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Neue jüdische Presse · 1905-08-25 · Heft 33 (25.8.1905) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 33 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Veite 4. Fraiüsurter JsraelAfcheö Famrlienblatt. Nr. 33. schäfte, 1887), „Alexandre ä Babylone“ (1898); ferner die von ihm seit 1884 in Gemeinschaft mit Ledrain redigierte „Revue d’Assyriologie“. Wenn es Rawlinson, dem »Vater der Affyriologie", gegönnt war, in der ersten Epoche dieser Wissenschaft die meisten und wichtigsten Monumente aus dm Tiefen des Bodms an das Tageslicht zu fördern und das Weck der Entzifferung vorwärts zu schienen, wenn Hincks, der scharfsinnige irische Geistliche, sich unsterbliche Verdienste um die Erkenntnis der affyrischen Grammatik erworbm hat, so darf Oppert den Ruhm beanspruchm, durch großartige Funde bei seinm Aus- «rabungen das Material außerordentlich bereichert zu abm und durch scharfsinnige, gmiale und tiefeindringende Forschungm »der eigentliche Schöpfer der Assyriologie als phiwlogischer Disziplin" geworden zu sein. Rotterdam (Niederlande). Laut König!. Beschluß wurde Herr E. E. van Raalte, Mitglied der zweiten Kämmer, zum Iustizminister ernannt. Nach Herrn. Godefroi ist es wieder das erste Mal, das; ein Jude zu diesem hohen Amte berufen worden ist. Herr van Raalte, seit 1893 Neichs-M>vokat, hat sich immer als scharfsinniger Jurist gezeigt, er wußte in der Kummer durch seine besänftigende und scharfsinnige Auffassung die Sympathien aller Parteien zu gewinnen. Aus -er Lehrerwelt. Glogau. Auf die Entscheidung des Reichsversicherungsamtes vom 11. Juni 1905, wonach die israelitischen Kultusgemcinden bezüglich des Schachtens als Betriebsunternehmer anzusehen und gemäß ß 35, Abs. 1 a. a. O. zur Betriebsanmeldung verpflichtet sind, hat der Vorstand der hicsigm Synagogengemcinde. das nachstehende Gesuch um emeuerte Prüfung des Falles an das/ Reichsversicherungsamt gerichtet: „Auf den Bescheid vom 11. Juni 1995 gestatten wir uns ergebenst, folgendes zu erwidern: In dem Bescheide wird die Anmeldepflicht der Synagogengemeindc darauf gegründet, daß dieselbe als Unternehmer des rituellen Schlachtens anzusehen ist. Damft ist aber die Anmeldepflicht noch nicht begründet. Denn nur jeder „Unternehmer eines versicherungspslichtigen Betriebs" ist nach § 56 GUG. zur Anmeldung verpflichtet. Ein versicherungspflichtiger Betrieb ist aber nach § 1 GUG. nur ein Gewerbebetrieb, hier der Betrieb eines Flcischereigcwerbes, das ist ein gewerblich betriebenes Fleischercigeschäft. Bon einer Religionsgescllschaft, welche kulturelle Einrichtungen zur Erfüllung religiöser Vorschriften schasst, wie hier die Anstellung eines Kultusbcamtcn zum rituellen Schlachten, kann unmöglich gesagt werden, daß sie damit ein Gewerbe betreibt. . Dies ist aber nach Wortlaut und Tendenz des GUG. die unbedingte Voraussetzung der Anmeldepflicht. Dieser unseres Erachtens durchschlagende Grund in unserer Beschwerde ist in dem Beschneide vom 11. Juni 1995 einer Erörterung nicht unterzogen. Daß der Beamte bei Vornahme des rituellen Schlachtens sich gefährden kann, ist nach dem Gesetze nicht von Belang. Das GUG. will sich nicht auf alle gefährlichen Maßnahmen erstrecken, sondern nur auf solche, die innerhalb eines Gewerbebetriebs vorkonimen können. Es widerstrebt unserem religiösen Empfinden, daß )vir infolge von Kultuseinrichtungen, die vom Religionsgesetz vorgeschricben sind, als Unternehmer von Gewerben charakterisiert werden sollen, während sprachlich, ökonomisch und gesetzgeberisch nur ein auf Erwerb gerichtetes Unternehmen als Gewerbe bezeichnet werden kann. Konsequenter Weise müßte man auch die katholischen und evangelischen Neligionsgesellschasten für. verpflichtet erachten, z. B. ihre Leichenträger zur Unfallversicherung anzumelden als Unternehmer eines Fuhrwerksbetriebs .(§ 1 Nr. 4). Für etwaige Unfälle des betreffenden Kultusbeamten sorgen wir ausreichend allein. Wir haben übrigens kein Recht, jemandem das rituelle Schlachten zu untersagen. Hiernach ersuchen wir ergebenst: Diesen prinzipiellen Fall einer erneuten Prüfung zu lünterziehen und eine Entscheidung in diesseitigem Sinne zu treffen." Hoppstätten. Rabbiner Dr. Sally Baron aus Berlin ist zum Landrabbincr für das Fürstentum Birkenfeld ernannt worden. Wien, 14. August. Soeben ist der Bericht über die hiesige Israelitisch-Theologische Lehranstalt erschienen. Voran geht eine wissenschaftliche Abhandlung des Rektors Professor Schwarz über Maimunis Mischneh Thora. Dann folgt der Bericht des Kuratoriums, das in diesem Jahre zwei Mitglieder verloren hat, den kaiserlichen Rat Heinrich Klingcr in Wien und Dr. Moritz Lichtcnstcrn in Prag. Das Kuratorium besteht jetzt aus folgenden Herren: Moriz Edler von Kusfner, Präsident; Theodor'Ritter von Taußig, erster Vizepräsident; Dr. Emil Byk, zweiter Vizepräsident; Emil Karpelcs, Kassierer; Hofrat Professor Dr. K. S. Grünhut, Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann, David Ritter von Gutmann, k. k. Landesschulrat Dr. Gustav Kvhn, Wilhelm Freiherr von Königswarter, Landesrabbiner Dr. B. Placzek in Brünn, Dr. Arnold Rosenbacher in.Prag, Rabbiner Dr. Abraham Adolf Schmiedl, Dr. Wolf Stein, Dr. Alfred Stern. Der Bericht des Rektors, stimmt bewegliche Klage über den Mangel an Vorbildungsanstalten für den Rabbinerberuf an. Darin sei es auch begründet, bah auch im 12. Jahre des Bestehens der Anstalt keine Rabbinerprüfung zu verzeichnen sei. Eine Anstalt, deren Jünger nicht zur rechten Zeit ihr Examen abzulegen in der Lage sind, sei mit einem Uebel behaftet, und darauf hinzuweisen war die Pflicht des verantwortlichen Rektors. Im letzten Jahre wurde Dr. Zwick, bisher Rabbiner in Horn, nach Mähr.-Kromau, die Herren Dr. ZimMels und Dr. Arje noch vor ihrer Rabbinerprüfung, der erste nach Polna, der zweite nqd) Dobris als Rabbiner berufen. Die Anstalt zählte iin Berichtsjahr 25 Hörer. Budapest. In sämtlichen der c a. 600 j ü d i s ch e n Volksschulen Ungarns ist die ungarische Sprache Unterrichtssprache,- während unter den 1340 Schulen — darunter 1206 konfessionelle — in denen die ungarische Sprache nicht mit Erfolg unterrichtet wird, sich nicht eine einzige jüdische befindet. Aus den Vereinen. Hamburg. Der Israelitische Verein zur Unter st ützung armerGreise hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Gemeindevorstehers Alfred Levy ab. Der Vorsitzende betonte bei Erstattung des Jahresberichts, daß der Verein auch im verflossenen Jahre in der Lage war, seine segensreiche Tätigkeit durch Unterstützung einer großen Anzahl armer Greise auszuüben. Es wurden nämlich außer den 20 Personen, welche eine lebenslängliche Rente vom Verein erhalten, noch 13 Greise durch das Los zur Unterstützung bestimmt, so daß mit der „Stiftung für alte Ehe-; leute," aus der zwei Ehepaare versorgt wurden, ins-! gesamt 37 Personen unterstützt wurden. Das Alter des ältesten Pfleglings betrug 92 und das des jüngsten 64 Jahre. Aus der alsdann vom Kassierer erstatteten Abrechnung ist zu entnehmen, daß der Verein im Jahre 1904 an Mitgliedsbeiträgen 2064 JL 70 Pfg. und an Geschenken Und Spenden 1905 Jli vereinnahmte. Weitere Einnahmen waren an Legat-Renten usw. 732 JL 20 Psg., „Stiftung für alte Leute" 505 JL Unter den Ausgaben figuriert an erster Stelle für Unterstützungen 5958 JL, „Stiftung für alte Leute" 504 JL, Botensalär 300 JL, Unkosten 81 JL Haag (Niederlande). Im Sihungssaale des israelitischen Waisenhauses hielt der Verein „B r i s- Kodesch" unter dem Vorsitze des Herrn L. M. Heß- Amsterdam seine jährliche Versammlung ab. Eine große Anzahl Mohelim aus alle» Teilen des Landes, sowie die Herren Oberrabbiner A van Loen und Dr. med. S. Lissauer waren erschienen. Aus den Beratungen entnehmen wir, daß an alle Synagogen-Vorftände des Landes ein Schreiben gesandt wurde, welches mit der Motivierung um einen Jahresbeitrag ersuchte, daß viele Mohelim eine Vergütung für Zcitversäumnis, Reise- und Verpflegungskosten beanspruchen iilüssen und daß, wo diese Ver-. gütung notwendig ist, der Verein „Bris-Kvdesch" sic leiden wolle. Krisen. Erzählung von Jacob Levy. (Schluß.) Nußbaum war tief erblaßt.' Er sank in seinen Stuhl zurück, und sein Mund öffnete und schloß sich convulsivisch. Endlich ermannte er sich und antwortete .mit höhnischem Lächeln: „Das nützt Ihnen gar nichts. Ihr Schwager hat mir bei unserer Auseinandersetzung über alles Quittung gegeben, was ich ihm schulde." „Das stimmt. Ueber das/was Sie ihm schulden, aber nicht über das, was Sie ihm gestohlen haben. — Jetzt aber haben Sie mit mir zu tun," fuhr er mit harter Stimme fort, „und jetzt gnade Ihnen Gott. Wenn Sie nicht rasch alles tun, was ich Ihnen befehle, gehe ich von hier zum Staatsanwalt". „Gehen Sie ruhig zum Staatsanwalt. Ws Teilhaber hatte ich das Recht zu kaufen und zu zahlen, fvic mir das paßte." galten Sie sich doch mtt diesen Reben nicht aus. Ich habe ja die Belege Ihrer .Fälschungen in Händen, und Kapitän Schröder wird gerne zeugen." sttuhbaum sah die eiserne Entschlossenheit im Antlitz des jungen Mannes, der mit gefurchter Stirn und blitzenden Augen vor ihm stand. „Was wollen Sie?" lallte er.; ,»Jch verlange von Ihnen zehntausend Taler." „Die habe ich nicht," ächzte er, „ich bin ein geschlagener Mann. Ich habe mich auch nicht um so viel bei Ihrem Schwager geirrt." „Sie geben mir viertausend Taler in barem Gelbe und gehen sofort mit mir zum Notar, die Hypotheken von sechstausend .Taler löschen." ,^ch will mit Ihrem Schwager darüber reden." „Sie haben mit meinem Schwager nichts zu sprechen. Besinnen Sie sich rasch, "ich habe keine Zeit." ,^Jch habe soviel Geld nicht," murmelte Nußbaum, „ich bin ruiniert." Simon nahm seinen Hut und wandte sich zur Tür. .Bleiben Sie. Wer Sie geben mir Ihre Belegstücke als Quittung." „Die gebe ich Ihnen bis zu zehntausend Taler, der Rest bleibt in meinen Händen. Ich werde keinen Gebrauch davon machen, so länge Sie sich anständig betragen, bei der ersten Gehässigkeit gegen meinen Schwager, erhält sie der Staatsanwalt." Nußbaum fragte .lauernd: „Wann erhalte ich denn die Quittungen?" „Sofort beim Notar, nach Löschung der Hypotheken" und er drückte unwillkürlich die Hand auf seine Brusttasche, tztußbaum erhob sich seufzend und ging auf den eisernen Schrank zu, neben dem Simon stand. Plötzlich aber stürzte er sich wie ein Tiger auf den jungen Mann, faßte ihn am Halse und zischte: „Die Quittungen her oder ich erwürge Dich." Durch die Wucht des Angriffs stürzten Beide zu Boden, zum Glück für Simon: dadurch lockerte sich der Griff am Halse. Der kräftige Jüngling gab dem Angreifer einen Faustschlag zwischen die Augen, dieser aber faßte den unser ihm liegenden mit verdoppelter Wut und tief beständig, „die Quittungen, oder ich bringe Dich um." Simon wehrte sich mit aller Kraft und rief um Hilfe. Plötzlich öffnete sich die Tür, Frau Nußbauin, welche die ganze Zeit gehorcht hatte, trat ein. Sie stürzte sich mit einem Schrei auf die Männer. Wie Nußbaum seine Frau sah, ließ er wie gelähmt die .Hände sinken. Simon erhob sich, und wollte, nachdem er seine Kleider notdürftig geordnet hatte, das Ziminer verlassen. Da rief Frau Nußbauin: „Was wollen Sie jetzt tun?" Ihr Mann stöhnte: „Er wird mich ruinieren, wenn er mit den; Buch herauskommt," und machte Miene, sich auf's Neue" aus Simon zu werfen. Seine Frau gab ihm einen Stoß, daß er zurücktaumelte: „Du Betrüger, was nützt Dir das Buch, da der Kapitän und der Kommissionär gegen Dich zeugen können." Zu Simon gewendet, sagte sie: „Machen Sie uns nicht unglücklich- Sie sehen, daß er wahnsinnig ist. Ordnen Sie an, was er tun soll und überlassen Sie ihn mir." Ms der Jüngling die schmalen, eingekniffeuen Lippen der Frau, die wutfunkelnden Blicke sah, mit denen sie ihren Mann betrachtete, fröstelte ihn. „Ihr Mann weiß, was er zu tun hat. Ich verlange das, was er meinem Schwager gestohlen, und dann werde ich ihn schonen, weil ich es Kapitän Schröder versprochen habe." »Hörst Du nicht? Wenn dieser Mensch im Recht ist, so folge ihm, oder glaubst Du, ich wolle einen Zuchthäusler zum Mann?" Nußbaum rieb sich die Stirn, öffnete umständlich den Schrank und zählte langsam die viertausend Taler auf den Tisch. Dann nahm er seinen Hut und ging mit Simon aus dem Zimmer. Nach einer halben Stunde waren die Hypotheken gelöscht und Simon flog mit den Papieren zu seinem Schwager, nachdem er rasch Herrn Müller Bericht erstattet hatte. Hermann kam ihm mit mattem Lächeln entgegen und reichte ihm die Hand. Die Silberfäden hatten sich in Haar und Bart vermehrt, der Mann sah angegriffen und geplagt aus. „Gottlob, daß Du wieder da bist, Simon." „Wie geht es Nanni?" „Besser. Sie schwebte wochenlang zwischen Tob und Leben, doch ihre kräftige Natur trug den Sieg davon. Ich glaube, nur die Sorgen machen sie gesund." „Habt Ihr noch immer die Hypothekensorgen?," Leider, in acht Tagen muß gezahlt werden und ich habe noch keinen Pfennig dafür." Simon rief mit leuchtenden Blicken: Hermann, kann Nanni eine gute Nachricht vertragen?" Dieser sah ihn ungewiß an. „Gewiß, was hast Du denn?" Der Jüngling stürmte die Treppe hinauf in's Schlafzimmer. „Guten Tag, Nanni, da bin ich wieder." Und er umarmte und küßte die im Bett Liegende. Die junge Frau hätte ein blasses und abgezehrtes Gesicht, lächelte aber ihrem Bnider zu. Dieser wußte nicht, wie er anfangen sollte, ohne seine Schwester aufzuregen. Endlich begann er, seinem Schwager die Schriftstücke gebend: »Hier Hermann sind die Wien, sämtliche Hypotheken sind gelöscht." .

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