Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1905-06-02 · Heft 21 (2.6.1905) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 21 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2692409-2692430--01660-2696196
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 21, ©eitt 5. Hielten sich denn auch mäuschenstill und dann konnte man wirklich behaupten, daß nur Andächtige anwesend waren. Wie ein leises, gedämpftes Rauschen durchzog das Kodausch, Kodausch der Menge die Räume der Synagoge, ehe der Chasen mit mächtiger, das Gotteshaus durchzitternder Stimme „heilig, heilig, heilig ist. der Herr Zebaoth" sang. Die Weihe jüdischen Gesanges erhob alle Herzen zur inbrünstigen Andacht. Wenn dann die drei silberhellen Kinderstimmen „Schema Jisroöl" sangen, wenn Rebbe Boruch im Kanon, die Worte und Melodie wiederholend, bald in dumpfen Baßtönen, bald in anschwellendem Tenor die Stimmen der Kinder umschwebte, da fühlten sich die Zuhörer von heiligen Schauern durchbebt, und eine einzige gläubigfromme Stimmung beherrschte alle Beter. Behauptete ein solcher Starre-^) wie Sande! Blad, der Gänsstopfer, er habe noch jedesmal bei der Jontef-Keduscha Rebbe Boruch's heilen^) müssen, so wunderte sich Niemand darüber. Rannen doch vielen harten Männern die Tränen über die Wangen, toenn Rebbe Bornch mit seinen drei Jungen den Haudü und die.Keduscha sang! Wie kam es, daß Rebbe Bornch mit seiner herrlichen Stimme, trotzdem er nie in seinem Leben ein Konservatorium ^besucht, nie einen-richtigen Gesangunterricht genossen hatte, die Gemeinde mit zwingender Macht in den Bann stiller, tiefer Andacht zwang? Er war eben ein echter Chasen, einer von den immer seltner werdenden jüdischen Sängern, die nicht nur genau wußten, was sie vortrugen, sondern von dem Inhalt ihrer Gebete überzeugt und durchdrungen waren. Sie kamiten jedes Wort, wußten die Bedeutung eines jeden Buchstabens ihrer Lieder. Die tiefinnige Hingebung an ihren Berns, der sie mit Begeisterung erfüllte uüd des Lebens Leid und Entsagungen vergessen ließ, der Glaube an ihre Aufgabe, Vermittler und Sendboten zwischen Gott und ihrer Gemeinde zu sein, erfüllte ihre Sangesweisen mit jenem süßen Zauber, dem sich ein jüdisches Gemüt niemals ganz entziehen konnte, und der in Jedem, auf den er einwirkte, machtvoll für's ganze Leben fortwirkte. Wenn Jemand noch so schön zu singen verstand, war er deshalb noch lange,kein Chasen,, wie er vor noch vierzig Jahren existierte und gegenwärtig nur noch in den östlichen Ländern Europas angetroffen wird. Das Urteil über einen guten Sänger, dem aber die bestimmten Melodien, die „Negunim", nicht geläufig waren, lautete etwa folgendermaßen: „Singen kann er, aber ein Chasen ist er nicht". Rebbe Bornch, der ein witziger Mann war, pflegte von Leuten, die sich einbildeten, schön und gut zu singen, aber von „Chasonus", dem berufsmäßige» Synagogen - Gesang, wenig verstanden, zu sagen: „Er singt zwar nicht schön, dagegen versteht er von Chasonus nicht das Geringste". 3) Roher, gefühlloser Mensch. *)' Heulen, weinen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Ten Unterschied zwischen dem modernen Kantor und einem Meister, wie Rebbe Bornch es war, konnten nur diejenigen bemessen, die die alten Chasonim aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts noch gekannt haben. Ter Ton macht wohl, wie man zu sagen Pflegt, die Musik, die Stimme aber noch nicht den Chasen. Dazu gehörte etwas, was die wenigsten heutigen Synagogensänger besitzen: Begeisterung für die gemütstiefen jüdische» Sangesweiscn, die heute fast ganz vergessen oder solcherart verschnörkelt und „modernisiert" sind, daß sie gar nicht mehr jüdisch klingen, daher auch nicht mehr die Gemüter zu erhebe», noch weniger sie Hinzureißen vermögcn.Dicse! Begeisterung machte den Chasen. Er wußte, was er betete, er glaubte unerschütterlich fest daran, und eben deswegen rührte er die Herzen. Er fühlte seinen alten Gott in sich, er fühlte ihn über sich, um sich, wenn er in heiliger Andacht an sein Bctpult trat. Er vergaß über seinen Gott, zu dem er betete, den er pires und gnslehte, die Menschen um sich her, für deren Abgesandten und Fürsprecher er sich hielt. Wie von der Gottheit, in deren Nähe er sich wähnte, berührt, verzückt, fang er aus den Tiefen seines Gemütes heraus und hob dadurch die Andächtigen zu sich empor. Der moderne Kantor, der mit der Hülste seines Herzens und seiner Gedanken mehr ans der Bühne weilt, denkt an sein Publikum um sich her und vergißt über dieses Publikunis seinen Gott. Und trotz seiner geschulten Stimme, welche Chor und Orgel noch wirkungsvoller gestatten helfen, vermag er das Wunder nicht zu bewirken, das sich bei seinen Vorgängern an jedem Freitagabend, an jedem Sabbat- und Festtag wiederholte, nämlich Andacht und Erhebung zu erwecken. Ter echte Chasen —. deren es in unseren Tagen nur noch sehr wenige gibt — war ein „Abgesandter", der heutige ist ein „jüdischer Kultusbeamter". Diese an sich scheinbar unwesentliche Distinktion oder Unterscheidung wird Jeder, der noch alte Chasonim gekannt und gehört hat, eher in ihrem großen Mstand abzuschätzcn wissen, als unser heutiges Geschlecht, welches von den altjüdischen Sangesweisen, den „Nigunim", nie etwas vernommen hat. Wer weiß, ob diese alten Weisen, wenn sie heute wieder zu Ehren kämen, nicht viel mächtiger die Juden zu ihren Gebetsstätten ziehen würben, als unser moderner Synagogengesang, von dem man nur sagen kann, daß er sich schwer richtig bezeichnen und gar nicht klassifizieren läßt, weil ihm Eigenart, Tiefe und ausgeprägter Charakter ganz und gar abgehen. Tie auf Klangwirkung und vorwiegend auch auf Orgel-Mitwirkung berechneten, oft schwierigen und daher für den Gemeindegesang nicht geeigneten Chorwerke haben die Individualität des Chasens völlig unterdrückt und ihn zur Nebenperson im Gottesdienst herabgedrückt. Unser moderner Synagogengesang pendelt zwischen Kirchen- und Opernmusik, hat kein eigenes Gepräge mehr und hat daher auch seine Wirkung auf die Gemüter meistenteils eingcbüßt. Beim Anhören derselbe», zumal wenn bezahlte und geübte Sänger, wie in Amerika, den Chor bilden, fühlt man ich viel mehr zur Kritik gestimmt, als zur Andacht. Solchermaßen war es nun zu der Zeit, in der unsere Erzählung einsetzt, nicht, und Rebbe Boruch war der souveräne Meister jüdischer Gesangesweisen beiin Gottesdienst. Wenn er auch die damals vorherrschende profane Musikrichtnng kannte und ansmerksam verfolgte, hielt ihn dennoch seine Vorliebe bei den jüdischen Weisen fest. Als echter Chase» suchte er sein ohnehin reiches Repertoir noch immer mehr zu. erweitern, und er feierte wahre Triumphe, wenn er^ seine Gemeinde mit einem neuen „Nigun" überraschen konnte. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch. Israelit. Knaben-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: B Bloch- Klein Elschen ist ein HaienlM und ihr Geburtstag fällt in die Blütenzeit. Aber trotzdem wünschte sie sich nur zu Weihnachten stets ein paar Schachteln Fays Sodener Mineral- Pastillen und die Eltern erfüllen den vernünftigen Wunsch gern. Denn Elschen ist ein zartes Kind und gegen denWechsel der Witterung sehr empfindlich. Da tun denn die echten Fays Sodener brillante Dienste und die Eltern schreiben's den kleinen Dingern zu, daß ihr Liebling immer wohlauf ist. Alle Apotheken, Drogenu. Mineralwasserhandlungen haben Niederlagen zu 85 Pfg. per Schachtel. Familieirrrachrichteir. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Sefoextett. Ein Sohn, Herrn G. Jeidel, Frankfurt a. M., Rothschildallee 55. Eine Tochter, Herrn Adolf Mayer, Mannheim E. 7. 22. Eine Tochter, Herrn Herrn. Löwendahl, Cöln a.Rh. Verlobte. Else Bauer, Mannheim E. 2. 15, mit Leopold Wmtensleben, Oberramstadt. Sterbefälle. Therese Baer, 45 Jahre alt, Frankfurt a. M., Königswarterstraße 6. Jakob Sichel, 54 Jahre alt, Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31. Lina Kleeblatt, 62 Jahre alt, Frankfurt a. M., Günthersburgallee 16 a. Louis Wertheim, Frankfurt a. M. Gustav Kander, 55 Jahre alt. Heidelberg. Samuel Bachrach Ww., Neustadt, M.-W.-B. Albert Frankfurter. Stuttgart. Soeben eingetroffen eine grosse Partie Sommer-Blousen im Preise von AK. 1.50 an. Fenier empfehle Sommerhandschulie, -Strümpfe u. s. w. in reichhaltiger Auswahl za billigsten Preisen. Joseph Wolf vorm. Betty Kra Wwe. Hanauer Landstrasse 32. Wäsche u. Ausstattungen 2 A. Sulzbacher—Mainz 0 Nene Zell 1 Frankfurt u. 91. Tel. 9142. 0 0 Totalausoerkauf wegen Umzug mit Rabatt bis 30 pCt. 0 Das Specialbaus für feine Kaararbeiteu empfiehlt Scheitel, Frisets, Toupets, Zopfe, Lochen, Tuffen etc. in bekannt solider, gediegener Ausfahrung. ----- Schäfergasse 2. Pb. Keller-, Heims Nachfolger. Schillerstr. 9. X. gutzbach, Spenglerei u. Installationsgeschäft Tel 4117. ■ Ublandstrasse 46. . Gegr. 1888. Spezialität: Freistehende Closetanlagen, Waschu. Badeeinrichtungen ln jeder Ausführung. Setzöfen verschiedener Systeme für Israeliten. In meinem VersiCheningsgesChäft ist die Stelle eines Aussenbeamten neu za besetzen. Die Anstellung geschieht für erste Gesellschaft gegen Gehalt und Provision. Für in besseren Kreisen verkehrende Herren, welche geneigt sind, sich der Acquisition von Lebens-, Unfall-, Haftpflicht-, Einbruchs-Diebstahl-, Feuer-, Wasseru. s. w. Versicherung energisch zu-widmen, eventuell Lebensstellung. General-Ag entur: M. S. Oppenheimer, Telefon 10170. Hanauer Landstrasse 22 I. TLT QvvVIATI Schuhwaren, Allerheiligenstrasse 61. (In der Nähe des Schwimmbades.) Reichhaltiges Lager von nur erstklassigen Fabrikaten. Hochmoderne Facons. — Massarbeit in feinster Ausführung. Für Haltbarkeit gewähre ich volle Garantie. Auswahlsendungen werden auf Wunsch ins Haus gebracht BHligste Preise. Fachmännische streng reelle Bedienung. SV Samstag geschlossen. “W9 Zeugnisabschriften, schriftliche Arbeiten aller Art. Schreibmaschinen. Alle ZubehSre. -r Reparaturen. — Unterricht im Maschinen-Schreiben. Engen Hoff mann. Frankfurt a. M., Petersthor 2, Telefon 3214. Spenglecei J. Stein Installationsgeschaft Telephon 931. Mainstrasse 28. Gegründet 1879. Spezialität in modernen Closetanlagea, Wasch- und Badeeinrichtungen, sämtl. Systeme in solider Ausführung. — .... Setzöfen für Hotels und Private in bekannter Güte. Samstags geschlossen. NB. Für dringende Gas- und Wasserleitungsarbeiten Sonntags geöffnet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.