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Neue jüdische Presse · 1906-03-09 · Heft 10 (9.3.1906) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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f-'vW Seite 12. Fransturter Israelitisches Familienblatt. Nr. 10. Rußland bestehen über 100 Jto-Vereine, die in einer Zeit entstanden, wo doch das Land eine schwere Krisis durchzuleben HÄ und seine brennenden Fragen auch die jüdische Bevölkerung.allzusehr in Anspruch nahmen. In England existieren ca. SO Vereine; in London zählt einer der Vereine etwa 2000 Mitglieder. In Amerika bilden sich jetzt immer mehr territorialistijche Vereine. ßS ist sehr erfreulich, daß der bekannte literarische Führer der Sozialisten-Revolutionären, Schitlonsky, sich dem Territorialismus anschloß und in Amerika eine Zeitung mit territorialistischer Tendenz herausgibt. In Bulgarien bestehen 5 Vereine, in der Schweiz auch 5. In Frankreich sind jetzt einige Vereine im Werden begriffen. Es ist nicht ohne Interesse, zu erfahren, daß gerade in Palästina der stcrritorialistische Gedanke in immer zunehmender Zahl eifrige Förderer sich wirbt. In Westeuropa gewinnt der Territorialismus fortwährend an Anhängern und Freunden. Auch die jüdischen Wohltätigkeits- und Kvlouisationsinstttutioncn Westeuropas haben uns ihre Sympathien ausgedrückt und erklärten sich bereit, uns durch finanzielle Unterstützung zur Durchführung des territorialistischen Ideals zu verhelfen, sobald nur unsere Suche nach einem Lande eine reale Form annehmen wird, sobald sich ein Territorium gefunden haben werde. (Anhaltender Beifall.) Es entspinnt sich darauf eine Debatte, in der besonders die Mängel der gegenwärtigen Leitung der territorialistischen Bewegung hervorgehoben werden. 'Es wird da nochmals betont, dag die Londoner Führung in organisatorisch-demokratischer Hinsicht viel zu wünschen übrig läßt. Es wird dann ein Organisations-Statut für die schweizerische Landsmannschaft im Namen einer Kommission verlesen. Herr Veit-Basel beantragt, in diese Landesorganisation auch Süddeutschland aufzunehmen — paä abgelehnt wird. Der Statutencnt Wurf der Kommission wird mit unwesentlichen Abänderungen angenommen. Das Landeskomitee besteht darnach aus 5 Mitgliedern, von welchen Prüsident und Sekretär an einem Orte domilizieren müssen, der auch als der Sitz der Landesorganisation betrachtet wird. JSS wird die Wahl des Landeskomitecs vorgc nommen und ergibt folgendes Resultat: Eis, Schmucklarsky, Ginsbur g, Winikky- Zürich und S ch i r o z - Lausanne. Es wird eine Resolution angenommen: Der erste schweizerische Delegiertentag der Territorialisten ladet das Direktorium ein, eine Konferenz zwecks Ausarbeitung eines vollständigen Organisa tionsstatuts einzuberufen. Es wird den Delegierten mitgeteilt, daß Herr Dr. D. Jochelmann, Mitglied des Jto-Direktoriums, gemäß der letzten Konferenz des Direktoriums feinen Sitz nach London verlegt — worauf von einem Delegierten im Namen des Parteitags einige Abschieds warte an Herrn Tr. Jochelmann gerichtet, der Tan! für seine emsige Leitung ausgesprochen und ein einstimmiges „Hoch!" auf ihn ausgebracht werden: Herr Dr. .Jochelmann schließt mit einigen Worten den Parteitag. Er bemerkt, daß wir uns über die nicht große Anzahl der Delegierten nicht wundern dürfen, da es der erste Parteitag ist. Wir sind aber berechtigt zu hoffen, daß die jetzt Draußenstehende» immer mehr zu uns kommen werden und daß in kurzer Zeit das Verhältnis sich umgestalten wird: die Minderheit draußen, die Majorität drinnen. Ich enthalte mW km diesem Platze jeder Beleuchtung und Beurteilung des Parteitags. Jedoch kann ich nicht umhin, mein Bewundern über den Ernst und Eifer, mit welchen die Fragen auf dieser Kvnfe renz behandelt wurden, auszudrücken. Obwohl dieser Parteitag nicht reich, an Inhalt fein konnte — da er nur organisatorischer Natur war — hat er mir doch durch seinen Ernst Und seinen Eifer große Achtung abgezwungen. I. b. E. Das Formular kostet 40 Pfg., so daß inkl. Porto der Mindestbetrag eines einfachen Telegrammes nicht Übertritten wird. Wie wir hören, sind diese Formulare rn allen jüdischen Buchhandlungen, Hotels und dergleichen erhältlich. Wünschenswert wäre, wenn in allen Orten Formularvorräte niedergelegt würden. Insbesondere die Herren Lehrer könnten dann leicht für die möglichst weite JUan- Truchnahme dieser Neueinrichtung sich verdient machen. Natürlich bleibt es jedem überlassen, dem Umfang der Depesche entsprechend einen höheren Kaufpreis für das einzelne Formular zu erlegen. Möge liefe Art praktischer Wohltat bald in der Gunst des Publikums Wurzel fassen. Der Depeschensender hat das doppelt angenehme Äesühl, eine zweisache Mizwoh erfüllt zu haben: Lesammeach choson wekaloh ulesaken yosche rabbim. f',- Aus aller Wett. Deutsches Reich. Würzburg. Ablösung der Hochzeits depeschen. Es ist schon oft in der jüdischen Presse Klage geführt worden über die einer besseren Sache würdigen ungeheuren Ausgaben, die speziell in jüdischen Kreisen alljährlich für Depeschen bei freudigen Familienanlässen, z. B., Hochzeiten, aufgewendet werden. Wie viel Gutes könnte-damit unterstützt werden, zumal in unseren Tagen, wo ohnedies alle Kräfte angespannt werden müssen, um allen an uns herantretenden Wohltätigkeitsanlässen gerecht zu werden. Es ist geradezu ein Sport geworden, bei Hochzeiten mit einer möglichst großen Anzahl von Telegrammen, die eingelaufen -sind, sich zu brüsten. Es wäre ein Herrliches Werk, alle diese Gelder in das Bett der Wohltätigkesi hineinzuleiten. Wir freuen uns, von dem ersten öffentlichen praktischen Versuch, nach dieser Richtung hin Kenntnis geben zu können. Ter Vorsitzende der isr. Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, Herr Distriktsrab biner N. Bamberger, hat Dcpeschenformulare in großer Auflage Herstellen lassen, ganz originalgetreu Diese Formulare werden in Briefform am Tage vorher an die Adresse geschickt, unterscheiden sich sonst aber durch nichts von den gewöhnlichen Depeschen Personalien. Frankfurt a. M. Im 75. Jahre verschied Herr Benedikt M. Goldschmidt, ein Mann, der in echt vornehmer Weise Wohltätigkeit in großem Stil zu üben verstand. Berlin. Seinen 80 Geburtstag feierte der bekannte Komponist A. W. Blumenfelbt. Blumenfeldt schrieb 1866 nach, dem österreichischen Kriege den Berliner Einzugsmarsch >und 1871 nach dem ranzösischen Kriege den Deutschen Triumphmarsch; beide Märsche wurden vom hochseligen Kaiser Wilhelm I. angenommen und beim Einzüge der Truppen in Berlin gespielt. 1888 schrieb er zUr Erinnerung an den Heimgang Kaiser Wilhelms I. den Trauermarsch ,,All-Teutschlands Klage", der gleichfalls angenommen und bei der Uebersührung der Leiche gepiekt wurde. Berlin. Dr. med. Richard Mühsam wurde zum Oberarzt der chirurgischen Abteilung des tildtischen Krankenhauses in Moabit gewählt. Nürnberg, 5. März. Der Bankier und Handelsrichter Emil K o h n, Seniorchcf der Firma Anton Kohn, ist im Alter von 61 Jahren verschieden. Ter Verstorbene, .her 1845 in Markt-Erlbach geboren ist, zeichnete sich durch hervorragende Intelligenz, nie ermüdende Schaffenskraft und strengste Redlichkeit aus. Er gehörte von 1887—1896 dem Gemeindckollegium an. Sein Onkel, Georg Kohn, war der erste 1848 in Nürnberg zugelassene Jude, sein Vater Anton Kohn war lange Jahre Magistratsrat und sinanziellcr Berater der Stadt Nürnberg. Stuttgart. Es wurden verliehen: Das „Komturkreuz 1. Klasse des Friedrichsordeus" dem Geh. Hof rat Dr. v. Pfeiffer, und dem Geh.'Kommerzienrat v. P f l a u m und das „Ritterkreuz des Ordens der württemb. Krone" dem Rechtsanwalt Dr. Her mann Stein er. Der Oberamtsarzt und Sanitätsrat Dr. Rödel heimer in Laupheim erhielt den Titel „Medizinalrat" und der Fabrikant Julius Elsaß in Ca n n - statt den Titel „Kommerzienrat". 1 Königsberg, 5. März. Als Repräsentanten der hiesigen Synagogengemeinde sind gewählt worden: Justizrat Arnheim, N. Dresdner, Adolf Löwen st ein, Alexander Magnus, C. H. Simchowitz, Hermann Wolffheim, Fritz Cohn, L. Smoira, Max Feinstein, H. Lie b e r m a n n und Heinrich Bloch. Paris. Der Professor der Rbetorik am „Liceum Louis le Grand" A l b e r t C a h e n, ist zum I n spektor der Akademie ernannt worben. Philadelphia. In Wilmington starb im Alter von 69 Jahren Herr Nathan Liebermann, ein sehr angesehener jüdischer Bürger. In Bayern geboren, kam er bereits vor 50 Jahren nach Ainerika. Im 78. Lebensjahre starb hier Herr Jacob Feldenheimer. Er war in Württemberg geboren, nahm an der Revolution von 1848 teil, kam 1855 nach Amerika und focht im Bürgerkriege unter General Lee in einer Anzahl Schlachten. der hervorragendsten der gegenwärtigen Talmide Chachomim, wirkte 16 Jahre in unserer Gemeinde. Er erreichte nur ein Älter von 53 Jahren. Die Kewuroh gestaltete sich zu einer uugewöhnlich imposanten Kundgebung. Am offenen Grabe würdigte zuerst der älteste Schwiegersohn des Verblichenen, W. Rottenberg, bisher Rabbiner in Sadoritz, der bereits per Akklamation zum Nachfolger seines Schwiegervaters gewählt worden ist, die Verdienste des Heimgegangenen. Sodann sprachen: der Präses der Gemeinde M. Schiff, der Bruder des Verstorbenen, Rabbiner Friedmann-Wien, der Sohn des Verstorbenen und die Schwiegersöhne und zuletzt der Oberrabbiner K u t t n a - Kismaton im Namen seiner zahlreich erschienenen Amtskollegen. Als Beweis für das große Ansehen des Verstorbenen möge mitgeteilt sein, daß die ^christlich-katholische Gemeinde Trauerfahnen hißte und daß während der Beerdigung die mit schwarzem Flor umwundenen Straßenlaternen angczündet wurden. Aus den Vereinen. Fulda. Am Sonntag sprach hier Herr Jakob R o s e n h e i m - Frankfurt als Vertreter des Vcr - ins der Sabbat-Freunde — zwecks Gründung eines Zwcigvereins hier — vor zahlreich erschienenem Publikum. Ten Vorsitz führten Se. Ehrw. Herr Provinzialrabbiner Dr. C a h n und Herr Dr. med. Stern. — Der Vortrag war ein ln jeder Hinicht geistvoller und fesselnder. Unter Hinweis auf Reincke u. a. m. zeigte Redner, wie man auch in der Philosophie wieder auf den Schöpfungsgedanken zurückkomme und somit auf die Zweck-Idee, das logische, zielbewußte Walten im Weltall. — In herzgewinnender Weise führte er aus, wie der Sabbat ein Beweis hierfür lei, der, vor Jahrtausenden uns. gegeben, zum Gedeihen der Menschen und des Meuchen jetzt wichtiger sei denn je zuvor. So konnte es denn nicht wunder nehmen, wenn auf die Anregung des Herrn W e r t h e i m, es möge sich in Fulda ein jeder in Betracht Kommende dem zu gründenden Vereine der Sabbat-Freunde anchließen, aus der Versammlung ein einstimmiges „Bravo" entgegen tönte. Herr Rosenheim wußte derart die Wichtigkeit des Vereines iu's richtige Licht zu setzen, daß beschlossen wurde, hier sollten schon Mitglieder von 15 Jahren ausgenommen werde», während in Frankfurt das aufnahmefähige Alter auf 18 Jahre festgesetzt ist. Th. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Die „Achawa" (Vorsitzender Konsul Adolph Baer-Goldschmidt) versendet ihren 41. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1905. Sic hat iin verflossenen Jahre an pensionierte Lehrer, an Lehrerwitwen und -Waisen insgesamt 23 831 JL Pen sionen und Unterstützungen gezahlt; das Gesamt vermögen beträgt ca. 300000 JlL Aktive Mitglieder zählt sie 403, Ehrenmitglieder 1225. Tie Achawa ist die bestfundierte und leistungsfähigste Lehrerhülfskasse. Der Jahresbeitrag beträgt vom Jahre 1906 ab 10 JL Berlin. Im Jahre .1904/05 besuchten 12366 Schüler die hiesigen städtischen Gymnasien, Realgymnasien und Oderrealschulen. Bon diesen Schülern waren Juden 2658. Wie«. In Eg er wurde Rabbiner Tr. M E. Protznitz aus Mähr.-Schönberg zum Rabbiner gewählt. In S ch a f f a (Mähren) verschied Herr Dr. Adol s Diamant, der Rabbiner -der dortigen jüdischen Gemeinde,- im 63. Lebensjahre. Nemetkeretztur lUngarn), 2. März. Bon einem schweren Schicksalsschlage wurde unsere Gemeinde betroffen, indem unser verehrter Oberrabbiner David Friedman «verschieden ist. Der Verblichene, einer Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Einer der hervorragendsten und populärsten jüdischen Schriftsteller, Herr Rübe n Breinin, weilte einige Tage in unserer Stadt. In einer Versammlung der zion. Ortsgruppe, in der Herr Redakteur Berger-Köln in mustergültiger Weise über die positiven Resultate der Brüsseler Konferenz referierte, trat auch Herr Breinin auf, indem er in die Debatte eingriff. Seine in glänzendem und ließendem Hebräisch gesprochenen Worte wurden von der Versammlung begeistert ausgenommen. Herr Breinin piohnte auch einem Abend des hebräischen Kränzchens im Hause. des Herrn Dr. Jacob Feuchtwanger bei. Es ist hier nicht der Platz einer Wertschätzung des bedeutenden und viel produzierenden Schriftstellers; nur soviel sei bemerkt, daß die besondere Stärke seines Talentes ans den Gebieten der Publizistik und der Kunstkritik liegt und daß sein Stil ein sehr klarer und volkstümlicher ist. . Frankfurt a. M. Für den Nationalfonds gingen ein: Das hebräische Sprachkränzchen seinem lieben Gast dem hebräischen Schriftsteller Herrn Rüben Breinin zum verehrenden Andenken 1 Oelbaum Benno Lamm gratuliert zur Hochzeit des Frl. Mathilde Emenuel mit Herrn I. Löwenthal Gebr. Geis gratulieren zur Hochzeit des Frl. Dora Japhet mit Herrn Jakob Oppenheimer Selbsthesteuerung: Isidor Hirsch, Jos. Oppenheimer I ä 0,90 JL Selbstbesteuerung: S. Gt., S. N.. Tr. E., Beno Lamm, Lcop. -Oppenheimer, Jos. Oppenheimer II, Saly Geis, Selmar Geis ä 30 Pf. 2,40 JL 11,— JL Frankfurt a. M. In Bezug auf den Posener Distriktstag, über den wir in voriger ffiint« mev (s. Beilage) berichteten, wird uns von privater Seite geschrieben: „Es war ein Beweis schöner Versöhnlichkeit und des wohldisziplinierten Zurückdrängens persönlicher Verstimmungen hinter ' sachliche Einigkeitstendenzen, daß der durchweg politisch-zionistische Distrikt Posen sich Entschloß, Herrn Dr. Heinrich Loewe, einen der schärfsten sachlichen Gegner, der dazu erst vor wenigen' Monaten gerade die ungenügenden Leistungen des Gruppenverbandes Posen an den Pranger zu stellen sich bemüßigt gefühlt hatte, — zu einer öffentlichen Versammlung einzuladen. Und da Herr Dr. Loewe die Aufforderung annahm, durfte man erwarten, daß auch er in versöhnlicher Stimmung am Distriktstag erscheinen würde. Weit gefehlt! Mitten in die animierte Dinerlaüne hinein 6,-JL 0,50 JL 0,30 JL 1,80 JL

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