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Neue jüdische Presse · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu M. 2 des Frankfurter Israelitischen FamMeMMes. Inhalt der Beilage: Artikel: Die Neubildung der Verbände. — Die Wasserkräfte Palästinas. — Aus a l l e r W e l t. Personalien. — Aus der zionistis.chen Bewegung. — Aus den Vereinen. — Aus der Lehrerwelt. - Vereinskalender. Die Neubildung der Verbände. Beurteilt nach alten Gesichtspunkten, i; Bon Tr. M. C a h n. (Fortsetzung.) Mau ist sich, wie jenes vergebliche Luchen nach einer Bemänteluiigsformel zeigt, der llneutschuldbar. keit des getanen Schrittes wohl bewußt, wie dies auch daraus hervorgeht, daß man ihn eine Zeit lang zu verhüllen suchte. Einer Täuschung darüber, daß eine gemeinsame Erörterung und Anffindung der Mittel und Wege für die religiöse Erziehung der Jugend eine Utopie, zugleich aber auch eine Etappe auf dem Wege zur allmaligen Bersumpsung jedes klaren Begriffes der Grundlagen unserer Tauroh ist, kann nian sich nicht hingebe». Hierzu kommt, daß, wie allbekannt, zwei der Wortführer des Lchrcrvcrbands, daß eben jener Rektor Gutmann, der Verfasser des ominösen Exposes, im Verein mit dem durch sei» offenes Bekenntnis von der „Rückständigkeit" der sich der .Sabbatverletzung des Schreibens enthaltende» Schüler bekannt gewordenen Herrn Lehrer Hanfs, sich öffentlich beschwert haben, daß ihre „liberalen" Ansichten in den Berichten über den Verbaüdstag in Kassel zu kurz gekommen und nicht zutreffend'wicdcrgegebeu seien (Nr. 17 des Berbandsorgans), sowie daß der crstere in Nsc. 8 des V.-O. erklärte, „daß nach seiner Ansicht die Stellungnahme WellhausenS zur Bibel in der Hauptsache richtig sei". Tiefe Vertreter des äußersten Radikalismus wird mau sicher seitens des Verbandsvorstaudcs nicht fallen lassen, so daß ohne Frage ihre und ihrer Gesinnungsgenossen Ansicht eine maßgebende Wirkung haben wird für die Art, wie der Vorstand die Interessen der jüdischen Religion durch die Ausgestaltung der Lehrerbildung und des Religionsunterrichts zu „fördern" sich bewogen sehen wird. Wenn man sich vorstcllt, was cs bedeutet, wenn der Vorstand eine derartige Tätigkeit im Schatten der orthodoxen Verbandsmitglicdcr wird entfalten können, so eröffnet sich uns eine Perspektive, die uns mit Schauder erfüllt. Ta wäre cs denn eine rettende Tat, ein weithin leuchtendes Wahrzeichen sittlicher Energie, lvenn di- Männer, unter deren Aegide die gesetzestrciicn Lehrer dem Verbände bcigetreten sind, in Beherzigung dieser entsetzlichen Gcsahr sich entschließen möchten, ihren Irrtum offen einzngestehcn und ihr ganzes Ansehen in die Wagschale zu werfen, um den Austritt jener auf dem Boden von 'L’auro!i hakccUmschoh stehenden Lehrer aus dem Verbände hcrbcizusnhrcn. Taß es einer autoritativen Erklärung bedarf, um die innere Unwahrheit und Widersinnigkeit solcher Anschauung zu verkünden, ist eine traurige Erscheinung; es ist ein charakteristisches Merkmal der ungeheuerlichen Begriffsverwirrungen, die durch die Bündnisse der Thorahbekenner und Thorahleugner hervorgcrusen worden sind. Tie ersteren hatten sich jedoch wenigstens bei dem Eintritt in jene Verbindungen der Hoffnung hingegebcn, es werde niemals zu einer öffentlichen Verletzung ihrer Anschauung kommen. Als es aber in jdqm,Lehrerverband dennoch geschah, da ging ein Schrei der Entrüstung durch die Welt des gesetzeStrcue» Judentums. Das hohe Verdienst des Seminardirektors Tr. Hossmann besteht darin, daß er nicht etwa auf die Veröffentlichung des Gutmann'schen Exposes hin, sondern mit der ansdrüctlichen Erklärung, daß es jenes Exposös nicht bedurft hätte, indem die gemeinsame Wirksamkeit von Luukrim und A.mmimm in Dingen religiöser Belehrung ausgeschlossen sei, sein Gutachten dahin abgab, daß es für die Jereiin unter den Lehrern Issur sei, einem solchen Verbände beizutretcn. (Tie Verbände, 2. 86 f.) ES hat sich selbstverständlich feine gesctzestrcue Autorität gesunden, die das Gegenteil behauptet hätte. Nunmehr haben 40 gesetzcstrene Rabbiner dieselbe Erklärung wie Tr. Hossmann abgegeben. Sie sahen sich gegenüber den Berdunkeluttgsvcrsttchcn der Perbandsanwältc genötigt, diese so sehr überflüssige Erklärung abzngcbcn, deren Inhalt kein gcsctzestreuer Rabbiner bestreiten kann, jedenfalls keiner bestritten hat. Nun kommt der Schreiber jenes Artikels und sagt: diese tut Ganzen 42 Rabbiner seien nur „ein Bruchteil unserer orthodoxen Rabbiner", er glaube, in der Mehrzahl der orthodoxen Rabbiner Tentschlands Gesinnungsgenossen zu haben, lvenn er — :— — „im Prinzip" dem Verband der deutschen Juden durchaus wohlwollend gegennberstche. Aber um Alles in der Welt, was hat denn jene Erklärung der 42 Rabbiner, die sich mit der Zugehörigkeit gesetzestrener Lehrer zum Lrhrcrverband beschäftigt, mit dem „Verband deutscher Juden" zu tun? Und was die Sache selbst betrifft, glaubt denn der Verfasser wirklich, daß die Mehrzahl der orthodoxen Rabbiner Deutschlands die gemeinsame Behandlung religionsnnterrichtlicher Fragen zwischen Bckcnncrn und Verleugnern der Göttlichkeit der Thorah für zulässig erklären wird? Möge er doch den Versuch machen, wieviele Zustimmungen von orthodoxen Rabbinern für diese Zulässigkeit er zu erlangen imstande ist! Ich bin in der Lage, ihm diese Mühe zu erleichtern, indem ich ihm verrate, daß von allen Angesragtcn auch nicht ein einziger einen solchen llelior ausgesprochen hat, daß diese vielmehr sich alle prinzipiell mit derselben einverstanden erklärten, daß sie aber zum Teil einer öffentlichen Kundgebung accidentielle Bedenken entgegenstellten, über deren Berechtigung inan verschiedener Meinung sein kann. Manche von ihnen hielten es für besser, eine aktuelle Veranlassung zur Abgabe einer solchen Erklärung abzuwarten, Andere wieder, die der Idee einer zu findenden Kautele Raum gegeben hatten, fürchteten, obgleich sie sich inzwischen durch den Gang der Ereignisse von der Unmöglichkeit und Wirkungslosigkeit einer wie immer lautenden Schutzbestiinmung überzeugt haben, von Seite» derjenigen Gegner, die auf eine Gelegenheit lauern. Andersgesinnte herabznsetzen, durch die Unterschrift der Erklärung, daß sie ihre volle Zustimmung erteilten, die Bezichtigung des Widerspruchs mit ihrer früheren Ansicht gewärtigen zu müsse». Es läßt sich übrigens nicht verkennen, daß manche unserer Gesiniinngsgenossen eine gewisse Scheu einpsinden, den Standpunkt des überlieferten Judentums, dem sie miTvoller Seele angehörcn, in strittigen Zeitsragen vor der Oesfcntlichkeit frei herauszusagcn, iveil es ihnen mißlich ist, hie und da bei hochmögenden Patronen der Verbandspolitik als Heißsporne betrachtet zu werden. Diese Erscheinung war früher, vor der Verbandsperiode, undenkbar. Tie Führer des gesetzestrenen Judentums waren jederzeit bereit, mit ihrer ganzen Persönlichkeit in die Schranken zu treten, wo immer eine prinzipielle Frage auf dem Gebiete des Judentums auftauchte. Wen» aber gar ein Grundprinzip unserer Gotteslehre in der Fluktuation der Zeitverhältnisse oder durch die Aenßerung religiöser Gegner gefährdet war, da erhoben sich alle Vertreter des gesetzestrenen Judentums loie e i n Mann, um in geschlossener Phalanx das Heiligtum zu verteidigen. In unserer Zeit hingegen ist es dahin gekommen, daß mancher durch Wissen und Charakter Berufene sich scheu znrückzieht, trotzdem es seine Pflicht wäre, in die Arena zu treten. Aber aus solchem schweigen nun den Schluß zu ziehen, als ob die Mehrheit der orthodoxen Rabbiner Tentschlands damit einverstanden wäre, daß Thorahbekenner mit Thorahleugner» zusammen „alle Fragen des Religionsunterrichts" in Behandlung nehmen könnten, das ist doch ein starkes Stück. Wie man übrigens eine über die Zahl von 42 hinausgehende Mehrheit orthodoxer Rabbiner in Teutschland herausrechnen will, ist ebenfalls unerfindlich. (Schluß folgt.) Die Wasserkräfte Palästinas. Von Ingenieur N. Willbuschewitsch, Jaffa (Palästina). Aus dem Russischen übertragen von Jngenienr I. Feingold. (Schluß). Das Wassergefälle, das in Faruchia, 2 Kilometer weit von P.-Tikwah und 15 Kilometer von Jaffa, erreicht ivird, übersteigt 5 Meter. Eine Messung, die ich am 19. April 1904 an der Brücke vorgeiiommen habe, ergab rund 365 effektive Pserdekrafte. Ich habe an den von der Regierung für den Verkauf bcstiinn'.tcn Mühlen Messungen vorgeiiommen, weil deren Erwerbung mir sehr wichtig erscheint. Schon bei meiner Abhandlung über den Jordan erwähnte ich die Schwierigkeiten, die mit der Erlangung von neuen Konzessionen zur Errichtung von Flußsperrungen verknüpft sind und wobei die Bemühungen nicht selten erfolglos bleiben, während, indem man eine alte Mühle kauft, resp. die Ruinen einer solche», man zugleich das Recht zur Errichtung einer neuen Mühle oder eines anderen Jndusirieetablissements am selben Platze erwirbt. Besonders wichtig sind diese Mühlen wegen ihrer Nähe von Jaffa, so daß dieselben schon jetzt als gewinnbringende Unternehmungen zu betrachten sind, in nächster Zukunft aber eine große Bedeutung erlangen werden als Quellen kostenfreier motorischer Kräfte znm Betriebe von Fabriken und Werkstätten, wie auch für elektr. Beleuchtung, elektr. Kraftübertragung nsw. Tie Kraftübertragung der Ldja auf kurzer Entfernung ist schon gegenwärtig gut möglich und zwar durch komprimiertes Wasser^. ivie das häufig in der Schweiz der Fall ist, zo z. B. in Genf, beim Ausfluß der Rhone ans dem Genfer See, ivo l0 Turbinen ausgestellt sind, jede zu 250—300 Pferdestärken und durch welche Preßpumven, die das Wasser ans einen Truck von 130 Meter (13 Atmosphären) komprimieren, angetrieben wird. Tiefes Wasser wird in feinen Röhrchen nach den Werkstätten geleitet, wo es eigens zn diesem Zwecke gebaute verdeckte kleine Tnrbinchen betreibt. Tie ganze Anlage ist sehr einfach und bequem und bei Kraftübertragung auf kurzen Entfernungen steht dieses System der Elektrizität an Billigkeit gar nicht nach. Besonders vorteilhaft erscheint die Errichtung von Kraftübertragungsaulageii von den Mühlen „Mir" und „Faruchia", welche von den Bojarengrnppen*) von P.-Tikwah weniger als 1 Kilmtr. weit entfernt liegen, um Pumpen in den Brunnen dieser Bojaren zu betreiben. P.-Tikwah zählt bereits über 30 Bojaren, welche Zahl alljährlich znnimmt. Von diesen Bojaren sind etwa 6 im Besitze von Petrvlenmmotvren, die übrigen schöpfen sich Wasser mit .Hitfe von Mauleseln. <l! 4t a h r S e r k a, oder der Nrokodileusluß, liegt zwischen den beiden jüdischen Kolonien Chedera und Sichro-Jakob (Samaria) und ist etwa 8 Kilometer lang. Tie ^serka entspringt einer hügeligen Gegend, fließt aber alsdann in die Ufcrebene hinab und mit einer zieinlich schnellen Stromgeschwindigkeit ergießt sie sich in das Mittelländische Meer. In ihrem Laufe versetzt die Serka zwei arabische Mühlen, Majmas und Sei» kani a, mit zahlreichen arabischen Gängen» in Bewegung. Majmas ist Eigentum des Zodick-Pascha, ebenso das anliegende Landgut, etwa 10 000 Dnnam groß, und kann alles leicht erworben werden. Der 4tahr Serka fließt anfänglich in ziemlich hohen llfern, daun aber in immer flacheren Ufern, so daß bei Errichtung von Däminen aus jeder Station ein Gefälle von 3 Meter und »och mehr .leicht erzielt werden kann. Tie Vermessung dieses Flusses, 'die ich im März 1904 vorgenommcn habe, in nicht weiter Entfernung von seiner 4.>tünd»ng, ergab rund 140 effektive Pferdekräfte. Aehnlich wie die Pdja kann auch der Nahr-Serka für Bewässerungszwecke nutzbar gemacht werden, doch liegt ihre hauptsächliche Bedeutung in ihrem Reichtume an Wasserkräften, was bedingt, daß sie, dank ihrer vorteilhaften Lage in der Küstenzone, dereinst eine wichtige Rolle in der industriellen Entwicklung Palästinas spielen wird. Aus aftev Wett. Deutsches Reich. Berlin. Die Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde vom 4. d. M. hatte als Tagesordnung: Einführung der neu- resp. wiedergewählten Vorstandsmitglieder und die Festsetzung des Bureaus. Es wurde gewählt Herr Louis Sachs als 1., Herr Geh.-Rat Blum c n t h a l als 2. und Herr Geh. Komm.-Rat F r i e d l ä n d e r als 3. Vorsitzender, Herr Tr. Ignaz Cohn als 1. und Herr Willibald L ö w e n t h a l als 2. Schriftführer. Bad Neuenahr. Eine in Neuenahr von Frau Witwe 'S}. Wolf und Frau 4)toritz Borg veranstaltete Kollekte mit Aufruf (Sammlung zu Gunsten d e r b e i d e n russischen Judenverfolgu n g e n i n 4! o t g e r a t e n e n F a m i l i e u), unter» zeichnet von den Herren Bürgermeister Faulhaber, P a st o r D r. Zimmer, P a st o r P l i e st e r, D r. ll u schuld, Al o r i y Borg, ergab deu Betrag von 643 JO, welcher zur Weiterbeförderung dein Bankhaus Louis David in Bonn übergeben wurde. Personalien. Berlin. Wie erst jetzt bekannt wird, hat die Kaiser in der Frau Bertha Mannheimer, die init ihrem Gemahl Moritz Mannheimer kürzlich die goldene Hochzeit feierte und durch ihre lange Mitarbeit an wohltätigen Bestrebungen allbekannt ist, eine prächtige «schale aus der Kgl. Porzellan m a n u s a k t u r zum Geschenk gemacht. Berlin. Bankier Emil Salomon erhielt den Charakter eines Kommerzienrates. Wiesbaden. Rechtsanwalt Guttmann wurde zum 4t o t a r ernannt. Nürnberg. Kommerzienrat Wilhelm Gerngroß errichtete mit 20 000 JO eine Stiftung für arme Lungenkranke und spendete 10000 JO für verschiedene Wohltätigkeitsanstalten. Schneidemühl. Zum Stadtverordnetenvorst e h c r wurde Sanitätsrat Dr. D a v i d s o h n einstimmig wiedergewühlt. Breslau. Geh. Jusiizrat Dr. Freund wurde als Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung w i e d e r g e w ä h l t. Posen. Die Stadtverordnetenversammlung wählte zu ihren: Vorsitzenden Herrn Jnstizrat Salz und zu dessen T tellvertreter Herrn H e r z b e r g. Illingen iRgbz. Trier). Der Vorstand der hiesigen Shiiagogengemeindc Hermann Barth ist zum Beigeordneten für den Bürgermeisterrat gewählt worden. *) Bojar — Orangegärten.

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