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Neue jüdische Presse · 1906-01-05 · Heft 1 (5.1.1906) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Stzan&fnxiet sttklitWs fainilioblatt. i ~ > Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnementspreis pro Biertelsahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— fr« ins Haus. Bet der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,62 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich - Ungam Mk. 1,56, sonstige Länder Mk. 2.— <; " - ■■■- - ■ KedaKtio« Md Zrsnksurt s. m.. Leiligkreuzgaffe 32, Ecke Rlapperfeldstraße letefoit 10507. -HW- Herausgevev: Kalg i' .1 Jnsertionsprcise: Die viergespaltene Petitzeile.25 Pfg. Die Reklamezeile.160 „ Platz- und Daten-Borschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunft. ' ■ i— - 4. Jahrgang. Freitag, de« 8. Tewes 5666 (5. Ja«uar 1866».Ro. 1. Äuhatt des Hauptblattes. Artikel: Ist die Schöpfungsgeschichte wissenschaftlich? — Die Alienbill. — Brief aus Frankreich. — Die Woche. — Ausaller Welt. — Feuilleton: Ein kleines Drama. — Familiennachrichten. — Barmizwohs. Ist die Schöpfungsgeschichte wiffenfchastlichf lSchluß). Rur wenn die Materie geschaffen ist, so kann min erwarten, daß sie den Stempel der Hand des Schöpfers trägt, und daß sie einige Vorbereitung zu dem ihr bestimmten Zweck offenbart. Was bat denn die Wissenschaft über diesen Punkt zu sagen? Kann sie sagen, ob die Materie gcschasfen ist oder nicht? Es gab eine Zeit, wo die Wissenschaft keine Antwort hätte geben können. Tic Forschung hatte sich nicht viel mit dem Wesen der Materie beschäftigt. Wir hatten bloß gewisse philosophische. Theorien und Erörterungen. Eine dieser letzten beschäftigte sich mit der Frage, ob die Materie bis ins Unendliche teilbar wäre oder nicht: eine Partei behauptete, da wir beini Zerlegen einer Substanz innner kleinere und no h kleinere Quantitäten erhielten, müßten >vir zulcjst zu so kleinen Teilen der Materie kommen, daß }:c nicht weiter geteilt werden könnten; andere dagegm meinten, da das kleinste Stückchen noch eine obire und eine untere Oberfläche hätte, so müßte es n ch weiter teilbar sein. Aber wir haben diese Wortgefechte weit hinter uns gelassen. Chemie und Physik haben crfolgv ich mit diesem Problem gerungen und haben viel entdeckt. Es sind bis jetzt ungefähr 75 Elemente bekannt, aus denen alle Tinge in dieser materiellen Welt gemacht sind. Es ist nicht gewiß, daß diese nicht aus noch einfacheren Elementen bestehen; aber bis jetzt leisten sie .der Analyse Widerstand. Sie bilden unter sich Verbindungen nach festen Gesetzen, verlieren aber nie ihre Identität. Sic bestehen aus Atomen oder Elektronen, fast unendlich kleinen Massenteilchen» die man als unteilbar annimmt. Tiefe sind zu Körpern vereinigt, die man Moleküle nennt >l»d die in ihrem Bau noch wunderbarer sind, als die Pslanzenwelt. Tie Moleküle derselben chemischen Substanz sind alle untereinander gleich, aber ganz verschieden von den Molekülen anderer chemischer Substanzen. Sir John Herschell sagt von diesen Ur-Atomen: „sie gehorchen den Gesetzen ihres Wesens. Sie verhalte» sich ihrer ursprünglichen Beschassenheit gemäß. Sie richten sicj nach der festen Regel, die'im Augenblick ihrer Schöpf nng in sie cingepflanzt wurde. Sie ziehen einandci an und stoßen sich wiederuni ab nach den streng genauen, mathematischen, für sie von allem Anfang an bestimmten Normen. So wunderbar sind sie," sagt er „in ihren Bewegungen und ihren wcchselvollen Beziehungen, daß es unmöglich ist, in ihnen nicht die „Gegenwart des Geistes" zu erkennen."») Andere, die dieses Thema berührt haben, sind »s Familiär Ichetures p. 456 u. 458. ebenso begeistert gewesen. .„Tiefe Atom:," sagt Professor Tyndall,-) „sind, was Maxwell gut „die Grundsteine des inateriellen Weltalls" nennt, die inmitten des Schissbruchs der zusammengesetzten Masse, unzerbrochen und »»abgenutzt bleiben." Und Clerk Maxwell schreibt: „Bei den Molekülen ist jedes Individuum dauernd; es gibt keine Zeugung oder Zerstörung, keine Veränderung oder Verschiedenheit zwischen den Individuen jeder Art. Taher ist diejenige Betrachtungsiveise, die uns unter dem Namen von Entwicklungstheorien so bekannt geworden ist, auf die Moleküle ganz unanwendbar." Er fügt hinzu: „Keiner der Naturprozesse von der Zeit an, wo die Natur begann, hat den geringste» Unterschied in den Eigenschäften irgend eines Moleküls hervorgebracht. Wir sind darum nicht imstande, die Existenz der Moleküle oder die Identität ihrer Eigenschasten der Wirkung irgend einer der Ursachen, welche wir natürliche nenuen, zuzuschreiben. Ans der andern Seite verleiht, wie Sir John Herschell richtig gesagt hat, die genaue Gleichheit jedes Moleküls mit allen andern derselben Art ihm den Charakter eines verfertigten Gegenstandes und schließt die Idee eines ewigen und aus sich selbst seiende» Wesen aus." Mit andern Worten, die Schrift stimmt hier Seite sür Seite mit den neuesten Entdeckungen des 16. Jahrhunderts überein. Tie Materie des Weltalls ist ein Erzeugnis der Schöpfung. Eine neuere Forschung' nimmt an, daß die Grundlage der Materie die Elektrizität ist. Tas Atom ist nach dieser Ansicht eine Verbindung von Elektronen, elektrischen „Monadensystemen", die »och tausendmal kleiner sind, als das Atom, das selbst unsichtbar ist. Man sagt, daß der einzige Unterschied zwischen den Elementen in der Zahl der Elektronen besteht, welche zu einer Einheit, dem Atom, sich verschmelzen. Aber selbst hier ist Anordnung und Gesetz. Wer machte und zählte und band znsammen die „Elektronen", so daß eixi Element nicht in ein anderes übergehen oder seine besondere Tätigkeit aufgebcn kan»? Wer ließ das Gleiche auf diese Weise die Pslichten des Ungleichen aus sich nehmen und vollziehen, so daß die Grundlagen des Universums beharren und die Wirkungen der Natur sortdauern und uns Tag und Nacht, Sommer und Winter, Saatzeit und Ernte geben? Gerade die Cinsachheit dieser Theorie würde uns den unmittelbaren Anordnungen des Schöpfers noch näher bringen. Voreilige Federn haben sich bemüht, uns zu versichern, die Schrift hätte nicht so der Wissenschaft zuvorkommen könne», weil sich keine Sprache gefunden haben würde, um wissenschastliche Wahrheit einem unwissenschastlichen Zeitalter mitzuteilen. Ein Augenblick des Nachdenkens hätte diesen Trugschluß vernichten können. Tie endgültigen Wahrheiten der Wissenschast können stets in die einsachste Sprache gefaßt werden; und mehr als 3000 Jahre, ehe die Wissenschast den Schleier aufhob, welcher diese llr- Elemente des physischen Weltalls verbarg, hatte Gott uns schon ihr letztes Wort über das, was eines der tiefsten Geheimnisse der Natur ist, gegeben. III. Tie Schrift lehrt »ns hier, daß das ganze Weltall aus derselben Art von Materie gebildet ist. Erde, Sonne, Mond und Sterne wurden alle aus der gleichen ursprünglichen Masse gebildet und müsse» darum a»S gleichartigen Elementen bestehen. Tas wolle» die Ansangsworte der Bibel besagen. Man könnte denken, die Wissenschaft sei nicht im stände, hieraus irgend ein Licht zu werfen. Aber gelegentlich sallc» Meteore auf die Erde und man lernt auf diese Art etwas von der Materie, die sich außerhalb unserer Erdkugel jindet. Toch eine Entdeckung neuerer Zeiten hat diese Frage ganz in den Bereich der Wissenschaft gebracht. Tie wissenschastliche llntersuchnng des Spektrums des Sonnenlichtes von Newton im 17. Jahrhundert, die Entdeckung FraucnhoferS der »ach ihm benannten dunklen Linien in diesen, Spektrum, und die von Kirchhofs und Bnnson erdachte und ausgebaute Spektralanalyse im 16. Jah> hundert sind die einzelnen Etappen der wissenschaftlichen Begründung der wesentlichen Gleichheit aller Weltkörper. Auch von den Meteorsteinen wissen wir, daß sie auch nicht ein einziges Element enthalten, welches auf unserm Planeten nicht vorkommt. „Im ganzen also," sagt Tr. Alfred Rüssel Wallace, „haben wir bestimmte Kenntnis davon, daß in der Sonne, den Sternen und den planetarischen und stellarische» Räume» eine so große Zahl der Elemente unserer Erde vorhanden ist, und so wenig Anzeichen von solchen, die keinen Teil davon bilden, daß die Behauptung gerechtfertigt ist, das ganze Sternen-Weltall sei, im allgemeinen gesprochen, aus denselben Stoffen zusammengesetzt, die wir auf der Erde studieren können, und aus denen das ganze Reich dxr Natur, — Tiere, Pflanzen und Mineralien — besteht."'') Jahrtausende, ehe man von Tpctralanalyse etwas hörte, und während diese Geheimnisse der Wissenschaft jener Zeiten verborgen waren, hat die Genesis, von welcher uns verwegene Kritiker sagen, daß sie. weder Wissenschaft »och Geschichte enthält, diejenigen, welche an die Bibel glaublcn, weise gemacht mit der Weisheit, welche die neuer» Entdeckungen jetzt Mitteilen. Können wir erkläre», wie die Schrift so der Kenntnis der Jahrhunderte voraus sein konnte, bereichert nrit den Resultaten einiger der großartigsten Entdeckungen, welche Menschen je gemacht haben? Es gibt nur eine angemessene Antwort. Tic, daß wir in den» erste» Kapitel der Genesis nicht bloß Wissenschaft und Geschichte haben, sondern eine göttliche Offenbarung. IV. Tie Schöpfungsgeschichte lehrt, daß das Leben auf der Erde durch einen schöpferischen Akt Gottes entstanden ist. Tie Wissenschaft hat versucht, die Myriaden lebender Wesen durch Evolution zu erklären. Aber selbst diese bedarf eines Anfangspunktes: sie muß etwas zu entwickeln haben. Sie muß mit gewissen „ursprüngliche» Formen" versehen sein. Wesen der niedrigsten Lebensordnung; wenn sie diese hak, so nimmt sie an, daß alles andere durch allmähliche ®) Mnn's Place in tlie l’niverse, page 187. -) New Fragments p. 80.

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