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Neue jüdische Presse · 1906-03-02 · Heft 9 (2.3.1906) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^rviuiUfntfct* 3fmclitif(t|rs frailiriMitt. i ~ - . Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnementspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. Bei der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich - Ungarn Mk. 1,50, sonstige Länder Mk. 2.— ' ... HlsdaKtisir und Hefchäftsstökke: Frankfurt a. ITC., Blcichstraße 2, Ecke vilbelerstraße iEcCcf on 10507. HsmusgeVep: §<xt$ Hers. r—--—1—:-- Jusertionspreife: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Psg. Die Reklamezeile. 100 „ Platz- und Daten-Borschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunft. 4 Jahrgang. Freitag, den 5. Adar 5666 (2. Marz 1906). Ro. 9. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Fractionierung oder Trennung? — Brief aus England. — Ein Märtyrer. — Die Woche. — Aus aller Welt. — Aus den Vereinen. — Aus der zionistischen Bewegung.— Feu illeton: Ein kleines Drama. — Ein Vorschlag zur Reorganisation des Chasonus. — Wochenschau für das praktisch-religiöse Leben. — Familiennachrichten. Fractionierung oder Trennung'? Herrn Dr. M. Cahn zur Erwiderung! (Schluß.) Und welches ist das zweite schwerwiegende Bedenken des. Herrn Provinzialrabbiuer Dr. Cahn? — Man höre! Durch unsere Beteiligung an dem Verbände der deutschen' Juden könnte die.Schaffung eines .Kirchenregimentes, einer Synodalverfassnng für die preußische 'Jndenheit 'gefördert werden. Aber um Himmels willen, ivohin soll das führen? Man übertrage doch/einmal diese ewige Aengstlichkeir vom Klal auf den Prat und überschaue dann die Konsequenzen einer derartigen Anschauung: Ta ergibt sich, bah ein orthodoxer Jude eine Ehe nicht eingehen darf. — weiß er doch nicht, ob seine Kinder dem Judentume nicht den Rücken kehre»! —; auch darf eilt orthodoxer Jude nicht nach Reichtum streben, da er sich durch den Reichtum in religiöser Hinsicht zahlreichen Gefahren aussetzt. . . Uebrigeus ist das immerforte Reden von der Sündhaftigkeit des Menschen eher christlich; vom Standpunkte des Jüdcntnms aber heißt es: „Al tidzdak liarbo . . Ein jüdischer Verband könnte eine Syuodalverfassnng erstreben! — Aber warum bloß dieses! Warum erwägt man nicht, welchen Nutzen ein Verband für die Sicherung unserer religiösen Interessen haben kann. Hat noch nie ein Schechitoh- Verbot gedroht? Und wozu sind die Statuten des Verbandes da? — Hier wird man einwenden: Es kommt in erster Linie auf die A u s f ü h r u n g dieser Statuten au. — Allein, abgesehen davon, daß Ehrenmänner auch inr Lager der Neologie anzutreffen sind und es Sache der konservativen Elemente ist, sich die in die Leitung zu wählenden Männer näher anzusehen, liegt cs im Interesse des Verbandes — ja seine Existenz erheischt es —, daß er diereligiösenMomente anßer S p i e l l ä ß t.. Es könnte! .... „Es könnte" ist nicht die Sprache, die Männer von Tatkraft, von Ueberzeugung führen. Von eventuellen Gefahren sprechen in der Regel Leute, denen jeglicher Mut und jegliches Bewußtsein von der Sieghaftigkeit ihrer Ideen fehlt. 'Was soll man von einer Orthodoxie halten, die anstatt geschlossen auf den Kampfplatz zu treten und nach Eroberung des Kampfplatzes zu trachten, sich in einen engen Winkel verkricht und ihre Zuflucht zu einer durchlöcherten chinesischen Mauer nimmt?! Wem soll das imponieren?! Etwa der Jugend?! Und wem soll das. zum Mitzen gereichen?! Etwa der Gesamtheit, oder wenigstens der Orthodoxie?! So weit über das Verhalten des Herrn Dr. Cahn und seiner Gesinnungsgenossen dem Verbände der deutschen Juden gegenüber! — Und nun der Lehrer-Verband! — Auch hier ist die Fraktion der einzig richtige und einzig gangbare Weg. Ter Lehrer-Verband als solcher hat sich nur mit den Interessen. zu befassen, die alle n gemeinschaftlich sind, mit den sozialen und politischen Angelegenheiten nämlich, religiöse Fragen hat er der F raktio n zu überlassen, die rechtsstehende behandelt sie auf ihre Weise, und die linksstehende auch auf die ihrige. Ter Gesamtvorstand hat sich aus den Fraktionsvorständcn zu rekrutieren. — Alle Jssurim — sowohl der des Hrn. Rabb. Hoffmann, wie der der 42 Rabbinen — sind hinfällig, da sie sich auf die g e in e i n s a in e Behandlung rcligionsunterrichtlicher Objekte mit den Verneinern der Göttlichkeit der Thora beziehen. Ein Jssur, einem Verbände, der Neologe zu Mitgliedern zählt, auzugehören, gibt cs ivohl nicht. — Sollten aber Sie, Hr.'Tr. Cahn, einen solchen ausfindig machen, dann erlassen Sie gleichzeitig einen Jssur, einem Volke auzugehören, das Neologe in seiner Mitte hat. Sie sehen, Herr Rabbiner, es gibt noch einen anderen Weg als den Ihrigen, der — wenn unnötig — nichts anderes bedeutet als: „llackaus es Leo disroel lirsisim, das Haus Israel kleinschlagen." Nunmehr blieben noch die homeletischen Deutungen der Dr. Cähn'schen Ausführungen zur Wiederlegnng übrig. Doch wir wollen dieses Gebiet nicht beschreiten, da mit der Homeletik, die ja ein Produkt subjektiver Anslegnng ist, im verpflichtenden Sinne nichts zu beweisen und deshalb auch nichts zu widerlegen ist. Zum Schluß sei noch auf Eines reagiert: Herr Dr. Cahn macht uns den Vorwurf der lleberhebung und begründet diesen Vorwurf mit unserer fortwährenden Betonung des. Klal. Wieso das eine Ueberhebnng .jft, entzieht sich unserer Kenntnis. — Wenn wir immer und imnier wieder den Klal betonen, so ist es lediglich 'deswegen, weil wir zu genau wissen, was der Klal den Kreisen des auf die Spitze getriebenen Trennungs-Prinzips bedeutet. Hat man es doch fertig gebracht, den orthodoxen „Misrachi" nur auf Grund seiner Zugehörigkeit zu einer Beivegung, der auch Neologe angehören, und auf Grund einer ausgeklügelten Phrase, daß der Zionismus eine kulturelle Bewegung sei, in Bann zu.tun! lind hat man doch erst jüngst, als im östlichen Barbarenlande Hunderte unserer Brüder als Opfer für has Judentum fielen, einen Beiveis der Gleichgültigkeit gegen den Klal erbracht, indenr »ran sich weigerte, diese Kedauschim nach altjüdischer Sitte maspid zu sein. — Also, von bpn Dingen, die die Gesamtheit am nahesten berühren und am heiligsten sind, -hält man sich fern und tut sie noch dazu in Bann; von einer. Bewegung, die auf historischem Boden steht und sich inr Rahmen der Tradition bewegt, schließt man sich aus, als ob jemals Israel arrs lauter Zaddikim bestand oder je bestehen wird! Wer aber so.h ande.lt, der verzichtet freiwillig auf. den Klal und bekundet d am it o ffen seine n g e w o l l t e n A u s s ch l n ß a nsdeinselbe n, ob er ausgeschlossen ist, das ist freilich eine, andere Frage. Wir sageir es Ihnen, Herr Rabbiner, offen heraus: Ihre, sowie Ihrer Mithelfer Arbeit bis dato war dazu angetan, den jüdischen Achdus zu zerstören; nicht cinmal mit Gleichgesinnten, mit Traditionellen, wollte man zusammengehen, man lief gegen Jeden »Nid gegen alles, was nicht auf Ihrer Geige zu spielen gewillt war, Sturm! Einsichtige Männer, die schon oder in Bälde ail's Ruder kommen, haben Ihren Irrtum bereits eingesehen und versuchen, die Fehler anderer gut zu machen, indem sie wenigstens Einigung der Gesamtorthodoxie anzustreben beginnen. Sie, Herr Rabbiner, stellen an uns die Forderung: „klabbo letabsr, mosajin ansan" und wir antworten Ihnen: „bau sn haderech!“ . . . Brief aus England. Von Jack M y e r s H a l e v y. Ich konrme soeben von einem sehr interessanteil Vortrag, der mehr als lokales Interesse verdient. Die London Zioilist League, der aristokratischste und kulturellste zionistische Verein Londons, veranstaltete einen Zyklus von Vorlesungen über zionistische und allgemein jüdische Fragen, zu denen sehr bedeutende jüdische und christliche Persönlichkeiten als Referenten cingeladen wurden. Heute kam die Reihe an Exzellenz Abdullah Quilliam B e y ans Liverpool, der das Oberhaupt der Mohamedaner in Großbritannien ist. Der Redner, ein hochintelhigenter und liberaler Mann, ist ein Mitglied einer der angesehenstcil Faniilien des Landes und ist vom Katholizisnlus zum Islam übergetreten, in welchem Glauben er das angesehene Amt eines Scheikhel-islain bekleidet. Er ist ein persönlicher Freund des türkischen Sultans, auf den er einen sehr großen Einfluß ausüben soll. Der Gegenstand seines Bortra'gs war: ,^D ie Iu den unter islamitischer Herrschaft". Der Redner, der ein erbitterter Feind des Christentums zu sein scheint, sprach in begeisterten Worten vom jüdischen Volke und seinen vielseitigen Beziehiliigeu zum Islam und verglich die Behandlung, die unsre Vorfahren unter arabischer Herrschaft genossen haben, mit der bestialischen Behandlung, die ihnen die christlichen Staaten angedeihen ließen und lassen. Eine Debatte entwickelte sich, in der die meisten Diskutanten, denen die freundlichen Beziehungen des illustren Redners zu seiner Majestät dem Sultan nicht unbekannt sind, von ihm manches über die politischen Aussichten des Zionisnlus erfahren wollten. Ter Redner bemerkte die Absicht der verschiedenen Fragesteller und ging ihr gewandt aus dem Wege. Er versprach seine Dienste der zionistischen Sache, mit der er sehr viel sympathisiere, und empfahl, im Sinne der Resolutionen der Brüsseler Konferenz, den Strom der jüdischen Emigranten au» Rußland nach der Türkei zu leiten. Mr. L. I.. Greenberg kam ihm

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