Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 19 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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cSciie 10. Besucher tit der Turnhalle durch Deklamationen, Gesänge und Freiübungen; Nachmittags fand die Hauptfeier unter Vorsitz des Präsidenten, Herrn Leo Loeb, statt. Simon Wolf, von Washington, Rev. Dr. Jos. Krauskopf, Rev. Tr. H. Bcrkow 1 tz und Richter Mayer Sulzberger hielten Ansprachen, und der jüdische Hospitalverein ließ durch seinen Präsidenten, Herrn W m. H a ckcn bm r g, als Geburtstagsangebinde ein Gruppenbild des ersten Direktoriums überreichen. Aus -er Lehrerwelt. Mannheim. Herr Stadtrabbiner Dr. Steckelin ach er feierte am 10. Mai sein 25jähriges Amtsjubiläum als Beamter der hiesigen jüdischen Gemeinde. Würzburg. (25jähriges Rabbinatsjubiläum). Am Sonntag, den 14. Mfli er. (9. Jjar 5665) beging Herr Distriktsrabbiner N. .Bamberg e r das Jubelfest seiner 25jährigenAmtstätigteit, das sich zu einer imposanten Kundgebung für den Jubilar gestaltete. Schon am frühen Morgen fanden sich zahlreiche Festgäste aus Nah und Fern «in. War es doch eine Doppelfeier, die man beging, jede für sich bedeutungsvoll genug, um eine Würdigung zu verdienen; denn Herr Rabbiner B. ist zugleich 25 Jahre Vorstand und Leiter der israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg. So war es denn selbstverständlich, daß zahlreiche Lehrer, ehemalige Schüler der Anstalt, herbeiströmten zu diesem Tage, um In Gemeinschaft mit' den Rabbinats-Gemeinden die.Feier zu begehen. Um 11 Uhr vormittags war der eigentliche Festakt in der zur Aula umgewandelten Turnhalle des Seminars. In den vorhergehenden Stunden brachten zahlreiche Deputationen ihre Glückwünsche dar in der Wohnung des Jubilars, die durch viele Blumenspenden einem duftenden Garten glich. Zuerst erschien «ine Abordnung früherer Schüler. Deren Sprecher, Herr Lehrer Mannheimer- Dettelbach übergab einen amerikanischen Schreibpult nehst Garnitur und versicherte die stets dankbare Ergebenheit der ehemaligen Schüler des Seminars. Hierauf überreichten die jetzi g en Semin aristen als Festangebinde ihr in corpore aufgenommenes Bild in kostbarer Umrahmung. Bald darauf erschien eine Delegation der jüd. Gemeinde Würzburg, deren Führer, Herr Kultusvorstand Meier Oppenheimer eine sllberne Jardiniere mit entsprechender Gravierung überbrachte und bei seiner Ansprache bemerkte, daß seitens der Verwaltung zur Ehre des Tages eine Gehaltserhöhung für den Jubilar beschlossen worden. Es folgten nun die Vorstände der Kultusgemeinden des Rabbinats, die wertvolle Ehrengaben überreichten. Für alle fand der Jubllar schöne Worte des Herzensdankes. In der Wohnung lagen zahlreiche Ehrengaben von Freunden, Wressen diverser Korporationen, Briefe und Telegramme in Unzahl, kunstvoll ausgestattete Tabellen, besonders aus Jerusalem, und fortwährend liefen neue Beweise der Verehrung für den Jubllar ein. Wir nennen hier ein in warmen Worten gehauenes Gratulationsschreiben des Kgl. Regierungspräsidenten, Exzellenz Frhr. von Kobell,eine Widmung des Stadtmagistrats, eine Adresse des Seminarkuratoriums, das eine Nathan Bamberger-Stistung errichtete, ein Telegramm der „Freien .Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, des bayerischen Landesvercins usw. usf. Punkt 11 Uhr begann der Festakt in der Aula, die von Festtellnehmern dicht gefüllt war. Wir bemerkten die Spitzen der Behörden, Frhr. v. Gumppenburg als Vertreter der Kgl. Regierung, den Bürgermeister von Würzburg Rechtsrat von Michel, den Direktor des kgl. Lehrerseminars Königbauer, Stadtschulrat Ullrich, Kreisschulrat Erbshäuser, Präfekt Dr. Bccher, Prof. Dr. Full, die Herren Rabbiner Adler- Kitzingen, Dr. Stein-Schweinfurt, Dr. Cohn-Burgpreppach, Dr. Weinberg-Sulzburg, Dr. Bamberger- Kissingen, Bamberger-Wandsbeck. Beim Eintritt begrüßte der Chor der Seminaristen d.en Jubllar mit Boruch habo. Alsdann hielt Herr Seminarlehrer Weißbart die eigentliche Festrede. Er berührte die Zeit der Reform und die Wirksamkell des großen Vaters des Jubilars in jener Periode, besonders durch Gründung des Seminars. Kr schilderte kurz den Entwicklungsgang der Schule, des lieben Pflegekindes des Jubilars. Seit 25 Jahren leüet er ganz selbstlos diese Anstatt, die materiell und ideell emporblüht. Dabei unterzieht sich der Gefeierte gewissenhaft seinen Rabbinatspflichten. Pflegt alle Zweige jüdischer Wohltätigkeit, ist unausgesetzt dem Limud-Thora ergeben und tritt in Wort und Schrift für unsere heiligsten Interessen ein. IM Mittelpuntte aller Tugenden stehe aber sein Gottvertrauen. Die gehaltvolle Rede schloß mit den besten Glück- und Segenswünschen für den Jubilar. Hierauf abermals ein Choral der Seminaristen. Ein Seminarist des Oberluhes spricht für die gegenwärtigen Zöglinge. Frhr. v. Gumppenberg Lbermittell die Wünsche der Regierung, Seminardirektor Königbauer betont die guten Beziehungen zwischen dem Kgl. und dem Israel. Seminar, Herr Dr. Fränkel-Augsburg spricht im Aufttage früherer Schüler des Jubilars, Herr Hauptlehrer Frankfurter JsraMischeS Familienblatt. Esch Wege als Leiter und Vertreter der Präparandenschule Höchberg, Herr Tr. Cohn, Rabbiner zu Burgpreppach, als Vorstand der dortigen Präparandenanstalt. Herr Rabbiner A d l c r - Kitzingen übermittelt die Grüße des Kuratoriums. Endlich nimmt der Jubilar selbst das Wort, dankt für alle die Ehrungen und gelobt weiterhin rüstiges Vorwärtstreben im Vertrauen und zur Ehre Gottes. Mit einem Hoch auf den Landesfürste» und der Nationalhymne schloß die erhebende Feier. Um 2 Uhr fand ein größeres Diner im Hotel Goldschmidt statt, an dem auch die Seminaristen teilnahmen. Noch gar mancher Toast ward ausgcbracht, noch gar manches d'war thauro würzte das Mahl. Man muß dem Vorsitzenden des Komitees das Lob spenden,.daß alles klappte und die Feier zur höchsten Befriedigung aller verlief. Alan schied mit dem Bewußtsein, herrlich schöne Stunden verlebt zu haben. — Möge der Himmel alle guten Wünsche für den Jubilar in reichstem Mjaße in Erfüllung gehen lassen! Berlin. Jüdische Oberlehrer in Preußen. Im Laufe des letzten Tezeniums sind an den staatlichen höheren Schulen Preußens 7 jüdische Oberlehrer (1 in Ostpreußen, 2 in Westpreußen, 2 in Posen und 2 in Berlin) und in städtischen höheren Schulen 23 jüdische Oberlehrer (19 in Berlin, 2 in Frankfurt, 1 in Breslau und 1 Danzig) angestellt worden. Fürth i. B. Professor Dr. S. H e r z st e i n beging am 3. ps. Mts. sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer an der israelitischen Realschule. Prag. Gegenwättig sind mehr als 20 Kultusgemeinden in Böhmen ohne Religionslehrer und demgemäß auch ohne Religionsunterricht. Es kommt dieser Lehrermangel daher, daß seit wenigstens 15I a h r en an keiner k. k. Lehrerbildungsanstalt Oesterreichs ein jüdischer Lehramtskandidat eingeschrieben worden ist. Unter diesen Umständen ist der Beschluß der Prager Kultusgemeinde an die altehrwürdige Talmud-Thora-Schule eine Präparandie für jüdische Lehramtskandidat e n anzugliedern, auf das freudigste zu begrüßen. Nagybersterek tUngarn). Herr Oberrabbiner Dr. Moriz Klein begeht am 21. ds. Mts. das Jubiläum seiner 25jährigen Amtstätigkeit. Aus diesem Anlaß wird fein Sohn, der Osner Oberrabbiner D r. Arnold Ki h in der hiesigen Synagoge die Festpredigt halten. Budapest (Ungarn). Heute machten die Zöglinge des Landes-Rabbinerseminars unter Führung des Rabbinatslandidaten Dr. Joseph B o r s o d i ihre Aufwartung beim Universitätsprofessor und Professor des Seminars Dr. Ignaz Goldziher, um ihn anläßlich feiner Wahl zum Präsidenten der 1. Klasse der Akademie zu beglückwünschen. Csurgv (Ungarn) Am 2. d. wurde der neugewählte Csurgoer Rabbiner Dr. Ludwig Kohn unter großen Feierlichkeiten in sein Amt eingeführt. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Wie wir vernehmen, sind die Vorstellungen, welche Herr- Rabbiner R e ines-Lida durch. Vermittlung der Londoner Gesinnungsgenossen hinsichtlich des orthodoxen R eligionsunterricht in den jüdischenSchul e n Palästina's bei der Verwaltung der Jca vorbrachtc, von derselben als berechtigt anerkannt worden. Tie erste Folge ist die Wiedereröffnung der fest einem Jahre geschlossenen Talmud-Thora- Schule in der Kolonie Ekron. Es ist das ein Beweis, daß die .Jca gewillt ist, den berechtigten Wünschen und Bedürfnissen des gesetzestreuen Judentums in der Zukunft Rechnung zu tragen. Wir hoffen, daß die Jca den neu eingeschlagenen Weg Wetter verfolgt. Aus Kunst und Wissenschaft. Lellovtrtuose D. Popper in Audienz beim österr. Kaiser. Der berühmte Cellovirtuose D. Popper, der als Professor an der königlichen Musikakademie in Budapest wirkt und kürzlich sein Künstlersirbiläum feierte, wurde heute MUtags vom Kaiser in Audienz empfangen, um dem Monarchen für die Auszeichnung mit dem Ofsizierskreuz des Franz Josef-Ordens zu danken. Der Kaiser empfing Popper sehr freundlich und sagte, es habe ihm innig Freude bereitet, einen so hervorragenden Künstler auszcichnen zu können. Eine wertvolle Schenkung für die Frankfurter Stadtbibliothek. Die Frankfurter Stadtbibliothek hat von Frau Baronin Edmond von Roths ch i l d in Paris, die der Bibliothek ihrer Vaterstadt schon wiederholt ihr Wohlwollen bewiese» hat, eine sehr wertvolle Schenkung erhalten. Es ist dies eine reiche illustrierte, im Fahre 1296 im Süden Deutschlands entstandene Pentateuch-Handschrift, ein starker Foliant aus feinem Pergament und zierlich geschrieben. Er umsaßt den Pentateuch) seine aramäische Uebersetzung und den Raschi-Kvmmentar. Daran schließen sich die Haftarot(Propheten-Abschnitte); den Nr. 19. Text begleitet die Massora (kritische Lesarten des Pentateuch), die kunstvoll in Figuren geschrieben den unteren Rand' der .Handschrift eiunimmt. Der Anfang jedes Abschnittes des Pentateuch und der tzaftarot ist mit Bildern reich verziert. Tie Initialen und Ornamente sind von seltenem Farbenreichtum, zuweilen mit starkem Gold überzogen. Jedes der fünf Bücher des Pentateuch beginnt mit einem Vollbild. Die Abbildungen, .meist Ticrgestaltcn und Fabelwesen, zuweilen Jagdszencn und Turniere, verraten die lustige und übermütige Art des Jllustriercns, die dem 13. Jahrhundert eigen ist. Selten sind Darstellungen, die mit dem Inhalt in Verbindung stehen. Sehr wertvoll sind die Illustrationen für die Kostüm künde; die große Anzahl von Familienwappen wird dem Heraldiker sehr belehrend sein. Die.Handschrift wird der Ausstellung der Stadtbibliothek einverleibt und kann dort besichtigt werden. Bücherschaü. Bresnitz von Sybacoff: Intimes aus dem Reiche Nikolaus II. . Band 1—3 ä Jk 2. Leipzig, SB. Elischer Nachfolger. Skizzen von hohem, kulturgeschichtlichem Wert. Ter Verfasser deckt in fesselnder Weise mit kaltem Blut und unerbittlicher Grausamkeit den Verwesungsprozeß auf, in dem das ganze russische Reich begriffen ist. Sittliche Verwahrlosung und Verwilderung hat alle Schichten erfaßt. Nach der geschlechtlichen Seite hin die Großfürsten und obersten Zehntausend, sodaß der Zlutor entsetzt ausruft, warum nicht auch dieses moderne Sodom und Gomorrha zugrunde gehc.- Jn der Rechtsbeugung die Beamten vom höchsten bis zum niedersten, bei denen der Rubel einzig und allein beherrschende und bestimmende Macht ist. I» völliger Gesühlserstarrung sogar die Bettler, die Kinder sangen, schänden und blenden, um sie fürs Jahrniarktshandwcrk tauglich zu machen. Eine besonders saftige und ausgiebige Charakteristik wird dem sogenannten „Alleinherrscher aller Reußen" zu teil, der seiner nur aus den eigenen Ehrgeiz und Vorteil bedachten Umgebung willenlos untertan ist. — Tie Judenfrage ist leider nur kurz behandelt und bei Weitem nicht so ttef erfaßt, wie von Professor Leo Errera in seinem über alle Maßen erschütternden und mannhaften Buche „Les Juifs russes" (Brüssel, Librairie Falk fils), diesem stolz-empörten Zorn- und Weckruf an die moderne Menschheit, der natürlich, weil er sich auf Juden bezog, wirkungslos verhallt ist. Wir wollen hoffen, daß ini nächsten Bande des vorliegenden, eine so reiche Fülle von Interessantem enthaltenden Werkes auch Geheimmaterial über die Judensrage beigebracht ivird. Maxim Gorki: Auswahl aus seinen Schriften. Herausgegeben von August Scholz. 1 Bd. ä Jk 2.50. Stuttgart» Grenier & Pfeiffer. Eine seine, vornehm ausgestattete und geschmackvolle Auslese. Es sind russische Typen drin, handfest angepackt und handfest hingestcllt. Nur einmal ein lodernder Kraftaufschwung (im „Chan und sein Sohn"). Sonst wegeniüde, zerbrochene, zerfallene Existenzen aus den Kreisen verkommener Menschheit und Menschlichkeit, hier und da mit einem Stich ins Dämonische (Tschelkasch) oder ins ergreifend Rührende (Tie Unzertrennlichen), wohl auch ins Sarkastische (Vom Schriftsteller, der zu hoch hinaus wollte), alle aber angeglänzt von dem Sonnenauge eines Dichters, der Euch in der Pfütze einen Strahl des Lichtes erblickt. Tie Gestalten sind aus dem Milieu emporgewachsen, das der Dichter in seinem abenteuerlichen Leben aus eigener Anschauung kennen gelernt hat, dabei sind sie — ein hoher Ruhm für einen Autor — innerlich erlebt. Es ist ein Buch von herber, schlvcrer Traurigkeit im Tatsächlichen, von Güte und Liebe in dem Bestreben, ein jegliches Wesen in allen seinen Beziehungen zu begreifen und ihm so gerecht zu werden. Briefkasten. L. in W. Stinnnt! — Herr Max Herschel, dem bei den Blumenspielen in Köln unter ca. 250 Rheiuliedern für das von ihin verfaßte Gedicht der einzige Preis zugesprochen wurde, ist Jude. Zionist. Die Telegiertenwahlen zum demnächstigen Kongreß in Basel müssen am 29. Juni abgeschlossen jciu. Jeder Schekelzahler hat das aktive Wahlrecht zum Kongresse bei erreichtem 18. und das passive bei erreichtem 24. Lebensjahre. E. R. in F. Ein Mann, der für die Abschaffung der hebräischen Gebete und für die Einführung des Sonntagsgottesdienstes plaidiert, ein Mann, der, trotzdem er Rabbiner ist, die Kühnheit hatte zu schreiben, „das Volk Israel Ivird, wenn es seine Mission er-, füllt hat, aufgeheu inmitten der Völker", einen solchen Mann muß man dann am schärfsten kritisieren, wenn er das Judentum anscheinend glorifiziert. Und grade deshalb, weil unser Publikum in jüdischen Dingen unwissend ist und sich von den überzeugend gesprochenen Worten eines geistvollen und routinierten Redners oder Schriftstellers gar zu leicht gelangen nehmen läßt, muß man die Schwäche in dem System eines derartigen Herrn erbarmungslos aufdecken, um zu zeigen, wohin ein solches Judentum führt.