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Neue jüdische Presse · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ifrnrlitifdirü fiwtlifiHitt Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In-und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel, Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Monnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise siehe Schluß des redaktionellen Teiles). ' Ksdakrr-« Md HefchäftsfieM: Srankfurt a. m.. LeÜigkeuzgaffe 32. Lcke Llaxperfeldstraße (grgrnLber der Venen Iril). » Herausgeber: Kaks cheis. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petttzeile. 25Pfg. Die Reklamezeile. MO Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 „ Beilagen: Das Tausend ML 5.— bis ML 8.- 3. Jahrgang. Frettag» de« 28. 8odva1 5665 (3. Februar 1965). Ro. 5. Inhalt des HanptblatteiS: Artikel: Zur Lage im Osten. — Ein semitischer Bolksstamm in Ostasrika. — Die Märchenreinheit des Judentums. — Aus allerWelt.—Personalien. — Aus der L echrerwelt. — Aus den Vereinen. — AuS der zionistischen Bewegung. — Feuilleton: Kinder unserer Zeit.. Roman von Jacob Levy. — Aus der Geschäftswelt. — Vakanzen. — Bücherschau. — Familiennachrichten. ~ Zur Lage im Oste«. Das Volk der Knute rührt sich; es macht Miene, das unerträgliche Joch seiner Henker abzuschütteln. Man frage nicht, ob es seine Freiheit erlangen wird; man frage vielmehr, wann es seine Freiheit erzwingen wird. Doch das mit Bestimmtheit zu sagen, vermag Wohl niemand; Sache seiner Henker ist's, das böse Ende zu beschleunigen; noch ein paar Plehwe's uyd die Revolution ist da! Mein es ist nicht Sache einer jüdischen Zeitung, sich über die genaue Berechnung der Zeit der Katastrophe den Kopf zu zerbrechen;-wir überlassen das den Fördern des Despotismus, den Geldgebern Rußlands. Was in dieser für das russische Volk so kritischen Zeit uns die schwersten Sorgen macht, das ist die Lage unserer Brüder, das Schicksal der 5 Millionen gehetzten und geknechteten Juden Rußlands- Was soll aus diesen armen Menschen werden, und was solle» sie beginnen?! — „Sie erfüllen die Pflichten des russischen Bürgers in dem Kampfe für seine Freiheit", sagen unsere Liberalen „Hewei mispalel biachlaumo schel malcima, bete für das Wohl der Krone", lautet der Bescheid der Orthodoxen. Welchen Weg von diesen beiden wird nun aber die jüdische Jugend Rußlands einschlagen? — Fraglos den Erstereu! Für die opferfreudige Jugend ist ein Freiheitskampf stets verlockend, und je schwerer und gefährlicher der Weg ist, desto verheißungsvoller und erstrebenswerter das Ziel! - Der Stein ist nun einmal ins Rollen gekommen Wer sollte da im Stande sein, den ungestümen jugendlichen Sinn zu zügeln? Etwa die Orthodoxie? Tie -Orthodoxie hat leider bank ihrer Exklusivität, ihren- Einfluß auf die Jugend - eingebüßt. — Etwa die Rabbonim! Auch diese haben die Fühlung mit der Jugend verloren; in ihrem Daled amaas schel Halocho haben sie nichts von der Veränderung gemerkt, die sich in dem Denken der Jugend vollzogen hat und stehen nun ratlos da. Die Einzigen, die aufllärend wirken können, sind ' die Zionisten, die dem Ideale einer halben Freiheit das Ideal einer ganzen Freiheit, der Freiheit des Juden und des Menschen, entgegenstelken können, die es vernünftiger Weise, vorziehen, anstatt Gnadenrechte auf dem Papiere der fremden Böller in fremden Ländern, die wirklichen, erworbenen Rechte im eigenen Lande zu erkämpfen. Schalmaun. Ein semitischer Bolksstamm in Ostafrika. Die Masai,*) Bon Heinrich Kolliner, Wien. X. Während sonst in allen Erscheinungen des Kulturlebens — da dies ein relativer Begriff ist, kann man ihn auch hier gebrauchen — der Einfluß der Masai auf ihre Nachbarvölker evident ist, muß man mit Erstaunen wahrnehmen, daß in Beziehung auf das religiöse Leben eine scharfe Absonderung platzgreift. Tenn in schroffem Gegensatz zu der Antra pola tri e (Anbetung abgeschiedener Menschenregister, vergl. Lemuren, Lares und Penates der Römer) und dem in allen Formen'vorkommenden Polhdaimonismus der Neger, steht dereinfache,schlichteMonotheismusder Masai. Ihr Gott ist ein körperloses, also ein geistiges Wesen. Tie Anfertigung bildlicher oder figürlicher Tarstellungen Gottes wäre nach seinem, dem Masai gegebenen Gebot eine Sünde. Gott ist der Weltenschöpser, er hat die Erde geschaffen und alles, was sie beherbergt. Er beherrscht durch seinen Willen alles. Er ist der Hüter der natürlichen und sittlichen Weltordnung. Ter Ausdruck seines Willens sind die im Leben des Volles und des einzelnen geltenden Gesetze und Gebote. Er ist allmächtig, allgegenwärtig, allwissend, gütig, unendlich und ewig. Sein Name wird nicht gedankenlos gebraucht — das Zeichen einer tieferen Religiosität. Seine Güte verzeiht dem Menschen viel und lange. Doch diese sind in ihrer Sünde zu schwach, so daß er sie von Zeit zu Zeit zur Besserung strafen muß: daher Krankheiten, Dürre oder Viehseuchen. XI. Die Masai bezeichnen sich als das aus erwählte Volk Gottes; so wie wir uns durch unser religiöses Bewußtsein im Hinblick auf die Offenbarung als solches fühlen. Aber während sich dieses Bewußtsein bei uns nur aus unser Verhältnis zu Gott bezieht, also ein ideelles ist und bleibt, geben die Masai ihm materielle Folgerungen: Gott hat die Welt mit allem, was darin ist, nur für sie erschaffen und ihnen gehört daher alles auf dem Erdboden. Kriegsbeute nehmen sie als das, was ihnen von Gott zu eigen gegeben ist, was ihnen rechtmäßig gehört, uttb was ihnen der unterlegene Stamm unrechtmäßig vorenthielt. XII. Auf dem Lebenswege schützt Gott die Masai durch seine Schutzengel: beflügelte, unsichbare Wesen von menschlicher Gestalt. Sie sind vom selben Geschlecht wie ihr Schützling. Sie begleiten den Menschen immer und überall und schützen ihn vor Gefahren, damit er dem Kampf nms Dasein nicht eher unterliegt, als bis die ihm von Gott vorher bestimmte Lebensdauer abgelaufen ist; erst dann stirbt der Mensch. Seine Seele trägt der Engel ins Jenseits und übernimmt dann den Schutz eines am selben Tage geborenen Kindes: In der *) Siehe Nr. 49. und 50 des vorigen Jahrgangs; durch Private Verhinderung des Verfassers unliebsam verspätet: Stunde des Todes eines Menschen wird auch schon ein neuer geboren. (Manches hiervon entspricht der Auffassung unserer agadischen und kabalistischen Literatur. Anmerkung der Redaktion.) Ins Jenseits kommen die Seelen aller Menschen, ob Masai oder ein Barbaras, sowohl die der guten als auch die der schlechten Menschen. Erreicht eine Seele die Pforte des Jenseits, das weit im Norden liegt, so bestimmt Gott ihr weiteres Schicksal. Die Seelen guter Menschen erhalten Einlaß im Paradies: das mit reicher Phantasie ausgemalle Ideal für ein Hirten- und Jägervolk. In aller Pracht leben die guten Seelen nach Menschenart, doch ohne Sorge, Mühe und Arbeit. Das Paradies ist wie die Erde in einzelne Länder geteilt, deren jedes für die Seelen eines Bottes bestimmt ist. Schlechten Menschen ist das Paradies verschlossen; sie werden in eine öde, wasserlose Wüste gejagt. Minder schlechte erhalten durch Gottes Gnade auch Eintritt ins Paradies, doch nur um schwere Arbeit zu verrichten. (Parallelismen: Hades und Elysium (Griechen), Walhall und der „schwarze Berg". Xlll. In Fällen von Not, Gefahr, Krankheit oder anderen Heimsuchungen beten alle Leute zu Gott. Sonst sprechen die Männer meistens nur bei besonderen Gelegenheiten ein Gebet, während die Weiber früh und abends beten. Die Kinder lernen die Gebete durch die Mutter. Beim Beten wenden sie dys Antlitz gegen Norden, nur früh gegen Osten, bei Sonnenuntergang gegen Westen. Während des Gebetes strecken sie die Arme gen Himmel. Die Frau opfert bei jedem Gebet ein wenig Milch für Gott. Entweder drückt sie aus ihrer eigenen Brust ein paar Tropfen oder sie gießt aus einer Kürbisflasche etwas auf die Erde. Ein ähnliches Opfer bringt sie morgens und abends beim Mellen dar, indem sie sowohl ans dem Euter, als aus dem Melkgefäß etwas Milch zur Erde fließen läßt. Bei Krankheiten betet sowohl der Kranke, als auch seine Angehörigen für ihn um Gesundheit. In schweren Krankheitsfällen wird ein schwarzer Ochs geschlachtet und ein Tell seines Blutes für Gott aus den Boden gegossen. Feste Feiertage haben die Masai nicht vorgeschrieben, doch sind häufig Bittfeste eingerichtet, die sowohl um Gott zu ehren, als auch etwas von ihm zu erbitten, gefeiert werden. Schlußbemerkung der Redaktton: Ter Verfasser schreibt uns im Anschluß hieran: Damit wäre in gröbsten Zügen ein Bild des religiösen Lebens der Masai gezeichnet; im Rahmen ei»es Referats konnte man leider nicht weiter ausgreifen. Noch viele Sachen wären zu erwähnen gewesen, noch viele Fattoren des Kulturlebens dieses Bottes wären eines Hinweises wert gewesen; wenn das Interesse des Lesers für dieses Volk jedoch angefacht wurde, hat der Referent seine Ausgabe genügend gelöst. Zur weiteren Jnfvrmaüon empfehlen wir das Werk, von dem obige Ausführungen einen Auszug darstellen: Die Masai von Hoachtmann M. Merker, Berlin 1904. Verlag Tietrich Reiner (Ernst Bohsen).

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