Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1905)
- Date
- 1905-03-10
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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. l'tr. 10, Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 11. Juden Würzdurgs folgen lassen will, ivird uns der Schicksälsiveg der Judengemeinde Würzbnrgs vor die Seele geführt. Es liegt wenig Geradlinigkeit in dieser Bahn: ihr Charakter-ist vielmehr ein durchaus wellenförmiger. Perioden relativen Wohlergehens wechseln mit blutigen Unterdrückungen, Volkswut- Schntz seitens der geistlichen oder weltlichen Behörden gegen entsprechendes Honorar, schwarzer Tod- Austreibung usw. Puch keine Zielstrebigkeit wird der nach histor. Gesetzen Suchende aus der Betrachtung der Geschicke dieser Juden entnehmen: lvaren sic doch durch die Jahrhunderte nichts als „Objekte" für die Gesetzgeber, für die Jiuauzpolitiker, für den beutelustigen Pöbel wie für begeisterte .Kreuzfahrer, -welche — um mit A. Berliner zu sprechen — auszogen, um ein Grab zu befreien, vorher aber tausenden unschuldigen Menschen das frühe Grab bereiteten. — Nicht einmal etwas Typisches haftet ihr an. Sie scheu sich gar so schrecklich ähnlich, die Geschichten der Jndcngcincindcu aller Länder! Aber grade in dieser fürchterlichen Monotonie liegt das Grandiose unserer Geschichte, die keine von Generalen und Diplomaten gemachte ist, die erlebt und erlitten ward, von einem ganzen Bolle, das nicht um Glorie und Prestige stritt und doch zu sterben wußte und doch eher seine Rechte verdorren lies;, ehe cs vergas; und vcrlengnete. Nur ein spezielles Beispiel ist die Demonstration Bambergers, dessen Betrachtung sich über die Zeit von 1096 bis zum Jahre 1861, das den Juden das Ansicdlungsrccht brachte, erstreckt. Der Verfasser ist bis zu den Quellen hinabgeftiegcn und hat seine Aufgabe mit viel warmherziger Begeisterung ersaßt und mit wissenschastlichcr Akribie dnrchgcfnhrt. Alle, die auf irgend eine Art mit dem Judentum Zusammenhang fühle» — sei dieser Zusammenhang nun religiöser oder nationaler oder sozialer Art — werden,. für die Lektüre des Büchleins dem Autor Dank wissen. P. Riccarda Huch: Vita somnium breve. Leipzig, Insel-Verlag 190-1. Man kann sich die Dichterin vorstcllen, wie sic gleich Pcnclopeia am Rahmen sitzt, und einen Teppich wirkt, nach dem Böcklin'schen Bild, das sie mit dünnen Fäden vorgezogen har. Das Buch hat auch, wie ein Gewebe, keinen bestimmten Anfang und keine bestimmte Lösung. Es könnte ebenso gut irgend wo anders cinsetzen, und anderswo endigen.- Man kann in diesem Teppich voll strotzender Pracht auch schwer den eigentlichen Leitfaden entdecken. Alle Fäden schlingen sich durch einander zu Bildern eines schönen Stils, ohne daß der eine dem andern übergeordnet wäre. Vielleicht ist es die Frage: Darf man andere opsern, um sich selbst zu entfalten, und wie weit darf man darin gehen, ohne.sich schließlich in seinem Besten selbst zu verletzten. Die Sprache ist von berückendem Wohllaut, und die Gestalten sind, wie die Gestalten Böcklin'schcr Minst: sie sind nicht Natur, und muten doch so an. Nur mit den ^»nipathiecn der Dichterin kann man sich nicht einverstanden erklären: Ihre Licblingssignr, der Freiherr, hat beinahe nur Abstoßendes. Aber machen wir es so, wie sie cs mit den zwei Juden in ihrem Buch macht: Sie liebt sie nicht, aber sie gibt zu, daß andere sich zu ihnen hingezogcn fühlen könne». Vom Parteistandpunkt abgesehen, ergibt die künstlerische Bilanz folgendes: Tie Gestalten leben, wenn auch durch die einfachsten Aeußernngen ein Zug von Pathos geht, ihre Erlebnisse sind von spielend fruchtbarer Phantasie geboren, und sie sind bekleidet von einer Sprache, die dunklem von Gold starrendem Brokat gleicht, und sich doch den feinsten Regungen anschmiegt. Briefkasten. M. Stacht. Wir bestätigen Ihnen, daß der zweite -Artikel über: „Die Landsrage im Zionismus" von Ihnen war und nicht — wie irrtümlich stehen geblieben war — t>on Herrn Z. O. Nacht. Bereinigung zur Pstege jüdischer Lebensanschauuug sNachalalh Zrvi). Mittwoch, 15. März, abends R, tth^, Schützcnstraße 2. Tagesordnung: Ausgewähbte Stücke der Megilla. Freie Aussprache. Mittwoch, den 22. März, soll eine Purimfeier stattsinde», über die nähere Äikteilung noch erfolgt. Frankfurter zionistische Bereinigung. Mittwoch, den 15. März, abends 8:!t Uhr, Restaurant Neuhos, Goethestr. 25. Vortrag des Herrn Dr. A. Schapira: „Moses Heß ein Vorkämpser des politischen Zionismus." Berem zur Pstege jüdische« Wissens ITiferes Bachurim.) Sonntag, de» 12. er., im Vereinslokal: Aula der >ieligionssch»le, tzermesweg 25/27, abends 8-i Uhr: Lortrag des .Herrn Groß: „Ai o r e N e b u ch i m" von 9t a i m o n i d e s. Gäste find willkommen. (Jn&.: Lmil AmrKem jun. tz Albert Amrkein-Lekeib.) Gegpündei 3865. Neue Zeil 17. JrailkjttCt 3. M. Breitegasse 25. MöbelJecoration Vorhänge ♦ Rouleaux — Polsterwaaren — Schtafzimmer-Smnchtttngcn Einzelne Möbel Ca, 100 Zimmer-Einrichtungen (einschliesslich Polster - Arbeiten und Decorationen) in allen Preislagen stets vorräthig auf Lager. WiWimWimWiWAWlWiWtW. 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