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Neue jüdische Presse · 1905-06-16 · Heft 23 (16.6.1905) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 23 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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H S9f Nr. 23. Frcu^urter JHcselüiWeSFnnMenblatt. Ceite,1I. sehen hat. 'Sein kürzer Rock war geradezu berühmt,! und der Schnitt seiner Wiste ist durch den Bleistift 'des Kacrikaturenzeichners Sem unsterblich gemacht ^worden. Im Privatleben war er ein feiner, sehr geistreicher „Causeur" und ein Kunstliebhaber, dessen Sammlungen Millionen wert sind. Rothschild war ein Frühaufsteher. Nach einem Spaziergang im Bois begab er sich pünktlich und 'regelmäßig in das Bankhaus in der Rue Lafsitte :und arbeitete dort den ganzen Vormittag. Neben 'seinem Arbeitszimmer befand sich ein kleines Speisezinimtt, 'wo der Baron'mit seinen Brüdern Gustav und Edmond zu frühstücken Pflegte, und zwar so einfach wie möglich. Die „Frühstücksköchin" bekam nicht mehr als 60 Fr. Gehalt für den Monat. Beim Frühstück wurden die wichtigsten Angelegenheiten des Bankhauses besprochen. Nach deni Frühstück ging der Baron gewöhnlich in Aktionär- oder Aufsichtsratsversammlungen, und abends 5 Uhr erschien er im Jockeyklub, um seine Whistpartie zu machen; seine Partner waren fast immer der Marquis von Breteuil, der' Baron von Brimont, Arthur O'Connor und Baron Gustav Rothschild: Dann, etwa um '7 Uhr, ging er nach Hause, wo für einen großen Kreis, von Freunden und Mnstlern stets offene Tafel ,war. Nach, dem Essen vereinigte eine. Partie Bridge .die ganze Familie, und bald darauf ging der Baron schlafen. - , Die letzten Augenblicke des greisen Finanzkönigs 'waren nicht ohne Größe. Als er sein Ende heranmahen fühlte, ließ er seine Brüder,' seinen Sohn 'Eduard, seine. Tochter (Frau Ephrussi) und alle seine Neffen rufen und sagte zu ihnen: „Ich fühle, daß ich sterbe. Weinet nicht. Ich' habe lange genug 'gelebt und bitte Euch nur noch, einig zu bleiben und das Haus unserer Väter so zu leiten, wie es bisher geleitet worden ist." Wenige Augenblicke später war er ein stiller Mann. Das Persönliche Vermögen des Barons wurde auf 50 Millionen Fr. Revenüen geschätzt. Sein Schloß in Ferrieres (Seine-et-Marne), wo er vor dem Kriege ' Napoleon UI. empfing, und wo während des '„Schreckensjahres" die Begegnung zwischen Bismarck .Und Jülius Favre stattfand, hat einen Wert von 10 Millionen Fr., und der Wert der Kunstsammlungen ist mit 20 Millionen Fr. eher zu niedrig als zu hoch angegeben. Direkte Erben dieses Riesenvermögens sind außer den beiden Kindern drei Enkelkinder, Kinder einer verstorbenen Tochter, die mit dem Baron Albert Rothschild (Wien) vermählt war. Der alte Baron besaß einen gesunden Witz, der sich oft jn drastischer Weise äußerte. Als man ihm mitteilte, daß Baron Hirsch seinen Erben 60 Millionen Fr., hinterlassen habe, sagte er: „Schau! schau! 'ich habe den Mann für wohlhabender gehalten!" Höchst amüsant war ein Zusammentreffen zwischen dem Baron und dem ehemaligen „Commünard" Maxime Lisbonne, der dieser Tage gleichfalls das Zeitliche gesegnet hat. Eines Morgens fand sich Lisbonne, der damals auf Montmartre ein Cabaret leitete, in der Rue Laffitte ein und sagte mit sieghafter Miene zu dem Pförtner des Bankhauses: „Hier — bringen Sie dem Baron Alfons meine Karte!" Der Pförtner musterte den bjxderen Lisbonne, der etwas heruntergekommen aussah, und fragte ihn, ob er einen Audienzbrief habe. „Den brauche ich nicht; sagen Sie dem Baron nur, daß ich Maxime Lisbonne, der ehemalige Kommunesträsling, bin; er wird mich schon empfangen." Und Lisbonne lourde in der Tat sofort empfangen. „Ich habe," sagte er ohne Umschweife, „500 Fr. gewettet, daß Sie mir diesen Wechsel hier diskontieren werden;" .und Maxime präsentierte dem Baron einen Wechsel über 1000 Fr. — „Sie hätten nicht wetten sollen," erwiderte der Baron bedächtig, „denn Sie haben verloren." Lisbonne aber sagte lächelnd: „Lkh! Herr Baron, ich wette mit Ihnen um 500 Fr., daß Sie einen armen Teufel, wie ich einer bin, nicht 500 Fr. verlieren lassen werden!" — „Die Wette haben Sie gewonnen," entgegnete Rothschild lachend, öffnete eine Schublade und gab dem Kommunesträfling a. D. zwei Tausendfranksscheine. Aus der Geschäftswelt. Tie renommierte Firma Steding u. Maus, Spezialgeschäft für Haus - und Küchengeräte, G o e t h e st r a ß e 12, hat durch Umbau ihre Geschäftsräume bedeutend vergrößert. Es ist eine Besichtigung des überaus reichhaltigen Lagers einem Jeden wärmstens zu empfehlen; besonders jetzt zur Einmachezeit machen wir auf die Weck'schen Apparate, die die Firma führt, aufmerksam. Bädernachrichten. Unter Bezugnahme auf die diesbezügl. Annonce in einer unserer letzten Ausgaben wird uns von befreundeter Seite Freude darüber ausgedrückt, daß es nunmehr gelungen ist, in B a d Oeynhausen, einem dringenden Bedürfnis Rechnung tragend, ein streng rituelles Restaurant zu errichten, sodaß auch einem weiteren Kreise unserer Glaubensgenossen die -bekannten heilbringenden Quellen und Bäder jenes Badeortes zugängig sind. Laut unserer Annonce sind Anfragen bis 25 cr. an Herrn L.Tarl o w s k y nach Halberstadt und von da ab nach Oeynhausen zu richten. Briefkasten. T. O. Die Zahl der in der Landwirtschaft berufstätigen Juden betrug in Deutschland bei der Berufszählung von 1805 insgesamt 3871 (Männer'.1197 selbständig, 73 Angestellte, 893 Arbeiter; Frauen: 119 selbständig, 3 Angestellte, 786 Arbeiterinnen). — In Wien treten jährlich ca. 600 Personen aus dem Judentum aus. Ploni. Die Mitgliederzahl der Rabbiner- Kommission der Freien Bereinigung f. d. Interesse d. orth. Judent. ist eine beschränkte. Die Namen der Mitglieder der Rabbiner-Kommission konnten wir nicht ermitteln; ihre Zähl dürfte jedoch — wie uns von anderer, nicht verantwortlicher Seite angegeben wirb — 10 nicht übersteigen. — Wie unter diesen Umständen der „Israelit" in Bezug auf die Misrachi« Resolution dieser Kommission von einer „Kundgebung der orthodoxen Rabbiner Deutschlands" sprechen und auf Vorhaltungen diese Ueberschrift noch verteidigen kann, vermögen wir nicht zu verstehen. Reue Bücher. Weber's Moderne Bibliothek: Band 7, Tie Perle von Florenz, Original-Roman von Irene v. Hellmuth. 160 Seiten, 20 Pfennig; Band 8, Tie Feuerliese, Original-Roman von Irene v. Hellmuth. 1-14 Seiten, 20 Pfennig. Otto Weber's Verlag, Heilbronn. Kriminal-Prozesse aller Zeiten. Sammlung berühmter Prozesse aus Vergangenheit und Gegenwart, vollständig in 13, für sich abgeschlossenen Bänden mit je 160—192 Seiten. Preis des Bandes 50 Pfg. Otto Weber's Verlag, Heilbronn. Bilderatlas zur Bibelkunde. Ein Handbuch für den Religionslehrer und Bibelireund, ^arbeitet von Schulrat Tr. Frohnmeyer uno Tr. I. Benzinger, VIII u. 188 S. 4», enthält fünf Abteilungen mit 501 Abbildungen nebst erläuterndem Text. Stuttgart 1905, Theodor Benzinger. Kartoniert Jt 6, in starkem Leinwandband Jfe 8. Palästina. 24 Aquarelle von R. Julius Hartman», mit erläuterndem Text von Immanuel Beid». zinger. In eleganter Mappe in Künstlerleinen Jk 8," Luxus-Ausgabe in Ledermappe Jk 18. Wocherr-Aalerr-er. (Zeitangaben nach dem I-usoh.) Samstag, den 17. Juni. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 9 Uhr 40 Min., Straßburg 9 Uhr 40 Min. Israelitischer Mädchenklub Fakrcaue 140. 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