Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 34 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 84. in Nloskau, Charkow oder Jekaterinoslaw sollten leben dürfen, während das Wohnen in Mombassa z. Z. ein so großes Vergehen gegen den Zionismus sein soll! Sollte cs vielleicht deswegen sein, weil dort keine Aussicht dafür vorhanden ist, daß während unsere Jugend auf dem Schlachtfelde blutet, Eltern und Kinder zu Hause den Mördern ausgeliefert werden? Auch, uns ist Zion eine Mutter, aber keine — Rabenmutter, die verlangt, daß ihre Kinder, solange sie noch nicht in ihrem Hause leben können, sich in den Schmutz aller Landstraßen zerren lassen sollen; uns ist sie eine wahre Mutter, die wünscht, ihre Kinder möchten auch in der Fremde groß und schön, klug und gut werden, sich und ihr Ehre machen! Um die Logik dieser Herren ist es eben nicht besser bestellt, als um ihre politische Moral und ihre Loyalität im Kampfe um die Herrschaft. x Dennoch, wird es für alle Zeiten ein psychologisches Rätsel bleiben, wie es möglich war, daß ein Volk in der Lage des unserigen ein Anerbieten, wie das englische, hat ablchncn können. Für diese ungeheuerliche Tatsache eine Erklärung zu gebe», sind wir außer Stande, weil die parlamentarische Sprache dafür keine Worte hat. Manches aber wird klar werden, wenn wir unsere hochweise Mehrheit und die Bestandteile, aus denen sie sich zusammensetzt, uns etwas'näher ansehen. — Darüber, sowie über die Minorität und die von ihr gemachten Fehler — die Schaffung einer Extra-Organisation mit besonderem Programm ist, unserer Ansicht nach, der größte unter ihnen — soll nun die Rede sein; wobei sich, zeigen wird, daß eine zielbewußte Organisation der politischen Zionisten auch nach dieser Richtung hin von Nöten sei. Wenn wir die Majorität, diesen „eisernen Block" betrachten, so werden wir alsbald herausfinden, daß er nichts weniger als eisern ist; denn diese scheinbare Einheit, besteht in Wirklichkeit aus einer Dreiuneinigkeit. . . Es haben sich da nämlich drei Parteien verbunden, die sich einander geradezu ausschließen, und die nur allzubald aneinander geraten müssen. Es wäre allerdings viel angenehmer, diesen Prozeß ohne Hinzutun unsererseits vor sich gehen zu lassen; denn unser Kampf gegen sie wird dieser Mehrheit, die ihr Entstehen und Bestand nur gröblichen Organisationsbrüchen dankt, noch für einige Zeit ein Scheinleben einhauchen. Aber wir dürfen das Angenehmere uns deswegen nicht wählen, weil wir den Zionismus auch nur für kurze Zeit diesen Händen, die sich wiederholt als treulos erwiesen haben, nicht unbestritten überlassen können: wenn wir ihn nicht der Gefahr der „Zerbröckelung" preisgeben wollen. (Schluß folgt.) A«s der zionistischen Bewegung« Hamburg. Mit derBerichterstattung der Hamburger Delegierten vom Zionistenkongreß in Basel beschäftigte sich die z i o n i st i s ch e Ortsgruppe von H a mburg und Altona. Die Herren Gustav G. Cohen und Dr. med. Ernst Kalmus berichteten eingehend über die in Basel gefaßten Beschlüsse. Der letzte Kongreß habe gezeigt, daß nicht, wie allgemein angenommen wurde, der Zionismus mit dem Tode des unvergeßlich:» Füh e s Th H rzl auch gestorben sei, der Zionismus habe in Basel seine Lebensfähigkeit bewiesen. (Laute Zustimmung.) Die Lärmszenen seien gewiß höchst bedauerlich, aber ein Kongreß, in dem über Lebensfragen für die von ihm vertretene Gesamtheit entschieden wird, habe noch niemals in ruhiger Weise verhandelt. Wenn auch viele der Zionisten sich nicht mit allen in Basel gefaßten Beschlüssen einverstanden erklären können, so erheische es aber doch die Pflicht, sich der Majorität zu fügen. Nach einer bis Mitternacht währenden Debatte wurde mit allen gegen acht Stimmen folgende vom Vorstand vorgeschlagene Resolution angenommen: „Die Ortsgruppe erklärt sich mit der Stellungnahme der Hamburger Delegierten auf dem Kongreß einverstanden. Sie billigt zwar die Ablehnung des Ugandaprojekts durch den Kongreß, weil das augebotene Land sich nach dem Bericht der Expedition nicht zur Besiedelung für eine große ackerbautreibende Bevölkerung eignet, sie bedauert es jedoch lebhaft, daß die Mehrheit des siebenten Kongresses jede kolonisatorische Tätigkeit außerhalb Palästinas und seiner Nachbarländer auch als Mittel zur Erreichung unseres Zieles prinzipiell abgelehnt hat. Die Ortsgruppe erwartet von der Leitung der zionistischen Organisation, baß eine kolonisatorische Tätigkeit in Palästina erst dann in Angriff genommen wird, wenn rechtliche Garantien für dieselbe gegeben sind. Sie erklärt sich dagegen mit den technischen und wissenschaftlichen Vorarbeiten der Palästina-Kommission einverstanden." Lemberg. Ermordung ein es Kongreßdelegierten auf der Heimreise. Ein österreichischer Gendarm in Husiatyn fand an der Grenze die Leiche Zeines gütgekleideten jungen Mannes, 'mit mehreren «tichwunden im Körper. Wie der russische Erenzoffizier vor der Gerichtskommission aussagte, rühren die Stiche von einem russischen Bajonett.her. Tie Leiche ist als die des Kongreßdelcgierten Tobias O r n st e i n aus Odessa, Präsident des Vereines „Max Nordaü" in Odessa, agnosciert worden. Ornstein war, da über Odessa das Kriegsrecht verhängt und deshalb ein Paß sehr schwer zu erhalten war, ohne Paß aus Rußland weggefahren und mußte sich deshalb über die Grenze zurückschmuggeln. Durch' Vermittlung eines Agenten sollte ihn ein russischer Grenzsoldat hinüberbringen, und dieser nun hat ihn ermordet und beraubt. 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