Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 45 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 6 würden dann verschont bleiben . . . Und sie willigte ein. . . . Sie trinkt noch eilt Glas. . . ein zweites . . . noch Eins . . . - Sie hätte noch mehr getrunken/" »ni nur ihren Water und ihre Mutter zu retten. — Dann . . . Es fehlt wieder etwas. Wie ein Traum . . . Es scheint: eine Schlange kriecht ans ihrem Körper . . . ein wildes Tier umarmt sie... cs saugt ihr Blut aus den Wangen . . . Und. nun wirft von sich das Tier den Pelz ab. Und es kom»i!t ihr vor, dag es ihr Bräutigam sei, in der Gestalt des Schullehrers . . . . Ein Abgrund öffnet sich . . . Sic sinkt mit diesem Raubtier hinab, immer tiefer und tiefer . . . Böse Geister . . . Der Teufel .Gespenster . . . Jemand bekreuzigt sich . . . Man reißt ihr den Mund auf und man nötigt sie zu lachen . . . „Wer wie kam ich. denn hierher? Es ist doch ein Krankenhaus!" Sie beginnt schon auch das Ucbrige zu ahnen. Es taucht in ihr ein finsterer Gedanke auf, den sie nicht lange aufhalten konnte; der ihr immer ivicdcr entweicht. „Schwester!" — wandte sie sich an die Krankenpflegerin. — „Nach wieviel Jahren gebärt eine Schlange?" Die Krankenschwester streichelte ihr das Gesicht, legte das Eiskompreß auf ihrem Kopfe zurecht und erwiderte: „Seien Sie nur ruhig, mein Liebchen, nur ruhig! Sie werden schon bald genesen." Und sie wendet sich an die jüngere Schwester: „Die Mixtur „Aeußcrcs" wollen Sie auf den Boden hinstcllen, damit nichts Böses passiere. Man kann da leicht verwechseln. Das ist ja Sublimat! Reines Gift!" Sic verließ sich nicht auf die Jüngere und stellte selber das Fläschchen auf den Boden, am Bette der Kranken. . „. . . . O! Weh! Mein Fuß!" — erheben sich tiefe. Seufzer von den umgebenden Betten. „. . . . Ziehet mir Männerkleidcr an . . . ." phantasiert dort eine Kranke. „. . . . Erhebe dich, mein Volk! Verlasse dich nicht mehr auf Dummheiten! Erwache, mein Volk!" — singt eine zweite. - „ - - . Wer hat mir meinen Kopf genommen?" — schreit eine dritte im Schlaf. - Die betrübte Krankenpflegerin begibt sich dorthin, von wo man diese Stimmen kommen hört. Die unglückliche Braut mit weit aufgcrisscncn Augen und mit strcngein Gesichtsausdruck liegt da, als höre sie aufmerksam zu. . . . . Sie streckte die Hand'aus und hob das Flasche chen mit dem Sublimat vom Boden auf — und leerte es. Die Krankenschwester bemerkte es erst dann, als die Unglückliche das ausgeleerte Fläschchen bereits auf seinen vorigen Platz hinstcllte. „Ach! Die Unglückliche!" „Ich .... Ich . . . ." lispelte die Braut. — „Nicht mich habe ich ermordet. — Nur die Schlänge in meinem Innern habe ich vergiftet Frankfurter Israelitisches Fmntlienblatt. Kunst und Literatur. Die neuhebräische Dichterschule/.de^. spanisch-arabischen Epoche. Ausgcwählte Texte mit Einleitung, Anmerkungen und Wörterverzeichnis, herausgegeben von Dr. H. B r o d y und Dr. K.' Alb recht. Leipzig, 1905. Hinrichs'sche Buchhandlung.; - Das Beste, was wir in der ncuhebräischen Poesie haben, bietet die spanische Periode und doch sind die Meisterwerke jener Zeit in der Originalsprache nur einem ganz kleinen Kreise bekannt. Mlerdings sind vielfach die. Versuche hervorgetreten, einem größer» Publikum den Inhalt jener Dichtungen durch llebersetznngen nahe zu bringen, aber die beste und gelungenste Uebersctzung läßt irur die Bedeutung dieser Dichter ahnen, lehrt sie aber in ihrer währen Bedeutung und Größe nicht erkennen. Will man die Dichter wirklich kennen lernen, so muß man sie in der Sprache, die sie geschrieben, lesen, aber in dieser werden unsere hebräischen Dichter .wenig gelesen, weil zu wenig Gelegenheit gegeben ist, das Lesen möglich zu machen. Dieses muß gelernt und gelehrt werden, hier fehlt aber der Führer, ein solcher Führer will .aber das vorliegende Buch sein. Die Namen der Herausgeber könnten einen veranlassen, das Buch unbesehen zu empfehlen, allein die aufrichtige Kritik wird sich von dem besten Namen nicht bestechen lassen und wird erst selbst nach dem Rechten sehen. Wir haben das Buch gelesen und dürfen sagen, daß das günstige Vorurteil, mit dem wir an es herangetreten sind, durch ein günstiges Nachurteil seine Bestätigung gefunden hat. Das Buch enthält Proben von den besten Dichtern der spanischen Periode. Textliche und fachliche Bemerkungen erleichtern das Verständnis. Kritische Anmerkungen liefern den Fachgelehrten erfreuliches Material. Das Wörterverzeichnis ist eine gute Hilfe für das Selbststudiirm und das alphabetische Verzeichnis erleichtert das Nachschlagen. Zum Beweis, daß wir das Buch gelesen haben, soll folgende Bemerkung dienen: Seite 187, Anm. 78 wird Jddiin als Grind erklärt, die Zusammen- . stellung in diesem Verse des Charisi (übrigens wörtliches Zitat aus Feh. Halevis Sabbatgedicht Jekor u. s. w.) mit Adi läßt die andere Erklärung Kimchis: Lappen, Lumpen als richtiger erscheinen, zumal im späteren Hebräisch das Wort Id in der Bedeutung: Lappen, bezeugt ist (Nidda 1, 7). Allen für die hebräische Literatur sich Interessierenden, und jetzt scheint ja das Jiiteresse für sie zu wachsen, sei dieses Buch empfohlen. 8. Der M ö r d c r. Eine Erzählung aus dem russischen . Dorflcben von Dr. I. R a b b i n o w i tz. ß. Piersons Verlag, Dresden. 1906. Jüngst ist im Verlage ~öon Pierson eine Erzählung aus dem russischen Dorflcben erschienen, die uns ein recht anschauliches Bild der jüdisch-russischen Familienverhältnisse liefert. Mit feiner Kunst und Phantasie, bei strenger Wahrung aller Objektivität — ganz im Gegensatz zur heutigen Schule — weiß uns der Autor in schönem und leicht fließendem Vortrage den Gang der Ereignisse plastisch darzustellen und uns durch seine spannende Handlung zu fesseln. Bei dör Entwicklung der Charaktere zeigt der Verfasser eine tiefe Menschenkenntnis, die er sich nur aus eigener Erfahrung nach eingehenden Studien und langjährigen Uebungen erworben haben kann. Wie edel und wahrheitsgetreu und dabei typisch ist die Gestalt des Juden gezeichnet! Empfinden wir nicht bei seinem Tode tiefes Mitleid mit dem armen Manne, der sein Leben, lang nur für seine Familie und zum Wähle seiner Mitmenschen schafft? Welch' tiefe Moral ist darin enthalten? Wunderbar wirkt auch das Mystische in dem Büchlein. Unvermerkt führt uns der Autor in das Geheimnisvolle, und plötzlich schrecken >vir zusamnien. Aber nirgends ist Absicht, alles erscheint vielmehr Nr. 45. höchst natürlich und selbstverständlich. So bietet, das Buch eine recht anregende Lektüre für jung und alt. Die Jugend siisselt es durch interessante Schilderungen, während cs' dem Gebildeten wegen seines tiefen psychologischen und philosophischen Wertes eine Fülle -von Studien - liefert, die - ihn zum ^Nachdenken und Nachforschen veranlassen. A. B. Hütten im H ochland, RomaniconW axGeißl e r, 24 Bogen mit Buchschmuck von Felix Schultze (drosch. JL 4, geb. Jk 5), Leipzig, 5) Stackmann. Die Hütten im Hochland stehen vereinzelt. Ebenso vereinzelt steht der Roman oder besser die lebenswahre Erzählung „Hütten im Hochland". Max Geißler empfindet Statur und Menschen äußerst fein' und klar und weiß diese (seine) Empfindung und Klarheit derart auf den Leser zu übertragen, daß er sich wirklich ins Hochland versetzt glaubt. Man hört den Schnee knirschen, das Wasser rieseln, die Fichten rauschen und den Vogel im Wsig quik, quik, fein, fein rufen. Die Charaktere der verschiedenen Personen sind scharf, aber treffend gezeichnet. Der Gesinnungsadel des Wenz am Kreuz 'verleiht dem Buche einen hervorragend moralischen Wert. Geißler hat mit seinen „Hütten im Hochland" dem deutschen Volke ein wertvolles Geschenk gemacht. Schuhmacherei D (1 P P. Bfirneplatz 23. Beparatnr. Billigste Preise. FamiUermachrichte«. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos). Geburten. Eine Tochter, Herrn Dr. Fritz Juliusberg (Eppenstein), Frankfurt a. M. Eine Tochter, Herrn Max. Kvrnsand, Frankfurt. Ein Sohn, Herrn Mayer . (Marx), Frankfurt. Ein Sohn, Herrn' Heimann (Salomon), Frankfurt a. M.-Bockenheim. Ein Sohn, Herrn Jacob Ochs (Schiss), Frankfurt a. M., Uhländstr. 50. Verlobte. Flora Kaufmann, Frankfurt, Rotteckstr. 7, mit Siegfried Blumenthal, Wiesbaden. Anna-Bamberger, Worms, mit Siegfried Siegel, Landau. Recha Dachauer, Eichstätt, mit Fabrikant Henry Uhlfelder, Nürnberg. .Minna Heß, Schotten, mit Sally Gumb, Osfenbach. Sterbefälle. Emma Wiener geb. Guttmann, 59 I., Kattowitz. Marcus Friedlaender, Posen. Johanna Bing Wwe. geb. Hamburger, 70 I., Frankfurt a. M. Abraham Mayer, 64 I., Mainz. Jakob Hurwitz, 47 I., Frankfurt, Langestr. 4,. Conditorei Nossbaum Friedberger Landstr. 45. Telefon 10189. Unter Aufstoht Sr. EUrw. Herrn Babblner Dr. Horovitz. Specialität: Kaffee- und Thee-Cebäck. Wochen-Kalertver. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 18. November (27. Cheschwan), Wochenabschnitt Ohaje Sorob. Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 25 Min., Straßburg 5 Uhr 20 Min., Berlin 4 Uhr 50 Min. - Offenbarer Druckluft=Anlage Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TeppIchreinlQUng. Enthaarung. Als sicher wirkendes, unschädliches Enthaarungsmittel empfehle ich mein neues Präparat Dllldlin. Feine Gesichtshaare wei den in 4—5 Minuten, stärkere Haare an den Armen, Händen etc. in höchstens 10 Minuten schmerzlos entfernt. -= Dose Mk. 1.50, 3 Dosen Mk. 4,00. ■■■: Dr. M. Älbersheim, Fabrik feiner Parfurmerien. Frankfurt a. M., Kaiserstr. 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