Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. Erna sah nicht mehr so blühend aus, sie war blaß geworden. Tie Sommersrische hatte sich für sie nicht so poetisch gestaltet, wie sie vorausgesetzt. Ihr Mann suchte und fand vielen Verkehr, sodaß das junge Paar vor lauter Zerstreuungen und Ausflügen nicht zu sich selbst kam. Tie junge Frau, die von einem ungestörten, wochenlangen Alleinsein mit ihrem Manne hoffte, ihn ganz zu sich zu fiihren und den unheilvollen Einfluß seiner Schwester zu brechen, fand gar keine Gelegenheit zu inniger Aussprache, zu ungestörtem 'Austausch der Gedanken, denn sie waren eben weniger allein als in Berlin. Hugo hatte die Seinigen nicht in Borkum besucht, er schien garnicht daran gedacht zu haben. Sie kamen abends in Berlin an.' ' Hugo lief vergnügt durch die Zimmer und sagte: „Ost, Nord, Süd, West, daheim ist am best', nicht Erna!" Sie sah innig zu ihm aus. „Gewiß, und wir werde» auch ein glückliches Heim haben, wenn Teine Liebe mir erhalten bleibt." Er küßte sie. „Närrchen, das liegt nur an Tir. Gehöre mit Deinem Fühlen und Denken mehr zu uns, so werden alle Wolken schwinden." Sie seufzte leise. „Gehöre ich Dir denn nicht mit Leib und Seele? Keine Faser meines Herzens und meines Geistes ist Tir verborgen; worin fühle und denke ich denn anders wie - Tu?" »Folge meiner Mama und Schwester, aber", fuhr er in leichtereiu Tone fort, „vorläufig harren unserer andere Sorgen Wir wollen durch eine Soiree uns bei allen Familien revanchieren, die uns Aufmerksamkeiten erwiesen haben." „Hugo, wir wollen bis zum Besuch der Eltern warten. Tairn haben auch die Vorlesungen begonnen, und Heinrich ist auch in Berlin." Er verzog das Gesicht. „Glaubst Tu den», daß Deine Eltern sich in unserer Gesellschaft behaglich fühlen werden?" „Weshalb den» nicht?" „Tu weißt, liebes Kind, daß wir nur in konservativen Kreisen verkehren, und ob diese gerade den Teinigen sympathisch sind..." „Weshalb suchst Tu denn jetzt ausschließlich diesen Verkehr? Tu lvarst doch früher liberal und freigeistig!" . „Weißt Tu, wir sind Kinder unserer Zeit. Ich strebe nach Beförderung, ich will eine hohe Stellung einnehmen, und da die Konservativen die Einflußreichsten in unserem Vaterlande sind, ist es selbstverständlich, daß ich mich dieser Partei anschließe, lind da ich energisch durchführe, was ich für richtig erkannt, schließe ich mich den Feudalsten an, denen die Anwartschaft auf eine hohe Stellung schon in die Wiege gelegt ist." „Tu wechselst also Deine Ueberzeugung nach äußeren Beweggründen. Doch das nebenbei. Ich wiederhole meine Ansicht, daß meine Eltern sich heimisch bei uns fühlen werden; weshalb sollten ne auch nicht bei ihren Kindern!" „Es könnte aber doch Vorkommen, daß ein Anwesender, der gerade nicht ^an die Religion Deiner Ettern denkt, irgend eine antisemitische Bemerkung macht." „Pfui, wenn Teine vornehme Gesellschaft so wenig Geist besitzt, um in einer Soiree zur Unterhaltung einer Judenhetze zu bedürfen, so kann ich dieselbe nur verachten. Ich setze jedoch zu Ehren Deiner Bekannten, die ich ja kenne und schätze, voraus, daß Tu gar zu ängstlich bist, und wir wollen den Versuch doch wagen." Er dachte nach, lächelte vor sich hin und sagte: „Es soll nach Deinen Wünschen geschehen: es ist auch besser, ich sehe es ein!" lFortsetzung folgt). IZahn>Ate1iep Fritz Härtling I Steinweg 8, 2. Stock. 5 Künstliche Zähne, Plomben u. s. w. | Familieuuachrichle«. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Eine Tochter, Herrn Julius Fuld, Frankfurt am Main, Glauburgstraße 35 Part. Ein Sohn, Herrn W. Tiefenbronner, Frankfurt am Main, Feldstraße 3. Ein Sohn. Herrn Gustav Una, Frankfurt a. M., Niddastraße 64. Ein Sohn, Herrn Julius Neuburger, Nürnberg. Verlobte. Fanny Glückstadt, Hamburg, mit Jos. Halberstadt, Frankfurt a. M., Schützenstraße 8. Clementine Schorfs, Mannheim, mit Jakob Nattenheimer, Nürnberg. Hannchen Schloß, Fürth i. B., mit Siegfried Arnstein, Fürth i. B. Paul Weil, Ludwigshasen a. Rh., mit Julius Kahn, Karlsruhe. Alma Speyer, Michelstadt i. O., mit Joseph Cahn, Mannheim. Eheschließungen. Benzion Rachelsohn, Frankfurt, mit Rebekka Jakob, Stuttgart. SterbefSlle. Henriette Wolfs, 64 Jahre alt, Frankfurt a. M., Bocnheimerlaudstraße 50. Helene Wallach, 66 Jahre alt, Frankfurt a. At., Hanauerlandstraße 25. Maier Oppenheimer Ww., Wolfskehlen bei Tariutadt. Samuel Schwarzschild, 68 Jahre alt, Frankfurt am Main, Eckenheimerlandstraße 21. Emma Stern, 58 Jahre alt, Frankfurt a. M., Jahnstraße 28. Julius Edersheimer, Frankfurt a. M., Jahnstraße 15. Kaiser Friedrich Quelle - — ■ Offenbach a. M. - - — Vornehmstes Tafelwasser. Offenbacher Druckluft=Anlage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Teppichreinig11110. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Leo. Sohn des Herrn Gustav Lion, Waldschmidtstrahe 50, in der Synagoge Hermesweg. Wochen-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, 11. Februar. Wochenabschnitt: Trumoh. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 6 Uhr 30 Min., in Berlin: 5 Uhr 52 Min., in Straßburg 8 Uhr 25 Min._|__ In unserem Berlage erschien: Das Iakobs?elt Hochzeits-Festspiel von Menachem. Preis 25 Pfennig. Gegen Einsendung von 30 Pfg. in Marken Franko- Zusendung dieses für Hochzeiten sehr empfehlenswerten Festspieles. ._Frankfurter Israel. Familienblatt. Wir bitte» unsere Leser, ihre» Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt bet unseren Inserenten zu decke». Frankfurter Israel. 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