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Neue jüdische Presse · 1905-08-18 · Heft 32 (18.8.1905) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 32 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32. Frankfurter Israelitisches Familienblatt- Seile 5. Die Krau nickte auch ermunternd und sah ihn erwartungsvoll an. Simon, der durch eine offene Aussprache sein Herz gerne erleichterte und dem der Kapitän Zutrauen einflößte, ließ sich nicht mehr nötigen und erzählte, umständlich das ' ganze Drama seines Schwagers. Ms er geendet hatte, stieß der Kapitän einen ellenlangen Fluch aus und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Der Hallunke! Das darf ihm doch nicht gelingen." Er nahm einen mächtigen Schluck und bann fuhr er fort: ,Missen Sie, "bevor er mir den Transport anwies, verlangte er meine Verschwiegenheit über seine Geschäfte, wozu ich ja so wie so verpflichtet bin. Ich ahnte Wohl später, welch' Spitzbube er ist, hielt aber trotzdem das Maul, denn erstens, ich hatte nur mit der Fracht zu tun und zweitens verstand ich auch damals die Geschäfte nicht recht, sehe freilich jetzt nach Ihrer Erklärung ganz klar. Der Kerl hat mich sogar das letzte Mal auch betrogen, mit falschem Geld. Ms ich ihm Tags drauf nachreiste, lachte er mich aus und meinte, da könne Jeder kommen. Ich versetzte ihm einen Faustschlag, aber die fünfzig Friedrichs'dor waren verloren, futsch. Deshalb hätte ich nun den Schuft trotzdem nicht verraten, aber jetzt, wo ich ein Unglück verhüten kann, muß ich loslegen." Er holte tief Mem und trank aus. „Nämlich' der Kerl ist ein Gauner. Er ließ sich doppelte Rechnungen ausschreiben, eine richtige und die andere in zwiefachem Betrag. Das sei dann sein ganzer Geschäftsnutzen bei seinem Teilhaber und so üblich im Handel. Wie gesagt, ich verstand, nichts davon. Er gab dem Kommissionär für jede solche doppelte Rechnung zehn Taler extra." „Und das wäre alles zu beweisen?" rief Simon in großer Erregung. ,Zch besitze noch alle Schriftstücke. Der Frachten wegen mußte ich ja die Bücher und Belege haben und der Kommissionär verlangte sie nicht zurück." „Zeigen Sie mir sie, bitte." Der Kapitän kramte in seinem Schrank und legte Simon ein langes, schmales Buch vor. ,Lier, junger Mann, lesen Sie." . Er stopfte sich geinächtlich eine holländische Tonpfeife, während Simon mit zitterndem Finger im Buche blätterte. Da — Rechnung für Nußbaum und Weinberg Sechstausend Taler, zweite Rechnung über obigen Posten Dreitausendfünshundert Taler. Den Betrag zur Ausgleichung mit Dreitausendfünfhundert Taler dankend empfangen. Klas Petersen, Kommissionär. Darunter stand mit der häkeligen Schrift Nußbaums geschrieben: Für diese Dreitausendfünshundert Taler die Versicherung bezahlt. O. Nußbaum. Tausend Gedanken durchschossen das Gehirn Simons. Er schloß einen Augenblick seine Augen, um ungestört Nachdenken zu könne», dann blätterte er weiter und fand noch einige derartige Ausstellungen. Er bat: ,L'apitän geben Sie mir das Buch. Sie retten dcckmrch eine ehrenhafte Familie vom Untergang. Ich. verlange von dem Kerl nur das gestohlene Gut zurück; wenn er es gutwMg herausgibt, soll ihm sonst nichts geschehen." „Gewiß gebe ich Ihnen das Buch, aber darauf müssen wir noch einen Grog trinken. Mutter, noch einen Tropfen heißes Wasser." Die gute Frau drückte Simon immser die Hand. „Ihre arme Schwester! Jetzt wird sie wieder gesund werden. Sie schreiben uns aber, wie es gegangen hat, nicht?" Beim Wschied wollte der Kapitän Simon's Hand nicht loslassen. „SBenn darin Gottes Finger nicht sichtbar ist, will ich ein Pottfisch sein. Na, leben Sie wohl, alter Junge, grüßen Sie den braven Müller, und wenn Sie mit dem Schuft Nußbaum ganz fertig sind, geben Sie ihm noch einen Schlag als extra Gruß von mir. Wer Sie zeigen ihn der Polizei nicht an, wenn es nicht nötig ist." Simon versprach aUes und ging glücklich, das Buch krampfhaft an seine Brust pressend, weg. Es bäuchte ihm, als ob der Mond ihm schalkhaft zuwinkte, er schwankte ein klein wenig, das konnte die Freude, konnte aber auch ein bischen der Grog verursacht haben. — 11. Kapitel. Ms er nach Hause zurückgekehrt war, hatte er mit Herrn Müller eine lange, geheime Unterredung. Am Schluß derselben begleitete sein Prinzipal ihn an die Tür und sagte: „Simon, Du bist ja klug und energisch über Deine Jahre hinaus. Wer Du hast es mit einem geriebenen Hallunken zu tun, dessen Schliche Du nicht ahnen kannst. Soll ich nicht zu ihm gehen?" ,^Jch danke Ihnen vielmals, Herr Müller, aber ich darf nicht zugeben, baß Sie sich der Rache dieses Menschen aussetzen. Ich werde mit ihm fertig, glauben Sie mir das." „Nun, dann gehe mit Gott." Nußbaum, der inzwischen ein vermögendes, älteres Mädchen geheiratet hatte und reich geworden war, saß nach Tisch auf seinem Sopha und verdaute. Seine Frau, die sich durch grelle Augen und spitze Nase auszeichnete, saß neben ihm. Das würdige Ehepaar unterhielt sich mit Genuß von der Aussicht, durch die Subhastation von Weinberg's Aecker zu billigen Grundstücken zu kommen, als es anklopste. Es trat Simon ein, der höflich ersuchte, Nußbaum allein zu sprechen. ,Zst nicht nötig, ich habe vor meiner Frau keine Geheimnisse." „Es wird Ihnen selbst angenehmer sein." „Dann kommen Sie, es nützt Ihnen aber nichts" und er schritt verdrossen vor. Er führte Simon in ein kleineres Zimmer, in dem ein eiserner Schrank stand, setzte sich und zeigte auf einen Stuhl. Simon blieb stehen, stützte seine Hand auf den Stuhl und sah Nußbaum an. Diesem wurde es etwas unbehaglich. „WaS wollen Sie eigentlich von mir?" fragte er. ,Zch wünsche, daß Sie die Hypotheken auf die Ländereien meines Schwagers löschen." „Mit Vergnügen. Wenn Sie das Geld haben, gehen wir sofort zum Notar." ,-Jch habe das Geld nicht, wünsche es aber trotzdem." Nußbaum lachte schallend. ,Mirklich ein guter Witz, das ist gewiß ein Einfall Ihres Schwagers. Der hat zwar starke Fäuste, aber ist nicht sehr klug, sonst hätte er doch gewußt, daß er bei mir nichts ausrichten kann." Simon sagte kaltblütig: «Jetzt ist es genug. Ich habe durch Lapitän Schröder die Beweise, daß Sie meinen Schwager anhaltend betrogen haben, ich besitze von Ihrer Hand unterschriebene, gefälschte Rechnungen und Quittungen. Wollen Sie gutwillig zurückerstatten?" (Schluß folgt.) Familiermachrichteir. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.» Geburten. Ein Sohn, Herrn .Julius Katzenstein (Levita), Darmstadt. Eine Tochter, Herrn Nathan Grünbaum (Freund), Frankfurt. Ein Sohn, Herrn Siegfried Weinberger (Cohn), Nürnberg. Eine Tochter, Herrn Kaufmann Ettlinger (Fränkel), Karlsruhe. Ein Sohn, Herrn Hugo Grünthal, Köln. Verlobte. Hermine Moos, Frankfurt, Leerbachstr. 21, mit Jakob Nußbaum, Frankfurt, kl. Obermainstr. 21. Mary Möller, Frankfurt, Ostendstr. 51, mit Theo Stein, Frankfurt. Adele Baum, Frankfurt, Günthersburgallee 3, mit Leon Tannenberg, Genf. Jeanette Sonnenberger, Frankfurt, Ostendstr. 24, mit Marcel Netzen, Frankfurt. Sterbefälle. Sabine Nehr, geb. Goldschmidt, Frankfurt. Ludwig Wertheimer, Frankfurt. Aron Neumark, Nürnberg. Barmizwohs. Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gell. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Samstag, lbien 19. August: Arthur, Sohn des Herrn Isaak Vos, Frankfurt, Hinter der schönem Aussicht 12, in der Synagoge am Börneplatz. Samstag, den 26. August: Jakob, Sohn des Herrn William Jacob Herzberg, Frankfurt, Kl. Obermainjtraße 13, in der Synagoge zu Fulda. . Heppenheim. Sophie Haustein Chalm Rumpler Verlobte. Frankfuit a. M. Hölderlinstrasse 27, II. Statt Karten. Selma Siesel Hermann Hassbaum Verlobte. Frankfurt a. M., im August 1905. Empfangstag: Samstag, den 19. Ang. c., Mnslkantenweg S, 2. Wocheu-Salerrder. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 19. August, Wochenabschnitt Ekew. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 8 Uhr 25 Mi«., Straßburg 8 Uhr 20 Min., Berlin 8 Uhr 10 Min. Kaiser Friedrich floelle - Offenbach a. M. — .. Vornehmstes Tafelwasser. -rän Soolbad Harzburg Pension Parkhaus vornehmes Etablissement, 56 Salons. Prospekte gratis. Geöffnet 1. Mai bis 1. Oktober. Mas Hecht. Offenbacber Druckluft=JHilage Telefon 123. Qffenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepptchrelni QUnff. FaJk ->V2 mmemev »«isl.Ng. MässiBe Preise. * iM' Ul. Prospekt gratis u. franko. sm 10°|. Rabatt auf sämtliche So mm er-Nor mal-Artikel (Macco-, Kammgarn- und Filet-Wische) wegen vorgerückter Saison. Leinen- und Wäsche-Haus Max Oettinger Hanauerlandstr. 27 (Ecke Hölderlinstr.) q Wäsche u. Ausstattungen g A. Sulzbacher—Mainz Q Nene Zeil 1 Frankfurt ». M. Tel. 9142. Q Complette Taclirichim and einzelne Stücke za allen Preisen vorrätig. Leopold Seligmann’s Nachfolger Nene Zeil? Inh. Jffichaet Schuster Recfaeigrabensir. 15 unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Babbiner Dr. Breuer. 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