Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1906)
- Date
- 1906-03-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatk.' ' -' ,.'.7.:7:7.7;-3fa71X.7.i Herr Cohnheim hatte sich in einen Rohrstuhl gesetzt und brütete vor sich hin. Seine Frau ließ sich dicht neben ihm .nieder und umschlang ihn. „Erich, glaube nicht, daß mir . dieser Gedanke erst heute kommt. Ich grüble schon lange darüber nach, und maßgebende Leute rieten mir schon früher dazu. Da unsere Mittel uns ermöglichen, den Kuaben jede Laufbahn einschlagcn zu lassen, dürfen wirihm den Weg nicht durch unsere Rückständigkeit versperren. - Wenn unser Sohn Universitätsprofessor weichen wollte, müßten wir in seinen Blicken nicht immer einen stwmiren Vorwurf lesen, wäre sein Dasein: nicht ein ' unbefriedigtes!" 7^77,»Käthe, wirentfremden uns die Klicker.und unsere^SÜern. 3Är reißen, zwischen uns: und den Kindern eine Kluft, die mit den Jahren immer tiefer und schließlich unüberbrückbar wird. Und für unsere Eltern wäre es geradezu das größte Unglück." „Erich, unsere Kinder werden nicht fanatischer als Christen, denn wir als Juden sind. Wir lehren sie das Rechte tun, wir bilden sic zu guten Menschen, dann ist der Namen der Religion nur Schall. Wir sind mit den Kindern durch Bande des Blutes verbunden, sie sehen, wie wir uns lieben, — und da soll die Form, ein Phantom für den Gebildeten, einen Entfremdungsgrund bilden! Und unsere Elter», die wohnen in Posen und in Stettin und erfahren' cs möglicherweise nieinals." Sie umarmte ihn leidenschaftlich. „Erich, ich fühle, baß Du so denkst wie ich. Ich bi» ja glücklich und zufrieden, ich wäre cs an Deiner Seite, wenn wir unser tägliches Brot sauer verdienen wüßten, aber unfern Kindern soll keine Staffel des Ruhmes unersteiglich 'sein." Sie stand hochaufgerichtct vor ihm, das silberne Mondlicht verklärte ihre reizende Gestalt, sie blickte ihn mit strahlendem Lächeln an und streckte die Hand zu chm aus. „Erich folge mir, ich sehe die Zukunft vor mir. Der Ruhm unseres Sohnes lvird seinen Glanz auf Dich, auf uns werfen! Die Arena des Geistes ist Jedem geöffnet, lasse Deinen Sohn nicht wie einen Paria draußen schmachten!" Er sah seine Frau mit belvundernden Blicke» an. Er zog sie in seine Arnie, und in seinem heißen Kusse lag die Gewährung. — — — Am folgenden Tag fuhr Frau Cohnhcim ,nit ihren Kinderchen zu Pastor Strenius von der Lutherkirche, mit dem sie schon vorher gesprochen hatte und ließ sie taufen. —; (Fortsetzung folgt.) Mocheu-Kaleuder. Zeitangaben nach dem Iwaoh.) Samstag, ben 17. März (— 20. Adar). Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. <3 Uhr — Min. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 20 Min., Straßburg 7 Uhr 15 Min. Berlin 6 Uhr 5? Mm. Wir lesen am Sabbat nach Purim nebst dem Wochenabschnitt »och Parschas-Poroh im 4. B. M., Kap. 19. Es ist der dritte durch besondere Vorlesung ausgezeichnete Schabbos. Ter Inhalt des besonderen Abschnittes ist uns rätselhaft, dunkel. Wir hören von einer roten Kuh, die nicht einmal zwei Haare von anderer Farbe haben durfte. Sie wurde nach der Schlachtung vollständig verbrannt, in die Vcrbreunungsflamme aber Zedcrnholz, Mop und Karmesinsadcn geworfen. Die Asche wurde in Urnen aufgehoben. Wenn nun jemand in Israel eine Leiche berührte, oder ein Grab, einen Leichenknochcn, Leichenstaub oder sonstige Teile eines Toten, oder auch bestimmte Gefäße, die an einen Verblichenen anrührten, ebenso wer mit einem Toten unter eine ni Dache geweilt, der war tomo, „unrein", auf mindestens sieben Tage. Die Asche der roten Kuh wurde dann zur Reinigung verwendet. .Der Priester warf von dieser Asche in ein Gefäß mit lebendigem Qucllwasser und sprengte von dieser Mischung mittelst Dsop-Stengelchen auf den Unreine» -am dritten und siebenten Tage. Dann erst war der Unreine wieder rein. Vor dieser „Reinigung" war der Eintritt in's Hciligtuni, wie der Genuß gewisser Opfergaben verboten. — Paraschas-Poroh wird uns nie erklärlich' sein; es gehört als Gesetz zu den sogenannten „Chukkin", Satzungen, von denen wir keinen Grund wissen. (Dazu beispielsweise auch das Verbot, Wolle und Leinen vermischt in Kleidern zu tragen.) Alle Erklärungsarten bleibe» nur Versuche, den wahren Grund kennt Gott allein. Die Verordnung führt an das größte Problem unseres Daseins: Leben und Tod. Dunkel ist unser Kommen und Gehen selbst für die höchste Wissenschaft, ebenso dunkel das Poroh-Gesetz. Viele — nach unseren Begriffen — Widersprüche enthält es. Das Jozer des Sabbats spricht davon. So z. B. wurden alle tome (unrein), welche die Kuh bei der Opferung behandelten, und doch machte man mit der Asche 'Unreine rein. Eine schöne Deutung ist der Vergleich mit dem goldenen Kalb, ebenfalls im Jozer enthalten. (Israels Verunreinigung dort, die Zerreibung des Kalbes, Streuen des Goldstaubes aufs Wasser usw.) In der mündlichen Lehre werden die ä 11 ß e r stpeniblen Vorschriften bei der Opferung der roten Kuh mitgeteilt. Wir rönnen hier nicht darauf cingchc». Warn in wird der Abschnitt jetzt verlesen? Israel hatte am Eref Pesach im Tempel das Pesach-Lamm zu opfern. Da sollte jeder rechtzeitig die Reinigung mit dem Sprengwasser an sich vornehmen lassen, falls er an einem Toten tome geworden, also nicht ins Heiligtum treten darf. Die Verlesung von Parschas - Poroh mahnt s ch 0 n n ach Pari m. an diese Pflicht, besonders da ° der Reinigungsakt sieben Tage beanspruchte. L c h r e daran s: Schauet stets vorwärts, bereitet euch immer rechtzeitig auf euere .heiligen Pflichten vor! Ein wahrer Jude kommt nie „z u s p ä t". Unser ganzes Leben ist eine Vorbereitung auf's Jenseits. Der Wochcnabschnitt Ki-Sissji bringt namentlich die Geschichte vom goldenen Kalb, Israels großer Nationalsünde und Verirrung. Ter zürnende Mosche zerschmettert in heiliger Entrüstung die Bundcs-Taseln, der liebende Mosche liegt 40 Tage im Gebete vor Gott, bis er Verzeihung erlangt für Israel. In Beidem Mosche gleich groß als wahrer Vater seines Volkes. Das ergreifende Gebet ist Thoravorlcsungsabschnitt an unseren 5 Fasttagen, die ebenfalls "an Nätionalsünden erinnern. Samstag, 24. März: Parschas-Hachaudesch, der vierte und letzte besondere Abschnitt. Kaiser Friedrich Quelle ■- Offenbach a. M. - Vornehmstes Tafelwasser. Xoc&zeits- Zeitungen and Reden, heiteren sowie ernsten Inhalts, speziell-Gedichte und Couplets, verfasst Literat,;Israeliti unter st« engster Diskretion. Gefl, An er-, bieten unter L. 100 a/d. Erp. d.- JBtattes.' 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