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Neue jüdische Presse · 1905-07-14 · Heft 27 (14.7.1905) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 27 (14.7.1905)
Date
1905-07-14
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 27. Ivo der überlieferte Text einer Korrektur zu bedürfen scheint, dürfte diese doch nicht angebracht werden, da durch die verschiedenen Korrekturen der ursprüngliche Text Schaden nehmen könnte. Ten Namen des Buches „Thorat Kohanim" führt man, wie Hofsmann meint, nicht nur darauf zurück, weil dieses Buch das Verhalten der Kohanim regelt. Vielmehr soll dieses Buch Israel durch die darin enthalteneir Gebote zu einem Volk von Priestern machen, wie es denn auch 2. B. M. 19 heißt: „Ihr sollt mir ein Reich von Priestern und dadurch ein heilges Volk sein." Ties würde besonders erreicht werden können, durch das Buch Wajikra, das das Verhältnis Israels zu seinem Gotte regelt und ihm die Anweisungen gibt, wie es sich der Gottesnähe würdig machen soll. Hier ergreift H. gleich die Gelegenheit, den organischen Zusammenhang des Leviticus ad oculos zu demonstrieren. Die erste Abteilung des Buches bespricht die positiven Vorschriften, wie man die Gottesnähe zu suchen hat (Opfer), sodann die negativen Gesetze, die beachtet werden müssen, um nicht der Gottesnähe verlustig zu gehen. Dies ist der erste Teil bis Kap. 17. Ter zweite Teil enthält die Heiligkeitsgesetze, die weniger Verpflichtungen gegen Gott, sondern mehr den Menschen gegenüber enthält. Tie Einhaltung der Gesetze beider Kategorien erst sind die Bedingung zur Erreichung der Kohanimstufe, die dieses Buch eigentlich zum Zwecke hat. In der Einleitung schon führt der Verfasser mehrere Momente an, die auf die Authentie des Levitieus, auf feinen mosaischen Ursprung Hinweisen. Die angeführten Beweise, darunter mehrere Bestimmungen, die nur eine für die Tauer des Aufenthaltes in der Wüste geltende Bedeutung hatten, wie z. B. das Verbot des „Bosor Taawoh"*), weiter verschiedene in diesem.Buch vorkommende Ausdrücke, die auf den Aufenthalt in der Wüste Hinweisen und im Teuteronomium, als unmittelbar vor dem Einzuge in das Land gelehrt, nicht mehr gebracht werden, tun deutlich dar, daß das Buch in mosaischer Zeit ausgezeichnet worden ist. Auch werden viele in diesem Buche enthaltene Gesetze erst für die Zukunft bestimmt, erst von dem Besitze des Landes Kanaan abhängig gemacht. Auf die Einzelheiten des Textes eingehend, handelt der Verfasser zunächst über die Zusammensetzung der Opferthora, Kap. 1—7. Tie Schwierigkeiten, die sich hier durch den Umstand ergeben, daß Kap. 1 die Ueberschrift trägt „Und' Gott redete zu ihm aus dem Stiftszelte", daß Gott die Opfergesetze in der Stiftshütte angeordnet, während es in der Unterschrift (Kap. 7, 37—38) der Opferthora heißt: „Die Gott dem Mosche auf dem Berge Sinai befohlen", daß hie Opferthora also auf dem Sinai geboten worden wäre, sucht H. dadurch zu lösen, indem er den Talmud (Sebachim 115*) und zwar die Meinung des R. Akiba zittert, wonach alle Gesetze aus dem Sinai gegeben und nur später in der Stiftshütte wiederholt und in den Ebenen Moab's zum dritten Mal vorgetragen wurden. Hoffmann gruppiert nun das Opfergesetz in zwei Teile. Kap. 1—5 sei das Opfergesetz, das an das ganze Volk gerichtet, während 6—7 ein Priesteropfergesetz gewesen ist. Letzteres bildet die Fortsetzung des Milluimopsergesetzes Exodus 29, das nur für die damalige Zeit vorgeschrieben war, während Lev. 6—7 auch für die Folgezeit Geltung haben sollte. „Wenn nun — führt H. aus — auch, nach R. Akiba sämtliche Opfergesetze auf dem Sinai gegeben, im Stiftszelte wiederholt und in den Ebenen Moab's zum dritten Mal gelehrt wurden, so ist doch damit nicht gesagt, daß sie jedesmal mit denselben Worten vorgetragen wurden. Wir sehen vielmehr viele Gesetze in „Mischne Thora", die als Wiederholungen früherer Gesetze mit diesen zwar gleichen Inhalts, aber doch verschiedener Form sind. Während der Inhalt der Gottesgesetze ewig unveränderlich ist, ist die Form von der Zeit, in der sie vorgetragen und von dem Zusammenhänge, in welchem sie gelehrt werden, abhängig und daher dem Wandel unterworfen." — „Sind also auch alle *) Als Grund dieses Verbotes gibt H. an, daß die „Seirim", denen die Israeliten nachbuhlten, nach den Behauptungen bewährter Forscher aegypttsche Gottheiten gewesen seien, denen die Israeliten noch von Aegypten her nachbuhlten. grankfurter Jsraetrtijcher Fcmllllenvlall. Gesetze der Thora, was ihren Inhalt betrifft, als Sinai-Gesetze zu betrachten, so kann man dennoch in Bezug auf die Form der in der Thora schristlich ausgezeichneten Gesetze von vor sinaitischen Gesetzen, Sinai-, Stiftszelt- und A r b o t h -M o a b - Gesetz e n s P r e ch e n. Zu welcher der vier 'Arten ein Gesetz oder eine Gesetzesgruppe gehört, zeigt uns zumeist eine Ueberschrift oder eine 'Unterschrift oder irgend welche sonstige Angabe." (S. 22.) Tie Priesteropferthora, nämlich Exodus 29 und Levitieus 6—7, ist, wie der Verfasser ausführt, ein sinaitisches Gesetz gewesen, wie die Unterschrift besagt, während Levitieus 1—5, das Volksopfergesetz, ein Ohel-Moed-Geetz ist. Wenn aber doch der größere Teil der Priesteropferthora nach dem Volksopfergesetz zu stehen kam, so findet dies darin seine Erklärung, daß die Priesteropferthora erst nachträglich, erst nach der Wiederholung, promulgiert worden ist. Daß Levitieus 6—7 den ersten 5 Kapitel» zeitlich vorangingen, geht schon daraus hervor, daß letztere verchiedenes voraussetzen, was in Kap. 6—7 enthalten ist. Dieser Teil der Priesteropferthora wurde später promulgiert als der erstere, weil sie für die Folgezeit bestimmt waren, und sie auch erst mit der Aufrichtung der Stiftshütte in Kraft getreten ist. (Fons, folgt.) Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Der diesjährige Kongreß fällt in eine Zeit des größten Fremdenverkehrs Basels und der Schweiz. Me Hotels sind oft schon tage- und wochenlang mit ihren Zimmern vergeben. Um den werten Kongreßteilnehmern bei der Ankunft und beim Suchen einer Wohnung behilflich zu sein, hat sich aus Gesinnungsgenossen der Stadt Basel ein Organisationskomitee gebildet, das bereits seine Tätigkeit begonnen hat. Zur richtigen Durchführung der schwierigen Aufgabe des Komitees ist es dringend notwendig, daß die werten Teilnehmer uns unverzüglich von ihrer Ankunft in Kenntnis setzen. Die Mitteilung soll enthalten : 1. Ankunftstag, womöglich an welchem Bahnhof und mit welchem Zug. 2. Ob Hotel oder Privatlogis gewünscht wird und für wieviel Personen. 3. Wieviel man für ei» Zimmer anzulegen wünscht, mit oder ohne Frühstück, eventuell Pension, eventuell koscher. 4. Welcher Aufenthalt in Basel vorgesehen ist. Die Anfragen sind womöglich in deutscher, französischer, englischer oder jüdischer Sprache. (Jargon) abzufassen und sind zu richten an das Organisationskomitee des VII. Zioniste n - K o n g r e s s e s. Telegramme: Organisation Zionistenkongreß Basel. Bei der Amkuivft in Basel wollen sich die verehelichen Gäste zuerst im Kongreßbureau melden, worauf ihnen vom diensttuenden Mttgliede des Komitefeä ein Zettel mit der für sie besttmmten Wohnung übergeben wird. Die Mitglieder des Komitees tragen schwarzweiß-blaue Rosetten. Nottingham. Zionist Social-Club. Aus bescheidenen Anfängen hat sich in einem Zeiträume von 5 Jahren der zionistische Club zu einer Organisatton entwickelt, die aus eigenen Mitteln an einige 80 Kinder täglich Religionsunterricht erteilen läßt. Mer auch in sozialer Hinsicht leistet der Verein, dank der Energie seines Schriftführers, Hervorragendes. Durch eine hochherzige Schenkung seitens des Herrn M. Weinberg (Schwager des Herrn Jae. S. Posen-Franksurt a. M.) konnte ein neues Vereinshaus bezogen werden, das u. a. auch Räumlichkeiten für die Schule bietet. Bei der kürzlich stattgehabten Eröffnungsfeier wurde Herrn Weinberg ein goldener Schlüssel als Andenken überreicht. Wilna. Eine echte Zionsliebe hat der bekannte Zionist und Odessaer Arzt Sv. Saphir, der gegenwärtig auf dem mandschurischen Kriegsschauplätze weilt, bewiesen. Er teilte nämlich dem Akttonskomitee mit, daß er unter seine jüdische Kriegskameraden 100 Aktien der Jüd. Kolonialbank verkauft und 4000 Rubel für den Nationalfond gesammelt hat. — Wenn man in Bettacht zieht, daß die in den Krieg ziehenden Juden sich iu der Regel aus Angehörigen der ärmeren Klassen zusammenfetzen — die Reichen kaufen sich meistens los —, so gibt uns dieser Opfermut die Ueberzeugung, daß es unter den russischen Juden noch eine gesunde Kerntruppe von Elite- Juden gibt. Unseres unvergeßlichen Herzls 14jähriger Sohn Hans, der in einem Londoner Pensionat gemäß den Traditionen des überlieferten Judentums erzogen wird, ist in seiner Ausbildung bereits so vorgeschritten, daß er in Kürze perfekt hebräisch und türkisch sprechen kann. Auf die Einladung seiner Mutter, bei ihr in Wien die Sommerveue II. ferien zu verbringen, schrieb er, daß er besorgt sei, seiner Mutter Küche werde nicht so streng rituell geführt, wie es nach den Satzungen des Judentums sein müsse. Hasman. Aus oeu Beremeu. Newyork. DerNewyorker.JüdischeFrauenbund", dessen Vorsitzende Miß Sadie American ist, erhielt von einem anonymen Geber tOOOO Dollars zur Begründung eines Heims für alleinstehende, in Not befindliche junge Mädchen. Dem Hause sind bereit» weitere Stiftungen von Mrs. Maud Nathan und anderen zugegangen. Da» Hein» wird auf Ettis Island errichtet werden und die arbeitslosen Mädchen und Frauen so lange aufnehnien, bis sie Arbeit und anderweite Unterkunft gefunden haben. Aus -er Geschäftswelt. Ein großer Wasserleitungsschaden passierte Ende voriger Wochp in der Kuranstalt des Herrn Dr. Friedländer auf der Hohemark, und auch hier in einem Hause der Arndtsttaße entstand ein, ziemlich bedeutender Wasserleitungsschaden. In beiden Fällen wurde das Gebäude, in letzterem auch Moniliar, wertvolle Teppiche usw. beschädigt. Tie beiden Betroffenen waren bei der „Frankfurter Tran sport-, Unfall- und Gl ns Versicherungs- Aktiengesellschaft" gegen Wasserleitungsschüden versichert. Bäderuachrichte». In 21. M oritz (Schweiz) hat Herr A. H i r f ch, rühmlich bekannt als Leiter des jetzt aufgelösten Sanatoriums in Davos, ein neues Hotel International mit allem Komfort der Neuzeit eröffnet. Es wird streng rituell geführt unter Aufsicht des von hervorragenden orthodoxen Rabbinern als stteng orthodox anerkannten Herrn H. Marcus aus Krakau. Vakanzen. Leutershausen (Mittelfranken). Religionslehrer, Borbeter und Schächter Per bald. Einkommen ca. 1400 ./£, freie Wohnung und Heizung. B e r n st a d t i. Schlesien. Religionslehrer, Vorbeter und Schächter per bald. Gehalt 2000 Jfe und freie Wohnung. Briefkasten. D. B. 1871 wurden in der Provinz Posen 61983 (— 39,1 vom Taufend der Bevölkerung) Juden gezählt, 1900 nur noch 35 327 (— 18,7 vom Tausend). Ter Grund in dieser rapide» Wnahme ist hauptsächlich darin zu suchen, daß die jüd. Bevölkerung Posens von der Millionenstadt Berliir aufgesaugt wird: Berlin hatte 1871 nur 36 015 jüdische Einwohner und 1900 bereits 92 206. Bücherscha«. Prof. Dr. M. A. Levy's Biblische Geschichte nach dem Worte der heiligen Schrift der isr. Jugend erzählt. 13. Auflage (87.—90. Tausend). Neubearbeitet und besonders durch Mschnitte aus den Propheten vermehrt von Prof. Dr. B. Badt- Breslau. 1905. 266 Seiten, gebunden -,Sk. 1,80. Verlag: Wilh. Jacobsohn u. Co., Breslau. Mehr wie 40 Jahre sind verflossen, seitdem die erste Auflage dieses Buches erschienen ist und allmählich nähert sich die Verbreitung desselben der stattlichen Zahl von 100000 Exemplaren. Genug Beweis dafür, daß es allen Anforderungen der Lehrer entspricht. Die neueste Auslage überttifft noch die vorhergehenden, denn sie hat eine wesentliche Erweiterung durch die Einschaltung von Wschnitten aus den Propheten erfahren, um in den Schülern Verständnis für das Wirken der Propheten, Begeisterung für ihre Ideen und den Wunsch nach einer eingehenderen Bekanntschaft mit dem Originaltexte zu erwecken. Obwohl die besten Lehrbücher der biblischen Geschichte nur ein schwacher Abglanz der Bibel im Urtexte sein können und nie das Original ersetzen, so können wir doch bei dem heute für den jüdischen Religionsunterrichte so ungünsttg liegenden Verhältnissen, die nur eine mangelhafte Kenntnis des Hebräischen erreichen lassen, Levy's Biblische Geschichte warm empfehlen. Die Literatur, herausgegeben von Georg Brandes. Jeder Band in künstlerischer Ausstattung mit Kunstbeilagen, Faksimiles und Porträts kartoniert Jk 1,25, ca. 80 Seiten. Verlag: Julius Bard, Berlin IV. 57. Band 9: Schauspielkunst von Alfred Kerr; Band 10: Gottfried Keller von Otto Stoeßel: Band 11: Nordische Porttaits von Felix Poppenberg: Band 12: Baudelaire von Arthur Holitscher: Band 13: Fünf Silhouetten in einem Rahmen von Franz Blei. Die obigen Ausgaben zeichnen sich durch eine wirllich geschmackvolle Msstattung aus. Die Literatur-Monographien sind sorgfältig ausgewählt', Georg Brandes Name bürgt schon dafür. Und so sind es nur Worte der Empfehlung, die wir dieses Bücher- Sammlung mit auf den Weg geben können.

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