Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 44 (17.11.1905)
- Date
- 1905-11-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Frankfurter Israelitisches Familienblalt. Nr. 44. Dar rechte Trottoir der Troitzkystraße Heim Eingänge zum Graben bildet in der Tat eine eigentümliche Arbciterbörse, wo gegen Abend, bei jedem Wetter sich Gruppen von jungen Handwerkern versammeln, um zu plaudern und .über die mögliche Nachfrage nach Arbeitern Erkundigung einzuziehcn. Wer der kleine Kondukteur läßt sich nicht beruhigen. — „Verdammte Börse," stößt er zwischen den schwarzen Zähnen hervor. „Was für ein Recht haben Sie, so zu sprechen," fährt der junge Soimonow auf. Dem eigenen Vater zu widersprechen, noch dazu in Gegenwart von Fremde», konnte er sich nicht entschließen, aber der fremde Kondukteur bildete eine zugänglichere Zielscheibe. — „Es gibt auch russische Demokraten und sogar Eisenbahnarbciter unter ihnen." — „Diese Kanaillen müsse» gehängt werden," zischt der Kondukteur. Der jüngste Soimonow erhebt sich mit zorncntflammtcn Auge». „Sind Sic ein Henker?" entgegnete er giftig, „das wußte ich nicht." — „Was soll man den» mit ihnen machen?" — erwidert der Kondukteur mit überzeugter Stimine, als ob alle anderen Mittel schon erschöpft wären. „Wie, hängen wollt ihr sie," entgegnet unwillig der junge Soimonow, „sie sind ebenfalls Menschen. Prüft lieber ihre Meinungen, vertieft euch in ihre Gedanken, vielleicht wollen sie nur Gutes. Sie sind sicher ebensolche Menschen, wie ihr, vielleicht haben sie noch mehr Verstand als ihr." „Nun, es geht ja bei Dir wie ei» Mühlrad," unterbricht ihn der alte Wagcnschmied. „Sich nur, wie alle Preise eurer Unruhen wegen gestiegen sind! Früher, wenn man sich beim Schneider einen Anzug bestellte, betrug der Arbeitslohn bloß 5—6 Rubel, je nach der Arbeit, jetzt.aber heißt es: sieben Rubel — fünf für die Arbeit und zwei für die Demokraten." „Nun, macht es ebenso," erwidert der Mcistergehilfe mit Ironie. „Warum gafft ihr?" Er ist groß, breitschultrig und viereckig, als ob er ans Eise» geschmiedet wäre. Man hätte denken können, daß man ihn in derselbe» Waggonfabrik zurcchtgezimmert habe. „Wir haben leider eine Wagenbauerei," erwidert seufzend Soimonow/ „da§ ist kein städtisches, sondern ein Bauernhandwerk. Es sind schon so viele Wagenbauer in de» Dörfern, iveiß der Teufel, woher sic kommen. Man will auch so nichts von uns kaufen, wie sollen wir noch die Preise erhöhen?" „Die Obrigkeit verbietet das nicht," fügte er mit Bitterkeit hinzu. „Für etwas Gutes kennt sie keine Strenge." „Ich habe bemerkt, daß die Russen dümmer sind," bemerkt Soimonows Schwiegervater gerade heraus. „Zum Beispiel ein russischer Meister. Er nimmt sich einen Lehrling aus drei Jahre unentgeltlich, beutet ihn nach Kräften aus, läßt ihn von fünf Uhr morgens bis acht Uhr abends arbeiten. Die Russen fürchten sich, auch nur ein Wort dagegen zu sprechen, sonst werde» sie hinausgeworfen, dann ist auch die Lehre verloren. Die Juden haben keine Angst, sie sind auf ihren Vorteil bedacht. .Dafür sind es auch Demokraten." Briefkasten. X. L. Bret Harte war jüdischer Abkunft. Sein Großvater Aernard Harte, der als Börsenmakler in Newyork lebte, starb noch als Jude. Aus der Geschäftswelt. Auszeichnung! Auf der gegenwärtig in Brüssel stattfindcnde» „Internationalen Ausstellung für Industrie und Gewerbe" erhielt die hier seit 14 Jahren bestehende Cigaretten fab rik I. Z e r n e s für ihre Spezialmarke „X i X i" die goldene Medaille und E h r e n d i p l o m. Schuhmacherei D U P P. Börneplatz 23. Reparatur. Billigste Preise. Familiennachrichten. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos). Geburten. Ein Sohn, Herrn Dr. med. B. Auerbach (Kansfmann). Halberstabt, Heinrich Juliusstr. 9. Eine Tochter, Herrn C. Mayer (Guuzcnhäuser), Frankfurt, Schcffclstr. 15. Ein Sohn, Herrn Rothschild (Bodenhetmer), Frankfurt, Sandweg 18. Verlobte. Hedwig Loeb, Basel, mit Dr. jur. Hugo Weil, Landau. 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Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 35 Min., Straßburg 5 Uhr 30 Min., Berlin 4 Uhr 55 Min. Kaiser Friedrich Quelle - Offeubacli a. M. - Vornehmstes Tafelwasser. Offenbacber Druckluft=Anlage Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TepptchrelnldUng. MMNMHMNtHMNM Enthaarung. Als sicher wirkendes, unschädliches Enthaarungsmittel empfehle ich mein neues Präparat Dlllmin. Feine Gesichtshaare wei den in 4—5 Minuten, stärkere Haare an den Armen, Händen etc. in höchstens 10 Minuten schmerzlos entfernt. Dose Mk. 1.50, 3 Dosen Mk. 4,00. : Dr. M. Älbersheim, Fabrik feiner Parffirmerien. Frankfurt a. H., Kaiserstr. 1. — Wiesbaden, Wilhelmstr. 8( Versand gegen .Nachnahme. Illustr. Katalog kostenlos. MINBIIIIMMaNIHMIUNINMWNMUlHMII 2 Jl. Rothschild, hebräische Bucbbandlung 2 TeTephou 6529 Frankfurt am Main Börneslrasse 83. 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