch diese Verordnungen heilig. Gott allein kennt den wunderbaren Zusammenhang zwischen Körper und 'Seele, er kennt daher die der Heiligung der Seele am zuträglichsten Spcisearten. — Freuen wir uns, wenn wir auch den Grund jener Gesetze nicht kennen, daß die Wissenschaft wenigstens den gesundheitlichen Erfolg an vielen Tatsachen konstatiert. (Zur jetzigen Jahreszeit sei Üuf das „Belesen" grüner Gemüse besonders hingewiesen, um den Gekniß von Kriechtierchen zu vermeiden. Bei, einem Vortrag über die kleinsten Lebewesen (Bazillen usw.) bezeichnete ein Professor in Halle vor 2 Jahren die Kriechtiere als Erreger des „Krebses".) — Eingangs der Sidra hören wir von dem Tode beider Söhne Ahrons bei der Stiftshütten-Wache. Sie hatten unheiliges Feuer hiueingebracht. Die Seelengröße und Gottcrgebcnheit Ahrons zeigte sich, als man ihm das furchtbar tragische Ereignis mitteilte: er schwieg! — Neumondsweihe für Nausch-chaudesch Jjor. Stets zwei Tage Rosch ch. (Mittwoch' und - Donnerstag.) Das Omerzählen bildet eine Drücke zwischen dem- Pesach- und dem Schovuausfeste. Wir verbinden das Fest unserer körperliche» Befreiung mit dem' unserer geistigen Erlösung (Gesetzgebung). Nur deshalb wurden wir aus der egyptischen Sklaverei erlöst, um die Thora am Sinai zu empfangen. So findet Pesach erst durch Schovuaus' seine Weihe und Vollendung. ' Die Omerzeit trägt einen traurigen Anstrich. Hochzeiten unterbleiben, Lustbarkeiten sind zu beschränken, Haar- und Bartabnehmen gleichfalls, ausgenommen einige Tage. Grund: Zur Zeit des großen Meisters Akiba wütete eine Pest, die die meisten seiner Schüler hinwegraffte; das Lehrhaus' war verödet, die Thora ihrer lebendigen Stützen beraubt. Am 3 3. Omcrtag (18. Jj ar) setzte das' Sterben aus. Dieser Tag daher Freudentag; Hochzeiten usw. gestattet. Auch erinnert die Ömerzeit an die furchtbaren Leiden, welche z. Zt. der Krcuzzüge besonders über unsere Vorfahren hcrcinbrachcn, beispielsweise in Frankreich, am Rhein usw. In vielen Gegenden unseres Vaterlandes werden daher vom Sabbat n a ch Rausch-chaudesch Jjor an bis' zum Wochenfeste besondere Gebete eingeschaltet vor dem Schacharis Schemono-esrei des Schabbos, die sogenannten „Sultans". Ihr Inhalt ist elegisch; er spiegelt den Schmerz jener verhängnisvollen Tage wider und kehrt, daß jene Märtyrer für die heilige Thora starben, deren Geburtsfest wir entgegensehen. Am Sabbat nach Pesach beginnt auch das Lesen der Perokim. Ihr Inhalt ist jüdische Moral- und Sittenlehre. Jeder sollte sich bestreben, während der Sommersabbate diese Perlen unseres jüdischen Schrifttums kennen zu lernen. Die Erhabenheit der.Gedanken, die herrlichen, tiefgründigen Idee»,' dabei die Schlichtheit der Sprache soMen die Perokim zu einem Volksgut werden lassen! ■— Die „S prüch e der Väter" sind der Mischna entnommen, dem IV. Bande: Nesikin. Tiefen Sabbat liest man den 1. P e r c k. So fortfahrend die 6 Perakini dreinial während des Sommers. In inanchen Gegenden nimmt man beim 2. Turnus jeden Sabbat 2 Perakini, ja in manchen Gemeinden 3 zusainmen.. So endet das mehrfache Lesen desto früher. Gewöhnlicher ist jedoch das Lesen nur eines Pcreks für jeden Wochensabbat; cs endigt Rausch-chaudesch-Elul. 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