Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 36 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692409-2692445--01875-2696437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 36. endlich gesandt, den .Er für mich auserkor. . . Glück ist nur an seiner Brust. Ach, wenn er mich doch nur änsehen möchte-er — mich . . . Ihr heißes Gebet wurde augehört: er hat sie bemerkt. Voll Entzücken bleibt er vor ihr stehen. Seine blauen Augen werden größer, sie strahlen immer Heller und wärmer. i Er tritt an sic heran, berührt sie sachte mit seinen zitternden Fingern und seine Lippen nähern sich den zarten Blättern... Sic trinken noch ihren Tau .... Er küßt fit. — O, du schöne, süße, himmlische Rose — singt cs in ihm. O, du göttlich-süßes Lächeln! £ du bester Strahl aus Gottes Auge! . . . Wie liebe ich dich, wie ziehst du mich an dich .... Und er küßt sich noch einmal. Und seine Lippen fühlen, daß die Rose an sic sich mehr und mehr schniiegt; daß sic zittert und sich vom Strauch abreißen möchte .... Und auch er zittert. — Plötzlich bedeckt sich sei» Gesicht mit einer dicken, schwarzen Wolke. Er tritt zurück. — Nein! — beben seine Lippen, und er reißt die Hände an sich, als ob er ihnen nicht zutraue . . — Nein! Das nicht! Ich will nicht dein Gutes mit Schlechtem vergelten. Du wirst zu rasch in meiner nassen Stube verwelken. Mein roher Wirt' ivird dich beleidigen und mir dann noch eine Kugel in den Kopf sagen ... O, nein! Blühe nur fort, blühe! Du wirst die Königin meiner Träume bleiben. Wo ich auch sein mag, immer werde ich »icin Gebet und meine Seufzer zu dir senden . . . dkur blühen sollst du, blühen in der Ewigkeit. . . „Blühe!" ... Und er entfernte sich. * * * Betäubt bleibt die Rose aufm Strauß und bemerkt nicht, wie ein Betrunkener sich der Allee nähert. > Er wackelt hin und her, summt etwas unter der Nase und fällt auf den Strauch hin. Als die Polizei des Morgens den Betrunkenen aushob, glich sich der Strauch aus. Doch die Rose war nicht mehr da. Personalien Berlin. Der Geh. Sanitätsrat Dr. M. Wiesenthal, der sich um die Schaffung von Berufsvereinigungen der Aerzte große Verdienste erworben, ist im Alter von 79 .Jahren g e st o r b e n. Berlin. Auf dem Wege zur Synagoge t ö t l i ch, v e r u n g l ü ck t ist am 9. d. Mts. der 8t Jahre alte Rentier Goldstern. Herr G., ein früherer Schuhwaren-Fabrikant, wollte sich zur Synagoge nach der Rykestratze begeben. An der Ecke der Lippehner und Greifswalder Straße kam ihn, ein Straßenbahnwagen der Linie Alexanderplatz-Weißcnsee entgegen; da es schon spät war, wollte G. rasch vor dem Wagen vorübereilen, trotzdem ihn seine Frau, die zurüciDlieb, warnte. Ter Führer, der das Gefahrvolle der Situation sofort übersah, bremste, es war aber zu spät. Ter Greis wurde nmgcstoßcn und am Kopfe tätlich verletzt. Das Gebetbuch flog ihm aus der Hand auf den Straßendamm. Bevor noch ein Arzt herbeigeholt werden konnte, war der Verunglückte bereits verschieden. Lörrach (Baden). Herrn Joseph Nord mann wurde von Sr. Kgl. Hoheit dem Großhcrzog das „V erdien st kreuz vom Zähringer Löwen" verliehen. Mannheim. Anläßlich des 79. Geburtstages des Großherzogs erhielt Herr Synagogenrat David Kahn das „Ritterkreuz 2. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen." Aus der zionistischen Bewegung. Fürth. In ihrer Versammlung vom 9. ds. Mts. nahm die Zio nistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth folgende Resolution an: „Die zionistische -Ortsgruppe Nürnberg-Fürth drückt ihr lebhaftes Bedauern aus über den Beschluß des VH. Kongresses, von jeder Kolonisation außerhalb Palästinas und Ncbcnländcrn abzusehen. Tie Ortsgruppe steht auf dem Standpunkt, daß bei der gegenwärtigen Lage des jüdischen Volkes die ökonomischen Fragen das Leitmotiv der ziouistischcn Tätigkeit bilden müssen. Historisch^ und kulturelle Fragen dürfen diesen gegenüber nur von sekundärer Bedeutung sein. Tie Ortsgruppe bedauert diesen Beschluß umsomehr, als derselbe geeignet ist, den Anschein zu erwecken, als ob es der zionistischen Organisation weniger um Kolonisation, als vielmehr um Agitation zu tun sei. Tie Ortsgruppe gibt sich, indes der Hoffnung hin, daß cs einem späteren Kongresse noch gelingen werde, eine Aenderung dieses Beschlusses herbeizuführen." New-Nork. Der »Dr. Herzl Zion-Club", ein Verein wackerer Bürschchen, richtete an H a n s H e r z l, den 14jährigen, einzigen Sohn des verstorbenen großen Führers, folgenden Brief: „Master Haus Herzl! Dcar Sir! In seiner Sitzung vom 30. Juni hatder „Dr. Herzl Zion-Club" folgenden Beschluß gefaßt: „Da der obengenannte, aus 100 Mitgliedern im Alter von 12—1(! Jahren bestehende Club gegründet wurde in Erinnerung an Euren teueren Vater und Vater des modernen Zionismus, der, zum Schmerze der ganzen Nation, von uns gegangen ist: und da das Ziel des Club ist, einzupflanzen und zu pflegen den nationalen Geist und auszubreiten die hebräische Sprache und Religion unter der Jugend Amerikas, so hat er beschlossen. Euch zu bitten, den Titel eines Ehrenpräsidenten unseres Clubs anzunehmen und als Zeichen Euerer Anerkenntnis uns Euer Mld zu verehren/" Hans Herzl hat aus diesen Brief hin am 4. August von Alt-Aussee aus seine Photographie geschickt und in einem Briefe die Ehrenpräsidentschaft angenommen. Aus der Lehrerwelt. Alzey. Der hiesige Bezirksrabbiner Dr. Julius Lcwit wurde am 30. August im Schlosse zu Darmstadt von unserm Großhcrzog in Audienz empfangen. Se. Königliche Hoheit erkundigte sich bei Herrn Dr. Lewit über einige Verhältnisse der Bezirksgcmeinden und über die Art der rabbinischen Tätigkeit in den Gemeinden. Hierauf wurde Herr Dr. Lcwit im Staatsministerium empfangen, wo Herr Ministerialrat Braun mit ihn, eingehend über den neuen Gesetzentwurf für die jüdischen Gemeinden sprach, nach welchem die Stellung der Rabbiner besser geregelt und auch die Religionslehrer in Hessen staatlich angestellt werden sollen. Der Herr Ministerialrat nahm bestimmt an, daß der Gesetzentwurf bereits den: nächsten Landtag vorgelegt werden wird, und er sodann in den beiden Kammern zur Annahme gelangen werde. (K.) Ezeruowitz (Bukowina). Zur Feier des 50 j ä h r. B e st a n d e s der i s r. - d e n t s ch e n Volksschule hat Direktor Dub ens ki über Beschluß der Gemeinderepräsentanz eine Jubiläumsschrift verfaßt. In fesselnder Weise schildert der Verfasser den Werdegang der Schule, die von der israelitischen Kultusgemeinde erhalten wird. Demnach wurden die ersten Anregungen zur Gründung dieser Anstalt im Jahre 1843 gegeben, die Eröffnung derselben erfolgte aber erst nach langwierigen Verhandlungen mit dein Kreisamte am 16. Oktober 1855. Während dieser 50 Jahre haben nicht weniger als 25 000 jüdische Knaben und Mädchen diese Anstalt besucht und alle haben ihr, der sie die Arundelemente ihrer Bildung und den Grundstein zu ihrer Lebensstellung verdanken, ein warmes Andenken bewahrt. Herr Dubenski beschäftigt sich iin weiteren Laufe seiner Ausführungen mit der Entwicklung des Volksschulwesens in Oesterreich, namentlich aber in unserem Kronlande, und schildert hierbei die lebhafte Teilnahme der Juden vermöge ihres Wissensdranges an dem Aufschwünge des Volksschulmesens in der Bukowina. Ter Verfasser würdigt sodann die Tätigkeit der früheren Leiter dieser Anstalt, von denen Obcrrabbincr Doktor Lazar Igel vom Jahre 1855—1863, Salomon schütz 1864—1887, H. Baltincslcr 1888—1897 wirkten. Ter gegenwärtig an der Anstalt in Vcrtvendung stehende Lehrkörper besteht — den Leiter der Anstalt mitinbegrisfen — ans 7 männlichen und 3 weiblichen Lehrpersonen. Die Anstalt selbst besteht aus 8 Klassen, 4 Knaben- und 4 Mädchenklassen. Ucberdies üben derzeit 1 Lehramtskandidat und 2 Lchramtskandidatinnen die Probepraxis an der Anstalt aus. Im abgelaufenen Schuljahre haben 559 Kinder (315 Knaben und 244 Mädchen) die Schule frequentiert. Budapest. Herr Oberrabbiner Simon Ehrenfel d - N a g y in i h a l y, Mitglied des Ausschusses zur Schaffung eines P e n s i o n s f o n d s, erläßt einen Aufruf zur Gründung eines „Orth. Landesverein Schaucher Tauw". Ein Pensionsfonds für die 4000 Angestellte der orth. Gemeinden Ungarns ist unbedingt notwendig; da jedoch alle Mittel dazu fehlen, die Gemeinden selbst zu überlastet sind, als daß man an sie die Forderung, die notwendigen Summen auszubringen, stellen könnte, so muß eine großzügige Organisation, die in sämtlichen Gemeinden Filialvereine hat, die Arbeit leisten. Die Tätigkeit der Filialvereine soll darin bestehen, für jeden auf dem Gebiete ihrer Tätigkeit wirkenden Gemciudcbeamten einen jährlichen Mindestbetrag von 24 Kronen, der im Wege der Sammlung aufzubringen ist, der Zeutralkasse zuzuführen. In Orten, wo wegen der geringen Anzahl Gemeinde- Mitglieder ein Filialverein nicht existiert, soll der betreffende Gemeindebeamte für die Einsammlung selbst sorgen und den an 24 Kronen fehlenden Betrag aus eigener Tasche zulegen. Die Einzahlungen an die Zeutralkasse sollen auf die Namen der Gemeindebeamten, denen die Nutznießung znsteht, geschehen. Kaiser Friedrich-Quelle zu Offenbach. Geologie, chemischer und physikal. Charakter, therapeutischer Wert, illustriert, 32 S. Von Dr. Rudolf Delkeskamp, Gießen. Der durch seine literarische Tätigkeit auf dem Gebiete der Physikalisch-chemischen Untersuchungen der Quellenverhältnisse bekannte Herr Dr. Rudolf Delkeskamp von der Universität Gießen, zeigt an Hand zahlreicher Tabellen, daß die Kaiser Friedrich-Quelle in Offcnbach unter den Natron-Lithion-Quellen den ersten Rang cinnimmt und so bei Gicht, Nierensteinen, harnsaurer Diathese usw. als erstklassiges Heilmittel in Betracht kommt. Der Ruf der Kaiser Friedrich-Quelle als beliebtes und zuträgliches Tafelwasser ist bekannt. Zur Ablösung brr Roschhaschouoh-Kutten empfiehlt sich ein Glückwunsch-Inserat. Der Preis eines solchen Inserates (10 Petitzeilen) stellt sich auf Jt. 2,50, von welchem Betrag 50 Pfg. für einen guten Zweck bestimmt sind. Auch wird die betreffende 9htmmcr an bis 20 aufgegebene Adressen gratis versandt. Geschäftsstelle des Franks, Jsr. Familienblattes. Der Schluß von „Der VH. Zionistenkongreß" erscheint wegen Raummangel erst in der nächsten 4 lummer. Zabnoperationen. — Zahnfallen. — Künstliche Zähne. _ B>rst1s:la.ssige JLrtoeit. Hanna, JKnoniatj Dentiste Sprechstunde 9—1 Uhr und 3—6 Uhr. Elüberstrasse 15, I. T. H. Voigt Hofplaotograpli S. M. des Kaisers und Königs fttefier für künstlerische Photographien. Telephon 4981. Kaiserstrasse 6,.I. Etage. Geöffnet: Werktags 9—7 Uhr. Sonntags 10—1 Uhr. I Bäckerei u. Conditorei. L. Rokowsky, Soldene Stelzstrasse S. Samstag u. Feiertage streng geschlossen. ■ —— ■ Leopold Seligmann’s Nachfolger Neue Zeit 1 Inh. jVUchael Schuster Kechneigrabenstr. 15 unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Babbiner Dr. Breuer. - Conditorei waren. — EJis. - Versand nach dem In- und . Ausland. q Wiener Feinliäcfcerei und Conditorei, 5 O Tel. 5273. B. KaPpf, Sandweg 28. Tel. 5273. O O Täglich frisches Kaffee- und Theegebäck. o Q Spezialität in echtem bayr. Roggenbrot. Q Q Für die Feiertage halte mich bestens empfahlen. Bestellungen rechtzeitig erwünscht. Js i Eugen Zehner, Conditorei I o C3 Ctoetbestrasse 25» Frankfurt a. M. Feine Specialitäten. s o* (n