Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1906)
- Date
- 1906-01-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 3 denn er hatte ein unbegrenztes Vertrauen zu seiner Frau und stand vor ihr mit Ehrfurcht, wie vor einem höheren Wesen. ■ Sich selbst hielt er für einen „kleinen Menschen", der durchaus nicht des Glückes würdig sei, das ihm der Allmächtige in der Gestalt seiner Chinka herabsaudte. Tic Muhezeit verbrachten sie zusammen: sie sahen nebeneinander und plauderten. An den Samstagen und Festtage» las R. Schmnöl seiner Frau die Bibel oder irgend ein anderes religiöses Buch in jargonischer Ucbcrsetznng vor. Diese Lektüre vcrschasften dem Ehepaar ein hohes geistiges Vergnügeil und hatte einen großen Einfluß ans ihr 'ganzes Betragen. (FortseZung folgt.) „Haha, Dank von Väterchen, dem Zaren!" Tann bat er wieder flehentlich: „Väterchen, Väterchen, gib mir mein Weib, gib mir mein Kind!" Der Morgen war hcrangcbrochen und dort auf einem Trümmerhanfcn sah Schloimeh und murmelte irren, verstörten Blickes mit dem Lächeln des Wahnsinnigen: „Tank von Väterchen, dem Zaren!" Mähr.-Weiskirchen. Alfred Grünspan». Vakanzen. G e l s e n k i r ch c n. Lehrer für die. israelitische Volksschule per 1. April. Grundgehalt Jk 1300 (Anfangsgehalt ,H, lüöü), Mietsentschädigung Jk 300, Alterszulage Jk 120. Eger (Böhmen). Rabbiner östcrr. Staatsangehörigkeit per 1. Slpril. Varmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir Litten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Willi, Sohn des Herrn Julius Hirschmann, Schwindtstr. 12, in der Westendsynagoge, Unterlindau. Ludwig, Sohn des Herrn Albert Rotschild, Hamburgerstr. 34, in der Gemeindesynagoge Bockeyheim. Grosse Detektiv - Zentrale a Tel. 4359. und Privat-Auskunftei Tel. 4359. ■ Salzhaus 8, I» (Ecke Rossmarkt) M erl. gewissenhaft und schnell Vertrauensangelegen- Ä Leiten jeder Art. — Prospekte gratis. Dank. Noch einmal umarmte er sein Weib, noch einmal küßte er sein Kind, das ihm jubelnd die Händchen cntgegenstrecktc dann verlieh er schluchzend das Haus. „Was würde aus seinem Weibe, ans seinem Kinde werden?" — Er hatte ihnen nichts zurücklasscn können. Wer würde sich ihrer annchmen? — „Doch," tröstete er sich, „Väterchen, der Zar, wird sie nicht verhungern lassen, ziehe ich doch für ihn in den Kampf, verlasse ich doch mein Teuerstes, um seinem Rufe zu folgen." Mit solchen Gedanken beschäftigt, schritt er der Kaserne zu. Eben bog er um die Ecke, als', er hinter sich den Ruf vernahm: „Schloimeh, Schloimeh!" jWic er sich umblickte, sah er Moischeh/ein Kretin, der von den milden Gaben der jüdischen Bewohnerschaft des Städtchens, lebte. „Schloimeh, Schloimeh," ächzte er mit seiner widerwärtigen Stimme und schüttelte dabei seinen großen, wulstige» Schädel, „wie gut Dir der farbige Rock steht! Geh, Tn bist ja jetzt ein großer Herr, schenke mir eine Kopeke!" Mitleidsvoll reichte ihm Schloimeh die Münze und eilte dann der Kaserne zu, denn schon in einigen Stunden sollte sei» Regiment nach dem Kriegsschauplatz im fernen Osten abgehen. Einige Monde ivarcn verstrichen, als sich ein Soldat müde und abgehetzt die zum Städtchen führende Landstraße ' dahinschlcpptc. Sein verwundeter Arm, den er in der Binde trug und die Kriegsmedaillc, die seine Brust schmückte, legten Zeugnis davon ab, wie wacker sich der Mann' in dem eben erst beendigten Kriege gehalten hatte. Je näher er dem Städtchen kam, desto lauter schlug sein Herz. Er konnte den Augenblick nicht erfassen, da er seinem Weibe um den Hals fallen, da er sei» einziges Kind werde umarmen können. Er beschleunigte seine Schritte. — Schon hatte die hereinbrechende Nacht das Städtchen in Dunkelheit gehüllt, als er die) Straße erreichte, in der sein Häuschen stand. Doch — welch Schrcckcnsbild entrollt sich vor seinen Augen! Er taumelt, — wohin er blickt, alles — Schutt und Trümmer. Einem Tollen gleich stürzt er weiter und (schreit mit heiserer Stimme in das Dunkel der Nacht hinein: „Wo ist mein Weib, wo ist mein Kind? Gebt mir mein Weib, gebt mir mein Kind, meinen Elie!" — Plötzlichzerrte ihn jemand hinten am Rocke: „Hihi,"lgrinste ihn Moischeh, der Krüppel an, „das ist ja der -Schloimeh, was schreist Du denn so?" „Sprich," donnert ihn Schloimeh an, „wo haben sie mir mein Weib, mein Kind hingegeben?" „Man hat sic auf den guten Ort getragen," lächelte Moischeh einfältig, „so wie viele andere. Mich wollten sic auch erschlagen, hihihi, aber ich war schlauer wie sie und habe mich verkrochen!" Kaum hatte Schloimeh diese Worte vernommen, da tobte er wie wahnsinnig und schrie gellend ans, indem er sich Ivütcnd die Medaille von der Brust riß und sie mit Füßen trat: Vereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Sonntag, den 21. Januar, abends 8H» Uhr im Bereinslokalc, Schützcnstraße 2: Generalversammlung. Vereiu für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 22. Januar, abends SVe Uhr im Saale der Frankfurt-Loge, Herr Dr. S. Simchowitz- Köln: „Die jüdisch-deutsche Literatur". Verein Montefiore. Mittwoch, den 24. Januar, abends 9 Uhr im Bereinslokalc Scilerstr. 22, Part., Vortrag des Herrn Tr. mcd. Carl Lehmann, hier: „Wesen und Bedeutung der Impfung". Donnerstag, den 25. Januar, abends 9 Uhr im Vereinslokale, Seilerstraße 22 p., Fortsetzung des Handelslehrkurses unter Leitung des handelswissenfchaftlichen Lehrers Herrn Julius Gans. Verein Tiseres Bachurim. Sonntag, den 21. Januar, abends 83/j Uhr in der Aula der Religionsschule, Hermesweg 25/27, Vortrag des Herrn Leop. Oppenheimer: „Einiges über die Quellen der Tefilloh." R. P. Bes-Harnidrasch. Samstag, den 20. Januar, 4h< Uhr nachmittags, Rechneigravenstraße 12, II: Vortrag des Herrn Rabbiner Klatzkin, Mariampol. Schuhmacherei DUPPi Börneplatz 23. Reparatur. Billigste Preise. Familiennachrichten. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos). Geburten. Ein Sohn, Herrn Abraham Sichel (Lissa), Frankfurt, Eschersheimcrlandstraße 78. Ein Sohn, Herrn Tr. med. Raphael Kaufmaiin (2saY), Frankfurt, Hölderlinstraße 4. Eine Tochter, Herrn Julius Oppenheimer (Hartog), Straßburg. Ein Sohn, Herrn Theodor Gnggcnheim (Rapp), Frankfurt, Obermainanlage 22. Eine Tochter, Herrn Mayer Holländer (RvSncr), Frankfurt, Neue Zeit 21. Verlobte. Sclma Katz, Hungen, mit Jacob Oestrich, Hanau. Rosi Cahn, Frankfurt, Obcrwcg 45, mit Emil R. Strauß, Frankfurt. Claire Sichel, Schlüchtern, mit Leo Katzcnbcrger, Köln. Sophie Wcimerheimer, Jchenhause», mit Julius Löwenstein, Altenstädt. ,v Frida Moos, Ulm, mit Leopold Hirsch, Ulm. Stefanie Bachmann, Offcnbach, mit Bernhard Fnld, Frankfurt. Sterbesälle. ' Adolf 'Rosciibauni, 21 I., Frankfurt, Hananerlandstraße 36. Julius Levi, Fabrikant, Hcchingcn. Bernhard Hertz, 50 I., Krefeld. Moritz Gerson, Mannheim. Emilie Strauß, geb. Eichbaum, Frankfurt, Bergwcg 22. Richard Seligmann, 74 I., Bingen. Eins—drei—sieben Entschuldigungen— urid achtzehn Kinder Hab ich nur in der Klasse! Und das geht nun so tagaus—tagcin und ich weiß nicht, wie ich die Mädels zur Versetzung reif machen soll. Wenn die Leute sich doch bloß einprägcn wollten, daß Fay's ächte Sodener Mineral-Pastillen die besten Freunde eines Haushaltes mit Kindern sind! Bei mir gehn sie nicht aus und meine Jungcns haben noch keine Stunde versäumt. Und dabei sind die Sodener doch so vielfach erprobt, daß schließlich wirklich jeder wissen könnte, wie wertvoll für die Erhaltung der Gesundheit sie sind. Der ist 85 Pfg. per Schachtel; in allen Apotheken, Drogen- und Mineralwasserhandlungen zu haben. ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 20. Januar (= 23. Tewes) Wochenabschnitt: Schernaus. Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 30 Min. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 50 Min., Offenbacher Druckluft=Anlage Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Teppichreinlgung.' Conditorei Nossbaum Friedberger Landstr. 45. Telefon 10189. Unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Horovitz. Speeialitüt: Kaffee- und Thee-Gebäck. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut BIocli. Jsraelit Knafien-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: B. Bloch. Verein Montefiore, Seilerstrasse zz pri. Yereins - Focalitäteu geöffnet täglich von 12—3 und 6—11 Uhr Samstag und Sonntag den ganzen Tag. Israelitischer Mädchenklub Fahrgasse 14S. V Jeden Abend von 71/*—10 Uhr geöffnet. *3H Wir bitten unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme aus unser Blatt bei unseren Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familienblatt. Zeugnisabschriften, schriftliche Arbeiten aller Art. Schreibmaschinen; Alle Zubehöre. — Reparaturen. — Unterricht im Maschinen-Schreiben. Euusn Hoff mann. Frankfurt a. M., Petersthor 2. Telefon 3214. Monogramm- und Wappenprägnngen auf Briefpapier in feiner eleganter Ausführung. Franz Striegel, Stmstrasse 21. 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