Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1'» Frankfurter Israelitisches Familienbtan. Ar- 4. sogar ein wenig ini Innern; unter dein Einfluß der ehemaligen Schüler der Alliance, die sich als Kaufleute niedergelassen haben, wird das Französische in ganz Marokko immer mehr für die Handelskorrespondenz benutzt. Die Mliance Jsraclitc ist auf dem besten Wege, uns in Marokko — in Ermangelung katholischer Schulen, die spanisch sind, und französischarabischer Schulen, deren Werk kaum begonnen hat — ähnliche Dienste zu leisten, ivie wir sic im Orient den katholischen Missionen verdanken." Der erwähnte Bericht Bernards weist, ebenso wie das Buch von Fallet, noch besonders ans den Umstand hin. Las; die Lehrer der Alliance in Paris, auf der „Ecole normale israelitc“, die zu dem Zwecke in Auteuil gegründet worden ist, ausgcbildct werden. In einem Bericht, den ein französischer Diplomat, Edmond Bapst, in: Aufträge seiner Negierung über das französische Unterrichtswesen im Orient versaßt hat, wird auch der Alliance Jsraclitc rühmend gedacht. Das Pariser Journal vom 20. November 1805 saßt die Bemerkungen von Bapst über diesen Gegenstand folgendermaßen zusammen: „Bapst zollt der Miance Jsraclitc, deren intelligente Arbeit die denkbar französischste ist, gerechte Anerkennung. Die Schulen der Alliance haben keinen konfessionellen Charakter und geben einen nach Sprache und Tendenz durchaus französischen Unterricht." Der Bericht empfiehlt reichlichere Unterstützung dieser Schulen in der Türkei durch die französische Regierung. Man sicht, daß Frankreich die Arbeit der Alliance. Israelitc bei der 'Abwägung der verschiedenen Interessen in Marokko sich gutschrcibt. Bedeutete dies weiter nichts, als daß Frankreich sich mit fremden Federn schmückte, ohne die Interessen anderer zu schädigen, so wären wir Deutsche sicher die letzten, »ns darüber aufzuhaltcn. Wir können nicht dulde», daß Frankreich uns im Hinblick auf die Konferenz in den Schatten zu stellen sucht, indem es sich auf eine Arbeit stützt, die nicht französisches Werk ist. Lange genug haben wir geschwiegen. Der Augenblick ist gekommen, die Dinge zu zeigen, wie sic wirklich sind, abgesehen von der materiellen Schädigung der deutschen Interesse» in Marokko, die ein stillschweigendes Billigen der Tendenz, die Alliance Jsraclitc gegen uns ins Feld zu sühren und im rein französischen Interesse zu verwenden, bedeuten würde. Indem ich diesen notwendig gewordenen Hinweis mache, betone ich ausdrücklich, daß mir nichts ferner liegt, als der von mir oben gewürdigten Tätigkeit der Alliance Jsraclitc als Kulturträgern! .Hindernisse in den Weg zu legen. JNi Gegenteil, dieses schöne Werk verdient nach wie vor auch von Deutschland aus Unterstützung und Förderung jeglicher Art. Man scheint aber in Frankreich übersehen zu haben, daß ein sehr großer Prozentsatz der Beiträge für die Mliance alljährlich aus Deutschland kommt. Die Berichte der Alliance belehren uns über diese Beiträge. Es hat der ernstlichen Bedrohung unserer Interessen in Marokko bedurft, mit die Tatsache, daß deutsche Interessen durch deutsches Geld geradezu geschädigt werden, in recht helles Licht zu rücken. Ich glaube, daß den Gebern diese Möglichkeit nicht in den Sinn gekommen ist. Wir stehen aber heute vor dieser Tatsache, und die Jndcnschaft Deutschlands hat mit ihr zu rechnen. Unsere wirtschaftlichen Interessen werden zum mindesten nicht gefördert, wenn derjenigen Bcvölkernngsklassc Marokkos, die aus Jahrhunderte hinaus das kaufmännische Beriniltelungsglicd bilden wird, den Inden, mit deutscher Hülfe der Weg in andere Länder gewiesen, wenn den jüdischen »auflenten Marokkos eine Brücke zu nichtdeutschcn Ländern geschlagen wird, wo wir nach dem Grundsatz der Gleichberechtigten eine solche nach Deutschland führende Brücke ebenfalls beanspruchen tonnen und müssen. Ich denke, die deutschen Israeliten werden hier ihre Pflicht run. Vor allen Dingen sollten sic sich dagegen verwahren, daß französische Politiker sich vor der Konferenz mit dein unter Mithülsc deutscher Inden geschaffenen Werk der Alliance Jsraclitc Universelle in Marokko brüsten. Oder war etwa dies Werk cingeleitet worden zum Zweck einer einseitigen politischen Propaganda? Ist nicht vielmehr der Zweck der Alliance in Marokko die Hebung der jüdischen Massen? Wird dieses Ziel nicht in erhöhten Massen erreicht, wenn der Kreis der durch die Alliance geleisteten Arbeit ausgedehnt wird, wenn die reiche deutsche Kultur den Israeliten Marokkos zugänglich gemacht wird? Diese Fragen haben die deutschen Israeliten sich zu beantworten: sic sind auch berufen, die Folgerungen ans ihrer Antwort — die, ob nun nationale oder jüdische Interessen berücksichtigt werdcn, doch nur eine einzige fein kann — zu ziehen. Wir sahen uns veranlaßt, den größten Teil dieses Artikels in unseren Spalten tviederzugeben, in erster Linie, weil er ein Bild von der Haupttätigkcit der „Alliance Jsraclitc" bietet, in zweiter Linie aber, weil er eine Anklage gegen die deutschen Juden ob der Förderung, die sic mit ihrem deutschen Gelbe dem Franzoscnlum angedeihcn lassen, enthält. Was letzteres anbclangt, so bemerken wir, daß die Aeldnnterstütznng, welche wir deutschen Juden der „Ml. Jsr." gewähren, nur in der Absicht geschieht, dem I u d c n t u m förderlich zu sei» — nicht aber den» Franzosentum. Die „All." gründet mit ihrem Gelbe Volksschulen, also Schulen, in denen man in der Regel nur eine Sprache den Zöglingen beibringt. Und nur die Sprache, die am praktischsten und Vorteilhastesten für die Schüler eines jeden Landes ist, darf vor den anderen vorgezogen werden, und da wäre, bevor man anklagt, zu untersuchen, ob das Französische für die Inden Marokkos praktischer als das Deutsche sei. Das muß der einzige Gesichtspunkt sein, von dem eine Wohltätigkeits-Institution wie die „All." ausgehen. darf. Das der „Köln. Ztg." zur Erwiderung! — Für uns Inden aber kommt noch der Moment in Betracht, ob eine jüdische Institution, die von intcrilationalem Gelbe getragen wird, Inden oder bloß Menschen zu erziehen hat. Das in der nächsten Nummer! Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M., den 15. Januar. Einbruch. Heute Nacht wurde in die Synagoge der Jfr. Religionsgesellschaft cingebrochen und die Zcdokoh-Büchsc ihres Inhalts beraubt. 1 Berlin. Der letzten Sitzung der Repräsentant e n v c r s a m m l u n g lag eine Vorlage betreffs K o st c n b c w i l l i g n n g für den Religion sunterricht von P r o s e l y t c n vor. Ter Referent Professor Blaschkc berichtet, daß die Vorlage des Gemciiidevorstandes in zwei Teile zerfalle. Es handelte sich cimnal darum, einer Christin, die zum Judentum übertreten will, für den zu diesem Z w e ck c g e ii o j s c n c n R c l i g i o n s n ii t c r r i ch t 80 Mark zu bewilligen. Alsdann hat aber der Gcmeiiidevorstaiid die Repräsentanten ersucht, sich prinzipiell damit einverstanden zu erklären, daß solche Zuschüsse für die Erteilung des Religionsunterrichts gewährt werde» sollen. Ein im Ausschuß eingebrachter Antrag, die Vorlage des Gciiiciiidevorstandcs in beiden Punkten abziilehnen, hat keine Mehrheit gcsundcii. Der Ausschuß hat sich ans den Standpunkt gestellt, daß von den Gemeindebehörden nichts getan werden darf, was auch nur im Eiitfcriitestcii den Schein erwecken könnte, daß eine Veranlassung gegeben würde, zum Jiideiitum übcrziitrctcn, oder daß der Ucbertritt durch irgendwelche lliitcrstiitziing erleichtert würde. Vor unseren Glaubensgenossen wie vor den Andersgläubigen muß der Schein vermieden werden, als ob der Üebcrtritt, falls er nicht aus innerster llebcrzcugnng erfolgt,, befördert würde. Ter Ausschuß war sich jedoch klar, daß die Bewilligung eines Zuschusses zu den Kosten des erforderlichen Religionsunterrichts keine Beförderung des llcbertritts zum Jiideiitum involviert, und hat deshalb die Bewilligung der verlangten 80 Mark befürwortet. Ten Antrag, sich prinzipiell mit der Gewährung einer Beihilfe einverstanden zu ertlärcn, hat er dagegen abgelchnt, ebenso einen scrnercn im Ausschuß cingebrachtcn Antrag, sich nicht grundsätzlich gegen die Bewilligung eines solchen Zuschusses äusziisprechcn. Durch Mehrheitsbeschluß empfiehlt dagegen noch der Ausschuß, den Gcmeindevoi stand zu ersuchen, in jedem einzelnen Falle des llcbertritts eines Andersgläubigen zum Jndeiitiim betreffs der Kvstenbcwilligung für den Religionsunterricht eine Vorlage an die Repräjcntaiiten gelangen zu lassen. Ter Antrag rief eine überaus lebhafte, lange Debatte hervor und wurde mit 'großer Majorität angenoiiinieii. _ Personalien. Berlin. Ein Veteran der kommunalen Arbeit, der Stadtverordnete M. Heil m a ii n, feierte den Tag, an dem er 25 Jahre dem Berliner Stadtparlament angchört. Ta der Jubilar von einer festlichen Veranstaltung Abstand genommen wissen wollte, so begaben sich der Vorstand der Stadtverordnetcnvcrsaiiiiiikiing, an der Spitze der alte Langcrhans, im Namen der Korporation in die Wohnung des Jubilars und überreichte dem im Ticiiste der Stadt grau geivordciien Kollegen eine Glückwuiischadressc. Als Redner in den öffentlichen Sitzungen ist Heitmann lvenig hervorgctretcn, desto intensiver arbeitete er aber in den Ausschüssen, denen er angchörte; besonders in den Fragen des Verkehr? und der Nahrungsmittel-Versorgung Berlins gilt seine Stimme etwas; als Mensch erfreut er sich, auch bei politischen Gegnern, allgemeiner Beliebtheit. Berlin. Geheimer Justizrat Dr. Jakob Ri eß c r ist zum ordentlichen Honorarprofessor in der juristischen Fakultät der hiesigen Universität ernannt lvordcn. Die Eriiciiniing ist nmso bemerkenswerter, da Ricßer bis vor kurzer Zeit dem Bankierstande angchörtc, er war nämlich Direktor der Bank für Handel und Industrie. Berlin. Die Landtagsabgeordnctcn Justizrat Dr. Wolfs - L i s s a und Kommerzienrat M n n - st e r b e r g - T a n z i g erhielten den Roten Adl c ro r d c n 4. Klass e. Darmstaöt. Sein 90. Lebensjahr vollendete am 18. Januar Herr E m anncl Fnld in geistiger und _ körperlicher Frische. Herr Fnld ist der Begründer eines altrenommierten Kolonialwarcngcschästes, von welchem er sich schon vor Jahren infolge seiner Umsicht, seiner gewandten und reellen Geschäftsführung in den wohlverdienten Ruhestand zuzichen konnte. Auch im öffentlichen Leben hat sich der Jubelgreis betätigt, indem er von 1863 bis 1877 als Vorsteher der israelitischen Religionsgemckndc amtierte. Glogau. Herr Immanuel Landsberger ist einstimmig zum Stadtrat gewählt und von der Regierung bestätigt worden. Äismarton, 21. Januar. Die heute Vorniittag stattgehabte Beerdigung des Weingroßhändlers Ignaz W o l f gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Verehrung und Hochachtung, deren sich der Berbtichenc in unserer Stadt, jja im ganzen Comitate in seltenem Maße erfreute. In dem schier unabsehbaren Lcichenznge sah man die Vertreter der Kismatoner isr. Kiiltusgemeinde unter Führung des greisen -Oberrabbi und der Vorstchung, den Stadtmagistrat, die Vorstände der Soproner KnltuZgemeinde, der Gemeinde Kismarton, die Tirektionsrätc der hiesigen Sparkasse und der Bezirks-Sparkasse, königl. Rat Josef v. Haller an der Spitze der fürstlich Esterhazy'schen Beamten, den Kommandanten der Militär-Realschule, die Beamten des königl. Bezirksgerichtes, des Postamtes unter Führung des Herrn v. Bonyhay, des Stuhlrichteramtes, sämtliche Schulen mit den Lehrern, die Gesang-, Feuerwehr- und Veteranen-Vcreiiie mit traucriim'flortcn Fahnen, die Beamten und Angestellten der Weingroßhandlung, die Vertretung der Soproner Handels- und Gewerbekaininer usw. Tic Gassen, durch welche sich der Kondukt, dessen Arrangement die Kultusgemrindc übernomincn hat, belvegte, war durch elektrische, in Trauerflor gehüllte Lampen beleuchtet, die Geschäfte waren geschlossen. Philadelphia. Siegmnnd Schlachter und Frau feierten das Fest ihrer goldene »Hochzeit. Das Jubelpaar wurde am 14. Januar 1856 von dem verewigten .Rabbiner Mayer in Hannover (Deutschland) getraut. Im Alter von 77 Jahren verstarb das angesehene Gcmeindemitglied Max Thalheimer, gebürtig aus Asclterrach (Württemberg). Ter Verstorbene kam bereits im Alter von 17 Jahren nach Amerika. New-Bork. Lee Kohns, ein Neffe des bekannten Gesandten a. D. Oscar S. Strauß, ist zum Kurator der Universität ernannt worden. ' Chicvgo. Im Alter von 117 Jahren starb hier Frau Fannie Epstein, die mit ihrer 85>- jährigen Tochter Frau Julie Dutchansky ziisammenwohnte. Die Verstorbene, die in Kowno (Rußland) geboren war, hinterläßt 88 Urenkel und 2 Ururcnkel. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. 1 Der Verein Mekor C h a j i m hatte seine Mitglieder ans letzten Sonntag zu der alljährlichen ordentlichen Generalv c r s a m m l n ii g eingeladen. Herr Ma-rkus H i r s ch eröffnetc die Versammlung und erstattete den Bericht über das abgelaufenc Jahr, das wiederum mit einem Plus von Mitgliedern — der Verein zählt jetzt 289 Mitglieder — schließt. Unter den verstorbenen Mitgliedern ist besonders der Verlust der seit Gründling des Vereines diesem angehörigen Mitglieder Ludwig Wertheimer und Semai Homhurgcr — letzterer war auch Mitgründer — zu beklagen. Die Rechnung schließt mit ctiiein Ucberschuß von 441 Mark ab. Die vielgestaltige Arbeitstätigkeit auf dem Gebiete des Limmiid Hatauroh vollzog sich in den seit Jahren bewährten Bahnen, nur ist zu bedauern, daß sich an de» Gemvro-Schiiiriin fast nur Baalei bajis und wenig junge Leute beteiligen. — Auch die Unterabteilung „Nachlaß Zwi" vollführte in bewährter Weise wie in früheren Jahre» ihr Programm. Der Besuch ihrer Monde ist, seitdem sie aus der Adler- Loge in die neuen Räume des Mckor-Ehajim-Bereines übergesicdclt ist, andauernd eine sehr befriedigender. Tie „Konfcrciiz-Abeiide," die dem Gedankenaustausch der hiesigen orthodoxen akademischgebildeten Herren diene», mußten leider eingestellt werden, dagegen erwiesen sich die neu eingeführtrn „Literatnrabende" als sehr zugkräftig. IN den Vorstand des Nachlaß Zwi wurde Herr Leopold Oppenheimer kooptiert. Da die Versaminlniig den Bericht ziistimiiieiid — ohne Diskussion — zur Kenntnis genommen hatte, so wurde nunmehr zur Wahl geschritten. Es ergab sich ans der Urne die Wiederwahl der drei aiisscheidenden Vorstandsmitglieder: M a r c u s Hirsch, Nathan H o m b n r g c r, Lcopold Löwenthal. Hierauf erfolgt per 'Akklamation die Wiederwahl bes Herrn Marcus Hirsch als Präsident. Zu Punkt 8 der Tagesordnung „Evcntualia" liegt ein Antrag des Herrn David Strauß vor, der verlangt, daß and) beit vcryeiratctenMitgliedern das Wahlrecht gewährt werde. Da der Antrag nicht die voü den Statuten für Anträge bestimmte Frist eiiigchalten hatte, so konnte er nicht zur Mstinimung gelangen. Auf 'Veranlassung des Vorsitzenden wurde jedoch eine Diskussion über den