Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1906)
- Date
- 1906-03-16
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 11. Nr. 11. Die „Moderne", enthält in diesem Bestreben schon einen Widerspruch in sich selbst. — Der Misrachi ist jeWch'ebenso iiSlig, .mit den träditionellen 'Zionisten, die in dein WiederetwaiHen des jiibischen Polksgedmi- Aens" nnd - dös 'religiöseil. Gedänkens überhaupt eine .Meubetebung der Thovk'eichöUen^'Äneii' starben Rück- 'hält'zu -geben n,nd für die^ bsirch den Bürgerkrieg ihres religiösen Halts: Beraubten Per.' östlichen Bändet zü i tvirken. Eine'' "stärke MisrächkMrcsäüisätiön ist bei der pörlänientarischen Struktur der zionistischen' Bewegung dringend erforderlich. —— . - 'Der lebhafte Beifalls der. dein.'Reicher für seine ÄiisführnNgeir gezollt ivürbc, bewies "d'ä's Interesse, das sie jn den Hörern erweckt hatten/kbenso wie die dem Referat folgende Diskllssiön. Erst nach 11 Uhr (die Versaiiittiluug hatte uni '8'Uhr begonnen) ging die Versammlung nach einem Schlußwort - des Referenten auseinander. ' 'Infolge' des: Bortrages schlossen sich 12 neue Mitglieder ''der Misrachi-Vcreinigüng an, die' nunmehr nahezu 40 Mitglieder zählt. B. D. Krementschuq (Rußland). Auf Beranlaflung des zionistischen Vereines wandern 500 Familie n >i a ch P a l ä st i n a ä u s. /Antwerpen, 6. März. Der MisraLi - Verein „B nei Zio n" ' versendet an seine Mitglieder das folgende Zirkular: „Seit der Gründung des.Misrachi- Vereins Bnei' Zion ist fast ein Jahr verlaufen, und wir konstatieren mit Freude, daß wir, in Betracht gezogen den kurzen Bestand des Vereines/auf eine erspießliche, segensvolle Tätigkeit zurückblicken können. Der „Benei-Zion Verein", der sich zur Aufgabe gemacht, nächst der intensiven Pflege des Zion-Ideals und der möglichsten Verbreitung desselben unserem teuersten Nationalschatz, der Tauroh hakdanschoh, die er als Grundlage eines jüdisch-nationalen Lebens betrachtet, eine treue hingebungsvolle Pflege zu widmen, ging diesem seinem Prinzipe getreu kurz nach seiner Gründung daran, einen Gemoro - Kurs einzurichten. Ferner hat er auch offiziell seine Anteilnahme an den Schiurim des Tiferes Bachurim, die jeden Montag und .Dienstag Abend von S1/»—9Va Ulir stattfinden, zugesagt, und wir können die freudige Wahrnehmung machen, daß diese gegenseitige Unterstützung den beiden Vereinen sehr erfreuliche Folgen zeitigt, Zu - diesen Veranstaltungen gehört auch der durch unseren Verein .eingeführte hebräische Sprach-Kurs u s, der ebenfalls alle Teilnehmer vollauf befriedigt, und können ivir nicht unterlassen, von. dieser Stelle aus dem Herrn A. Weidengarten für seine umsichtige Leitung des Kursus zu banken. Ferner veranstaltete der „Benei Zion" D i s k u s s i o n s - ab ende, an denen den Zionismus interessierende Franen lebbaft erörtert wurden: wir gedenken, dies- Diskussionsabendc zu vermehren und ihnen viel JNter- ' esse und nachhaltigen Wert dadurch zu verleihen, daß wir Vorlesungen aus der. jüdischen Literatur an. sie knüpfen werden. Zu besonderer Ehre gereichte cs uns, Herrn Advokat Dr. Franzie B c r e n st e i n aus Haag in unserer Mitte begrüßen zu dürfen, einen äußerst talentvollen, fürunsere heilige Sache begeisterten, hingen Mann, der durch 'den Feuereifer seiner Rede sicherlich viele unserer vlegncr an dem einen Mende, den er in unserer Mitte verbrachte, zu Freunden gemacht hat. In den nächsteil Tagen hoffen wir, den bedeutendsten Mann der Misrachistischen Bewegung Seine Ehrwürden Rabbiner R e i n e s aus L i d a, in unserer Stadt zu begrüßen und wäre dies zum großen Vorteile unserer Sache, da wir überzeugt sind, daß der Ehrwürdige Greis, der sein ganzes tatenreiches Leben zur Hebung der Tauroh hakdauschoh geweiht, den großen Teil der hier wohnhaften konservativen Juden, der noch bis heute der Bewegung ferne steht, unserem Ideale gewinnen würbe. Zum Schlüsse möchteir wir noch darauf anfmerk- ' sam Inachen, daß gemäß Paragr. 17 unserer Statuten . in zirka 2—3 Wochen eine Generalversammlung unseres Vereines stattfinden soll, und wird Tagesord- -nung. Tag und Stunde dieser Versammlung noch '. genau bekannt .gegeben werden. Der Hinweis auf das erfolgreiche Wirken unseres jungen Vereines in seinem ersten Lebensjahre, der als -Anfänger so manche Schwierigkeiten zu überwinden hatte, berechtigt uns zu der sicheren Erwartung, im nächsten Geschäftsjahre, durch die eifervolle Mithilfe'eines' jeden einzelilen Mitgliedes unseres. Vereincs, eine reiche segensbringende Arbeit: zum, Wöhle und Gedeihen unserer zwiefachen Ideale Tauroh und Zion zu. entfalten." . .; Personalien. Berlin» 9. März. Der' Hilfsverein der Deutschen Jüden hak durch deir Tod des Herrn GustavLew y- ■ Stettin, des Vorsitzenden seines Schutzkomitees in Stettin: eigen herben Verlust erlitten.. Dev Verstorbene hat mit außerordentlicher Hingebung sich in den Dienst der Humanität gestellt und hat sich' namentlich mit Eifer und. großer Aufopferung der'unglücklichen Emigranten angenommen. Seine Pflichttreue und seine Erfahrungen und 'seine Gute'werden schwer zu ersetzen sein. ' : - - Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Berlin.ZuM7Dir.eltor.der chirurgischen Abteilung des neuest'Krankenhauses'in Pankow bei Berlin wurde Dr.' med. 'S'. Ad l e r gewählt.' Adler, der aus Laüpheim in Württemberg stammt, übernahm 1900 die chirurgische' Mteikn'ng des jüdischeil Krankenhauses in Berlin':'' •'' ' •' " Berlin. Anläßlich der Eröffnung des Kaiserin Friedrich-Hauses für 'das ärztliche Fortbildungswesen hat der Geh. Kontmerzienrät Jacob den Kroneuorden 2, Klasse, ferner der Direktor Professor Dr. Robert Kutner den Roten Adlerorden 4. Klasse erhalten. .' ' ' /' " ' . ' Köln, 14. März, Eine erschütternde Nachricht durchlief gestern unsere Stadt. . Frau Rebekka Gut', Gattin des Seminarlehrers Elias 'Gut und Tochter, des im hohen Andenken, steheiiden Rabbiner Fromm, Hoinburg-Fränkfurt a. M., eine Frau von hervorragenden Charaktereigenschaften, wurde plötzlich. sin. Mer von 39 Jahren.von dem unerbittlichen Tode hingerafft. Von der 'Wertschätzung, die diese Frau sich hier erworben hat, legte. ihr Geleit zur letzten Ruhestätte beredtes Zeugnis ab, denn ungemein viel Trauernde folgteir ihrer Bahre. Auf dem Fried- Hofe sprachen: Rabbiner Dr. Rosenthal, der die Verschiedene in ihrer Herzensgüte und Frömmigkeit mit der Stammmutter Rebekka verglich, Direktor Dr. Car leb ach, der den Satz der Megillo „R'afschi scheelosi, ami bakoschoh" zur Grundlage seiner Rede nahm, und der Bruder der Verstorbenen, Herr Josef Fromm- Fränkfurt, der der Schwester im Namen der Familie Worte des Abschiedes nachrief. Budapest. In Döva starb in dem außergewöhnlich hohen Alter von 102 Jahren Herr Moritz G o l d - st e i n. Ter Verstorbene hatte als Honved an dem ungarischen Freiheitskampfe 1848 teilgenommen und sich in mehreren Schlachten ausgezeichnet. London. Sieben Brüder der einen Familie Nathan .stehen im englischen Staatsdienst. Sir Nathauiel Nathan, der älteste der Brüder, hat nach einer längeren Laufbahn als Richter und Generalstaatsanwalt i» Westiiidien, sich bereits aus dem Staatsdienste zurückgezogen und lebt in London. Der zweite Bruder ist der Artilleriemajor F. L. N'athan, der .seit 1899 Direktor der königlichen Pulverfabrik in Walthain Abbey ist. Der dritte ist Sir Matthew Nathan, der, nachdem er es in der Armee bis zum Major gebracht hat, in verschiedenen Kolonien-Gouverneur war und zurzeit Gouverneur von Hongkong ist, in welcher Eigenschaft er vor kurzem den Prinzen Adalbert von Preußen empfangen hat. Der'vierte Bruder William Nathan ist als Eisenbahningenicur ini indischen Zivildienste angestellt. Der fünfte, Robert Nathan, ist von - dem kürzlich znrückgetretenen Vizekönig von Indien, Lord Curzon, zum Privatsekretär ausgewählt worden. Der sechste, Major Walter Nathan, hat an dem'Burenkriege und an dem Birmanischen Grenzkriege teilgenommen und befindet sich jetzt in leitender Stellung in Tientsin. Der iüngste, George Nathan, ist der einzige, der an einem Privatgeschäft beteiligt ist; er ist Teilhaber der bekannten Verlagssirma Constable. New-Aork. Dr. Joseph Erlanger, aufift» ordentlicher Professor an der Johns Hopkins Universität, wurde zum Professor der Physiologie an der Universität zu Wisconsin gewählt. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M.» 18. März. Die Purim-Feier des Vereines „Nach las Z w i" vollzog sich gestern Abend in ihrem gewohnten vielseitigen Programm, .nur mit dein Unterschied, daß diesmal auch die Tainen eingeladen waren. Und wie immer war das Programm dank dem dichterischen Können der Herren Dr. B o n d i, M a x N e u b e.r g c r und Robert Aron ein apartes, angemessen der Eigenart des Nachlas Zwi. Tie gesamte junge Welt der Israel. Religionsgesellschast hatte sich zu der Feier ein Stelldichein gegeben, aber auch die Familienväter und -Mütter waren zahlreich erschienen: der Saal war so überfüllt, daß viele das Vergnügen hatten, während 3>/e Stunden, nach allen Seiten eingekeilt, zu stehen. Herr Jacob Rosenheim führte auch an diesem außergewöhnlichen Vereinsabende den Vorsitz. Geistreich und humorvoll war er, .wie' wir es von ihm gewöhnt sind, vollkommen Herr der Situation. Mit einer schwungvollen Ansprache, in der er bestallte,' daß die Purimfeier einen Tag nach Schuschan- .Purim nicht verspätet sei, denn im Judentum folge uns Fastnacht kein Aschermittwoch, sondern die Fröhlichkeit, .diedas Judentum lehrt, soll der Jude im ganzen Jahre bewahren, eröffnete Herr Rosenheim den Abend. Und nun wechselten Gesangvorträge des Gefangne re ins „Jeschuruu" Mit Einzel-Gesängen hes Herrn OberkaNtor Pessachowitsch und des Herrn Gustav Schwarz und Tischliedern der gesamten Corona. In diese flochten sich ein Tischreden der Herren Marcus Hi r s ch und Professor Dr. Snlzbach, zwei speziell auf den Purim und den Nachlas Zlvi.-zugeschnittene Einakter und humoristische Vorträge der Herren Siegfried Oppenheimer und Max Stern. Ten Schluß bildete eine - Reichstagsdebatte über Zulassung der Damen zu Len Purimfeiern im Nachlas 'Zwi in. melodramischer Form. — Alles in Allem ein wwohlgelungener Abend. - - Frankfurt a. M. Herr Prof. Dr. A..Sulzbach ersucht uns.bezüglich des Berichts,, den . wir in der vorletzten Äsimmer über seinen im „Verein Me kor Chajim" gehaltenen Vortrag brachten, um Aufnahme der folgenden 'Zeilen: . Nr. 9 Ihres Blattes bxingr über weinen Vortrag über Jbn Esra ein Referat, hasjw wesentlichen Punkten' Ungenauigkeiten enthält, die.einer .Richtigstellung bedürfen. Daß es an Angriffe» gegen Jbn Esra nicht fehlte, ist währ, daß aber, zu den Angreifenden, die Jbn Esra widerlegt haben, folf, Best SittD gehörte, ist nicht gut möglich, da dieser vor jenem gelebt; vielmehr hat An Esra die Erklärüngsart des' letzteren angegriffen. — Aus den Worten „dem strengen Grammatiker Esra (soll wohl heißen Jbn Esra) mußte natürlich ein so bedeutender Dichter wie Elieser Hakalir als Gegner-erscheinen," könnte man schließen, als ob diese beiden mindestens gleizeitig gelebt hätten, und Kalir ein Gegner Jbn Esras gewesen wäre. Ich möchte nicht, daß man glaube, ich hätte solches gesagt. Wenn das Reinien des „He" auf „Ches" Jbn Esra dem Kalir als Verstoß gegen die Sprache anrechnet, so hahe ich es nicht damit entschuldigt» daß der Dichter die Sprache zu ineistern habe (was überdies eine sehr zweifelhafte Entschuldigung wäre), sondern habe auf die dialektische Aussprache dieser Buchstaben der Palästinenser hkngewiesen, welche derartige Reime erklärt. Ueberdies ist dieser Vorwurf nur einer der nebensächlichen, die der Grammatiker dem Dichter macht; ich habe schwerwiegendere erwähnt. Daß der Kommentar zu Exodus nicht von Jbn Esra herrühren sollte, würde mir nicht einmal im Traume einfallen, zu behaupten. Ich habe nur gesagt, daß viele Anzeichen darauf hindeuten, daß Schüler Zusätze gemacht haben, und vaß ihm die zweite Ueberarbeitung fehle, die der Verfasser dem Kommentar der übrigen Bücher der heiligen Schrift hat angedeihen lassen. Der Satz, der davon spricht, daß Jbn EsraS Erklärungen bisweilen mit der auf Tradition beruhenden Praxis nicht nbereinstimmen, der Verfasser selbst aber, um nicht mißverstanden zu werden, sogleich auf die Tradition und deren Verbindlichkeit hinweist, hat der Referent so allgemein gegeben, als ob daraus zu schließen Ware, grammatische Auffassung müßte zu der Tradition widersprechenden Resultaten führen. Der Referent hat 'dies natürlich nicht gemeint, aber Veranlassung zmir Mißverständnis gibt es. Wenn ich nun auch die gute Meinung des Referenten, der meinem Vortrag eine vollständig gute Beurteilung zu' teil werden läßt, erkenne, so konnte ich doch nicht durch mein Stillschweigen, den Glauben erwecken, als hatte ich alles das gesagt, was der Referent von mir gehört zu haben, glaubt. Hochachtungsvoll Professor S u l z b a ch. Brieftaste«. I»., Göttingen. Leider keine Verwendung, in B; K. Die Nachkommen Gabriel Rießer's gehören mit wenigen Ausnahmen nicht mehr dem Jnderitume an. Bakanze«. Königsberg. Religionslehrer per bald. Anfangsgehalt M. 1800, jedoch kann älteren Lehrern ihre bisherige Anitszeit angerechnet werden. R y b n i k. Unverheirateter Religionsn. Elementtarlehrer per 1. April. Gehalt M. 1400. ' Literatur und Kunst. Judas Ende. Historischer Roman von Anton de Waal. 12 Tafelbilder. 240 S. (brosch. M 3). München,. 'Allgemeine Berlagsgesellschaft. Dieser von dem herausgebenden Verlage tadellos ausgestattete Roman verherrlicht den Sieg des jungen Christentums — selbstredend auf Kosten des. Judentums. Der Autor 'hat die Zeit des Bespasian und des Titus studiert, die Personen des RomanS sind historisch, und der Leser merkt durchgehendst/ daß der Autor bemüht ist, das Rom der Periode,'- in der die Handlung spielt, vor seinen Blicken yistirisch treu aufleben zu lassen, soweit es ihm seine, christliche 'Tendenz zu gestatten scheint. - Berews - Kalender. Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, den 18. März, abends 8*/* Uhr. Hermesweg 25/27: Vortrag des Herrn Hermann Framenthal, /Ein Tag im Tempel^. Verein Mekor-Chajim. Sonntag. 18 März cr.» abends 634 Uhr lSchützenstraße 2): Vorlesung des Herrn Professor A. Wetzl ans „Josua". .