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Neue jüdische Presse · 1905-06-23 · Heft 24 (23.6.1905) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 24 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seih 5. standen wurde, durch die ansteilenden Hände auch diesen Geschniack an, das genierte aber die Kinder nicht. „Wenig Düten mehr da," murmelte die Frau. „4kun, morgen ist Schabbos, da brauchen wir keine und Sonntag kommt Mordchen wieder." Sie ging in's anstoßende Wohnzimmer. Weiße Vorhänge am Fenster, eine kupferne Schabboslampe hing über dein runden Tisch. In einem Wandschränkchen einige uralte Bücher und die Habdalahgeräte. lieber dem tieslchnigen, mit Roßhaar überzogenen Sopha hing ein 'Spiegel. Das Prunkstück des Zimmers war eine ausgcbauchte Kirschbaumkommode mit Messingbeschlägen. Die Platte war durch eine gehäkelte Decke geschützt, darauf paradierte ein bunt bemaltes Kaffeeservice. Au den Wänden einige farbige Bilder und viele Photographien. An der östlichen Wand hing eine eingerahmte Schükerzeichnung aus farbiger Kreide und vielem Gold, zwei gekrönte Löwen ein Davidsschild haltend init der Widmung „Deni würdigen Ehepaar Selig zum Andenken von ihrer dankbaren Nichte Nanni Manes." — Frau Blümchen setzte sich auf das Sopha, nahm einen Strickstrumpf zur Hand und begleitete im Geiste ihren Mann auf seiner Reise. — Die Vorfahren von Herrn und Frau Selig stammten, soweit sie sich in der Geschichte verfolgen lassen, aus Hainthal. Mordchen und seine Frau haben als Kinder zusammen gespielt, das Cheder besucht und schließlich mit dem Segen der beiderseitigen Eltern sich geheiratet. Sie haben das Spezereigeschäft ini elterlichen Hause Morbchens gegründet und sich durch ihre strenge Redlichkeit einen gewissen Kundenkreis geschaffen. Mordchen verrichtete Botengänge, begleitete bisweilen Viehhändler über Land, war auch Schadchen. Mohel war er auch; — doch dieser Beruf brachte ihm wenig klingenden Erfolg, ja er hatte in den meisten Fällen die Reisekosten noch obendrein zu tragen, da es meist arme Leute waren, die zu Reb Mordchen gingen, wie ihre Eltern zu seinem Vater und Großvater, ebenfalls Mohelim, gegangen waren. Aber zur selben Zeit, wenn Thor die alte Mutter Jörd weckt und in seinem .Asenzorne mit seinem Hammer Miölnir die Reifriesen erschlägt, wenn die Tage länger werden, dann wächst auch Mordchen zu seiner vollen Größe heran. Ta kleidet er sich jeden Tag schön an, mit weißem Vorhemdchen und Vatermörder und besucht die Inden vom Hainthal und Laucha, einer größeren Stadt, die an der andern Seite des Lauchaflusscs, Hainthal gegenüber, liegt. Die wußte», was das allgemein beliebte Männchen wollte. „Guten Tag, Herr Selig, setzt Euch." Hier wurde ein Schnäpschen geholt und da eine Tasse Kaffee. Nun nahm Mordchen sein umfangreiches Notizbuch, das nrit einer Schnur umwickelt war. Jetzt wurde diktiert, was für Pesach an „jontestigen" Kolonialwaren zu bestellen war, woran die Frau vergaß, daran dachte der Mann, die Kinder, die sich hinzudrängten, hörten mit glänzenden Augen zu und jubelten, wenn Mordchen am Schlüsse dazusetzte: „Und eine Düte Klundchen für die Kinder." Tann wurden die Sachen in Frankfurt bestellt und zur richtigen Zeit trug er alles selbst iw großen Korb zur Kundschaft hin. Und auf Mordchen konnte man sich verlassen, es war alles, wie es sein sollte. Und so plagten sich die Leutchen — Kinder hatten sie nicht —. Bei ihrem überaus sparsamen Leben .konnten sie, trotz des so bescheidenen Verdienstes, der sich eigentlich pur aus Groschen zusammensetzte, nicht nur ohne Sorgen leben,sondern noch dürftige Verwandte unterstützen und noch etwas erübrigen. Und zu solch armen Verwandten war jetzt Mordchen über Land, um beim zehnten Kind seines Amtes als Mohel zu walten. 2. Kapitel. Es war Sonntag, als er zurückkehrend, in der Dämmerstunde in's Zimmer trat. „Gottswillkomm Mordchen," rief seine Frau, ihm entgegenschreitend — „ah, wen hast Du da mitgebracht?" „Guten Tag, Mühmele "Blümchen," sagte ein Knabe, ihr treuherzig die Hand reichend. Es war ein etwa zehnjähriger, bildschöner Junge, in ärmlicher geflickter, aber durchaus sauberer Kleidung. Die Frair murmelte erstaunt: „Simon, was willst Du denn hier?" „Junge, geh' hinaus spielen." Und nach einem Augenblicke schon unterhielt er sich lebhaft mit gleichaltriger Gesellschaft draußen. „Ja Bli'unchen," meinte Mordchen verlegen, „das ist so eine Sache. Manes hat es nun sehr schwer. Jetzt das zehnte Kind, noch keius im Verdienst, die Frau jetzt sehr leidend, wo soll das hinaus? Ich meine Blümchen, wenn wir den Simon bei uns behielteir, dann hätten sie die Last weniger. Der Junge ist brav, wir lassen ihn etwas lernen und dann sind wir auch nicht so allein. Wir werden auch Brot für ihn haben. — Aber es ist eine große Last für Dich. Wenn Du nicht willst, bringe ich das Kind nächste Woche zurück." (Fortsetzung folgt.) Bircherfcha«. Arbeite und bete, von George Moore aus dem Zyklus Frauenromane besorgt von Max Meyerfeld. Egon Fleischer & Comp, Berlin 1904. 6 ,4k Ter Herausgeber hat uns eine interessante Bekanntschaft vermittelt. George Moore, der Zolaschüler, hat sich losgelöst von der verkünstelten, von Natur so meilenweit entfernten englischen Art, die sich meistens auf die vielbändige Kultivierung der Salonleiden und -frcuden beschränkt. Er bringt wirkliches, äußeres und inneres Leben in cirem episch breiten Strom, von dem hier und da einige Wellen aufblitzen, wenn heißeres Licht auf sie fällt. Es sind die verschiedensten Volksschichten, vom Wcttfieber durch und durch verseucht, die er schildert, und durch die hindurch Esther Waters, seine Heldin, ein einfacher Tienstbote, ihren Weg nimmt, bis das Geschick sie im Tecrescendo ihres Lebens zum feierlichen Ausklang an die Stätte zurückführt, wo ihr schmerzensreiches Schicksal seinen Ausgang, nahm. Esther Waters in ihrer instinktiven, schlichten Güte, die sie immer das Richtige tun läßt, selbst wenn es gegen ihre beinahe einzige Leidenschaft, die Religio», geht, ist eine wundervolle Verkörperung eines Dichterwillens. Sie hebt dieses Buch weit hinaus über beinahe olles, was gegenwärtige englische Romanliteratur heißt, und über vieles, was ihr in Deutschland die Parallele bietet. Es war ein Unrecht und ein Mißgriff des Herausgebers, den Titel zu ändern. Esther Waters — wie das Buch in der englischen Ausgabe heißt — so sollte es auch seinen Weg durch deutsche Familien machen. Aamilieuuachrichte«. (Aufnahme in. diese Rubrik kostenlos? Geburten. Zwei Söhne, Herrn Lehrer I. Rosenthale (Stern), Frankfurt a. M., Ostendstr. 49. Eine Tochter, Herrn Tr. Max Jcselsohu (Spreu heiiner), Mannheim. Ein Sohn, Herrn Apotheker Theodor Tuck (Rosenheim), Frankfurt a. M. Ein Sohn, Herrn Leo Timon (Falck), Frankfurt a. Di., Arndtstr. 51. Eine Tochter, Herrn Ferdinand Marxsohn (Nathan), Frankfurt a. M., Fichtestr. 18. Ein Sohn, Herr» O. M. Schwarz (Scheuer). Frankfurt a. Ai., Seilerstr. 23a. verlobte. Hedwig Kahn, Wiesbaden, mit Eugen Gottschalk, Köln. Klara Straus, Mannheim, mit August Scharff, Straßburg. Betty Weil, Offenburg, mit Jacob Strauß, Metz. Gutta Wieseneck, Frankfurt a. M„ Bergweg 35, mit Karl Meyerhoff, Jever (Oldenburg). Trauungen. Therese Bergfeld, Tochter der Frau Joseph Bergfeld-Frankfurt a. M., mit Sigmund Singer, Sohn der Frau Jsaac Singcr-Fraukenthal: Sonntag, den 25. cr., mittags Ich- Uhr in der Synagoge Börneplatz. Eheschließungen. Eugen Kirschbaui» mit Paula, geb. Süßheim, Nürnberg. Hans Landau, Rechtsanwalt, Erlangen, mit Sophie, geb. Rosenthal, Limburg. Sterbefälle. Michael Salomo», Optiker, t>2 I., Fürth. Moritz Oppenheimer, Privatier, München. Minna Hombcrger, Wwe., geh. Bessunger, 73 I., Frankfurt a. Di. Aiagdalene Abraham, geb. Baum, 58 I., Frankfurt a. M. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Siegfried, Sohn des Herrn L. Weil, Zeil 1, in der Synagoge Börneplatz. Albert, Sohn des Herrn- Wilhelm Wolff, Uhlandstraße 44, in der Synagoge Schützenstraße. Wochen-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luoch.) Samstag, den 24. Juni, Wochenabschnitt Behaalaus’cho. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 9 Uhr 40 Min., Straßburg 9 Uhr 30 Min., Berlin 9 Uhr 35 Min. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch. Jsraelif. Knatien-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: B. Bloch- -lira Soolbad Harzburg Pension Parkhaus vornehmes Etablissement, 56 Salons. 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