Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1906-03-09 · Heft 10 (9.3.1906) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2692297-2692460-2692470--02276-2696871
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatk. Nr. 10 das Leben. Trotzdem stellt alter Haß und Verläumdung die Juden als staatsgesährlich hin. Weil einer sich nicht beugt vor dem boshaften Feind, sollen alle büßen. Die Juden besinnen sich auf sich selbst, auf ihr Volk, ihre Religion und ihren Gott. Durch eine Kette wurrdersamer Fügungen wird ihnen Heil und Rettung. — Der Judenhaß aller Jahrhunderte ist in der Purimrollc — Megillo — historisch dolunientiert. Wir können heute noch viel daraus lernen. Jeder höre die Megillo zweimal, abends und uwrgcns. Der Vorbeter liest aus einer vorschriftsmäßig angefertigten Rolle vor, die Hörer sollen aufmerksam folgen. Aus einem gedruckten Exemplar darf keinesfalls die öffentliche Vorlesung geschehen. Bor- und Nachbrocho beim Lesen siehe im Gebetbuche. Im Lvlrmooo-esrs und im Tischgebet die Dankformel AI hanissim. Bei der lauten Wiederholung im Sch.- Esre des Morgens besondere Einschaltungen, namentlich in der Formel „Welamalscliinim.“ (Gegen Verleumder). Thoravorlcsung von Arnalcks Kampf, seine Besiegung durch Moses und Josua. Das eigentliche Freudeumahl für Purim am Tage. Man muß mindestens zwei Gaben an ztvei Bedürftige geben; ebenso — am Tage — mindestens einem Freunde zwei Geschenke an Festspeisen. Kein unnötiges Werk verrichten. Awelim senden „Misehloachmonans," erhalten aber keines. Montag (12 c.) ist Schuschan- Purim. Auch da kein Tachanun-Gebet. Machazis Haschekel — nach einiger Meinung — die Hälfte unserer Mark, also 50 Pfg., die man dreifach gibt. Samstag nach Purim Parsohas Poroh. der Abschnitt von der „roten Kuh", als besondere Vorlesung in der 2. Thorarolle. Bunte Chronik. Die „Köln. Ztg." über Heinrich Heine. Wie dein Christ gewordenen Heinrich Heine — er selbst schreibt 1826 in einem Briefe an seinen Freund Moser: „Ich bereue sehr, daß ich mich getauft habe" — auch heute noch die Gerechtigkeit vcr- -sagt wird, davon legte die Presse anläßlich seines 50jährigcn Todestages zahlreiche Beweise ab. Unter diesen Unrständen verdienen die im allgemeinen objektiv gehaltenen Ausführungen der durchaus nicht philosemitischen „Köln. Ztg." wiebcrgegcbcn zu werden. Die „Köln. Ztg." schreibt: „Heinrich Heine war freilich ein Jude, und so liegt die Frage nahe: ivas hat ein Jude und noch dazu ein Jude, der im Anfang des 19. Jahrhunderts heranwuchs, mit den Urquellen deutschen Bolkstuins zu tun, für das er höchstens ein geschickter R'achahincr gegebener Vorbilder sei? Das ist denn auch gesagt ivorden. Man hat darauf hingewiesen, das; er die alten deutschen Volkslieder ivohl gekannt und eben ihren Ton getroffen habe. Er hat aber ihren Ton nicht nur getroffen, er hat sic auch nicht bloß modernisiert, wie ein trivialer Ansdruck lautet, sondern sie in die Atmosphäre einer neuen 'Kultur verseht, sie mit dieser verivoben. Aus seinem Buch der Lieder dringt uns eine Musik von ganz eigentümlichem Schmelz entgegen, weht' es uns an nicht mit Waldesduft, wohl aber wiederholt mit dem Dust kostbarer Rosen; nicht über Felder und Auen, sondern durch Prachtgärtcn führt er uns, in denen andere Vögel als die Lerche andere Lieder singen. In den Volksliedton mischt sich eine verführerisch lockende Melancholie, jene Melancholie, die ein Teil des modernen Menschen ist und im Gegensatz sieht zu den naiveren Ausdrucksweise» des eigentlichen alten Volksliedes. Das alte Volkslied sieht Heiteres und Trauriges als Menschcnschicksal und findet sich mit ihm als mit Selbstverständlichkeiten des Daseins harmlos fröhlich oder gottergeben ab. Derlei strebt auch die literarische Romantik an, die sich ganz in das Mittelalter versetzt. Bei Heine aber klingt über die Naivität hinweg durch die Zauber der Vergangenheit ein süßer Klagcton, der sich da und dort steigert zuin schmerzlich höhnischen Aufschrei, mit dem der Sänger die Harfe niederivirft, erkennend, daß er Träume träumt, die für ihn keine Wirklichkeit mehr lvcrden können. Die schmerzliche Sclbstenttäuschung ist dieser echt moderne Klang, der durch Heines Lieder zittert und den jeder Jüngling i» banger Ahnung in sich ansnimmt, der Jüngling, den das Leben lockt und der dies Leben mit verlegen zweifelnden Angen ansieht, der Gefühle voll Süßigkeit und Schönheit in sich trägt und sich dieser Gefühle schämt, ivcil er ringsum sieht,' daß die Menschen sie als Torheit ansehen. Im Mondschein wandert Heine, um Kirchen schleicht er herum und lacht sich selber aus, das; er nicht im bequemen Bette liegt und das; er sich noch von Mysterien locken läßt, an die er ja doch nicht glauben kau», lind das ist etwas, was die besten Menschen heimlich in der Brust tragen, was besonders dem Deutschen im O-emüte sitzt: die Sehnsucht nach einem schönen Glauben, vergällt von der Erkenntnis der Welt. Das alles ist nicht Sache des Inden, das ist Sache des Rheinländers. Rheinische Zauber grüßen uns nicht nur ans dem Buch der Lieder, sondern« us dem Wintermärchc», aus dem Buche Le Grand, aus dem Romanzero, und ohne die Rheiukande und ohne jenen besonderen Duft, den rheinisches Leben gerade in Heines Jugendzeit hatte, ist cs gar nicht zu denken. Andere rheinländische Dichter derselbe» Zeit habe» diesen Rheinzauber, mehr oberflächlich mit feuchtfröhlicher Gcgenwartsfreude oder mit der Vergangenheit malerisch tändelnd dichterisch ausgenützt; er zieht einen weiteren Kreis, ihm gestaltet sich ans wallenden Nebeln des Rheinstronies ein Vaterlandsbild, ein Weltbild, ein Menschhcitsbild, und darum wirken die Zauber seiner Gesänge über die Rheinlandc hinaus über eine bestimmte Zeit hinweg, sie sind Rattenfängcrsänge, die mit unvergleichlichem Zauber die Seelen an sich locken, und sie führen durch das Wechselspiel von Traum und Wirklichkeit, das der Menschheit süßes, beklagenswertes Geschick ist." Zeitungen and Utfrten, heiteren sowie ernsten Inhalts, speziell Gedirbte und Couplets, verlasst Literat, Israelit, unter strengster Diskretion. Gell. Anerbieten unter L 100 a. d. Exp. d. Blattes. «ocbreitr Sigmund Anger. Bomplatz 23 empfiehlt Stoffe für Herren-Paletots und Anzüge bei billigsten Freisen. Schuhmacherei D (IP P, Börneplatz 23. Beparatnr. Billigste Preise. Conditorei Michael Schuster, Beclineigr. 15, Leopold Seligmann’s Nachf.!-s-s Versand nach dein In* n. Anslande. ■ Zum Prinzen v. Madien Wein estaurant I. Ranger, Goethestrasse 10, Frankfurt a. M. Ludwig Stotz. Fainilieunachrichten. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos). Geburten. Ein Sohn, 'Herrn David Adler (Manasse), Frankfurt a. M-, Kantstraße 16. Eine Tochter. Herrn Dr. Benno Ansbacher (Frankel), Frankfurt a, M, Jordanstraße 6. Ein Sohn, Herrn Max Götz (Blum), Nürnberg. Ein Sohn, Herrn Saul Hamburger (Gutmann), Nürnberg. Ein Sohn, Herrn Oskar Meyer (Sanison), Nürnberg. Ein Sohn, Herrn Max Neu (Micheisohn), Nürnberg. Ein Sohn, Herrn M<ir Barkany (Baas), BcrlinRIV. Ein Sohn, Herrn Emil H. Lehmann (Lang), Frankfurt a. M., Hanauerlandstr. 25. Ein Sohn, Herrn Moses Lehman» (Levi), Frankfurt a. M, Altegasse 71. Ein Sohn, Herrn Halberg (Lieblein), Frankfurt a. Al., Rechneistraße 12. Verlobte. Clara Alars, Schweinfurt, mit David Süß, Lmupertheim. Johanna Kassel. Frankfurt a. Bl., Bergcrflr. 24, mit Dr. Leo Adler, Wien. Dora Blumcnthal, Wiesbaden, Alwinenstr. 26, mit Dr. zur. Ignaz Rosenthal, Franksurt-Gießen. Sclma Grünstein, Gotha, mit Ferdinand Grünebaum, Berlin. Sterbcfälle. Daniel Maier, 73 Jahre, München. Jakob Appel, 50 Jahre, Frankfurt a. Bl., Rödelheimerlandstraße. Johanna Halbreich, 23 Jahre, Frankfurt a. Dl., Königswarterstraße 26. Lena Japhet geb. Löwenthal, 42 Jahre, Frankfurt a. M, Uhlandstraße 23. Salomon Benedikt Goldschniidt, 88 Jahre, Frankfurt a. M. Salomon Buchsbaum, 58 Jahre, Berlin. Philipp Kastelan, 67 Jahre, Pieschen. Regine Vogel geb. Lichtenstein. 85 Jahre, Aschaffenburg. Louis Reiß, 56 Jahre, Heidelberg. 6rosse Detektiv - Zentrale a Tel. 4359. und Privat-Auskunftei Tel. 4359. ■ Salzhaus 6, I, (Ecke Bossmarkt) 2 erl. gewissenhaft und schnell Vertrauensangelegenm lieiten jeder Art. — Prospekte gratis. * Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit- Wir bitten um gcfl. Mitteilung der Barmizwohs; die Ausnahme geschieht kostenlos.) Inda Warschaivski, Neffe des Herrn Lewis Warschawski, Ostendstraße 39, in der Klaus-Synagoge, Ostendstraße. Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 10. März (— 13. Adar). Wochenabschnitt: Tezaweh. Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 50 Min. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 10 Min., Straßburg 7 Uhr 05 Min. Berlin 6 Uhr 41 Min. Kaiser Friedrich Quelle ■ ■ — Offcnbacli a. M. - Vornehmstes Tafelwasser. Offenbarer Druckluft=JInlage Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TeppichroinlfiUnp. Verein Moniejiore, Seilerstrasse 22 pri. Tereins - Idealitäten geöffnet täglich von 12—3 und 6—11 Uhr. Samstag und Sonntag den ganzen Tag. Wir bitten unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt Sei unseren Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familienblatt. sassseasssBossMEssMsasessssssMiissssssaseesss 2 E. Rothschild, inbräisebe Bucbbandlung § 2 Telephon 0529 Frankfurt am Main Börnestrasse 33. 2 empfiehlt zu billigsten Preisen Chtunoschim, Machsorim, Teillos, seidene * 2 und wollene Talcsim, Böckle, Sargenes, Schaufros, Sifrc Tora, A 5 ■: - -— --: Tefilin, Mesnsos etc. etc - ■■ — «) 2 Kunststickerei für Porauches, Thoramäntel etc. * aaaaaaaBaaaoaeaaaaoaaaaaaaaaaaaeaaaaaaaaasaaeol Ostend-Drogerie *~~ Louis Heinson .ivorm. AI£r. Eberhardt zz== ■ ■ Hanauerlaudstrasse 45. Telephon 4530. Billigster Bezog in anerkannt nur besten Qualitäten von Drogen, Far- _ffiinerien, Krankenpflegeand Hanshaltnngsartihel. Meder’s mech. Teppichklopf werk ßergerstrasse 149. — — Telephon 8642. Entstaubung und chein. Reinigung von Teppichen etc. Rotten -Vernichtung unter Garantie. Versuchen Sie Xo. 28 Valeska § Pfg. Su ma t ra - Fel ix-Ha van a. Vorzügliche, milde Qualität. Stamm $ Muer, Frankfurt a. M. Schillerplatz 5—7 (Pariser Hof) Telplion 4488.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.