Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 35 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ätr. 35. Frmckfutter JsraekkischeS Familienblatt. Seue 5. mit einer solchen einsamen, elenden Jugend beschenkt habe. Das Pflegte aber nicht lange zu dauern. Bald fuhr sie erschrocken zusammen und verbarg sich in den Strauch, Manchmal kam es ihr vor, daß man irgendwo schießt. . . Es waren nämlich Knospen, die eben ausbrachen. — Manchmal vernahm sie wie ein Aufseufzen. . . Es war nämlich eine zertretene Blume aus dem 'Gras, die eben ihren letzten Hauch ausatmete. — Es erschallen einige Hals- und Nasentöne. . . Ein verspäteter Kartenspieler kehrt heim und summt rin Liedchen vor sich hin. Doch weiß sie selbst nicht sicher, ob sie es wirklich sieht und hört oder nur davon träumt. ' Ja, oft scheint es ihr, daß das ganze Leben bloß ein Traum sei; daß sie ein gewöhnlicher Dorn sei und eine Rose — bloß in der Phantasie. . . . Und nun würde sie bald erwachen; — krumm und spitzig und voll giftigen Saftes . . . Nach kurzer Zeit begann sie sich zu erholen. Ihre Arznei war die warme Sonne und einige Tropfen des Sonnenregens. Das edle Rosenblut begann in ihren Zidern wieder zu rieseln. Sie wird immer rot und röter, schön und schöner und damit wuchs auch ihre Kraft und Mut. Und je röter und schöner sie wird, steigt sie immer mehr in die Höhe und schaut sicherer und lebhafter auf die freie Welt. Und sie wurde ganz reif, voll Saft und scharlachrot. Und nun erhebt sie den Kopf über den Strauch, streckt sich aus, damit sie alles betrachte und von allen betrachtet werde. Sie sieht sich um: die anderen Rosen sind schon längst verschwunden. Still ist es um sie und ruhig und sanft: sie ist allein, eine einzige Rose im Garten. Und dieses freut und ärgert sie zugleich. Und obgleich sie alles wie im Traum gesehen und gehört, begreift sie doch, was dies bedeutet, dieses Verschwinden. Sie weiß, daß ihre Schwestern in die Welt hinauseilten, um dort ihr Glück zu suchen. Was eigentlich Glück sei — weiß sie nicht. Aber sie spürt, sie fühlt, daß es so Etwas gibt; daß dieses Etwas, das Glück, nicht auf dem Strauche wächst . . daß man, um es zu erreichen, von hier in die ferne Welt fortgehen und an irgend eine Brust angesetzt werden muß. . . Und es schreckt sie dieses unbekannte, geträumte Glück — und doch zieht es sie wie ein Magnet an. Sie entsinnt sich, daß sie einst von Glücklich-Sein und Glücklich-Machen so süß musikalisch sprechen hörte. Und mehr als einmal hat sie bereits Menschen im Strauche verborgen gesehen und sie sprechen hören: teils elende, traurige, durch das Leben zerrüttete; teils fröhliche, lebenslustige, mit Rosen an der Brust: sie lächelten und ihr Gesicht strahlte vor Glück. Auch sie möchte Gesichtsfalten ausglätten und sauer-traurige Mienen süh-lächelnd machen. Auch sie möchte neues Licht in erloschenen Augen anzünden. Und sie will sich selbst vom Strauße abreißen und sich bis zur Allee hinwälzen, wo die Menschen bald zu spazieren beginnen werden. . . Aber es ziemt sich nicht, daß eine Rose sich selbst abflücke: sie muß warten. . . Auch unten könnte sie unbemerkt bleiben: vielleicht kommt ein geschäftiger Kaufmann, ein> Wucherer, der zu seinem Opfer hineilt oder sich vor dem Gesetz flüchtet; vielleicht auch ein Träger mit schwerer Last auf den Schultern, der sie nicht zu schätzen wissen und vom Weg nicht abkehren wird. . . Nein! Unter solchen Füßen mochte sie nicht terben. Tann lieber schon am Strauche bleiben, wenn auch einsam und verlassen . . . — Man wird ja bald Herkommen! tröstet sie sich. — Meine Schwestern sind doch auch nicht sitzen geblieben. * . Ein Heller, schöner Frühmorgen. „Es wird ja bald Jemand kommen." Der Himmel ist klar, hellblau, so zusagend, so lächelnd, so gut. Ja, an einem solch schönen Tage muß ihr Glück geboren werden und sich wie ein silberner Strahl, wie ein Segen Gottes auf sie niederlassen. Heute kommen sie sicherlich. — Einer von ihnen wird sie heute beglücken. Sie streckt sich empor, über den Strauch hinaus. Sie glättet ihre schönen roten, mit Taubrillanten bespritzten Blätter aus und senkt ihr Köpfchen zur Seite. So fühlt sie sich schöner und der schmalen Allee näher. * . * Es nähert sich Jemand. Das kleine Rosenherzchen beginnt zu zittern. Schon will sie sich verstecken . . . schon bereut sie es . . . (Schluß folgt.) Neue Bücher. M al ch ijo s-Sich ron o s-Sch o fr os. 3 Rezitativ-Gruppen für Kantor-Solo, komponiert von Rudolf Ulunowsky. Preis 3 JL Hugo Kuepler, Wien I, Habsburgergasse 2. Biographische Charakterbilder aus der jüdischen Geschichte und Sage von Albert Katz. 216 Seiten (JL 2,50, geb. JL 3,50). Verlag für moderne Literatur, Berlin IV., Bülowstr. Heraldos Söhne. Eine romantische Erzählung für die Jugend v. Cordilia. Aus dem Italienischen übersetzt v. G. Schürmann. 68 S. (M 0,80.) Leipzig, Dürr'sche Buchhandlung. Der Berg der Wunder und andere M ä rch e n von Cordelia. Aus dem Italienischen übersetzt von G. Schürmann. 04 Seiten (JL 1). Leipzig, Dürr'sche Buchhandlung. Zionismus und Kirchen st aat von H. K. 23 Seiten. Berlin 6, I. Singer u. Co. Jüdische Aerzte und ihr Einfluß auf das Judentum von 2r. Simon Scherbe l, Arzt in Lissa. Berlin C, I. Singet u. Co. Preis M. 1,50. Literarisches Wanderbuch von Gustav Karpeles. Neue Folge. Slawische Wanderungen. 2. Auflage, 316 S. (JL 5, geb. JL 6,50.) 1905. Berlin, Allgemeiner Verein für deutsche Literatur. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde unter Mitwirkung hervorragender Gelehrter herausgegeben von Dr. M. Grunwald, Rabbiner in Wien. Heft XVI. Berlin, S. Cälvary u. Co. Beiträge zur Geschichte der Juden in Würzburg -Heidingsfeld von Rabbiner Dr. M. L. Bamberger, 26 Seiten. Würzburg, I. Frank'sche Buchhandlung (Ludwig Lazarus). Conditorei Nossbaum Friedberger landstr. 45. Telefon 10189. Specialität: Vorzügliches Kleingebäck für Wein und Kaffee. FamUiÄirachrichleu. lAufnahme in diese Rubrik kostenlos., Geburten. 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(Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Joel. Sohn des Herrn Leon Sänger, Oberer Atzemer 13, in der Synagoge Schühenstraße. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch. Jsraelit. Kna&en-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: B. Bloch. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 9. September, Wochenabschnitt Li aeze. SabbatH-Ausgang in Frankfurt a. M.: 7 llhr 40 Min., Straßburg 7 Uhr 35 Min.. Berlin 7 Uhr 20 Min. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. X. — Vornehmstes Tafelwasser. Offenbacber Druckluft=Anlage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepplchrelnlffunff. Wir bitten unsere Leser» ihre» Bedarf unter Bezugnahme aus nufer Blatt bet unseren Inserenten zu decken. Fraukfnrter Israel. Familienblatt. 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