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Neue jüdische Presse · 1905-08-18 · Heft 32 (18.8.1905) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 32 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Nr. 32, Eeüe 10. Frankfurter Israelitisches Fam-ilienblarr. Die homiletische Behandlung eines solchen gewaltigen und heiligen Problems muß ich, wenn nicht als wissenschaftliche Frivolität, doch als naiv und oberflächlich bezeichnen; derartige Schriften bilden nur eine gute Lektüre für fromm gewordene Großmütter „mosaischer Konfession". * * * Anders ist es mit dem Fromerschen Buche bestellt. Das Verständnis für die Beurteilung dieses denkwürdigen literarischen Erzeugnisses muß einem solang abgehen, solange einem die Vorgeschichte dieses Buches nicht bekannt ist. Ich muß daher, bevor ich auf seinen Inhalt eingehe, seine Vorgeschichte kurz und Inapp erzählen. Ter deutsche Sozialistenzar August Bebel hatte sich auf dem Dresdener Parteitag unrühmlich über Maximilian Harden, das zweibeinige Minuszeichen In der deutschen Publizistik, ausgelassen, indem er den Verneiner Harden an seine Vergangenheit, an sein Judentum erinnerte. Er nannte ihn fortwährend Harden Wittkowsky.-Harden glaubte, daß ihm Bebel seine Taufe zum Vorwurf mache, und in seiner Antwort an Bebel in der „Zukunft" suchte Harden die Ursachen seines Uebertritts so tragisch als möglich darzustellen. Jedoch nicht genug damit. Er sann nach Rache an seinem Judentum, und diese Rache sollte gleichzeitig eine Rechtfertigung seiner Taufe enthaften. Ta die Kenntnis des Judentums gerade nicht Hardens starke Sette ist, so war ihm daran gelegen, einen Mann von offizieller jüdischer und gleichzeitig auch allgemeiner Bildung aufzutreiben, mit dem sich „etwas anfangen lasse." Einen solchen Mann fand er in der Person des Herrn Fromer, eines polnischen Bachur a. D. und „bedoktorten" Hanptcs. Er prüfte ihn auf seinen Charakter und fand ihn gut genug, sich seiner bedienen zu können.- Eines Tages erschien dann plötzlich in Maximilian Harden's Zukunft ein kulturantisemitischer Artikel von einem Jacob Elias. Im Artikel war zu lesen, das Judentum sei lediglich und vornehmlich eine ethische Religion, ein Stück starrer Ethik minus jeder Aesthetik und Logik. Tiefer Artikel ist durch Zu- und Nachträge zu einem Buch angeschwollen, und, da Herr Fromer mit seinem Buch ein neues Amerika entdeckt zu haben glaubt, schrieb er auch gleichzeitig seine Biographie nieder, verleibte sie dem Artikel- Buche ein, damit seine Unsterblichkeit gewahrt werde. Bon den einzelnen Kapiteln im Buche hebe ich die. folgenden hervor: 1. Tas Wesen des Judentums. 2. Tie Entwickelung der Idee des Judentums. 3. Ti: Vorherrschaft der Ethik in der jüdischen Literatur. Tas Kapitel „Das Wesen des -Judentums" klingt mit dem Satz aus: „Tie Grundidee oder das Wesen des Judentums besteht in dem Streben, die Alleinherrschaft der Ethik zu begründen und die Logik und die Aesthetik, sofern sie nicht ethischen Zwecken dienen, rücksichtslos zu bekämpfen." —■ Also das Judentum sei eine rein ethische Kultur, diese Ansicht vom Judentume hegt Herr Fromer gleich mit den Herren Seligmann und Konsorten. Aber Herr Fromxr ist konsequenter, ehrlicher als jene Scheinjuden. Er spricht offen aus, was jene hinter Phrasen und Predigerpolitik verstecken. „Auf zur Taufe," ruft Fromer aus voller Kehle, denn eine ausschließliche ethische Kultur kann nicht existieren, ihre Idee ist undurchführbar, und daher müsse das Judentum aufgegeben werden. Das ist das Wesentlichste, was uns Herr Fromer vom Judentum zu sagen weiß und nachfolgendes weiß ich, über sein Buch zu sagen: Tie oben kurz erzählte Vorgeschichte des Buches läßt deutlich erkennen, was die Schrift bezwecken soll -Max Wittkowsky's Taufe rechtfertigen. Harden, der Kritiker, der Künstler,' der Aesthet, konnte nicht einer Gemeinschaft angehören, deren angebliche Grundideee das Wesen des Judentums alle Aesthetik „rücksichtslos bekämpft". Fromer, der gewesene Bachur und gewordene Mascil ä la Schur, Fromer, der Kulturkämpfer und Heldenverehrer, möchte ein logisches Judentum wissen, das sich, mathematisch auslösen könnte. Wenn man Hollbachs S^sthäme äs I» usturs gelesen, auf Buchstaben schwört, in Telitsch und Wellhausen Einblick genommen, will man auch nicht hinter dem Progreß bleiben, man sehnt sich nach dem „Richtigen" . und Schönen, und da die Quintessenz des Judentums weder mathematisch ze.legba: noch ästhetisch in Linien auflösbar, so weiß Herr Fromer, der Gott den Krieg erklärt, die letzten Konsequenzen zu ziehen, damit seine Individualität nicht alle isch verkümmere. Harden sucht seine Taufe, die man ihm zum Vorwurf macht, durch die Behauptung, dem Judentum mangele es an Aesthettk, zu entschuldigen und zu erklären, der frischgebäckene Freigeist Fromer möchte die Oeffentlichkeit auf seinen Uebertritt vorbereiten. Aus dem kausalen Zusammenhänge der Vorgeschichte des Buches mtt dessen Publikation habe ich diese Konsequenz abletten müssen. Mir liegt es jetzt nunmehr ob, nachzuweisen, daß die Hardensch.e Entschuldigung für seine Taufe die möglichst schlechteste und Fromers Streben, die Oeffentlichkeit auf seinen Uebertritt vorzubereiten, von vornherein als verfehlt und mißlungen anzusehen ist. (Schluß folgt.) jüdische Sehnsucht". Melodie für Violoncell oder Violine mit Klavierbegleitung von Ph. CH. Cosman. Brettschwert u. Härtel, Leidig. Die Komposition verrät außer geschickter Behandlung der Form, echt jüdische Empfiudung. Das Largo im ersten Satz, tiefe Wehmut in der ernsten Melodie, uhrt zu einem etwas hoffnungsfreudig bewegterem Larghetto. Das nun wiederkehrende Largo zeigt mit einem schmerzlichen Verhalten das richtige Verstehen, die echt „jüdische Sehnsucht" für Zion. — Vielleicht läßt der Komponist diesem Opus I ein Opus ft olgen, welches freudiger in die Zukunft blickt. U. E. „So viele Berührungspunkte kultureller und religiöser Art auch zwischen Babylon und Israel exilieren, so dankbar wir sein müssen für die unzähligen Bereicherungen .unseres Wissens, die uns die babylonischen Ausgrabungen für die Einzelgebiete des religiösen Lebens in Israel, für seinen Kult, seine Gesetze und Gebote, gebracht haben, so müssen wir doch gestehen, daß für die Erkenntnis der Erstehung' und Entwicklung des innersten Wesens der israelittschen Religion nichts, aber auch gar nichts gewonnen ist.' Oder ich will mich entgegenkommender so ausdrücken: Die babylonischen Ausgrabungen haben uns grade in vollem Umfange bestätigt, daß Israel ein solch spezielles, ihm von Gott gegebenes und von keinem anderen Volke, auch nicht von Babylon herzuleitendes religiöses Besitztum inne hat. lind daß wir nun erst recht erkennen, worin dasselbe besteht, ist vielleicht der allerhöchste Gewinn dieser Ausgrabungen." Professor Sellin. Götz Krasst. Die Geschichte einer Jugend von Edward Stilgebauer. In vier Romanbänden. Dritter Band: Im engen Kreis. Verlag von Rich. Bong. Preis M. 4. Soeben ist der 3. Band dieses vielbesprochenen Romans erschienen, der laut Statisttk gegenwärtig das meistgelesene Buch der deutschen Belletristtk ist. Nachdem der Verfasser in den ersten beiden Bänden ein lebensvolles Zeitgemälde auf dem - Hintergründe' Frankfurts, Lausannes und Berlins entworfen, in dessen Mittelpunkte der jugendliche um seine sittliche Freiheit und um seine Weltanschauung ringende Götz Krasft steht, führt er uns in diesem dritten Bande in das glänzend gezeichnete München, wo wir seinen Helden als Einjährig-Freiwilligen „im engen Kreise" wiederfinden. . Neue Bücher. AusdemGhetto, Erzählungen aus dem vorigen Jahrhundert. Von Moritz Steinhardt, Preis Jk. 1. Die Jüdin von I. Zangwill. Bibliothek berühmter Autoren. Band 47. Wiener Verlag, Wien und Leipzig. JL 0,50. Wir bitten unsere Leser, ihre« Bedarf »ater Bezugnahme ans «nser Blatt bei nusere« Inserenten zn decken. Frankfurter Israel. Familieublatt. Condensirte Milch (Marke Milchmädchen), Sterilisirte Milch (Gaertners), Nr 1 und L sowie prima Yollmilch, täglich 2mal frisch empfiehlt Georg Ehrhard. vorm, franz Dimer, Telephon 9023. 5 BBrneplatZ 5. Telephon 9023. - ~ ' - ~ Lieferung frei ins Hans. ■ : : Weisse Lilie, Bornheim . Grosser schattiger Garten. Während des Sommers jeden Donnerstag Militärkonzert. Eigene Aepfelirein- Kelterei. # IlfMiMeUähMilr mit elektrischem Betrieb. Unter ■■ NN «■ Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Horovitz empfiehlt alle Setten Wurstwaren in bekannter Gate. Spezialität: Frankfurter Würstchen, ff. Salami u. Cervelatwurst, Landwurst, Rauchfleisch. Versandt nach all. Ländern. Wiederverkäufer hohen Rabatt. 5 Kilo-Paket franko. Vn] Cnotmonn Frankfurt a» flfl., 12 Theaterplatz 12. vUlr »UalulallU, 4741 Telephon 4741. O Hch. Schlapp, x Hciligkrenzgasse i Z Bann. 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