Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 28 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familie,iblatt. Nr. 28. diese Worte sind zu hoch für de» Betrachkungskrcis, den er sich gezogen hat. Stein will einfach sagen, das; er an den Fortschritt glaubt und ihn dem einzelnen wie der Gesamtheit für ersprießlich hält. Das ist aber keine Weltanschauung, denn cs versucht keine Deutung des Welträtsels, es zieht keine Koordinaten zur Bestimmung der Stellung des Menschen in der Welt, es ist einfach eine Lesart der Geschichte und sicht, des PrunkgcwandcS der philosophische» Terminologie entkleidet, beinahe einem Gemeinplatz ähnlich. Freilich, wenn man von Steins Buche nicht mehr erwartet, als cs programmatisch bieten will, wird man gern mit ihm gehen und sich, überall an der sprudelnden Fülle der Einfälle ergötzen, mit denen er sich tausendfältig beweist, daß er recht hat. Es ist eine reine, künstlerische Freude, ihm zu folgen, wenn er mit unfehlbarem Skalpell den Materialismus seziert und sein pessimistisches Innere herausarbeitet, wenn er den Wert des Messianismus als Kraftquelle ausrechnct, wenn er die verschiedenen Religionen als Völkererzieher analysiert oder den Stammbaum deS Fortschrittsglaubens und der tverktätigen Pflichtliebe in Philosophie und Dichtung aufstcllt. Diese Seiten bilden ein Laienrevier, wie cs erbaulicher im besten Sinne, >vic es heilsamer und erhebender seit vielen Jahren nicht geschrieben wurde. Mer Fortschritt wird die entmutigenden Tatsachen Schmerz und Tod nicht aus der Welt schaffe»: nicht einmal gesellschaftliche Ungleichheit, um auf einem niedrigeren Plane zu bleiben. Wer in dieses Unüberwindliche findet der Mensch sich um so leidloser, je kräftiger, gesünder, zuversichtlicher er ist, und es wird ihm erst zur unerträglichen Qual, wenn sein bißchen Leben, das einzige sichere Gut, das ihm ,eine kleine Weile gegönnt ist, auch der Freuden beraubt ist. die ihin Fugend und Frühling bescheren sollten. Ein gut Teil des Elends, worunter die Menschen sich winden, ist vermeidlich: denn es ist nicht biologisch, sondern gesellschaftlich: cs wird nicht von der Natur, sondern von den Menschen, ihrer Unwissenheit, ihrer Geistesträgheit, ihrer Roheit, ihren Einrichtungen und Gewohnheiten verhängt. Ich glaube mit Stein, daß alles Nebel» das die Menschen dem ehernen Naturgesetz hinzufügen, allmählich überwunden und ausgeschieden werden wird. Das Leben, das keinen anderen Feind mehr haben wird als den Tod und die Begrenzung der Erkenntnis, wird wirklich lebenswert sein, allem philosophischen Pessimismus zum Trotz." Bucherschau. Meyers Großes K o n v e r s a t i o-n s l c x i k o ». Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich ncubearbeiteie und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11 MO Wbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jllustratioustafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafelu und 300 selbständige Kartenbeilagcu) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleber gebunden zu je 10 JL (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.l Die Hälfte von Meyers Großem Konversations- Lexikon liegt nun abgeschlossen vor uns. Gs ist dies ein wichtiger Wschnitt in dem Erscheinen eines derartigen großangelegten Werkes, der zu einem Rückblick auf die stattliche Anzahl der bereits erschienenen Bände drängt. Wen» wir das reiche Wissens- Material und die prächtig ausgestattcten Tafeln und Karten, die in den schmucken Bänden verwahrt sind, durchblättern, so könne» wir mit Freude.bekennen, daß der Verlag sein Versprechen und sein Prinzip, nur vom Besten das Beste zu bieten, treu gehalten und von Band zu Band unsre Erwartungen nur noch ubertroffcn hat. Der soeben erschienene zehnte Band hat vonviegcnb geographische» Charakter. Ohne daß die andern Wissensgebiete eine Einbuße erlitten hätten, bringt lisch die alphabetische Anordnung cs mit sich, daß eine Materie wenigstens in größer» umfassenden Artikeln überwiegt. Länder wie Italien, Japan, Kanada, Kapland bedürfen natürlich eines größer» Rauins und eines ausgiebigen Kartenmatcrials, das nicht nur den geographische», sondern auch den wirtschaftliche», geologischen und geschichtlichen Fragen gerecht wird. Dem Literaturfreund Ivird die sehr hübsche Zusammenfassung der italienischen Literatur: nicht tvenigcr freuen wie der Artikel des „Jungen Deutschland", dessen Hauptvcrtreter im Bild vorgeführt werden. Prächtige Farbentaseln begleiten auch die naturwissenschaftlichen Artikel »Kakteen", „Kaninchen", vor allem „Käfer", und de» kunstgewerblichen Artikel .Keramik". Die Technik ist durch eine Reihe gut illustrierter Artikel über „Jagdgewehre", „Kanäle", .Kanalisation", „Kartoffclpftanzmaschinen", »Kartonnagen", .Kabel", „Jungsraubahn" und „Kaufhäuser" vertreten, für das bürgerliche Leben verdienen die Artikel „Jagd", „Kapital", „Kartell", „Kaution", „Kataster", „Kaufmannsgerichte", „Kauf", ferner die Artikel über Katholizismus, Jesuiten besondere Beachtung. Ter Band bringt nicht weniger als 21 Karten, 7 farbige und 28 schwarze Tafeln und 5 Stadtpläne neben 228 Textbilderu. Möge die zweite Hälfte des „Großen Meyer" uns gleich reich bescheren wie. die erste! Vakanzen. Treditsch (Mähr.). Aushilfskantor f.d. hohen Feiertage. Salzburg (Oesterreich). 2. Kantor n. Schächter per 1. November evtl. 1. Oktober. Gehalt Kr. 1320. Hamb n r g. Oberkantor per 1. April. Meldungen an den Vorstand des Deutsch-Israelitische» Synagogcn-Berbandes, Büreau: Synagoge Kohlhöfen. Breslau. Schächter per 1. Septbr. Anfaugsgchalt JL 1500. K roto s ch i». 2. Borbeter und Schächter. Gehalt «#. 1500 und freie Wohnung. Briefkasten. 2 t r a ß b u r g. Ter vorige Woche verstorbene Professor Tr. H e r m an» Nothnagel war Christ und zwar ein wahrhafter Christ, denn er liebte auch die Juden als seine Mitmenschen und vertrat ihre Rechte als gleichberechtigte Bürger, wann und wo er konnte. 1891 hatte er in Gemeinschaft mit Baron Leitcnberger und Baron Suttner den österreichischen „Verein zur Aülvchr des Antisemitismus" gegründet. Familieuuachrichten. . (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) «eburteu. Eine Tochter, Herrn Leopold Loewenick (Wolsskehl), Frankfurt, Jahnstr. 23. Ein Sohn, Herrn Leo Prager (Fürth), Nürnberg. Ein Tochter, Herrn Ferd. Schaniberg (Strauß), Frankfurt, Blumcnstr. 4. Berlodte. Rosa Meier, Wüstwillenroth, mit Josef Seligmaiin, Höchst/Frankfurt. Rosa Levistei», Etteiihcim, mit Julius Rciniiiann, Mannheim. Emma Stern, Mainstockhciin, mit Josef Sam« (seiger, München. Betty Kretschmer, Frankfurt, mit Theodor Heilbronn, Frankfurt. Eheschließungen. Rechtsanwalt Hugo Emannel, Bon», mit Lncie, geb. Goldschmidt. August Schöinann, Köln, mit Helene, geb. Rosenthal. Sally Heilbrunn, mit Frieda, geb. Katzenstein, Nürnberg. Rechtsanwalt Dr. jnr. Jul. Jessel, Frankfurt, mit Bella, geb. Hirschmänn, Nürnberg. Ferdinand Ries, Antwerpen, mit-Else, geb. Bing, Nürnberg. Daniel Nawratzki, Frankfurt/Bockenheim, mit Srlma, geb/ Hirsch, Weinheim. Sterbefälle. Moses Adler, 66 I., Mainz. Elsa Eva Dahlheim, 8 I., Frankfurt, Schesselstraße 13. Simon Schwarz, Schneider, 69 I., Frankfurt, Königswarterstr. 26. Hedwig Oppenheim, 26 I., Frankfurt, Rödcrbergweg 97. Jakob Jeidel, Kaufmann, 46 I., Frankfurt, Langestraße 5. Eduard Levi, Kaufmann, 63 I., Frankfurt, Rcchneigrabenstr. 18. Leo Heilbronn, 19 I., Tann ä. d. Rhön. Auf der Alp, da gibl’s ha Sund — aber erkälten kann man sich da oben tüchtig — da oben, wie auf jedem Berge. Ich wenigstens habe mir einen Katarrh geholt, den ich so bald nicht wieder los werde. — Ach was, ich wette, Sie sind ihn in ein paar Stunden los. Kaufen Sie sich sofort eine Schachtel Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen für 85 Pfg. und gebrauchen Sie die Dinger nach Vorschrift. Ich wette, morgen wissen Sie nicht mehrdassSieheute erkältetwaren! Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Ferdinand, Sohn des Herrn H. Marburger, Weiherstraße 4, in der Synagoge Börneplatz. Wochen-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 22. Juli. Wochenabschnitt Pinchos. Sabbath-Ausgang in F> ankfurt a. 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