Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 38 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 38. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite I I. führen wird —; die Nacht schreitet fort; aber — sie fürchten auch das Tageslicht, weil dieses sie noch mehr 'zur sichern Zielscheibe des vernichtenden Geschosses macht. lind so fürchten und zittern sie fortwährend; wehr- und hilflos dem Untergänge preisgegeben. Nur zwei unter ihnen sind bewaffnet, zu denen die Mißhandelten als Schutz und Wehr ausblicken. Diese beiden aber werden von den Lockungen des Feindes fortwährend bestürmt. „Kommt zu uns," läßt er seine schmeichelnde Stimme hören; „gebet auf die undankbare Rolle, für eine verlorene Sache noch weiter zu kämpfen. Kommt zu uns; unser ist ja der Sieg, und wir werden euch zu Macht und Ansehen verhelfen; aber kommet schnell, sonst werdet auch ihr untergehen in ihrem Verderben —." Einer der beiden Waffenbesitze!: läßt sich verführen und schließt sich den Verfolgern seines Volkes an, während der andere, fest auf seinem Posten verbleibt. Nun sage, Gerold, wer ist hier der Feigling, der Mtrünnige, oder der. Standhafte?" Gerold schwieg und mir die in Falten gezogene Stirn bekundete seinen Unmut. ' „Und nun, sieh Dir auch den Narren an," fuhr Saul mit ernster Würde fort, „und Tu wirst es zugebcn müssen, daß ich doch nicht so närrisch und unüberlegt bin, wie Du denkst; ich verstehe es ganz gut, mich für meine Aufopferung auch angemessen zu entschädigen. Du siehst mich verwundert an — nun ich will cs Dir ganz offen eingcstehen: in meiner Narrheit ist eine gehörige Portion Selbstsucht enthalten. Indem ich fest zu meinem Volke halte, bin ich auch berechtigt, an seiner großen und reichen Erbschaft teilzunehmen, und bei der Erfüllung seiner menschenbeglückenden Aufgaben voll und ganz mitzuwirken!" (Schluß folgt.) Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Der Vorstand und das Kuratorium der Israelitischen L c h r c r b i l d n n g s - A n st a l t in W ü r z b u r g wenden sich zurzeit in zwei Rundschreiben an die große Oesfentlichkeit. Das eine richtet sich an die Gesamtheit, das andere an die Lehrer; beide geben Kenntnis von den vollzogenen Acndcrungen in dem Personalbestand der Anstalt und haben den Zweck, Gelder für die Anstalt flüssig zu machen. Da nun die große Oesfentlichkeit engagiert ist, so hat sic auch das Recht, gehört zu werden, und wir sind sicher, daß insbesondere die neuen Mitglieder des Kuratoriums cs freudig begrüßen, wenn die Oesfentlichkeit wohlwollende Kritik an der Anstalt übt, wenn ihr auch durch die Rundschreiben nur der Spenden-Antcil zngcsprochen wird. Das eine verlangt das «ändere. Tie Oesfentlichkeit, welche ihr Geld zur Verfügung stellt und gestellt hat, hat ein Interesse daran, zu erfahren, wer mit dem Gelbe wirtschaftet und wie damit gcwirtschaftct wird. Wir wollen mit dieser Anregung absolut kein Mißtrauen erwecken; im Gegenteil, wir geben dadurch dem Kuratorium die hoffentlich erwünschte Gelegenheit, der Oesfentlichkeit mitzuteilcn, in welcher Form dafür gesorgt i st, d a ß die Gelder, die der A n st a l t zur Verfügung gestellt werden, auch für alle Zukunft zweckentsprechend gesichert sind. Man wird hoffentlich einseheu, daß cs nach .Maßgabe unserer Zcitvcrhältnisse nicht mehr angcht, daß alles „unter u n s" abgemacht wird. Die Oesfentlichkeit könnte sich sonst sagen, wo so viel verheiinlicht wird, muß es etwas zu verheimlichen geben. Wir wollen feststellen, daß diese Auffassung wielfach Platz gegriffen hat; wir teilen sie keineswegs, im Gegenteil, wir möchten sogar dem Kuratorium durch eine offene Aussprache Gelegenheit geben, daß Nichts zu verbergen ist. Eine einfache Konstatierung, es sei alles gut unter Berufung auf die wohlbekannten und wohlklingenden Namen der Mitglieder des Kuratoriums, würde nicht hinreichen, die vielfachen Bedenken zu zerstreuen. Man wünscht Aufklärung. Ai au wünscht die "Aufklärung schon deshalb, weil die Berufung zum Kuratorium nicht einer Wahl, sondern nur einer Auswahl zu verdanken ist; es wird da doch leicht eine einseitige Jntcresscnbetonung gezüchtet, weil doch einmal ein Mensch nur Mensch ist und feine Schwächen hat, selbst wenn er das Amt eines Distrikts-Rabbiners in Unterfranken einnimnit. Die hohe Persönlichkeit, welche den Gnadenakt der Berufung ins Kuratorium ausübt, wird immer nur jene Persönlichkeiten vor- ,ziehen, die ihr an Anschauungen ähnlich sind; die Zufuhr neuer Ideen und die Betätigung fruchtbarer Anregungen sind dadurch verhindert. Man komme uns nicht mit den jüngsten Aendernngen; man weiß recht gut, mit welch sauerer Miene dieselben geschaffen wurden; man weiß ganz gut, daß erst der publizistische Puffer in der antisemitischen Presse den Anstoß gab, etwas zu tun. Wolle man an diesem Beispiele de» Wert und die Wichtigkeit der Presse und der Oesfentlichkeit erkennen! Wolle man nicht warten, bis die böswillige Oeffentlichkeit wieder das Wort ergreift, sondern beachte man auch die Worte einer gutgesinnte» Presse. Es ist auffallend, um es offen zu sagen, daß das Kuratorium eine so große Anzahl unterfränkischer Rabbiner enthält, die zudem 3!i im engsten verwandtschaftlichen Verhältnis stehen; aber das Kuratorium wendet sich mit seinenl Aufrufe nicht an die Amtsbrüder — an die Rabbiner, sondern an die Lehrer, welche im Kuratorium auch nicht durch ein einziges Mitglied vertreten sind. Scho» die Klugheit verlangt, daß man jenem Stande, an welchen man sich mit besonderer Ausschließlichkeit wegen Beschaffung der Mittel wendet, auch in einer ehrenvollen Weise cntgegenkommt. Das Kuratorium, auch das durch neue Mitglieder aufgcputzte, ist anscheinend der Auffassung, schon genug Ehren verteilt zu haben, wenn es den Lehrern, die dazu befähigt sind, gestattet, ihre Kräfte der Anstalt zur Verfügung stellen zu dürfen. Diese Auffassung ist doch keine lobenswerte. Wir nicinen vielmehr, wenn man einmal den Versuch machen wollte, den Lehrern Gelegenheit zu geben, — in autorativer Weise durch Wahl in das Kuratorium — mitzuraten und mit» Zutaten an dem Wohle der Lehrerbildung, so würde es sich zeigen, daß das Wohl in ebenso gute Hände gelegt ist, wie das des Lehrervereins, dessen Verdienste auch von Mitgliedern des Kuratoriums doch anerkannt und vielfach beneidet werden. Wir verlangen also für heute Veröffentlich ungderSeminar - Statuten und zeitgemäße Reformierung des KuratoriumsimSinnederLehrerfreundlichkeit. kloai. Literatur und Kunst. Per Hall ström: Eine alte Geschichte. Insel 1905. Eine süße Frucht vom Baume der sanften und traurigen Herzensgeschichten. Diese, die hier erzählt wird, ist so zart und ans so unscheinbaren Fäden gewoben, daß ein anderer, als der weiche und feine Hallström, sie entweder gar nicht hätte schreiben können, oder sie zu einem gar trübseligen oder trivialen Produkt zusammengeknetet hätte. Ein ganz kleines, ganz dummes Mädchen vom Anfang des vorigen Jahrhunderts liebt ihren Magister, und weil das die Zeit ist, wo man für Mythologie und gedrechselte Verse schwärmt, so schreibt er zur Geburtstagsfeier der Großmutter so viele mythologische Verse, als seiner von der Liebe entflammte» Phantasie nur cntströinen wollen. Tenn von der Großmutter, einer aus der Rokokozeit herüberragendcn und ihre ganze Umgebung überragenden Gestalt, hängt alles ab. Aber so gut ihr die Verse auch gefallen, sie verlobt das kleine Mädchen doch mit dem reichen Freier und verachtet die Liebenden noch, weil sie sich trennen lassen. Das spielt sich in zwei Tagen ab und ist so ziemlich alles. Mer doch nur beinahe! denn auch das dunnne kleine Mädchen wird Großmutter und ihre Enkelin, ein modernes und sehr kluges Fräulein, erzählt in einer Tagebuchaufzeichnung, wie sie den Zopf ihrer Großmutter — das Haar hatte der Magister so sehr geliebt — findet, an die sie sich nur als an eine scheue, stumme Frau, die viele Kinder hatte und es nicht vertrug, Verse zu hören, erinnert, und wie bei dem Zopf ein Brief liegt, in dem der verkommene Magister der ehemals und immer Geliebten seine ganze Seele öffnet. Wir aber, die wir diese Bekenntnisse mitlesen dürfen, können das Buch nur mit sanfter und liebkosender Bewegung aus der Hand legen. Th. Fontane: Causerien über Theater. Herausgeber Paul Schlcnther, Berlin. F. Fontane, 1905. Wir alle wußten, daß ' Fontane ein liebenswürdiger, warmherziger Mensch und ein geistvoller Schriftsteller war. Nun, da Paul Schlcnther die Kritiken, die Fontane lange Jahre für die „Tante Boß" geschrieben hat, gesammelt herausgab, können wir uns nochmals an seiner Liebenswürdigkeit sonnen und an seinem Esprit erheitern. Nicht alles, was er da schrieb, würde man heute unbedingt unterschreiben, aber über den einzelnen zeitlichen Jrrtümern stehen hoch sein untrüglicher Instinkt für das Ehrliche und das Feine, seine Unantastbare Redlichkeit, die beinahe schüchterne Milde, mit der er die Künstler zu erziehe» trachtete, sein unermüdlicher Kamps gegen alle Unnatur und vor allem andern die Begeisterung, mit der er, der Alte, trotz des tosendeir Kampfes, der um den jungen Hauptmann und seine Genossen tobte, sich zu ihrem Propheten und Herold machte. — Nicht ganz einwandfrei ist Schlenthers Anordnung der Kritiken. Anstatt sie einander »ach ihrem Erscheine» folgen zu lassen, sind sie chronologisch nach der Geburt der einzelnen Dichter und der Entstehung der Werke geordnet. So sieht man oft drastisch, daß eine Umwertung der Werte stattgcfundeii hat, aber das Mlmähliche, das jeder Umwandlung den Stempel natürlicher Entwicklung gibt, geht verloren. Das Buch ist in gleicher Weise wertvoll und unterhaltend durch die Persönlichkeit des Verfassers, das Stoffliche und den gewinnenden Charme der Diktion. Aus der Geschäftswelt. Die Frankfurter Kochkunstausstellu n g wird am Samstag, 30. September, Vormittags U Uhr, in Gegenwart der hohen Protektorin, Prinzessin Friedrich Carl von Hessen, sowie von Vertretern der staatlichen und städtischen Behörde» eröffnet. Von 1 Uhr ab ist die Ausstellung für das Publikum geöffnet. Ter Eintrittspreis beträgt am ersten Tage 3 Je, am zweiten Tage 2 Jk und vom dritten Tage.ab 1 Jk Um den mit Hinsicht auf die Spezialkonkurrenzen und die Sonderausstellungen gebotenen öfteren Besuch zu erleichtern, werden Abonnementskarten mit 12 Tickets zu 9 JL ausgegeben. I. D. Groß, Chokoladenfabrik in Berlin, Hoflieferant Sr. Maj. des Königs. Diese seit 1809 bestehende Firma, die älteste Fabrik der Branche in Berlin, hat seit kurzem eine Verkaufsstelle ihrer anerkannt hochfeinen Fabrikate hier, Roßmarkt 17, eröffnet. Neben Trink- und Roheß-Chokoladen, Kakaopnlver und Pralines, fabriziert die Firma als Spezialität : „R a c a h o ü t des A r a b e s", ein von allerersten ärztlichen Autoritäten bestens empfohlenes "Nähr- und Kräftigungs-Mittel für Kinder, das aus nur wirklich nahrhaften und leicht verdaulichen Bestandteilen zusammengesetzt ist und auch für Erwachsene, die an schwachem Magen oder an den Folgen schwerer Krankheit leiden, auf das Wärmste empfohlen werden kann. Die Firma kennt für ihre Fabrikate nur das eine Ziel „Das Beste zu übertreffen!" Verein Mekor-Shajirn. Schützenstraße 2. Samstag, den 1. Tag Rauschhaschono, nachm. 3'fl Uhr, Bortrag: Betrachtungen über die Gebete am Rauschhaschono._ Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Laach.) Freitag, den 29. September, abends 5% Uhr: Beginn des Raosch ha-schonoh Festes. Rausch-ha-schonoh-Ende Sonntag, den 1. Oktober, _6 Uhr 50 Min._ Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. ■ "■ ■ Vornehmstes Tafelwasser. 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