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Neue jüdische Presse · 1905-11-17 · Heft 44 (17.11.1905) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 44 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. 44. Meier Selig Goldschmidt, Kaiscrstr. 15. Kommerzienrat Carl Friedrich Henrich, Gärtnerweg 60. Bankdirektor Karl H c r z b c r g, Zeit 35. Direktor Z. - H o ch s ch i l d, Junghofstr. 14:>. Otto H ö r t h, Taunusstr. 5. Rabbiner Tr. M. Horovitz, Börncplap 16. Geh. Justizrat Tr. Humscr, Kl. Hirschgrabcn 4. Sanitätsrat Dr. mcd. Jaff , Gärtnerwcg 40 II. Lazarus Klau, Goethesrr.. 21. Ernst L a d e n b u r g , Junghofstr. 14. Direktor Her ui a u u Maier, Kaiscrstr. 16. Michael M. M a i n z, Börncstr. 52. Hugo M a n e s, Bockcnheimcr Landstr. 45. Ä n t o n M a t t i, Sekretär des katholischen Charitas-Verbandes (Frankfurt a. M.), Seilerstr. 20. Martin M a y sei,., Tarmstädter Landstr. 27. Leopold M e r z b ach , Schillcrstr. 16. Stadtrat Albert v o n M e tz l e r, Schaumainkai 61. Prof. Dr. H. Mors, Klettenbergstr. 8. Geh. Sanirätsrat Dr. Th. Neuburger, Hochstraße 20. S am. N e u sta d t, Neue Mainzerstr. 74. Landtagsabgeordneter R u d o l f O e s e r, Mcudelssohnstr. 55. Moritz N. O p p c u h e i m, Kaisrrstr. 31. Benny Oppenheimer, 4Ieuc Mainzerstr. 63. Kommerzienrat R. Passava ut-Goutard, Bockcnheimcr Landstr. 42. Lucicn Picard, Neue Mainzerstr. 23. Professor Dr. theol. Rade, Marburg. Stadtverord. Dr. H c i n r. R ö tz l c r, Stcinlestr. 25. 'Dr. mcd. Elieser Roscnbaum, Hanauer Landstr. 36, ptr. Philipp Schiff, Gärtnerwcg 26. Reichstagsabgeordneter Wilhelm Schmidt, Gr. Hirschgr. 17. Henry Seligman, Gutleutstr. 5. Rabbiner Dr. Cäsar S c l i g m a n n, Eschenheimer Anlage 1 Hl. Leopold S o n n e m a n n, Gr. Eschenhcimerstratze 37. Dr. Philipp Ate in, Börsenstr. 20. Wilhelm Theodor Stern, Gr. Gallusstraßc 18. Rechtsanwalt Dr. G. Strohe, Blcidenstr. 6/8. Dr. Kart Sulzbach, Westendstr. 47. F. T h o r w a r t, Westendstratze 44. Geh. Negiclungsrat Bürgermeister Dr. Barrentrapp, Grüneburgwcg 113. Joses Wisloch, Friedberger Anlage 3. Die Geschäftsstelle des „Frankfurter Israelitisches Familienblatt", Heiligkreuzgasse 32, ist ebenfalls bereit. Gaben in Empfang zu nehmen. Kassierer des Hilfskomitees ist Herr Sam. Neustadt, in Firma Gebrüder Neustadt, Neue Mainzerstr. 74, Frankfurt a. M. Bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israelitischen Familien blatte s f i u d cingegangen: Arnold Orschel JL 20, N. Liebes JL 5.30, Jochem Liebes M. 0.50, Frau Hermann Alexander JL 5, Personal der Firma Gebt. Kaufmann, Ladenburg JL 14, Ingenieur Feingold JL 3, A. Levisohn JL 10, M. Halle, Gelnhausen JL 60, Dr. L. Nebenzahl JL 10, N. N. JL 5, N. N. JL 5, Moritz Geis JL 50, B. St. JL 10, Frau S. N. JL. 1, Morse Kling junior, Dauendorf JL 6, Gebr. Bambcrger JL 20, S. H. Goldman» JL 5, A. Geis, Atagdeburg JL 30, Emanuel Sondheimer, Bürstadt JL 5, David Sondheimer, Bürstadt JL 5, Max Brinkmann, Bürstadt JL 3, Gust. Flörsheim, Bürstadt JL 4, Adolf Fricdniann, Bürstadt JL 1, Sal. Sinsheimcr, Bürstadt JL 5, Zach. Sinsheimer Ww. Bürstadt JL 3, Max Vogel, Bürstadt JL 10, Abrah. Vogel Wwe., Bürstadt JL 3, 2 llngenaiinte, Bürstadt JL 4, Jakob Bo.cm, Vorsieher, Grevenmacher i. Luxemburg, Ergebnis der Sammlung in der Gemeinde JL 40, H. I. JL 18, M. fi„ F. L., I. G.,' A. G. und H. K., Berlin JL 10, S. At. JL 1, B. L. JL 1, Ww. Eis JL 5, Julius Fuld JL 1, Aus der Lparbüchsc der Kinder H. und P., Fürth i. B. JL 25, S. Berlowitz JL 4, Erspartes Taschengeld von den Knaben H. Bermann JL 2, I. Barsack JL 4, N. Goldmann JL 1. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Nachalath Z'wi Der augckündigte Vortrag über die nationale Idee im Judentum mutzte wegen Wwcsenheit des Referenten ausbleiben und um die Lücke des Vortragszyklus auszusüllcii, lud der Vorstand Herrn Oberlehrer D r. Fink als Ersatzrcfcrenteii ein. Herr Oberlehrer Dr. Fink war trotz der Kürze der ihm für die Vorbereitung zur Verfügung stehenden Zeit so liebenswürdig, der Einladung Folge zu leisten und sprach am letzten Mittwoch vor einem ansehnlichen Anditoiium über E. I. Weiß Geschichtswerk „Tor, Dor Wedorschow Bd. I." Obgleich der Verfasser des bedeutenden jüdischen Gcschichtswerkes in der Einleitung zu seinem Werke versichert, er wolle objektiv — ohne jede Voreingenommenheit — die einzelnen Erscheinungen der jüdischen Geschichte darstellen, kann ihm der Borwurf nicht erspart werden, datz er oft seinem Versprechen nicht nachkommt. Herr Dr. Fink weist au der Hand einer Vergleichung der betreffenden Talmudstellen und der Darstellung des Verfassers des Dor D. W. nach, datz der Verfasser manches hervorzuhebcn unterlassen, manches entstellt wiedcrgcgebcn hat und sich also nicht seinem Versprechen gemäß objektiv verhalten hat. Anschließend an diesen Vergleichen führt der Referent aus, E. I. Weiß bekundet in.seinem Werke die Tendenz, die Reform indirekt zu verteidigen, indem er sich bestrebt nachzuweisen, datz die Chachmei Hatalmud oft den betreffenden Störungen ihrer Zeit Konzessionen machten und ihr aus Kosten des Wortlautes und Sinnes der Thauroh Rechnung trugen. Herr Dr. Fink glaubt aber, trotzdem das Werk empfehlen zu dürfen, da cs sich durch seine schlichte und plastische Darstellung auszeichne; nur sei einige Vorsicht beim Lesen des Werkes geboten. Der Vortrag, ein gutes Stück wissenschaftlicher Kritik, wurde vom Publikum beifällig aufgenonlincu. Da aber das Verständnis des Vortrages eine größere Kenntnis des Talmuds voranssetzt, glauben wir die Meinung äiltzern zu dürfen, daß solche rein wissenschaftliche Vorträge sich nicht für ein größeres Publikum eignen. Le Maitre. Frankfurt a. M., den 14 November In dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur wurde' gestern Wend die Wintersaison mit einem Vortrage des Schriftstellers Dr. med. Arthur Kahn- Berlin über das Thema „B o m Ghetto der alten und neuen W e l t" eröffnet. Das Wort „Ghetto", so begann der Redner, erweckt in der Ziegel im Publikum ein falsches Bild, denn der Begriff „Ghetto", wie er uns aus den Werken eines Kompert, eines Franzos u. a. bekannt ist, umfaßt nur ein Anhängsel des verschwindenden Ghetto, „die Judengasse". Das wahre Ghetto — Jausef Hakauhen nent es „Emek habochoh, Tal der Tränen" — erzählt von Entrechtung, Raub und Scheiterhaufen, cs zeigt Israel als die der Willkür seiner mächtigeren Umgebung preisgegcbeuen Sklaven, es zeigt Israel aber auch in seiner ganzen Größe, denn trotz Truck und Schmach bewahrte es rein seine Menschenseele. Das wahre Ghetto beginnt mit der Weltherrschaft des Christentums, das zum Dank für seinen jüdischen Ursprung die Juden mit einem zweitausendjährigcn Martyrium belohnte; erst schloß es die Juden allmählich von allen Menschenrechten aus, und dann preßte es die Entrechteten in besondere Stadtteile — Ghettos — zusanimen. Ein blutiger Faden durchzieht Israels Ghettoleben, mit den von Frankreich aus im Jahre 1090 beginnenden Krcuzzügen — in Frankreich wurden 60 jüdische Gemeinden vollständig vernichtet — setzt das Drama ein, um im 14. Jahrhundert, zur Zeit des schwarzen Todes, seine wüstesten Orgien zu feiern. Erst mit der Reformation wird es allmählich lichter, und besonders war es die Erfindung der Buchdruckerkunst, die mit immer hellerem Lichte das Dunkel der Menschentücke und des Menschcnwahnes durchleuchtete und in der französischen Zievolution zu einem gewaltigen Lichtkampsc sich austobte, der auch die Ghettomauern niederriß und dem getretenen Juden die ihm solange verweigerte Anerkennung als Mensch gab. Redner geht nunmehr auf das moderne große Ghetto Rußlands über, und nachdem er die entsetzlichen Leiden der fünf Millionen russischer Juden in einigen markanten Strichen geschildert, führte er seine Leser in das freiwillige amerikanische Ghetto Newyork's mit seinen 600000 russischen Inden. Als Kenner der dortigen Verhältnisse und feinsinniger Beobachter verstand es Redner, treffend die traurigen, aber auch gleichzeitig die erhebenden Seiten in dem Leben und Treiben dieses gewaltigen Ghettos zu'zeichnen. — Trotz des großen Elends — häufig findet man Familien bis zu 18 Personen in engen,, dunklen Kellerlöchern — und trotz der schweren Arbeit, die die gesamte Familie, Mann, Frmi und Kinder, bis zu 18 Stunden zur unermüdlichen und doch .so wenig lohnenden Arbeit in dumpfer Luft vereinigt, trotz ihrer drückenden Armut, so führte Redner aus, haben sie sich doch den unverwüstlichen- Optiiiiismus und Idealismus des Judentums bewahrt; sie betätigen für Synagoge und Schule und alle sonstigen Stätten der Bildung ein solch ungewöhnlick lebhaftes Interesse, wie man es bei keinem anoeren Volke findet; so nennen sie 400 Botci midroschim (jüdische Lehrhäuscr), 6 Theater, 5 Tageszeitungen nsw. ihr Eigen. — Geradezu meisterhaft verstand cs der Vortragende, in ihrem Leben ans der Straße und im Hause, in Synagoge, Schule und Theater das spezifisch Jüdische und Erhebende zu zeigen. Zum Schlüsse schilderte er eine Simchas-Thanro-Feier in einem kleinen Beshamidrach, hob die ausgelassene und dabei doch so kindlich naive Freude der um die Thora Tanzenden und Springenden hervor, die in der größten Freude das uns Juden eigentümlich Jesaja'sche Weh nicht vergessen und so in ihrem Tanzen immer wieder den Ruf ertönen lassen „Onoh haschem hauschionoh; Oh, Gott, hilf doch!" — Dieser Ruf gab auch dem Redner Veranlassung, im Hinblick auf die Greueltateu in Rußland zu rufen: „Onoh haschem hauschionoh"! und die Zuhörer zu bitten, nach besten Kräften zu helfen, und zu retten, „Frankfurt sei ja die Perle der jüdischen Gemeinden Westeuropas." — Reicher Beifall lohnte den Redner. Frankfurt a. M. Der Verein Kindergar ten für Israeliten wird auf dem von ihm erworbenen Grundstück, Baiimweg 7, für seine Zwecke einen Neubau nach den Plänen des Architekten Seckbach errichten lassen. Frankfurt a. M., 15. Nov Zum Besten der russischen Notleidenden wird der Verein „M ontefiore" nächsten Sonntag, abends 8 Uhr, im großen Saale der Frankfurt-Loge eine c r n st c Feie r (Musik, Gesang, Rezitation, Ansprache) veranstalten. Das Programm und die mitwirkenden ersten Kräfte bieten die Gewähr für eine würdige, erstklassige Veranstaltung. Da der Zudrang ein sehr großer fein wird, so ist die sofortige Besorgung der Eintrittskarten (50 Pfg. pro Person) dringend anzuraten. Frankfurt a. M., 15. Nov. Verein „Montef i o r e". Bor dicht besetztem Hause hielt gestern Wend Herr Dr. Julius H ü l s e n, Architekt und Privatdozent an der Technischen Hochschule zu Darmstadt, einen Lichtbilder-Vortrag über „D i e.a l t e Judengasse in Frankfurt a. M." Ms Architekt verweilte der Vortragende nur flüchtig bei der Geschichte der alten Judeugasse, die mit dem Jahre 1462 beginnt und im Jahre 1808 mit dem Fallen der .drei Ghetto - Tore offiziell endigt, sondern würdigte ihre Bauten einer eingehenden Behandlung. Wir verbinden mit dem „Ghetto" die Begriffe „Armut und Bedrückung", und es kommt uns daher nicht in den Sinn, eine gepflegte Aesthetik in - ihr zu suchen. Doch, darin tun wir unrecht: wohl waren die Bauten einfach, aber in ihrer Einfachheit waren sie künstlerisch wirksam, in dem einfachen Fachwerkbau der Judeugasse kamen der Aesthetik Gesetze liebevoll zur Geltung. An der Hand von Lichtbildern verstand es der Vortragende, den seinen klaren Ausführungen gespannt lauschenden Zuhörern Verständnis und Achtung für die Bauten der Judcngasse, deren einzelne Häuser bei 4 Fenster Front in der Regel nicht breiter wie 2xfc Meter waren und in denen trotzdem bis 4 Familien wohnten, einzuflößen. Reicher Beifall lohnte den Redner. Frankfurt a. M. Herr Dr A Sckapira, der Bibliothekar des Vereins „Jüdische Bibliothek und Lesehalle", gibt bekannt, daß die Lesezimmer vom 20. November ab jeden Montag — Donnerstag von 8—10 (statt bisher 7—9) llür abends geöffnet sind. An Uen übrigen Tagen bleibt die Lesezeit. wie bisher: Freitag, abends nach beendetem Gottesdienste bis 9 Uhr; Samstag, 11—1 Uhr vormittags und 3—7 Uhr nachmittags; Sonntag, 10—12 Uhr vormittags und 5—7 Uhr nachmittags. Die erst seit 8 Wochen der Oeffentlichkeit übergebenen Räume wurden bereits gut frequentiert. Außer einer reichhaltigen Auswahl jüdischer Zeitungen aus aller Herren Länder, ist bereits eine Bibliothek von über 500 Bänden vorhanden. Mit der Bücherausleihe, die unentgeltlich geschieht, wird in der nächsten Zeit begonnen werden. Berlin. Der Verein Israelitisches Heimat haus und Volksküche (E. B.), Gvrmannstr. 3, hat im vergangenen Jahre 167 751 Portionen Essen verteilt (davon unentgeltlich 60313 Portionen), und zwar: in der Kochschule 61451 Port, (unentgeltlich 42 629 Port.), in der Volksküche 45 987 Portionen (unentgeltlich 17 684 Port.). Eindhoven (Holland). Die Damenververeinigung Bildet Kaudesch hat der hiesigen Gemeinde ein kostbares Geschenk überreicht. Dasselbe bestand in einem Th oraschild, darstellend die drei Säulen des Judentums.-Thauro, Awaudo und Gcmilluth Chassodim. lieber den Säulen befinden sich drei Kronen Keser Thauro, Keser Kehuno und Keser Malchus und werden diese überragt von einer großen goldenen Krone, der Keser Schein tauw. Das Schild, ein wirkliches Kunstwerk, ist aus dem Atelier des Herrn Felix Ho rovitz-Frankfurt a. M. von dessen Leiter Herrn Leo H. angefertigt worden und zeugt sowohl in der Idee als auch in der Ausführung von großer Kunstfertigkeit. Vereins-Kalender. Verein für jüdische Geschichte und Literalvr. Montag, den 20. November, abends 8Vr Uhr, im Saale des Kaufmännischen Vereins: Herr Rabbiner Dr. Ackermann aus Brandenburg: „Was lehrt das Judentum über das Verhalten zum Andersgläubigen" (Vortrag mit anschließender Diskussion). Verein Montefiore. Sonntag, den 19. November, abends 8 Uhr, im großen Saale der Frankfurt-Loge Veranstaltung zum Besten der russischen Juden: 1) Präludium für Harmonium, 2) Rezitativ und Arie aus dem Oratorium „Samson", .3) Rezitation „Sturm", 4) Largo für Harmonium, 5) Arie „Gott sei mir gnädig", 6) Ansprache. Mittwoch, den 22. November, abends 9 Ilhr, im großen Saale der Loge zum Frankfurter Wler, Seilerstraße 22 I: Familienabend. Donnerstag, den 23. November, abends 9 Uhr: Fortsetzung des Vortrags des Herrn Julius Gans über „Handelsrecht". -

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