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Neue jüdische Presse · 1906-01-19 · Heft 3 (19.1.1906) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12. Nr. 3. Höker wurde Justiz rat Epstein zum stellvertretenden Vorsteher gewählt. > Wien. Se. Majestät hat dem Kultusvorstehcr Sigmund Kauders den Titel „Kaiserlicher R a t" verliehen. Wien. Die Generalversammlung des .israelit. Tempelvereines für Mariahilf und Neubau" wählte die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Generalkonsul B. Janowitzer und Hermann König wieder und K. Kraus und Ignaz Klein neu in den Vorstand. Krakau. Bei seiner Konstituierung wählte der Kult usv o rst and Dr. Sam. Till er zum Präsidenten, Dr. Raphael Landau.Zum ersten und A. Margulies zum zweiten Vizepräsidenten. Zürich. Herr Privatdozent Dr. Silber schm idt ist zum außerordentlichen Professor an der Universität ernannt worden und wird als solcher die bakteriologische Abteilung des hygienischen Instituts leiten, an der er schon bisher tätig war. Wie das „Jsr. Wochenblatt für d. Schweiz" mitteilt, ist es das erste Mal, daß ein Universitätsprofessor Mitglied der Züricher jüdischen Gemeinde ist. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M., 18, Jan. Gestern veranstaltete der Verein Montcfiore einen seiner beliebten Familienabende, zu dessen Gelingen die Damen Alice Baehr und Jutta Pagendors, sowie die Herren Martin und M a x Bertuch und Kantor Reumann beitrugen. Der wohlverdiente Beifall, den die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste spendeten, zeugte von der vollen Zufriedenheit derselben. Berlin. Der vor iy2 Jahren gegründete Jüdische Frauenbund trat hier am 27. v. Mts. zu seiner ersten Tagung zusammen. Es waren ungefähr 60 Telegierte erschienen. Die Begründerin des Frauenbundes, Frl. Berta Pappenheim- Frankfurt, eröffnete die Sitzung und legte nochmals die Ziele und Zwecke des Bundes dar. Derselbe sei gegründet, um die jüd. Frauen anzuregen und fähig zu machen, sowohl ihre allgemeinen Frauenrechtc und Frauenpflichten im Staate und in der politischen Gemeinde wahrzunehmen, als auch ihre Pflichten und Rechte innerhalb ihrer speziellen Religionsgcsellschaft zu vertreten. Was die äußeren Ziele des Bundes betreffe, so decken sie sich mit den Zielen und Zwecken der Frauenbewegung. Dazu kommen noch die Aufgaben der jüdischen Frauen: die geistigen Errungenschaften auf ethischem und moralischem Gebiete, die die Vorfahren seit Tausenden von Jahren vertreten, zu verteidigen und nicht beflecken zu lassen. Ter Bund wolle die jüdischen Frauen auf die Schäden und Rückständigkeiten im gegenwärtigen jüdischen Vereinslcben aufmerksam machen. Viele Frauenvereine, die speziell Frauenintcressen und Interessen von Mädchen und Kindern vertreten, stehen entweder ganz unter Männerverwaltung oder nominell unter gemischter Verwaltung (Kindergärten, Waisenhäuser, Spitäler, Krankenpflege-, Bekleidungsvereinc, sogar Haushaltnngsschulen). Tie größten Vereine, die alle fürs Volk, also für die Gemeinschaft von Männern, Frauen und Kindern arbeiten, entbehrten bisher noch vollständig der Mitarbeit der Frauen, so der Galizische Hilfsverein, Baron Hirsch-Schulen, „Jca", Hilfsvercin der deutschen Juden, Teutsches Zwcigkoniitcc zur Bekämpfung des Mädchenhandels. — Tie nächste Aufgabe des Bundes werde eine Umgestaltung der herkömmlichen Art der jüdischen Wohltätigkeit in eine rationelle Wohlfahrtspflege sein niüssen. Hierauf gab Frau Tirektor Henriette M a y- Berlin den Geschäftsbericht. Auf die im Oktober bis Tezember versandten Aufrufe haben sich 70 Vereine bei dem Frauenbund zum Anschluß gemeldet. In der am 23. Jan. 1905 in Hamburg stattgchabtcn Vorstandssitzung wurde der Beschluß gefaßt,' sich dem Hilfsvereiu der deutschen Juden zur Verfügung zu stellen, der den Strom der russischen Auswanderer durch Tcutschland leitet. Ter Hilfsvercin hat diese Mitarbeit freudig angenommen. Ter Erfolg dieses Zusammenwirkens war derdaß der Frauenverein in Spandau sich dem Hilfsverein für die Auswandererstation in Ruhleben zur Verfügung stellte und daß die einzelnen Francnvereine Kleidersammluugen Vornahmen. Es ist ferner versucht worden, einzelnen Familien, die ohne jegliche Not auswandern, die Ansiedelung auf dem Lande zu ermöglichen, auch einzelne junge Mädchen sind bereits in einigen Fällen mit Erfolg untergebracht worden. Nach dem Kassenbericht (830 .it. Einnahme», 186 Mark Ausgaben), erstattet von Frau Tr. Frankl- Berlin, ergriff Fräulein Sidonie Werner -Hamburg das Wort zu ihrem Referate „Tie Anteilnahme der jüdischen Frau an der Genieindcarinenpflege", sie verlangt auf diesem Gebiete für die Frauen gleiche Rechte wie für die Männer. Sodann gab Frau Julie Nenmann-Berlin einen Ueberblick über „die . Tätigkeit der Frauen in der Berliner Wohlfahrtspflege". Am zweiten Tage der Sitzung wurde als Sitz des Bundes Berlin bestimmt und als Vorstand gewählt: Frl. Bertha Pappcnheim-Frankfurt (Vor- . sitzende), Frl. Sidonie. Werner-Hamburg (stellvertr. Frankftirter Israelitisches Familienblatt. Vorsitzende), Frau Tirektor Henriette Mah-Berlin, Frau Tr. Frankl-Berlin, Frau Dr. Höxter-Frankfurt, FzwuLevy-Leipzig, Frau Altmann-Kattowitz, Frau Tr. Vvgelstein-Stettin, Frau Dr. Horowitz-Thorn, Frau Lea Calvarh-Posen und Frau Blumberg-Tessau. Auf Antrag der Frau Tr. Höxter wird eine „Propaganda-Zentrale" beschlossen und Frau Tr. Höxter und Frau Schlesinger-Frankfurt zu Vorsitzende» derselben gewählt. Tes weiteren erklärt die Versammlung ihre Zustimmung zu dem Anträge Pappenhcim, mit Rücksicht auf die infolge der Industrialisierung und Pauperjsicrung der Massen,-wohl auch infolge der sinkenden Religiosität mehr 'unö mehr zunehmende Unsittlichkeit die Errichtung eines Heims für sittlich gefährdete oder bereits gefallene Frauen und Mädchen in ländlicher Gegend in die Wege zu leiten. Köln a. Rh. Das .Jsr. Gemeindebl." schreibt: Wie wir erfahren, hat sich in der (Stille ein Verein gegründet, der sich Gabriel R i e ß e r - V c r c i n nennt und ein Verein für jüdische junge Männer in unserer Gemeinde mit ähnlichen Zielen, wie sie der frühere jüdische Jügendverein gehabt hat, sein will. Der neue Verein will vorläufig absichtlich noch im engsten Kreise bleiben, überhaupt kolossal vorsichtig in seiner ersten Arbeit sein, um die Achter des früheren Jugend-Vereins zu vermeiden. 'Wenn wir richtig informiert sind, wird der junge Verein in der ersten Zeit keine öffentlichen Vorträge, sondern nur interne Diskussionsabende veranstalten. Ter erste dieser Abende findet am Montag, den 15. jb. Mts., abends 9 Uhr, im Hotel Heuser, St. Agatha, statt. Herr Hermann Leubsdorf wird über das Thema: „Gabriel Ricßcr" referieren. Wie ferner verlautet, haben sich dem Verein eine bedeutende Anzahl von Rednern zur Verfügung gestellt. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Bei unserer Redaktion gingen ein: 1) „Denkschrift zum Entwurf eines Gesetzes betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen" von dem Verband der Deutschen Inden, 2) „Petition der israelitischen Lehrer im Regierungsbezirke Kassel an das Haus der Abgeordneten". Würzburg. Der Jahresbericht der israelit. L e h r e r b i l d u n g s - An st.a l t enthält außer den ordnungsgemäßen Mitteilungen einen eingehenden Bericht über das am 14. Mai gefeierte 25jährige Amtsjubiläum des ehrwürdigen und verehrten Leiters der Anstalt, Distriktsrabbincr Nathan Bamberger, einen Ehreiitag, der in dieser Zeitung s. Zt. eingehend gewürdigt wurde. — Wer noch nach anderer Richtung war das abgelaufene Jahr ein bedeutungsvolles in der Geschichte der Anstalt, iiibem; drei verdiente Lehrer, die Herren Dr. G. Tachaucr, Jakob Weisbart und Dr. Nt. L. Bamberger ans> dem Lehrerkollegium schieden, die ersten zwei Herren, uni! in den wohlverdienten Ruhestand überzugehcn, und der letztere, um einem ehrenvollen Rufe als Rabbiner nach Schönlauke zu folgen (während der Bericht für die ersten beiden Herren Worte ivarmer Anerkennung hat, geht er über das Wirke» des Herrn Dr. Bambergcr stillschweigend darüber weg. Wenn Herr Dr. Bamberger auch nur wenige Jahre an der Anstalt tätig war und die anderen Herren länger wie eine Generation, so war die Tätigkeit des Herrn Dr. Bamberger doch eine so berufsfreudige und wirkungsvolle, daß wir auch eine Würdigung seiner Person gern in dem Bericht gesehen hätten). — Für die anSgeschiedcnen Herren wurden die Herren Oberlehrer I. Stoll-Nürnberg, L. Anfängcr-Memmclsdorf und Dr. Arnold Klein-Kempen gewonnen. Durch die nunmehr zu bezahlenden Pensionen, sowie auch durch die erheblich höheren Gehälter der neu angestelltcn Lehrer — die Fordc-nng, daß die Herren ihre Kraft ausschließlich dem Dienste der Anstalt widmen, bedingt diese Erhöhung — erfährt das iährliche Ausgabe-Budget eine Erhöhung von 10000 Mark. Diese große Summe verpflichtet alle Freunde der Anstalt, ihr Bestes zu tun und das Ihrige dazu zu leisten, baß die Einnahmen auch entsprechend anwachsen. Essen, 11. Jan. In der in Essen abgehaltcnen außerordentlichen Generalversammlung, des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens wurde nach einem Referate des Lehrers Herrn Ransenberg-ReiUvied folgende Resolution einstimmig angenommen: 1. Der Verein israelitischer Lehrer der Rhein- Provinz und Westfalens beklagt, daß der Entwurf eines Gesetzes, betr. die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, entgegen den Bestimmungen der Verfassung des Gesetzes vom 3. Jüli 1869 der jüdische» Volksschule und den jüdischen Lehrern die Rechtsgrundlage versagt, die Errichtung und den Fortbestand der jüdischen Schule dem Ermessen der Schnlverbändc und Bezirksregiernngen überläßt und den jüdischen Kindern diejenige Fürsorge für den Religionsunterricht mcht angedeihen läßt, die den evangelischen und katholischen Kindern gewährt wird. 2. Aus nationalen, religiösen und rechtlichen Gründen fordern wir, Paragraph 24 des Entivnrfs zu streichen und unter Aufhebung der entgegenstehenden Bestimmungen des Gesetzes "vom 33. Juli j^47 in allen bezüglichen. Pqragraphen die Worte „und jüdische", sinngemäß einzüschalteich! ( . - Bromberg. Ein Verein jüdischer Lehrer des Regierungsbezirks Bromberg hat sich kürzlich hier gebildet; zum Vorsitzenden wurde Herr I. Herzberg von hier gewählt. Meppel (Holland). Gleichzeitig mit dem 40jähr. Jubiläum der hiesigen. Synagoge wurde der neugewählte Oberrabbincr Herr Monasch feierlichst in sein Amt eingesührt. . Ncuhcuscl (Ungarn). Rabbiner L. L i ch t i g, Schwiegersohn des hiesigen orthodoxen Rabbiners, hat einem Rufe als Klausrabbincr nach H a in bürg Folge geleistet. Wilna. Einer der ältesten und ehrwürdigsten Gaonim Rußlands, Reb Schloime Hakohen, ist dieser Tage verschieden. Er hat viele talmudische Werke versaßt, die sich durch erstaunenswerte Bkiuß äuszeichnen. Besonders bekannt sind seine Randglossen zum Talmud (Hagodaus). Er war ein Freundder zionistischen Bewegung. Er hatte den Mut, den noch damals vielfach verleumdeten Dr. Herzl, als er Wilna passierte, mit einer Thorarolle zu empfangen. Er bewies stets Sinn und Verständnis für die Interessen unseres Volkes und nahm immer eifrigen Anteil an den Angelegenheiten der Jüdischen Gesamtheit. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Herr Zahnarzt Hugo Schachtel in Breslau ersucht uns um Veröffentlichung nachstehenden Aufrufes: Gesinnungsgenossen! Es ist angeregt worden, die Waisen, die hei den Oktober-Pogroms ihre Eltern verloren haben, in zionistischen Familien zu erziehen; andererseits will man dieselben in russischen Waisenhäusern öder deutschen Gemeinden unterbringen, wie der deutsche Hilfsvercin vorschlägt. Gesinnungsgenossen! Wir haben für die Kischinewer Waisen gesorgt, und sie nach denn Lande unserer Väter und unserer Kinder gebracht. Die Oktober- Pogroms haben uns bis jetzt nur zu Gaben für die Sclbstwehr veranlaßt. Hierfür dürste wohl fürs erste genügend eingegangeu sein. Gedenken >vir nun auch der verwaisten Kinder, wie wir deren von Mschinew gedacht. Sorgen wir jetzt, daß ihrer so viel als möglich in Palästina erzogen iverden können, daß Palästina ihnen zur Heimat werde, da ihre jetzige Heimat sic des Teuersten, das sie besessen, beraubt hat. Gebt und sammelt. Frankfurt a. M. Ein überaus zahlreiches, distinguiertes Publikum hatte der Einladung der zion. Ortsgruppe zu einem I n n g - I ü d i s ch e n A b e n d in der Frankfurt-Loge Folge geleistet. Die als Rezitatorin geschätzte Frau Rahmer-Nothmann ans Breslau trug aus der reichen Fülle von literarischen Erzeugnissen, die die jüdische Renaissance gezeitigt hat, eine Anzahl Gedichte vor. — Der Abend dürfte gezeigt - haben, daß derartige Veranstaltungen von erzieherischem Werte für das jüdisch-nationale Bewußtsein sind; auch dürfte er den Beweis erbracht haben, daß unseren jüdischen Vereinen bei ihren Festlichkeiten sehr wohl genügend Stoff mit spezifisch jüdischen Motiven zu Gebote stehen. Warschau. Neue Zeitung. Seit kurzer Zeit erscheint hier eine jüdisch-nationale Tageszeitung in polnischer Sprache unter dem Namen „Jüdische Stimme". Es ist, wie uns scheint, die erste jüdische Tageszeitung in polnischer Sprache, was einen erfreulichen Erfolg für die Entwicklung unseres nationalen Gedankens bedeutet. Jaffa (Palästina). Die hiesige Organisation „Poale Zion" hat bei der Anglo Palestine Co. 200 Franken für die jüdische Selbstwchr in Rußland erlegt. Johannisburg (Süd-Afrika). Sechzig zionistische Frauen haben an einem Tage 6000 M. für die von den Massakres betroffenen Brüder in Rußland gesammelt. „Welt". Verein Nachalatz Zwi. Mittwoch, den 24. Januar, abends SVi Uhr, Schiitzenstr. 2: Zum Gedächtnisse Rabb. S. R. Hirschs (27. Tewes). Wir bitten unsere 'Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt bei unseren Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familienhlatt.

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