Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 40 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.. 40. Frankfurter 3)raelinjd)es Famtttenblau. öeue' 11 Mit außergewöhnlichem Eifer und großem Erfolg lag er den Studien ob — sein Streben berechtigte seine Angehörigen zu den besten Hoffnungen für seine Zukunft —, und bei all seinem Streben und "Fleiß vergaß er nicht, die Tradition der Väter mit Gewissenhaftigkeit hochzuhalten. In dem so früh Abbernfenen haben wir einen vorzüglichen Juden und Menschen verloren. Sein Andenken wird ein gesegnetes sein! Darmstadt. Geheimer Baurat Th. L a n d s b er g feierte sein 25 jähriges Jubiläum als Professor der Jngenieurwisscnschaften an der hiesigen Technischen Hochschule-, er genießt in. seinem Fache den Namen einer Autorität ersten Ranges. Stuttgart. Hermann Gutmann s. A. Am Abende nach dem Fasttage Zaum Gedalja hat Hermann- Gutniann, von einem Hirnschlage getroffen, seine reine, edle Seele ausgehaucht. Ich wüßte, um den geradezu unersetzlichen, harten Verlust zu schildern, welcher seine Familie, die Israelitische Religionsgesellschaft, die Israelitische Gemeinde Stuttgart, die Gesetzestreuen Württembergs- und Deutschlands, ja das Judentum auf der ganzen Welt erlitten haben, kein anderes Wort anzuführen, als den Vers aus Psalm 12, den wir während der ganzen Zeit über in den Selichaus sagen: „Hilf Ewiger, denn vollendet hat der in frommer Liebe sich Hingebende, verschwunden sind die Gerechten aus der menschlichen Gesellschaft." Hermann Gutmann s. 2k., von Beruf Bankier in Stuttgart, . als welcher er bei seiner Kundschaft wegen seiner Ehrbarkeit und Geschäftsklugheit das höchste Vertrauen genoß, entsprach, in sittlicher und religiöser Hinsicht vollkommen dem Begriffe, welcher dem Worte „Chossid" innewohnt. Ein Mann war er, dein es in erster Linie darauf ankam, ein treuer Betätiger des Judentums zu sein. Ms er vor ungefähr drrtthalb Jahrzehnten nach Stuttgart kam, da schuf er unter unsäglichen Mühen und Kämpfen eine Religionsgesellschaft, welche — int Gegensatz zu der damals in Stuttgart übermächtig und auch übermütig herrschenden, von der Regierung geförderten Reformgemeinde — die Grundsätze des überlieferteit Judentums geradezu mustergültig verwirklichte. Ein eigener Gottesdienst, eigener Religionsunterricht, eigene Schechita und eigene Mikwoh richtete er unter vielen Mühen und Anfechtungen mit dem Aufwande bedeutender Opfer an Geld und Arbeit ein. Und auch, nachdem die Institute geschaffen waren, unterhielt sie der Verstorbene als erster Vorstand nnd erster, ja Hauptbeitragender, indem er all die zahlreichen Mühewaltungen und Anordnungen, die solche Institute notwendig machen, ganz allein auf sich nahm. Seiner Gemeinde leuchtete er als Muster frommer Pflichterfüllung vor. Jin Synagogenbesuch kam ihm keiner zuvor, er selbst betete an den Jomim Nauroim vor, versah das Schofarblasen und andere Mizwaus. Noch einige Stunden vor seinem Tode las er die Haphtara zu Minchah des Fasttages. Auch war der Verstorbene Möhel und führte zahlreiche Knaben in den Bund Abrahams ein. — Und soll ich nun von seiner unbegrenzten Wohltätigkeit sprechen? Wie er stets für Hilfesuchende, für Institute und Anstalten nicht allein eine stets offene, reichlich gebende Hand hatte, sonderir wie er für all die Petenten zu jederzeit zu sprechen war, wie er ihnen allen gute Ratschläge erteilte, wie er so und so oft für Arme oder Institutionen sammelte und wie er auch in allen anderen Zweigen der jüdischen Wohltätigkeit voranschreitend tätig war. Und bei einem solchen Manne braucht es nicht hervorgehoben zu werden, daß er täglich einige Stunden sich mit Thoralernen beschäftigte und daß er ein gediegenes jüdisches Wissen besaß. Von dem musterhaften glücklichen Familienleben an der Seite seiner gleichgesinnten Gattin, von seinen Bemühungen, seine Kinder zu seinen Grundsätzten zu erziehen, zu sprechen, dürfte hier, wo seine öffentliche Tätigkeit vor altem in Betracht kommt, nicht der Platz sein. Und bei all seinen vielseitigen Bemühungen im Interesse des Judentums, der Menschliebe, der Armenpflege nnd seinen Erfolgen, die ihm beschieden waren, bei all dem Einsehen, das er überall bei Gesinnungsgenossen und Andersdenkenden genoß, war der seltene Mann von so einfacher, bescheidener und schlichter Mt, daß er leine Person stets in den Hintergrund treten ließ, daß er aber seine Sache voll Mut und Tatkraft bis zum Siege führte. So haben — ich will von dem was seine engere und weitere Familie leider. verloren hat, hier nicht reden — die isr. Religionsgesellschaft und die isr. Gemeinde Stuttgart im Weiteren, und besonders die Armen einen außerordentlich herben Verlust erlitten. Und erst die Gesetzestreuen innerhalb und außerhalb Württembergs! Denn bei ihm holte man sich Rat und — Mut und Ausdauer. Wie nötig wäre seine Person gewesen zu der in einigen Jahren unbedingt unumgänglich werdenden Organisation der Gesetzestreuen in Württemberg. In der Tat, wenn wir überdenken alles, was der Mann war, so findet unser Schmerz keinen Trost und nur das Vertrauen auf unfern Gott und auf Seine heilige Sache, hilft uns über unsere Trauer, die so groß und lebhaft ist, als wäre uns selbst ein nahes Familienglied entrissen worden, hinweg und nur, was wir Eingangs ausriefen, bleibt uns übrig, zu beten: „Hilf o Ewiger» denn vollendet hat der in frommer Liebe sich Hingebende, verschwunden sind die Gerechten aus der menschlichen Gesellschaft." Die ganze Gemeinde war entsetzt über die Nachricht, die so plötzlich und unvorbereitet sich verbreitete. Bei dem Leichenkondukt sah man eine außerordentlich zahlreiche Beteiligung voil allen Klassen der jüdischen Gemeinde. Tie Mitglieder der isr. Religionsgesellschaft trugen in rührender Treue den Sarg, der die Reste des Teuren barg; man sah keinen der bezahlten Leichenträger. Vom u.raucrhause ging der Zug zunächst zur Synagoge der Religionsgesellschaft. Tort sang der Lehrer der Religions-Gesellschaft mit schmerzverhaltender Stimme das el mole rachamim und schilderte dann unter Schluchzen, was der Verewigte der Religionsgcsellschaft und dem Judentume nnd der Person des Redners gewesen war. Zur Höhe der Situation führte seine Zuhörer die Meisterschaft des Herrn Rabb. Dr. Kroner, Kirchenrat, der die Bedeutung des Mannes, seine Größe und die Unaussüllbarkeit der Lücke, die seiner Familie, der Religionsgesellschast, der Gemeinde und dem Judentunie entstanden ist, in adacquaten Worten und Ausführungen dartat. Und wer konnte dies besser, als eben Herr Kirchenrat, der innig befreundet war mit dem Verstorbenen, dessen Schiurvorträge sowohl öffentliche als private der Verewigte immerfort besucht und dessen- Bestrebungen zum Wähle und Aufschwung des Judentums in Stadt und Land der Dahingegangene so oft geteilt und unterstützt hatte. 'Nachdem die Feier in der Synagoge beendet war, setzte sich der Zug nach dein Bahnhofe in Bewegung- und niemand von den zahlreichen Begleitern scheute es, den weiten Weg dahin "zu Fuß zurückzulegen. Die Leiche wurde nach Dettingen im Ries, dem Geburtsorte des Verstorbenen überführt. — In der Begleitung waren außerordentlich zahlreich vertreten die Mitglieder der Bnei Beris-Loge, welcher der Verstorbene seit einigen Jahren angehört hatte. Ferner bemerkte man Herrn Bezirksrabbiner Dr. Stößel-Stuttgart und Rabbiner Dr. Kahn aus Eßlingen, der in seiner Eigenschaft als Kohen zu seinem Bedauern verhindert war, zu sprechen. — Möge der allbarmherzige Vater im Himmel den Schmerz der tiefgebeugten Witwe und ihrer Kinder mildern und sie trösten! Dr. M. K. in E. Oellingen. Heute fand hier die Beerdigung Hermann Gutmann s. A. statt. Es sprachen die Herren Distriktsrabbiner Dr. Cohn-Jchenhausen, Lehrer Gutmann-Oettingen, Emanuel Kaufmann- Stuttgart, der Schwager des Dahingeschiedenen, Lehrer Sulzbacher-Stuttgart, Kirchenrat Dr. Kronergart, A. Essinger-Stuttgart namens der B. B. Stuttgart Loge nnd Siegfried Simon. Dresden. Der österreichisch-ungarische Honorarkonsul Gustav Klemperer, Direktor der Dresdener Bank, ist zunt Generalkonsul ernannt worden. Charlottenburg. Der Stadtverordnetenvorsteher Justizrat R o s e n b »r g und der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher O. Kaufmann wurde» in den Provinziallandtag gewählt. Breslau. Der Kaufmann Rudolf Eppenstein wurde zum Handelsrichter und der Mühlen besitzer Dr. Phil. Ph. Heymanu zum stellvertretenden Handelsrichter ernannt. Basel. Der Bundesrat wählte als Chef des Telegraphen- und Telephonbureaus in Liestal Herrn Moritz Levy. Leeuwarden (Holland). Ter Ratsherr A. Dup are wurde zum Offizier des Oranje-Nassau-Ordens ernannt. Aus den Vereine«. Frankfurt a. M. Der Verein zur Pflege und Unter st ützung israel. Kranker Bikkur Cholim" (Vorsitzender: Dr. med. W. Hirsch) versendet seinen 9. Rechenschaftsbericht. Er verausgabte im Jahre 1904 für Eier, Milch, Fleisch, Medizin usw. usw. (einschließlich Jk 900 Geschäftsunkosten) Jk 13 204 gegen JL 7851 im vorhergehenden Jahre. Diese Mehrausgabe von Jk 5350 macht fast jede weitere Ausführung überflüssig; sie zeigt, wie stark die Mittel des Vereines in Anspruch genommen werden, und appelliert an jeden, den Gott mit Gesundheit und täglichem Brot gesegnet hat, nach bestem Können sein Schcrflein beizutragen zur Linderung der Not der Aermsten der 'Armen, der kranken Armen. Frankfurt a.M. Der „Montefiore",Berein zur Pflege der idealen Interessen jüd. junger Leute, veröffentlicht soeben sein Winter- Programm (siehe Inserat in der vorliegenden Nr.). Aus dem vielgestaltigen Arbeitsplan heben wir als besonders zur körperlichen und geistigen Weiterbildung der Mitglieder geeignet hervor: l. beit Tu rnunterricht, welcher im vorigen Jahre niit großem Erfolge eingeführt wurde und auch in diesem Semester sicherlich eine ganze Reihe neuer Teilnehmer vereinen wird, 2. den Stenographie-Unterricht, welcher wiederum unter Leitung bewährter Lehrkräfte in zwei Systemen (Gabelsberger und Stolze-Schrey) geführt wird, 3. die in diesem Jahre neu ^eingerichteten Vorträge über Handelsrecht, welche an 10 Tonnerstag-Abenden durch den Diplom-Handelslehrer Herrn Julius Gans gehalten werden. Aber auch die beliebten M i t t w o ch s - V o r - träge weisen eine Reihe der besten Thematas aus fast allen Gebiete» jüdischen und allgemeinen Wissens auf, und die Nanien der für dieselben gewonnenen Redner bieten eine Gewähr für ausgezeichnete Interpretierung. Wir erwähnen nur, daß der Ehrenpräsident des Vereins, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. Horovitz, die Erössnung der Winter-Saison mit einer Ansprache gütigst übernommen hat, daß ferner Namen-wie Herr Rabbiner 'Tr. Wachenheimer-Aschasfenbiirg, Herr Rabbiner Dr. Unna-Mannheim aus der Rednerliste stehen. Als ganz besonders zugkräftig dürsten sich auch die Lichtbilder-Borträge des Herrn Privatdozenten Dr. phil. Julius Hülsen über Kunst und berühmte Baudenkmäler, sowie der Experimental-Bvrtrag des Herrn Dr. chem. Robert Kahn erweisen. Wie dieser kurze Auszug aus den: Programm zeigt, hat der Vorstand des „Montefiore"-Bereins keine Mühe und Kosten gescheut, seinen Mitgliedern die beste Gelegenheit zur Weiterbildung auf jedem Gebiete gegeben zu haben. Möge lebhafte Beteiligung sowie rege Anmeldung neuer Mitglieder die Tätigkeit des Vorstandes belohnen. Frankfurt a. M. Herr Dr. Grünhut-Jerusalem, Direktor des von dem in Frankfurt domizilierenden „Verein zur Erziehung jüdt- Icher Waisen in Palästina" (Vorsitzender: Rabbiner Dr. Horovitz-Frankfurt a. M.) unterhaltenen Waisenhause, beklagt in seinem Berichte, daß durch die ungünstigen Finanzverhältnisse des. Vereines die Zahl der Zöglinge von 36 im Vorjahre auf 33 im letzteit Jahre znrückgegangen ist. Dabei haben die Ausgaben sich infolge der fortgesetzten Steigerung der Lebensmittelpreise vermehrt; so kosteten dieses Jahr die Mazzoth, die noch vor drei Jahren 8 Piaster per Rotel gekostet habe», 11 Piaster. Ans der Lehrerwett. Altona, lv. Okt. Heute verschied in seinem 98. Lebensjahre Herr Rabbinatsassessor I. M. C o h n. Der Verstorbene, ein Schüler des Chasam Soser, war einer der hervorragendsten Talmudisten der Jetztzeit. Cassel, 8. Okt. Heute Mittag verschied in Berlin, wo er Heilung von schwerem Leiden suchte, der Landrabbiner Dr. Prager, der länger als 20 Jahre sein Amt mit großer Treue und Hingebung in unserer Stadt verwaltet hat. Mit ihm ist ein hochgeachteter, selbstloser Mann dahingcgangen, der an allen Aufgaben werktätiger Menschenliebe weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus regsten Anteil nahm und her in deir Gemeinden seines Bezirkes die liebevollste Verehrung genoß. Ferrara (Italien). Im November feiert Herr Okerrabbiner Giuseppe I a r ö das Jubiläum seiner 25 j ä h r i g e n Amtstätigkeit als Rabbiner der hiesigen Gemeinde. FamMennachrichte«. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos). Geburten. Ein Sohn, Herrn Rechtsanwalt Tr. Herzfeld (Frankenstein), Essen. Berlobte. Marie Adler, Stuttgart, mit Sigmund Gutmann, Göppingen. Sterbekälle. Siegmund Liefmann, 78 I., Wiesbaden. Babette Tiefenbronner, geb. Reis, 66 I., Frankfurt a. M. Julie Mathilde Weil, geb. Wolfs, 57 I., Jugenheim. Leonore Kaula, 24 I., Frankfurt a. M. Verein Mrkor-Shnjim. Schützenstraße 2. Samstag, den 1. Tag Sukkaus, und Samstag: Schemini Azeres, nachm. 33/t Uhr: Mikro-Vortrag. Wenn die Blätter leise rauschen ♦ ♦ ♦ ♦ und im Herbststurm zu Erde fallen, stellen sich auch die leidigen Quälgeister wieder ein: der Husten, der Katarrh, die Heiserkeit, und wie die lieblichen Dinger alle heißen. Zum Glück weiß man nun so ziemlich überall, daß die Fay's ächten Sodener Mineral-Pastillen alle diese Apektionen prompt bekämpfen, und sie sind so billig, daß jeder sie anwenden kann. Die Schachtel kostet nur 85 Pg. Wocheu-Kalerrüer. (Zettangaben nach dem Laach.) Freitag, den 13. Ottober, abends 5 Uhr 5 Min. Sabbath- und Suckoch-Anfang. Sonntag, den 15. Oktober, abends 8 Uhr 20 Min.: Ende des zweiten Tages des Suckoth-Festes. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. > Vornehmstes Tafelwasser.