Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 33 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692409-2692442--01836-2696393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblalt. Nr. 33. den Misrachi gesammelt, welcher Betrag an das Frankfurter Bureau abgesandt worden ist; ebenso ein Coupon der Jüd. Ävlonialbank von Herrn Joses Felsenburg-Ragy-Tapolesany. Paris. Nachdem Nasr-ed»din, der Vater des jetzigen Schah's, seine erste Reise in Europa gemacht hatte, legte er seine Eindrücke in der in Teheran erscheinenden „Gazette offizielle" nieder. Interessant für uns ist die Unterredung, die er in Paris mit Baron Rothschild hatte. Rothschild sprach mit ihm über die Lage der Juden in Persien. Der Schah versicherte ihm, daß er alle Fremden schütze, die in seinem Reiche leben. „Blau sagt mir," fuhr er fort, „daß die Juden sehr reich sind. Es wäre nun das Beste, wenn Ihr irgend ein Territorium kaufen würdet, wo die Juden sich versammelten; dann würdet Ihr nicht mehr so verstreut und ohne Vaterland sein." - Josi. Literatur und Kurt st. 1. Das Wesen des Judentums. Von Tr. Simon Mandl, Rabbiner in Neutitschein. Verlag von I. Kaufmann, Frankfurt a. M., 1901. 2. Das Wesen des Judentums. Bon Dr. I. Fromcr (Elias Jacob). Hüpden nnd Merzyn, Verlag, Berlin 1905. lSchluß.) Fromer gibt in seinem Buche an, philosophisch gebildet zu sein. Zu welchem Zweck, ist eine andere Frage. Die heutige Erkenntnistheorie lehrt: Die letzte Grenze menschlicher Gewißheit ist diejenige, wo die Erfahrung mit der Deduktion übercinstimmt .Das kann aber nur für die Mechanik und Mathematik gelten; auf dem Gebiete der Mechanik muß diese Deduktion die mathematische Berechnung sein. Tie Erkentnis spekulatircr Gewißzciten erheischt hingegen die Induktion, d. h. den Schluß von dem Besondere» auf das Allgemeine. Bei dem Strebe» nach der Erkenntnis eines Knlturtypus, der durch die Fülle der Variationen und durch unsere begrenzte Erkenntnis von der historischen Kausalität nnd Kontinuität eingeengt ist, muß die induktive Methode in Anwendung gebracht werden. Mit andern Worten: Wer das Wesen des Judentums kulturphilosophisch erkennen will, darf nicht an der Peripherie, sondern muß im Zentrum des Judentums stehen. Er nmß die einzelnen Kulturelemcnte des jüdischen Knltursystems, mit denen anderer Kulturtypcn vergleichen, die Charakteristik der Differenz seststcllen, und diese Feststellung führt ihn zur Definition. Die wesentlichen Elemente einer Kultur sind nicht — wie Harden - Fromer es wünschen — Ethik, Logik und Acsthetik, sondern 1. Religion, 2. Recht, 3. Politik, 4. Knust und 5. Oekonoiink. Um zu einem nennenswerte» Ergebnis zu gelangen,, hätte Herr Fromer, da er sich in der Einleitung seines Buches seine Wissenschaftlichkeit patentieren läßt, die oben gezeichnete Methode ftnwenden sollen, d. h. die religiöse Weltanschauung der Juden mit den religiösen Weltanschauungen anderer Völker vergleiche», ebenso das Recht des Judentums, die Ethik usw. Würde er so verfahren sein, dann käme noch am Ende und zu guter Letzt der Mensch mit dem gesunden Menschenverstand, dem metaphysische Gerichte weniger schmecke» nnd würde ihm mit Recht entgegnen: Unser menschlicher Verstand, in süns Organismen cingeschlossen, ist begrenzt und kann nicht alles erkennen. Ich glaube an Gott, an den Schöpfer der Welt. Wir sehen aber momentan von unserer Reserviertheit der spekulativen Wissenschaft gegenüber einen Augenblick ab und wenden uns dem Olang unserer Auseinandersetzung mit Fromcr zu. Dr. Fromer, der aus die Logik »erpicht ist, der auf seine Wissenschaft schwört und dem Judentum Mangel an Logik zum Vorwurf macht, wendet bei seinen angeblichen ivisscnschastlichen Operationen und Untersuchungen nichts weniger als eine Logik und logische Methode an. Er unterscheidet sich ini wesentliche» in feiner „Wissenschaftlichkeit" nicht viel von Bäck, Seligmann und Mandl. Gleich Mandl greift er aus der Thora und aus dem Talmud zusoinmenhanglose Sätze heraus und verarbeitet sie dann in seiner „Wissenschaft". Mandl ist noch mindestens so ehrlich, seine Behandlungsweise des Stoffes, die Homiletik, anzugeben; Dr. Fromer gebärdet sich wissenschaftlich, und „seine" Wissenschaft im Lichte „der" Wissenschaft betrachtet, ist wissenschaftliche Falschmünzerei.- * ' * * Ter Gedanke, daß nur die Ethik das Wesen des Judentums ausmache, ist so wenig fromcrisch, wie Fromers Buch wissenschaftlich. Der Gedanke ist so alt wie die Jacobsohnsche Schule in Seesen, er ist eine Ausgeburt der Assimilation und mündet in die Kantsche Moralphilosophie. Jmanuel Kant war ein Kind seinet Zeit, des aufklärerischen, wcltbürgeilichen achtzehnten Jahrhunderts, und der kosmopolitische Wind seiner Zeit umhauchtc und umwehte auch sein politischsittliches Erkennen. Kant, der Sohn des kosmopolisicrendcn Jahrhunderts, lehrt in seiner Moralphilosophie von den Pflichten d c S M c n s ch c it der Aienschheit gegenüber, im Gegcnsatz zu Hegel, der lehrt, die Pflichten des Individuums dem Volke, der Nation gegenüber, die Nation, die Vermittlerin z w is ch e n Individuum nnd der Gesamtheit i st. Als die jüdische Assimilation in Deutschland am Anfang des XIX. Jahrhunderts in den Fluß kam, griffen die Assimilationsheldcn den kantischcu Gedanken auf, die Vorläufer des „Kulturvereins" brachten ihn zur Blüte und suchten, das Judentum auf eine verschwommene Ethik zu reduzieren. Und das ist a n chdicGe n efisdes jüdischen Freisinns und Liberalismus in Deutschland. Inzwischen ist Kants Moralphilosophie „Theorie" geblieben, Hegel und der rechte Flügel seiner Schule verursachten eine Umwälzung der Anschauungen in Deutschland, alles kehrte zur „Nationalität" zurück, nur unsere Assimilationszweifüßlcr blieben bei ihrcni alten Steckenpferd. Und mit diesem Steckenpferd wursteln noch die Herren Bäck, Seligman und Fromer in der Zeit nationalen Strcbens nnd nationaler Konzentration herum. So weit mit dem Gedanken des ethischen Judentums. Und wie steht es mit der Behauptung, dem Judentum mangle cs an Logik und Acsthetik! Herr Fromer betrachtet das Judentum als ein abgeschlossenes Kultursystem, behauptet aber gleichzeitig, dieser Knlturtypus bekämpfe alle Logik und Acsthetik. Was h'eißt es den», die Logik einer Kultur, der logische Gedanke in hinein abgeschlossenen Kulturtypus? Das harmonische Verhältnis der einzelueu Kulturelemeiite zur Grundidee des Kultursystems und die Lebensmöglichkeit der Kulturträger mit und tu seiner Kultur. Würde Herr Fromcr seine Untersuchung über das Judentum nach dem von mir gezeichneten Schema anstellcu, so müßte er mit mathematischer, logischer Sicherheit zum Schluß gelangen, daß alle Elemente der jüdischen Kultur mit ihrer Grundidee harmonisch korrespondiere». Ich habe es bei anderer Gelegenheit erörtert. Und, wenn er durch eine unlogische Methode in der Untersuchung auf Wwegc gerät, können wir ihn nur aus seinen Irrtum aufmerksaiii machen, auch ledaiicru. — — — TaS Judentum trifft dafür keine Schuld. Wäre aber das Judentum unlogisch in biologisch-soziologischem Sinne, wie z. B. das Christentum, das an einer Stelle Verachtung des Lebens und Askese predigt, an anderer Stelle Hyperhumanität, die nur das Leben fördern muß, so würde der fromerschc Vorwurf gerechtfertigt sein, aber auch das Judentum würde gleich dem Urchristentum nicht mehr existieren. Die Existenz des Judentums unter so abnormalen Bedingungen, beweist die gewaltige Logik und die göttliche Idee des Judentums. Das jüd. Kultursystem ist.logisch, weil seine Existenz unter so in isc r ab elu Bedingungen dieUrsacheseiuerselbstist. Das Judentum bekämpfe jede Acsthetik, soweit sie nicht ethischen Zwecken diene, behauptet Herr Fromcr. Die objektiveste aller Künste, die vollendetst;: Kunst, ich meine die Architektur die kein Parteimann: in den Diensti seiner polftischen Bestrebungen stellen kann, diese objektivste Kunst aller Künste ist schon in den Jugendjuhren des jüdischen Volkes zur vollen Blüte gelangt. Ich erinnere nur an den Mischkan und später die Tempel, von denen cZ im Talmud heißt: „Die Struktur der Tempelwände mit ihren harmonischen Erhöhungen und Vertiesilugcn glich dem Aussehen der Wellen des Meeres". Welchen ethischen Zwecken sollte diese Architektur, die objektive Kunst, dienen? —> Jeder schmutzige Fleck am Neide eines Gelehrten ist sträflich so heißt es im Talmud. Welchen ethischen Zivccken sollte dieses ästhetische Gebot dienen? Und nun die einzelnen Kuustgaftungen. Jmanuel Kant, zu dessen Jüngern Herr Fromer sich zählt, lehrt in seiner Kunstphilosophie, die Poesie sei die höchste Kunstgattung, ilnd-, wenn das Wesen des Schönen nach Winkelmann in Einfalt und stiller Größe, nach Schiller im Seiitimentalischen und Erhabenen, nach Hegel in der Freiheit der Erscheinung und Erscheinung der Freiheit besteht, so hat das Judentum in feinen poetisch - künstlerischen Erzeugnissen dem ästhetischen Ideal des Menschengeschlechtes neben den Griechen und Wmerii mindesten-, soviel geboten als die ander» Völler des Altertums, Mittelalters und neuerdings der Neuzeit. Daß die jüdischen Poesien nicht erotischer Natur sind, darf man uns Zewiß nicht in böser Absicht entgegen halten. Jede Kunst ist das Produkt eines Ueberschusses psychischer Kraft, und diese bekämpfen, hieße in gröbster Weise das biologische Gesetz verletzen. Wer aber angeblich, das Judentum kennend, dem Judentum die Bekämpfung der elementarsten LcbenSmöglichkeit zuniutct, der ist im besten Fall ein Ignorant und Tor zugleich, im schlimmsten Falle ein Bösewicht. Samcl Max Melamed, cand. pliil. Heinrich Heine. Aus seinem Leben und seiner Zeit. Von G. Karpeles. 350 Seiten. Verlag von Adolf Titzc, Leipzig. Karpeles' Arbeiten über Heine sind wohl die besten, die wir besitzen. So wenig sympathisch uns sein Wirken auf jüdischem Gebiete ist, so sehr müssen wir jedoch seine Bedeutung als Literar- und Kulturhistoriker anerkennen. Und besonders Heine ist es, dessen geistiges Ich bis in seine geheimsten Regungen zu erfassen, Karpeles von jeher als seine vorzüglichste Aufgabe betrachtet hat. Das vorliegende Buch hat bereits längst Eingang Lei Literatnrfrennden gefunden; möge unser Hinweis genügen, ihm weitere Freunde zuzuführen. Ein neues Licht ü b e r Z i v n. 5G. S. Von L. Aronsohn. Im Selbstverlag des Verfassers. - Der Verfasser, ein Jude von altem Schlag, unternimmt es in dieser Schrift, den Beweis zu liefern, daß der Politische Zionismus, wie er seit 9 Jahren in den Fluß gekommen, in keinem Widerspruche mit den religiösen Verheißungen des Judentums wie mit unserer Religion überhaupt stehe. Er sammelte sorgfältig alle Stelle», aus unserem religiösen Schriftlum, die auf die Wiederkehr der Juden ins heilige Land Bezug haben, reihte sie geschickt aneinander und knüpst daran seine Betrachtungen über den Zionismus an. Diese Schrift ist jedem gesetzestreuen Juden, der sich über das Verhältnis des Zionismus zur Religion interessiert, anss Wärmste zu empfehlen. M. o o o o o Wäsche u. Ausstattungen A« Sulzbacher—Mainz Nene Zell 1 Frankfurt ». 91. Tel. 9142. Complefcte TacUrichtm and einzelne Stücke zu allen Preisen vorrätig. o o o o o Cigamhaas Fraaz Dahaiea, vorm. Theod. Metzger - — la. Qualitäten In Cigarren, Cigaretten und Tabake. ■ Allerheiligeustrasse 93, Ecke Fahrgasse (Constabler Wache). X. Delliehausen, §r-nkl»ri a. m. Holz])fortelieil 1. Mainzer Lands(ra<>se 128. Telephon 754. Telephon 1430. Möbeltransport, Spedition, Lagerung. Ueberseeiache Transporte in eigens dazu konstruierten Mnbelkoffer. J. Tel Comp., Frankfurt a. M., Brückhofstr. 9 empfehlen ihr Lager von plastischen MunstgegenstSnäen in Oyps undln ölgemaller Ausführung.