Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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beite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 14. technisch»» Herrschest über alle Zweite der graphischen Kunst. Merkt man auch fremde Einflüsse, so sind es immerhin gute Einflüsse, aus denen der Künstler bas Beste zu machen bestrebt ist. Japan, Beardsley oder Biedermeier, es kommt doch immer ein echter Orlik heraus. Und das ist gut. Wenn ein anderer fremde Einflüsse aufnimmt, so geschieht es gewöhnlich im Wege einer äußerlichen Nachahmung, indeni einer von da und dort.„Anregungen" holt, seine Pose daraus macht und sich mit einer „Individualität" schmückt, die gar nicht die seine ist. Ganz anders ist es mit Orlik bestellt. Er geht nicht darauf aus und hat es wohl auch nicht nötig, sich die Individualität auszuborgen, er nimmt nicht bas, was bei seinen Vorbildern das „Persönliche" ist, sondern wie ein tüchtiger, braver Arbeiter sucht er bei ihnen das Handwerk zu erlernen, das Technische, als etwas, das Genieingut ist. Er hat sich's sicherlich nicht leicht gemacht. Was er besitzt, hat er ehrlich erworben, und das Erworbene hat er redlich vermehrt. Er hat ein paar Miniaturen ausgestellt, die diese überlebte Gattung um eine Originalität reicher machen. Für seine Holzschnittkunst hat er in Japan Erfahrungen gcsanimelt, und er hat den Anstoß zur intensiven Pslege und künstlerischen Behandlung des Holzschnittes in Wien gegeben, für die der Sezessionskatalog der Mngerschen Beethoven-Ausstellung eine programmatische Bedeutung enthielt. Er hat mit gleicher Sorgfalt die Lithographie und die Radierung gepflegt und namentlich den llx-iidris- Freunden angenehme Ueberraschungen gebracht, zahlreiche Bücher mit künstlerischem Schmuck versehen und als künstlerischer Chronist eine Reihe von Charakterköpfen mit scharfer und dabei ungesuchter Betonung des Charakteristischen festgehalten. Neben den graphische» Künsten wurden die malerischen nicht vernachlässigt, doch steht es mit den letzteren noch so, daß man darin stark den Meister des Holzschnittes spürt. Sei» gegenwärtiger Standpunkt in der Malerei ist fühlbar von dem Wesen des farbigen Holzschnittes hinsichtlich der scharfumschnittcnen flächigen Behandlung bestimmt, ebenso wie von japanischen Einflüssen, was die dekorative Forineuanschanung betrifft. Wenn auch das technische Moment bei Orlik in den Vordergrund gestellt ist, so würde man irren, in diesem Künstler etwa nur den geschickten Experimentator oder den kalten Virtuosen sehen zu wollen, der mit der erstaunlichen Herrschaft über das Handwerkliche den Mangel an Individualität deckt. Fürs erste sind mehrere Bilder aus der Heimatstadt Prag da, in denen der Herzschlag des Persönlichen zu spüren ist, und die ich als seine erfreulichsten und eigensten Schöpfungen betrachte, die vielleicht auch die Richtung seiner künftigen Entwicklung andcuten; und fürs andere ist der Künstler ein junger Mensch von vierunddreißig Jahren, der gar nichts Besseres tun konnte, als sich in den Besitz eines sicheren Könnens zu sehen, das die unerläßliche Grundlage einer gedeihliche» Entwicklung ist. Er hat seine Zeit wohl und weise genützt und die Ausstellung zeigt ihn als einen emsigen Lerner und Sucher, der nicht vergebens gesucht hat. Orlik hat das Zeug für einen vortrefflichen Lehrer. WaS in der Kunst erlernbar ist, das Handwerkliche, kann er seinen Schülern reichlich geben. Und wahrscheinlich noch etwas mehr. Der beste Lehrer ist, der selber noch Lerner ist. Die eigene Entwicklung an der gemeinsamen künstlerischen Wildlings« rbeit ist das fruchtbarste und lebendigste Vorbild für die Schüler. Es ist sehr viel, wenn man über einen Künstler, der so Mannigfaches und ausnahmslos Tüchtiges geschaffen hat wie Orlik, sagen kann, daß er seine Zukunft noch vor sich habe. Er braucht nichts, als älter zu werde». Vakanzen. Schornsheim bei Mainz. Religionslehrer, Borbeter und Schächter per sofort. Jk 950 Einkommen und freie Wohnung. Die grössteAnswahl inTerracolten, Bronzen, elektr. Lampen u.vieleJieuheiten kunstgewerbl. Erzeugnisse bietet die Firma Hook & Schöndube, Hier, Steinweg 7. Bücherschau. Ein heller Spiegel (affklarje Hamit o) enthält die Geschichte der jüdischen Weisen und berühmten Männer seit der» Ansange der Erbauung des zweiten Tempels bis zum Abschluß des Talmuds in zwei Teilen, (noch rin Teil über die Ameroim wird folgen), von CH. Sch. Hinkin. Dieses Werk in hebräischer Sprache ist kein kulturhistorisches. Der Verfasser hat sich lediglich zur Ausgabe gemacht, die Chachmc Hatalmud nach ihrer historischen Folge zu ordnen, Erzählungen über die Lebensweise, gute Sitten und Weisheit eines jeden Weisen, sowie seine mamore halache und hagade, die im ganzen Talmud zerstreut sind, zu sammeln und an einer Stelle zu ordnen, ohne irgend welche eigene Erklärung und Betrachtung einzufüge». Diese Ausgabe hat der V:rfasser erfüllt. Das Buch erleichtert die Uebersicht und ist für Fachleute als Auskunftsinitlcl und für Laien als lehrreiche, angenehme Lektüre von Nutzen. Zum Schlüsse gliedert sich noch eine Erklärung der talmudischen Wörter an. Die «prache ist eine kurze und klare und ist das Buch zu empfehlen. Dr. A. Sch. Familieuuachrichten. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn, Herrn G. Nathan, Frankfurt a. M., Blcichstr. 9. Ein Sohn, Herrn A. Aarpeles, Aranksiirt a. M., Uhlandstr. 23. Ein Sohn, Herrn Isidor- Timon, Bingen. Eine Tochter, Herrn Leo Marx, Höchst a. M. Eine Tochter, .Herrn Albert Wolfs, Hamburg, Rotherbaum 67. Verlobte. Thekla Bamberger, geb. Bock, Frankfurt, mit Mendel Wertheim, Fulda. Sterbefälle. Gottiieb Mayer, 86 Jahre alt, Frankfurt a. Ai., Windeckstr. 1. Jakob Hirsch Levi, 78 Jahre alt, Frankfurt a. M., Thüriugerstr. 55. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gesl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) s Siegfried, Sohn des Herrn Simon Wolf, Große Friedbergerstt. 31, in der Synagoge Börneplatz. - Gustav, Sohn des Herrn Meier Mosbacher, Hölderlinstraße 7, in der Synagoge Schützenstraße. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch. Jsraelit. Knatien-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: B Bloch. I Zahn - Atelier Fritz Härtling Steinweg 8, 2. Stock. Künstliche Zähne, Plomben u. s. w. Wochev-Kalevder. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 8. April: Sabbath-Ausgana in Frankfurt a. M.: 8 Uhr — Min., in Berlin: 7 Uhr 33 Min., in Sttaßburg 7 Uhr 50 Min. 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