Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1905)
- Date
- 1905-03-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Lelle 5. folgte ihm auch jetzt. Draußen beauftragte Hugo den Portier, eine Nachtdroschke herbeizuholen, sagte dem verdutzten Mädchen: „Kind, Tu mußt allein nach Häufe fahren, ich habe keine Zeit mchr,"nnd lies; sic einsteigen. Er sagte zu Krafft: „Drinnen hat mich mein Schwager angereinpclt." „Ach, dann wird's wohl morgen früh Ihre Frau Gemahlin wissen." „Nein, der Junge ist anständig. Es wird aber eine Auseinandersetzung mit ihm geben, der Schlingel schien sehr empört zu sein." Krafft lachte. „Wenn ich meinem Schwager Knrt so in den Weg liefe, würde, er sich mir sofort anschließen-Diese Moral ist entschieden bequemer." „Ich habe auch diese ewige Rücksichtnahme satt und muß reine Bahn schaffen. Die Sippe schüttle ich ab und meiner Frau werde ich sagen, daß eine Ehe kein Schäferstündchen ist, daß sie mich meinen Weg gehen lassen soll." Tie letzten Worte schrie Hugo, den der vorher reichlich genossene Sekt, die frische Luft und die Aufregung erst jetzt trunken machten. Herr von Krafft begütigte ihn. „Regen Sie sich nicht weiter auf und gehen Sie jetzt zu Bett. Sie haben doch ein Fremdenzimmer, sodaß Sie Ihre Frau Gemahlin nicht zu störeU brauchen." Sie waren unterdessen an Hugos Wohnung, die nicht weit entjcrnt lag, angelangt, und nun verließ Krafft seinen Freund. Kapitel 22.. Hugo tappte schwerfällig die Treppe hinauf. Im Schlafzimmer gab er sich Mühe, sich geräuschlos zu entkleiden, es ging aber nicht. Seine Frau schreckte auf. „Hugo/ ,wie. spät.... mein Gott, wie rot siehst Du aus, was ist Dir passiert?" Hugo, der immer trunkener und immer wütender wurde, schrie sie an: „Es ist nichts passiert.' Willst Tu mir vielleicht eine Gardinenpredigt halten?" Sie sah ihn groß an. „Psui, Du bist betrunken, schlafe Deinen Rausch aus!" -„Nein, ich bin nüchtern. Ich werde nur durch Dich und Deine Sippschaft zum Gespött für alle meine Bekannten. Tein Bruder, der Bengel hat vorhin —" ■ Er hielt betreten inne. „Was hat mein Bruder vorhin?" „Ach was, und alle meine Freunde und deren Gattinnen beklagen mich, bei einer gelausten Jüdin könne Uran nicht herzlich werden, und sie sei immer eine Jüdin, und sie haben auch recht. Tu und Ihr seid mir zum Fluche geworden." Sie war kreidebleich geworden. „Hugo, weshalb hast Tn mich geheiratet, ist das Deine Liebe?" Er lachte häßlich ans. >,Liebe? . . . Hiebe!" ... und der Trunkene schwankte auf sie zu. Da stieß sie einen Schrei aus. Bon Entsetzen gepackt, verließ sie ihr Lager, eilte in das Nebenzimmer, wo ihr die Sinne schwanden und sie zu -Boden stürzte.: i . Ter plötzlich nüchtern Gewordene hob sie mit Aufbietung seiner Kräfte aus und trug sie in ihr Bett.zurück. Er weckte die. beiden Mädchen, die mit tiefem Erschrecken zu der ihnen lieb gewordenen schwer erkrankten^ jungen Herrin eilten. Dan» holte er seinen Arzt herbei. Der machte beim Anblick der Erkrankten ein ernstes Gesicht. Nach kurzer Untersuchung sagte er: „Rusen Sie sofort Professor Lange, ich telephoniere inzwischen nach einer Diakonissin." Nach kurzer Zeit bot das Schlafgemach einen unheimlichen Anblick. Tie Aerzte und die Diakonissin walteten ihres Amtes, während Hugo mit dumpsein Kopse im Wohnzimmer saß und vor sich hinbrütete. Stunden vergingen, es war längst Tag geworden, als der Arzt zu Hugo ins Zimmer trat. „Sie sind um eine Hoffnung ärmer geworden, und ich fürchte für das Leben Ihrer Frau. Ich rate Ihnen, sofort Ihre Schwiegermutter telegraphisch herzubitten." Bon der sofort herbeigeeilten Frau Berger war die Ueberbildung abgestreist und die sorgsame Mutter, die Tag und Nacht wachte und nur für die Pflege ihrer Tochter lebte, übrig geblieben. Ihre Tochter erzählte ihr in einem sieberfrcien Moment unter heißen Tränen den großen Irrtum ihres Lebens. „Laß' mich, Mutter, Dir alles sagen, es erleichtert mir das Herz." „Kind, Tu sollst jetzt nicht Nachdenken, es wird schon alles gut werden, und nun kein Wort mehr." Frau Berger hatte eine große Stütze an der Mutter Hugos. Diese erschien jede» Morgen in der. Frühe und half inihrer geräuschlosen, praktischen Weise, ohne viel zu fragen. Heinrich holte seine Mutter jeden Tag zu einem Spaziergange ab. Er erzählte ihr nichts von seiner Begegnungmit seinen! Schwager. Er hatte aber verschiedenes von den konservativ-antisemitischen Gesellschaften gehört, in denen Hugo eine führende Rolle spielte, was er seiner Mutter uni so weniger vorenthalten zu dürfen glaubte, da es ganz Berlin wußte. Frau Rode trug getreulich mit au dem Kummer und der Afngst in den schweren Stunden, da die junge Frau sich fieberglühend und unaufhörlich flüsternd auf den Kissen wälzte uird Phantome erblickte, unter denen die Erscheinung ihres Mannes das erschreckendste war. Nur selten erschien ihr die sreundlichere Gestalt ihres Bruders, dem sie dann ihr Leid anvertraute. Den Frauen wollte das Herz brechen über die abgerissenen Klagen, aus denen so ergreifend ihre Herzenseinsamkeit, die Gefühlsroheit Hugos zu erkennen war. (Fortsetzung folgt). Vakanzen. G a h a (Mähren), per l. September 1905. Gehalt Kr. 2500, freie Wohnung, Erträgnis der Matrikenführung. I Zäh» - Atelier Fritz Härtling I Steinweg 8, 2. Stock. I Künstliche Zähne, Plomben u. s. w. W Familiennachrichten. (Aufnahme in diese Rubril kostenlos.) Seburte«. Eine Tochter und einen Sohn, Herrn Arthur Oppenheimer, Frankfurt a. M., Friedberger Anlage 13. Ein Sohn, Herrn I. Oppenheimer, Frankfurt am Main, Miquelstr. 50. Verlobte. 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