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Neue jüdische Presse · 1905-06-23 · Heft 24 (23.6.1905) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 24 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24. Seite 11. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. A«s der Lehrerwelt. Darmstadt. In der Sitzung der zweiten Kammer vom 15. Juni erklärte Staatsminister R o t h e, daß die Anstellung und Ausbildung der israelitischen Religionslehrer demnächst gesetzlich geregelt werde. Rakel. Der Verein jüd. Lehrer der Ostprovinzen hielt hier am 11. und 12. d. Mts/ seinen Verbandstag ab. Die jüdische Gemeinde hatte diesen Verbandstag LU einem Feste der ganzen Gemeinde in außerordentlich aufmerksamer Weise gestaltet. Ein Cmpfangskomitee begrüßte am Bahnhofe die Erschienenen und geleitete sie in bereit gestellten Kutschen nach ihren Wohnungen, denn die Gemeindemitglieder betrachteten die Lehrer als ihre Gäste. Imgeschmückten Saale des Hotel du Nord wurde nachmittags 5'/» Uhr der Verbandstag durch den Vorsitzenden des Verbandes, Hauptlehrer Herbst-Lissa, eröffnet. Hierauf begrüßte der Gemeindevorsteher, Provinzial-Landtagsabgeordneter Bärwald die Lehrer. In gleich herzlicher Weise feierte Rabbiner Dr. P e r - 1 i tz den Lehrerstand. Lehrer Becker- Wollstein hielt nunmehr mit den Kindern eine Lehrprobe über „Hillel", in welcher den Kleinen die Bedeutung dieses Weisen klar dargestellt wurde. Daran schloß sich der Bortrag des Lehrers Cohn-Wreschen über das Verbandsthema: „Wie kann die Ausschaltung der jüd. Lehrkräfte an der allgemeinen Schule verhindert werden?" Ausgehend vom Schillerjahre, von den freiheitliche» Ideen des gefeierten Dichterfürsten, an der Hand reichen statistischen Materials wies Redner nach, wie die Ausschaltung der jüd. Lehrkräfte aus der paritätischen Schule immer mehr geschehe. Während zur Zeit des Ministers Falk noch 2 Prozent aller christlichen Lehrer die jüdischen Lehrer waren, seien jetzt nur »och etwa 3M Prozent beschäftigt, und da die konsessionell jüdischen Volksschulen auch stetig Zurückgehen, so wissen die jüdischen Lehrer nicht wehr, wo sie Anstellung erhalten sollten. Redner bedauerte es tief, daß jüdische Lehrer an paritätischen Schulen nicht Ordinarius sein sollten, nicht im Deutschen und in Geschichte unterrichten dürfen, wie das Brandenburgische Provinzial-Schulkollegium es 1895 aussprach. Die deutschen Juden, die seit Karl dem Großen in Deutschland wohnen, die bis heute nur deutsch denken und sprechen, haben es in guten und bösen Tagen bewiesen, daß sie nur Deutsche seien, denn die Sprache ist der Spiegel der Volksseele, des Volksempfindens. Die jüdische Lehrerwelt stelle ihre Jugend als Bürgen dafür, daß sie wohl imstande seien, in rechter Weise im Deutschen wie in der Geschichte Unterricht zu erteilen und berufe sich auf die Revisionsprotokolle der Vorgesetzten Behörde. Aber auch die Versorgung des jüdischen Religionsunterrichts durch geprüfte Lehrer erfordere die Anstellung der jüdischen Lehrer an paritätischen Schulen dringend. In ganz Preußen sind nur 48 jüdische Lehrer und Lehrerinnen an solchen Schulen (darunter in Berlin allein 42 Lehrerinnen). Im Jahre 1903 gab cs in evangelischen Schulen noch 7181 jüdische Kinder, in katholischen 2662, in paritätischen 3712, für die hon Staatswegen nichts für jüdischen Religionsunterricht geschehe; für diesen müßten die jüdischen Gemeinden die Lehrer stellen und besolden, obgleich sie zu den qu. Schulen die Schulbeiträge zahlen. Redner forderte die jüdischen Gemeinden und Lehrer auf, mit allen Mitteln daran zu arbeiten, um wahre Parität für ihre Kinder und Lehrer zu erreichen Am Abende gab die jüdische Gemeinde Rakel den Teilnehmern des Verbandstages ein Festmahl. Am zweiten Tage wurden die Beratungen fortgesetzt. Lehrer Kadisch -Gollub referierte über den Delegiertentag in Kassel, Herbst-Lissa über die Fortbildungskurse im Religionsunterrichte sür Lehrer an den Rabbiner-Seminaren Breslau und Berlin und forderte zu reger Beteiligung auf. Der Nestor des Vereins, Lehrer Grünfeld-Schwerfen;, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um den Verein zum Ehrenmitgliede ernannt. In den Vorstand wurden Herbst-Lissa, Becker-Wollstein wieder- und Behle-Lissa neugewählt. Zu Stellvertretern Spiewkowski-Wongrowitz und Peczrowski- Nakel. Als Delegierte wurden Becker-Wollstein und Kadisch-Gollub wieder bestimmt. Pinne (Posen). Rabbiner Dr L. Lew in ist durch einstimmige Wahl an die Gemeinde Kempen in Posen berufen worden. Die hiesige Gemeinde sieht Herrn Dr. Lewin, der während 8 Jahre mit Hingabe seines Anites als ihr Führer waltete, nur ungern scheiden. Aus der Geschäftswelt. Herr Martin Levigard, der durch seine geschäftlichen Erfolge in hiesigen Hausbesitzerkreisen bekannte Verleger, wird unter dem Titel „De rWohnungsmarkt" eine neue Wochenschrift ins Leben rufen, die es sich zur Aufgabe macht, die Unzulänglichkeiten auf dem Gebiete des Vcrmietungswesens, auf dem Frankfurt a. M. anderen Großstädten bisher nachhinkte, gründlich zu beseitigen. Ter Vorstand des „Frankfurter Hausbesitzer-Verein s", wie auch die „Wohnungsgesellschaft", G. m. b. H., haben das Unternehmen voll und ganz gewürdigt, ein Beweis, daß man hier einen wirklichen zentralen Vermittler für Angebot und Nachfrage auf diesem viel umstrittenen Gebiete erwarten darf. Durch etwa 180 über die ganze Stadt gleichmäßig verteilte Ausgabestellen soll der „Wohnungsmarkt" allen- Interessenten kostenfrei zugängig gemacht werden, ein Beweis dafür, daß etwas in jeder Hinsicht Vollkommenes vorbereitet worden ist. Briefkasten. X. V- Z. Auf unsere diesbezügl. Anfrage bei der Freien Vereinigung wurde uns offiziell mitgeteilt, „daß die Mitgliederzahl der Rabbiner- Kommission eine beschränkte ist, da die Rabbiner, die dem - Allgemeinen Rabbiner-Verband angehören, in die Kommission nicht eintrete» können." Wir behaupten, daß der „Israelit" die genaue Zahl der Kommissions-Mitglieder mit gutem Grund verschweigt und. daß die bekannte Resolution gegen den Misrachi nur von dem kleineren Teile der Mitglieder der Kommission gefaßt worden ist. Wie wir hören, hat bereits im Anschluß an die Veröffentlichung in den Mitteilungen ein Mitglied seinen Austritt aus der Kommission erklärt. Ter „Israelit" spricht in Nr. 45 von „Hunderten von deutschen frommen Rabbinern". Nehmen wir an, wir wären wirklich so glücklich, Hunderte von deutschen frommen Rabbinern zu besitzen — woher nimmt der „Israelit" das Recht, den weitaus kleineren Bruchteil dieser Rabbiner, der der Freien Bereinigung angehört, als offizielle Vertretung der deutschorthodoxen Rabbiner zu bezeichnen und in jeder Nummer von einer .Kundgebung der orthodoxen Rabbiner Deutschlands" zu sprechen? Schließlich gestatten wir uns die bescheidene Anfrage, wie es möglich gewesen sein kann, daß die Erläuterungen der Resolution zur Grundlage gedient haben. Die Erläuterungen fußen auf einem Buche, das vor 3 Monaten erschienen ist, und die Resolution wurde am 25. Oktober 1904 gefaßt. S. Wir müssen uns erst erkundigen. Bingen. Das Deutsche Reichs-Adreßbuch können Sie auf unserem Bureau einsehen. Bücherscha«. - Soeben erschien, im Umfang von 64 Seiten, die „Turntagsnummer" der Jüd. Turnzeitung. In dem Hefte ist zum ersten Male der offizielle Verhandlungsbericht über'den in der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Presse eingehend erörterten 2. Jüdischen Turntag wiedergegeben. Erst hier zeigt sich so recht die Fülle und Mannigfaltigkeit des von dem Turntag bewältigten Stoffes, ein Beweis für das frische Leben, das in der jüdischen Turnbewegung pulsiert» ein Beweis aber auch dafür, daß die maßlosen Angriffe, die insbesondere die Kölnisch« Zeitung gegen die jüdischen Turner unternommen hat, auf einer völligen Mißdeutung der Tatsachen beruhen. Ter schneidig geschriebene Leitartikel „Die Jüdische Turnerschaft und ihre Gegner" beleuchtet dies in glänzender Weise und fertigt die ungerechten und bösartigen Angreifer mit ihren eigenen Argumenten geschickt und geistvoll ab. Die auch im übrigen recht interessante Nummer ist von der Geschäftsstelle der Jüdischen Turnzeitung, Charlottenburg, Herderstr. 8, gegen vorherige Einsendung von 40 Pfennigen portofrei zu beziehen. Reue Bücher. Studien zur Wirtschaftsstellung der Juden, von Dr. Felix Pinkus. Preis M. 1. Verlag Louis Lamm, Berlin C. 2. Ter süße Willy. Die Geschichte einer netten Erziehung, von Otto Ernst. Jk 1. Verlag L. Staakmann, Leipzig. Götz Krafft. III. Band: Im engen Kreis, von Edward Stilgebauer. Preis M 4. Verlag Rich. Bong, Berlin. Ter Zionismus im. Geiste des Judentums, von Elias Friedmann, Wg-Üjhely i. Ungarn. Jf. 1. Badernltthrichte«. Gersfeld, das so herrlich in der waldgetrönten Rhön gelegene Städtchen, findet von Jahr zu Jahr immer mehr die Beachtung, die es als Luftkurort verdient. Es ist namentlich Nervösen sehr zu empfehlen. A Wäsche u. Ausstattungen § © A> Sulzbacher—Mainz Q Nene Zeit 1 Frankfurt a. 91. Tel. 9142. Complette Taehricliim and einzelne Stücke za allen Preisen vorrätig. Reisekoffer, Handtaschen» Handu. Hutkoffer etc. Eigene Fabrikation. Jos. Müller. Sattler, IQ Weissadlergasse w. o o o o o o o o o o © o o o Einem verehrlichen Publikum von Frankfurt a. 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