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Neue jüdische Presse · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Budapest. Sc. Majestät hat dem Großhändler Berthold Für st de Marot, Mitchef der Firma Jakob Fürst u. Söhne, in Anerkennung seiner auf volkswirtschaftlichem, besonders aber auf kommerziellem Gebiete erworbenen Verdienste, den Titel eines k g l. ungarischen idofrates verliehen. Lcrrhold v. Fürst nimmt an dem wirtschaftlichen Leben Ungarns seit Jahren regen Anteil.und hat in seinem ausgedehnten Geschäfte die Entwicklung der ungarischen Textilindustrie wesentlich gefördert. Er ist Vizepräsident des Ungarischen kaufmännischen Landesverbandes, Vizepräsident des Budapestcr Krcditorenvereins, des Vereins ungarländischcr Handelsreisenden, der Krankenkasse der hauptstädtischen Kaufleute und des Kaufmännischen Hilfsvcrciiis, Mitglied der Budapestcr Handels- und Gcwerbckammcr, Dircktionsmitglied der Jnncrstädter Sparkasse A.-G., der „Gizella"-Dampfmühl-A.-G., der Aktiengesellschaft für elektrische Unternehmungen, der Mtiengesellschaft für den Handel mit Mahlprodukten und Futterstoffen. Anläßlich der Ausstellung in. St. Louis wurde er von der Regierung zum Studium der amerikanischen Textilindustrie nach Amerika entsendet: seine dort gesammelten Erfahrungen hat er in einem größeren Werke niedergelcgt und in mehreren Fachvereincn hat er über seine Studien Vorlesungen gehalten. Bei der Berliner internationalen Handelskonferenz im Jahre 1905 fungierte er als Referent; er war Vizepräsident des ständigen Ausschusses. Bei der internationale» Ausstellung in Lüttich 1905 und bei der Landesausstellung in Zsolna war Fürst Mitglied der Jury. Genf. Rabbiner Wolfs in Chaux de Fonds wurde zum Lektor für Arabisch und Syrisch an der Akademie in Neuchätcl gewählt. Paris. Zu Offizieren der Ehrenlegion wurden ».. a. befördert: Leutnant Au sch er, Direktor der Genietruppe in Brianyon und Fregattenkapitän T e rq n e m. Zu Rittern der "Ehrenlegion: Bataillonschef des 145. Infanterieregiments L 6 vy, Kapitän im 27. Artillerieregiment Ä l,e x a n d r e, Majorarzt im 142. Infanterieregiment Keim. Bombay (Indiens. Dr Elijahn Moses ist zum Tozent der medizinischen Fakultät der Universität ernannt worden. Tr. Moses, der 1897 an der hie-; jigen Universität sein Examen machte, hatte bisher privat praktiziert- Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Die Zionistische Vereinigung veranstaltet am n ä ch st e n Montag, abends 9 /Ihr, im großen Saale der Frankfurt-Loge einen jungjüdifchen Abend und hat für die Rezitation in Frau Rahmcr-Notmann aus Breslau eine von erster Seite empfohlene Künstlerin gewonnen. Ten Mitgliedern der Vereinigung sind die Eintrittskarten per Post zugesandt worden; sollte durch irgend ein Versehen eine Karte nicht angekommen sein, so wird gebeten, am Vortragsabend an der Kasse unter Vorzeigung der Mitgliedskarten zu reklamieren. Weitere Karten sind für den Preis von 1 und' 2 JL in den Buchhandlungen von A. I. .Hofmann, I. Kausfmann und A. Rothschild, sowie an der Abendkasse zu haben. Ter ll c b e r s ch u ß des ülbends kommt den unglücklichen Brüdern in Rußland zu gicke. Es ist deshalb zu erwarten, daß auch die nichtzionistischen Kreise sich zahlreich beteiligen werden. Hamburg. Am 4. Januar hielt in einer stark besuchten Versamnilung der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona T r. M a x B c s s e r einen Vortrag über „Judentum und S o z i a l i s m u s". Ter Redner ging davon aus, daß das altjüdische Schrifttum von dem Geist sozialer Gerechtigkeit erfüllt sei. Tie niosaiische Gesetzgebung enthalte eine Reihe sozialer Gesichtspunkte, die vorbildlich wären, und in den Flammenworten der Propheten komme der beharrlichste Widerspruch gegen llngleichheit und Unterdrückung zuni Ausdruck. Wenn auch die Forderungen der heutigen klassenbewußten Proletarierbewegung erst eine Folge der ökonomischen Verhältnisse "der Gegenwart sind, so fei doch schon in der Bibel die Grundanschauung des modernen Sozialismus enthalten, wenigstens insoweit, als der Staat für das Wohlergehen aller seiner Angehörigen Sorge zu tragen habe. Tie Beteiligung der Juden am modernen Sozialismus habe lange Zeit eine assimilatorische Tendenz gezeigt, wie das Beispiel der beiden hervorragendsten jüdischen Sozialisten, Marx und Lassallc, lehre, die dem jüdischen Volke entfremdet waren. Tic Sozialdemokratie. die in Fragen der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Juden eine ehrliche .Haltung beobachtet habe, sei doch nicht vorurteilsfrei genug gewesen, jüdische Sozialisten in Rußland und Galizien als eine selbständige nationale Gruppe in ihre Organisation aufzunchnicn. Für die Zukunft des jüdische» Volkes habe der Sozialismus insofern eine große Bedeutung, als die jüdischen Proletaricrmassen des Ostens zum Teil in ihm ihr Lcbensprinzip erblicken. Mit ihm kämpft der Zionismus um die Vorherrschaft im jüdischen Lager. Ter Redner erhofft eine Verständigung beider Richtungen, die nicht in einem prinzipiellen Gegensätze zu einander stünden. Auch der Sozialismus erkenne das National- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Prinzip bis zu einem gewissen Grade als berechtigt an, und beide Bewegungen dienten dazu, bestimmte Gruppe» von Mensche» dem Ideal vollen Menschentums cntgegcuzuführcn. Ter Zionismus selbst könne sich allerdings als eine nationale Bewegung nicht mit den ökonomischen Interessen einer bestimmten Klasse idcntijizierc». Ter Redner schloß mit der Aufsorderung au die jüdischen Sozialisten, sich gegenüber den jüdisch-nationale» Frciheitsbestrebungen nicht ablehnend zu verhalten. In der Tiskussion vertreten D r. P i» k u s und Dr. Le vH einen radikal sozialistischen Standpunkt Ihnen trat .Herr E st e r m a u n entgegen mit dem .Hinweis darauf, daß beide Bewegungen, Zionismus und Sozialismus, parallel laufen. Dr. Kalmus wünscht die zionistische Bewegung von dem Eindringen der sozialistischen Tendenzen des Klassenkampscs bewahrt zu scheu. Einen vermittelnden Standpunkt nahm Dr. Victor ein. Hamburg. Am 27. Dezcniber veranstaltete die z i o u i st. Fra neu gruppe eine wohlgelungcne nationale M a k ka b ä e r s c i e r für Kinder. Es nahmen 360 Kinder und 150 Erwachsene daran teil. Programm: Entzünden der Chanuckä-Lichter durch Herrn O b e r k a n t o r L i ch t e n st e i n, deklamatorische Vorträge von Frl. Hedwig Engel und 2 Knaben („Jung Israel", „Ein Zwiegespräch in Versen" zwischen einem russischen und deutschen Judenknabcn, verfaßt von S a l o Unna- Altona), musikalischer Teil: Sologesänge jüdischer Lieder von Frau Tr. M i ch e l s o h n, in Begleitung eines 80köpfigcn Kinderchors. Eine treffliche, von nationaler Begeisterung getragene Makkabäcrrcde hielt die Lehrerin Frl. S c lm a V c i l ch e n f e l d. Tas Podium war blau-weiß dekoriert, mit dem Struckschen Herzl-Bild und Zionsfahnc. Tie Kinder erhielten als Geschenke das Liederbuch des Turnvereins Bar-Kochba „Jung-Juda" und die Herzlnummer der „Jüd. Ükundschau". Wien. Julius U p r i m y. der bisherige Chefredakteur der „Welt", ist in die Redaktion von „Dr. Bloch's Oesterreichische Wochenschrift" eingetreten. „Bloch's Wochenschrift" betreibt als ihre vornehmste Aufgabe die Bekämpfung des Äntiscmitismus in Oesterreich. Budapest. Wie die „Ungar. Wochenschr." berichtet, wurden in der bekannten Jefchibohstadt Preßburg (Poszony) wieder einmal nntizionistischc Maßnahmen verfügt. Bekanntlich sind die Zöglinge der Preßburger Jeschiboh, der bedeutendsten Jcschiboh Ungarns, größtenteils Zionisten, und es, ist so begreiflich, daß die meisten Bachurim an der „Makkabäerfcier", die der Verein „Ahavath Zion" am 30. Dezember veranstaltete, tcilnehmen wollten. Als dies zur Kenntnis der Jeschiboh-Leitung gelangt war, erließ sie eine Bekanntmachung, die in scharfen Worten den Bachurin den Besuch der Feier untersagte. Da der Direktor der Jcschiboh zur Zeit abwesend war, so künimerten sich die Bachurim nicht um das Verbot und erschienen fast vollzählig bei der Feier. Die Folgen machten sich bald bemerkbar! Einige Tage später erschien ein Bachür bei dem Obmann des „Malbisch-Arumim-Vereins" — dessen Zweck die Bekleidung armer Jeschibohjüngcr ist — mit der Bitte um Schuhe; sein Ersuchen wurde ihm brüsk verweigert, da der Verein keine „Apikorsim^ (= Zionisten!) unterstütze. Lemberg. Der in Kiew lebende berühmte Jargon-Schriftsteller Sch o lein-Ale i ch e m (Rabbinowitsch) ist hier zu längerem Aufenthalt eingetroffcn. Scholcin-Aleichem ist durch die Exzesse vom 4. Nov. ruiniert worden; sein Hab und Gut wurde vernichtet, seine Familie und er auf die Straße hinausgesctzt und dem .Hungertode preisgegebcn. Tie Zionisten Galiziens beeilen sich, Scholem-Aleichem zu Vorlesungen einzuladen. Lemberg, 6. Januar. Auf Jnitiattve der galizischen Zionisten finden morgen im ganzen Lande hundert Volksversammlungen statt, denen eine gleichlautende Resolution zu Gunsten der Anerkennung der jüdischen Nationalität und behufs Schaffung ei n crjü dis che n Wählerkurie vorgelegt werdcu wird. Airs den Vereinen. Frankfurt a. M. Am Mittwoch, den 10. Januar sprach im V c r e i n M o n t e f i o r e Herr Dr. Pitt aus Berlin über „Der Jude als Romanfig u r". Redner führte kurz folgendes aus: Ter Jude als dramatische Figur ist im allgemeinen nicht unbekannt, man kann sogar behaupten, cs gibt verhältnismäßig viele Dramen, deren Held ein Jude ist. Tie Romane, in denen der Jude eine 3iolle spielt, sind zwar viel zahlreicher, sind jedoch weniger bekannt. Tic dramatischen Figuren sind schon deshalb bekannter, weil die tiefere Wirkung des Theaters ihre Verbreitung begünstigt. Werfen wir nun einen Blick in diese Literatur, so finden wir, daß der Jude fast überall als possenhafte Figur Verwendung gefunden hat. Tiefes ist selbstverständlich zu einer Zeit, in der die Christen den Inden noch nicht als vollwertigen Menschen betrachten. In einer Reihe von Beispielen führt uns dann Nr. 2. der Redner verschiedene Charaktere vor: solche, die bis zum letzten Augenblick dem Glauben ihrer Väter treu bleibe», und solche, die ihre Religion sortwerfen, und geht dann auf die Autoren über, die den Gegensatz zwischen Vater und Sohn dargestcllt haben. Als die Mauern des Ghetto fiekcu und die junge Generation nach profaner Bildung strebte, bildete sich dieser Gegensatz heraus. Sv groß natürlich, wie im Roman von Gustav Freitag „Soll und .Haben" der Unterschied zwischen dem alten Ehrenttzal, dem nichts heiliger als seine Familie, und seinem Sohne, dargcstellt ist, war derselbe nicht. Wenn die Gestalt der ' Juden auch oft verzerrt worden ist, so ist doch der überwiegende Teil der Literatur derjenige, der den Juden in seiner Eigenart darstellt. Wir müssen uns bemühen, dahin zu streben, daß in Zukiiiift der Jude in Traum und Roman eine achtuiiggebieteiidc Stelle ciuiiiiiimt. Ganz frei könne» wir nicht sein, denn wir sind Menschen, wir müssen uns aber bemühe», besser zu sein, da wir wissen, daß unserer Gesamtheit die Fehler ihrer einzelnen Glieder zur Last gelegt werden. Frankfurt a. M., ll. Januar. Montefiore- Verein. Am n ä ch st cu Mittwo ch findet im großen Saal der „ Adler"-Loge einer der beliebten F a m i l i c ii - A b e n d e statt. Für hervorragende musikalisch-deklamatorische' Vorträge ist seitens des Vorstandes gesorgt, und dürfte sich daher der Besuch der Veranstaltung für die Mitglieder und ihre Angehörigen sehr lohnend erweisen: Am nächsten Donnerstag setzt Herr Handelslehrer Julius Gans seinen Handels-Lehrk u r s u s fort, Thema: „Betrachtungen zum Kursblatt." Ferner findet am selben Abend 8Ve Uhr eine außerordentliche Hauptversammlung statt mit der Tagesordnung: „Ernennung von Ehrenmitgliedern"-. Kiel. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" sprach am 8. d. Mts. Frl. Leonie M e y e rhoff (Leo Hildeck)-Frankfurt a. M. über das sehr anregende Thema: „H e i m a t k u n st und Stam - m e s b e w u ß t s e i ii" und erntete lebhaften Beifall. Aus der Lehrerwelt. Rccklinghansc». Der „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Westfalen" hat in anerkennenswerter Rührigkeit eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die anderweit nachgeahmt zu werden verdienen. Es wurde beschlossen, nachdem man auf'Initiative des Herrn Rabbiner Dr. Marx sämtliche Abänderiiiigswüiische zu dem dem preußischen Abgeordnetenhausc vorliegende» Regiernngsentwurf des Volksschulgesetzcs formuliert und mit entsprechender Begründung versehen hatte, 1. sich mit einer Eingabe, die von den Vorständen sämtlicher dem Verein angehörenden Synagogeiigemeindcii nnterzeichnct ist, an das preußische Wgeordnetenhaus und die preußische Staatsrcgierung zu wenden, mit der Bitte, die in der Petition niedcrgelegten Wünsche berücksichtigen zu wollen; 2. werden sämtliche Landtags-Abgeordneten Westfalens persönlich angegangen werden, um sie von der Berechtigung der in der Eingabe enthaltenen Wünsche zu überzeugen und sie zu bitten, im Abgeordnetenhausc für dieselben einzutreten; 3. wird Herr Rabbiner Tr. Marx auf Grund seiner persönlichen Beziehungen zu den Regierungsstellen in Westfalen auch bei diesen im Sinne der Wünsche des Vereins vorstellig werden. Berlin. Rabbiner a. D. Dr. W. Wolfssohn, früher in Aachen und in Pommcrsch-Stargard, starb hier im 79. Lebensjahre. Vereins-Kalender. Verein Nachalatz Zwi. Mittwoch, den 17. Januar, abends 8% Uhr im Vereiuslokal, Schützeustr. 2. Quellenstudien-Abenb IV.: „Die Gesetzgebung am Sinai". Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, den 14. Januar, abends S3A Uhr, Hermesweg 25/27. Vortrag des Herrn Jacob Strauß: „Die Geschichte der Juden in Polen". Verein Moutefiore. Mittwoch, den 17. Januar, abends 7 Uhr im große» Saale der Loge zum Adler, Seilerstr. 22 1: Musikalisch-deklamatorische Vorträge (Familienabend). Verein Mekor-Chajim. Sonntag, den 14. Januar, abends 6 Uhr im Vereinslokale, Schützeustr. 2. Vorlesung des Herrn Julius Hirsch aus „Jesaias". Zionistische Bereinigung Franksnrt a. M. Montag, den 15. Januar, abends 9 Uhr, präzis, im großen Saale der Frankfurt-Loge, Eschersheimer- Landstraße. Frau Martha Rahmer-Notmann, BreSlan: „Rezitation jnngjüdischer Dichtungen". -

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