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Neue jüdische Presse · 1906-04-06 · Heft 14 (6.4.1906) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^Ttrrtnlifntrffir 3ffnrlitif(l|tö fumtUrnblatl. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnementspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. . Bei der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,62 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1,50, sonstige Länder Mk. 2.— KedaKtton Md chefchäftsstelle: Srankfurl a. Lleichstraße 2, Lcke vilbelerstraße T-refon 10507. -kü-:-— Hepausgebsr: Kaltz cheis. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Pfg. Die Reklamezeile. 100 „ Platz- und Daten-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunft. .— - 4. Jahrgang. Freitag, de« 11. Hissa« 5666 (6. April 1966). Ro. 14. WM- Des Pesach-Festes Wege« erscheint die nächste Nummer Freitag, den 26. April. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Pesach. — Wiener Brief. — Die Woche. — Aus aller Welt. — Feuilleton: Die Cohnheims. — Wer. — Sprechsaal. — Wochen-Kalender. — Familiennachrichten. — Barmi zw o hs. Pesach. Von Dr. I. N a ch t, Focsani. Ein Volk des Buches nennt man uns. Wir sind noch mehr:rin Volk des Kindes. Deutlicher: Weil wir ein Volk des Kindes sind, konnten wir ein Volk des Buches werden. Das Kind ist der Träger des Buches. In zwei Festen kommt dieser jüdische Volkschärakter zum Ausdruck. Schewuoth stellt uns das Volk des Buches dar und Pesach das Volk des Kindes. Pesach ist das erste Blatt der jüdischen Volksgeschichte. Diese beginnt mit dem Kinde. Der erste Seufzer unseres Geschichtsmorgens dringt aus ' der Kinderstube. Das jüdische Kind soll vernichtet werden. Blutiger Anfang des jüdischen Volksleidens in Egypten. Der erste Lichtstrahl, der den jungen Tag unseres Volkslebens erhellt, entströmt der Welt der Klei- ::en. Das jüdische Kind wird gerettet. — Lachende Morgenröte der jüdischen Freiheit. Sein oder Nichtsein des jüdischen Volkes knüpfen an das Kind an. Das der Lebensgefahr entrissene Kind Mosche «vird der Befreier seines Volkes. Nicht jedes Kind kann ein Befreier sein. Doch alle zusammen sicherlich. Das bekannte Wort: Mosche wiegt wie Gesamtisrael, Gesamtisrael wie Mosche. ' Pesach ist dem jüdischen Volke c i n F e st des Kindes. Es steht im Vordergründe der festlichen Zeremonien. Das jüdische Kind eröffnet den Seder mit den bekannten Fragend Es gibt den: Feste den F-rühlingston, den .frischen Lebenshauch, die Jugend. Auch der Greis fehlt nicht. Elijahu. Wir össnen ihm sogar die Tür. Geladener Gast, heißcrsehnter Gast. Doch kein von Altersschwäche gebeugter ■ Greis. Er ist alt und jung zugleich. Ist bald bei den Jungen, bald bei den Alten. Er bewegt sich zwischen diesen beide«: Elemente«« getreu seiner Mission: „Sieh, ich sende euch den Propheten Elijahu, daß er hinwende das Herz der Väter zu den Kindern, das Herz der Kinder zu den Vätern." — Pesach ist das Fest des Kindes, des , alljüdischen Kindes: Gesamtisräet. Möge es immer diese Bedeutung für uns behalten. Wir össnen dann nicht umsonst die Türei Elijahu tritt ein. Findet die Väter, auch die Kinder. Er verrichtet sein heiliges Werk der Vereinigung. Gesanrtisracl steht da/ Mit ihm die jüdische Freiheit. — * * * Pesach ist das Fest des Kindes. Ter Vater soll an diesem Tage seinem Kinde Belehrung und Erziehung geben. Es ist auch ein F c ft b c r Sie b e. Wer könnte ein Kindererzieher sein ohne Liebe? Der Weg des Kindes geht durch den Irrtum. Wie alles Leben und Streben. Doch „alle Sünden deckt die Liebe zu." Keine Volkserlösung ohne Kindererziehung, keine Kindcrerziehung ohne Liebe. Pesach der Zukunft wird damit rechne«« müssen. Der rückkehrende Sohn bedarf der Liebe. War er seinem Volke, seinem Gotte, lange, allzulang fremd geblieben, er «vird Ihm, er muß uns willkommen sein in« Monrente, >vv er sich Ihm und uns wieder zuwe««det. Nicht viel an ihm rütteln, nicht alles auf einnral von ihn« verlangen. Es handelt sich um das znrückkehrendc Kind. Väterliche Milde «vird dabei nicht ausbleiben, darf dabei nicht a««sbleiben. Ist der zurückkehrende Sohn nicht des Wertes genug? „Jedem Großen ist die Welt dankbar, «venn er ihr etivas bringt; er muß ihr etwas bringen. Nur das väterliche Hans ist seinein Sohne dankbar, auch «venn er nichts bringt, als sich selbst." Pesach ist das Fest des Kindes. Das jüdische Kind muß dem Volke wiedergegeben «verden. Das Volk soll cs liebevoll empfangen. Dem rückkehrenden Sohne folgt das rückkehrende Volk. Dem Pesach der Vergangenheit folgt das Pesach der Zukunft. * * * Wenn ich Maler wäre, ich «nalke folgendes Bild: Ein alter gebildeter Ma««n steht vor einem Jüngling, verbeugt sich tief vor ihm, und redet ihn also an: „Heile mich, Jüngling, ich gehe im Siechtume zugrunde." Ter Jüngling seinerseits verbeugt sich tief vor dein älter«« Manne und sagt zu ihrn: „Belehre niich, Väterchen, ich verkomnie aus Mangel an Belehrung." Pesach gibt uns dieses Bild, Das alte Israel will leben. Und cs erzählt von der Geschichte seines Auszuges aus Mizrajim. Ein Blatt aus grauer Vorzeit. Dem Volke ist cs dabei «vie das Verspüren von Frühliugsrauschen. Tie Geschichte Altisraels ist die. Geschichte J««ngisraels. Das Altertum eines Volkes ist seine Jugend. Am Pesach steht Israel vor seiner Jugendzeit. Von der Jugend seiner Geschichte ergriffen, von den« ihr entströmenden Freiheitsodem, dem Oden« der inneren Freiheit, dem Odem der äußeren Freiheit berauscht, fühlt es desto stärker die schtvüle, drückende Atinosvhäre, von der cs jetzt ningeben ist. Das ist kein Leben. Das ist kein Sterben. Es ist ein Hinsicchen. Und zur Jugend gewendet, spricht es also: „Heile mich, Jüngling, ich gehe im Siechturn zugrunde." Die Jugend antwortet: „Laß mich wissen, Väterchen, «väs Dir sehtt, gib mir die Möglichkeit, mit Dir zu fühlen und zu denken, zu weinen und zu lachen. Mein Fühle«« und Denken sind dem Deinen sremd, mein Lachen und Weinen kommt aus anderer Quelle, Wie soll ich Dich lieben, wenn ich Dich nicht kenne? Belehre mich Väterchen, ich vergehe aus Mangel an Belehrung ..." Pesach ist das Fest des Kindes. Es soll dem jüdischen Volke eine jüdisch gereiste Jugend geben. Sie bringt mit sich die hcißerseh««te Zeit, den heiligen Flügelrausch jüdischer Freiheit. * . * Pesach ist das Fest des Kindes. „Wen«« Tein Kind Dich fragt," heißt es von diesein Tage. Das Kind hat das Wort. Es fragt: „Was ist das?" Der Vater antwortet: „Denn mit starker Hand hat uns der Ewige herausgesührt aus Mizrajim." Herausgcsührt. Vor Tausenden von Jahren. — Wird er „ns «vieder heranssühren? Diese Anttvort kann nur das jüdische Kind geben. .Bon« Pesach der Vergangenheit erzählt der jüdische Pater, Pesach der Zukunft ist Sache der jüdischen I««g e n d. Solange sie fragt: „Was ist das?", solange ihr die Gesetze der Thora und die ganze Freiheitssache nichts «««ehr als ein „Ma saus", ein naives Staunen der Unwissenheit abringen, kann inan ihr nur vom Pessach der Vorzeit erzählen, sie nur daraus Hinweisen, daß mit starker Hand uns der Ewige aus Ketten zur Freiheit geführt hat. Wenn erst unsre Jugend gelernt hat, die sittliche Freiheit, die Volksfreiheit, als etwas natürliches, dem Juden unentbehrliches, heiliges Gut zu schätzen und zu lieben, dann, dann kann der neue Freiheitstag kommen. In den Händen unserer Kinder liegt der Schlüssel znm Pesach der 'Zukunst. * * * Pesach ist das Fest des Kindes. Es erzählt, uns v o in großen jüdischen S t r c b e n u n d Wagen. Wer ist aber solchen Regungen zugänglicher als das Kind. „Als ich klein «var, «var ich groß," lautet ein bekanntes Dichterwort. Die Welt der Phantasie, der schönen Träume des iinmer sich wiederholenden großen Hosseus und Wollen» gehört den Kleinen, den Kindern. In diesem Sinne ist Pesach ein Fest des jüdischen Kindes. Ter Vater lenkt die Phantasie, die Erkenntnis des KindeS auf die großen jüdischen Volksideale. Das fragende Kind, der antwortende Vater, sie betreten den geweihte«« Boden der Vergangenheit, die Heimat der Seele, >vo jüdisches Großleben fl««tct. Dieses Leben lebt wieder auf, «venn die jüdische Jugend davon Kunde erhält. Tie große Zeit von einst erregt das strebend sehnende Herz des jungen Juden. Jnnner mächtiger steige«« die hohen Wellen seiner Phantasie. Was war, kann «nieder sein, sagt ihm sein glühender Jugendoptimisinns. Soll wieder sein, will es sein kühn aufstrebender Lcbensdrang. Und er erträumt sich eine Zukunst der großen Vergangenheit nicht unwürdig: ein neu erstandenes wahrhaft freies Israel auf seinem eigenen Lande. Pesach ist das Fest des großen Vertrauens, des großen Wollens, der Ungebundenheit und Freiheit, in des Worte» schönster Bedeutung. Es ist das Fest des Kindes. Des jüdischen Kindes .... —

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