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Neue jüdische Presse · 1905-01-27 · Heft 4 (27.1.1905) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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«jrae 10 flranklurter JsraetttlsLe« ftamUienMan. Nr. 4. übergesiedelt. Auch dieser Verein hat es verstanden, im Berichtsjahre sein Programm ,ft»en Gedanken- und Cmpsindungsgehalt der überlieferten jüdische« Lehre weiteren Kreisen in populärer Form zum Bewußtsein zu bringen, im Lichte dieser Lehre die Jugend vor allem in den verwirrenden Strömungen des Tages zu orientieren und sie zum geistigen Widerstand zu befähigen gegenüber den Versuchungen, die in allen Gestalten an sie herantreten" in vielseitiger Weise zur Ausführung zu bringen. (Bericht über die Tätigkeit des Nachlaß Zwi siehe unten! Anm. d. Red.) Das war das Weientliche, was wir dem Beichte des Vorstandes entnahmen. In der nun folgenden Borstandswahl wurden die au.scheidenden Herren Josef Bamberger und Hugo Rothschild wieder- und an Stelle des Herrn Joseph Sänger Herr-Leopold Löwenthal neu gewählt. Frankfurt a. M. Die Verewigung zur Pflege jüd. Lebeusanschauung (Nachalath Zwi) veranstaltete im Winter 1903/01 neben einer Anzahl Vorträge auswärtiger Rabbiner, zwei größere Lehrgänge und zwar: „Krrngedanken aus dem jüdischen Gebetbuch", Dozent Oberlehrer D r. E. Fink, und „Verfassung und Verwaltung des jüdischen Staates", Dozent Professor.Dr. Sulzbach. ' Zum ersten Male gelangten in der Berichts- Periode die sogenannten Quellen studienabende zur praktischen Durchführung. Während die „Lehrgänge" ganze Gedankengebiete systematisch behandeln und die „Vorträge" einen zusammensassenden Ueberblick gewähren, sollen die „Quellenstudienabende" zu einem quellenmäßigen und darum gründlicheren Eindringen in einzelne Stoffe Gelegenhell bieten. Der Versuch dieser Abende — es wurde an vier Abenden der einleitende Abschnitt zur Gesetzgebung am Sinai durchgenommen — hat sich vortrefflich bewährt. Tie Vorlesungen für Damen fanden in der Regel alle 14 Tage statt. Ts lasen Rabbinatsassessor Posen über „Der Sabbat im Hause" und,Dr. I. H. Bondi über „Ausgewählle Stücke des Pentateuchs". Ko n f e r e n z a b e n d e konnten nur zwei gchalten werden. Äese Abende für akademisch gebildete Herren verlangen eine gründliche Vertiefung der Beteiligten in den Stoff, damit der referierende Ge-' lehrte sowohl wie die Tellnehmer auf den durchgesprochenen Gebieten produktiv wellerarbellen können, — und an dieser Vorarbeit und Wellerarbeit der Teilnehmer fehlle es leider. An dem einen Konferenzabend wurde über „Die jüdische Rasscnsrage in - statistischer Beleuchtung" und an dem anderen über „Die Mystik im Judentum" gesprochen. Referenten waren: Moritz A. Lo eb - Frankfurt und Distriktsrabbincr P. Mohn-Ansbach. Chanuka und Purim wurden dem Charakter des Vereines angemessene, vornehm gehaltene Feiern veranstaltet. Wenn wir die Summe der Leistungen der vereinigten Vereine Mekor Chajim und Nachalath Zwi überschallen, so müssen wir gestehen, daß ein gleiches Programm' auch nur im annähernden Umfange von kein«« ' zwellen jüdischen Vereine Deutschlands getsßen weiden dürfte. ' Frankfurt a. M.- Verein NachlasZwi. Als Einführung in den bevorstehenden Lehrgang über die Speisegesetzgebung sprach am 25. ds. HerrDr. med. I. Münz aus Bad Kissingen über die hygienischen Konsequenzen der Speisegebote. In scharf umrissenen Zügen bot der Redner an der Hand eines reichen, glücklich gesichteten Materials eine überzeugende Beweisführung für die Behauptung, daß den Speisegesetzen neben ihrer allgemeinen, unleugbaren religion-gesetzlichen Bedeutung hervorragender sanllärer Nutzen unbedingt zuzubilli7.en - sei. Was im jüdischen Schrifttum hierüber schon immer zum Ausdruck gekommen sei, hat die modernste wissenschaftliche Forschung glänzend bestätigt. Während man du Judentum stelE drei Gruppen von Nahrungsmitteln unterschied: Fleisch», Milch- und Minichnahrung, kannte die frühere wissenschaftliche Systematik nur eine Eintellung in tierische und pflanzliche Kost, und erst die neuesten chemisch-diätetischen Resullate ergaben mit. Klarheit eine der jüdischen entsprechende Klaft i ierung de: Nahrun sstoffe. H'erbei ist der Ausgangspunkt nicht mehr die organische ugehörigkell, sondern die Verdaulichkeit und die «sammensetzung der betreffenden Nahrung. Tie religionsgesetzliche Einteilung der zum Genüsse erlaubten Tiergattungen entspricht eben diesen Gesichtspunkten, sowie auch den Erfordernissen einer gesundheitsörderlichen, durchaus reinen Nahrung. Me Treifa-Vorschriften schützen vor dem Genüsse krankhafter, insiziertcr Speise, ebenso wie das Schächten, die Blutenlleerung durch Wässern und Salzen, Entfernung der Adergcäste das Fleisch vor Anhaftung von Bakterien bewahrt und die so gewonnene Nahrung als durchaus hygienisch und wohlbekömmlich erscheinen läßt. In den erlaubten Milcharten findet ich die trefflichste, nahrhafteste Stoffansammlung und in den vorgeschriebenen Wartezeiten zwischen dem Genüsse von Milch- und Fleischnahrung muß jeder Diätetilcr der Neuzeit ein hervorragendes Schutzmittel für eine dienliche Verdauung und damit Ernährung erblicken. Mit vollem Rechte kann somll Levy-Beaulien mit anderen Kapazitäten in der Speisegesetzgebung der Juden den Faktor erblicken, der sie hauptsächlich gegen viele Infektionskrankheiten immun macht, was in.besondere auch durch die Mäßigkeit selbst in erlaubtem Genüsse bedingt ist. Es ist immer von Vorteil, die Bedeutung der Gottesgebote in ihren Zweigen auf die Uebereinstimmung init wissenschaftlichen Erlebnissen zu untersuchen. Ter Ueberzeugungstreue wird sich durch diese ebensowenig blenden lassen, wie er sich im Gegenfalle beirren ließe. Vielmehr wird er sich in seiner Ueberzeugung bestärtt fühlen und in dieser Richtung hat der Borttag des Herrn Tr. Münz rühmenswert aneifernd gewirkt. ' _ Fraukfurta. M. VereinMontefiorelE.-V.). Am letzten Mittwoch beendete Herr Dr. Caro seinen Zyllus aus der Weltliteratur mit einem Vortrage über Shakespeare. Der Referent verstand es in meisterhafter Weise, die außerordentlich zahlreich erschienenen Zuhörer in das Wesen und Wirken des genialen Mchters einzusühren und in knapper, präziser Form die charakteristischen Eigenschaften der Shakespeareschen Hauptwerke zu analysieren. — Nächsten Mittwoch wird Herr Rechtsanwalt Dr. R. Merzbach seine Vorlesungen über das Handelsrecht beginnen. Es ist bei der heuttgen Lage des Kaufmannsstandes für jeden Kaufmann von größter Wichtigkell, sich über die Grundprinzipien des Handelsrechts und die einschlägigen Bestimmungen zu orientieren, und von diesem Gesichtspunkte aus dürfte dieser Zyllus sich eines lebhaften Besuches erfreuen. Frankfurt a. M. Gesellschafts-Abend des G e s a n g v e r e i u s „I e s ch u r u n". Zum Ewigen weisen die Menschheit Deine Spuren, Himmelwärts alle Zeit Tein Losungswort „Jeschurun"! Mit diesen Worten llang der von Fräulein Martha Schamcs mit Verständnis vorgetragene Prolog aus, und dann reihte sich eine Darbietung an die andere.. Tie nimmerv krallende, ewigwaltende Musik- und Gesangeskunst feierte hier vor einem andächttg lauschenden Publikum ihr Fest. Fräulein Lilly Hafgren entlockte ihrer golden-reinen Stimme, Herr Max Trauner den Saiten seines Cello und Herr S. Würzburger den Tasten des Klaviers Töne, die allein schon einen Abend der Kunst ausgefüllt hätten. Doch die gesangesftohen Jünglinge des Jeschurun gaben ja ihr erstes Debüt vor der großen Oeffentlichkeit und deshalb galt der Mittelpunkt des Abends ihren Leistungen. Und sie machten ihre Sache gut. Frisch und forsch erschollen die Lieder unter der gewandten Leitung des Dirigenten Herrn I. Papperle, exakt llapptt das Streichkonzert, und der Gesangsvortrag des Herrn Oberkantors Pessachowitsch entfesselte wie stets einen Sturm des Beifalls. Zum Schluß kam auch noch der Humor zur Geltung. Ein humoristischer Bortrag des Herrn Siegfried Oppenheimer und der Schwank „Othellos Erfolg" hielten die Lachmuskeln der Zuhörer in Tätigkeit. Ter Abend war eine hervorragende Propaganda für den „Jeschurun", der rührige Präsident Herr Klibansky darf sicher sein, daß seinem Rufe nach passiven Mllgliedern gerne .Folge geleistet werden Wird. Budapest, den l7. Januar. Maimonides- Gedenkfeicr. Der Fortbildungsverein der orthodoxen israelitischen Jünglinge beging gestern die Gedenkfeier des vor 700 Jahren erfolgten Todes des großen jüdischen Gelehrten Maimonides. Nach der Eröffnungsrede des Präsidenten Gäza Deutsch ttug Heinrich Löffler eine Abhandlung vor, in welcher er den großen und bleibenden - Wert der auf monotheistischer Grundlage stehenden Phllosophie und Maimonides als einen der größten mittelalterlichen Verkünder dieser Philosophie pries. Nachdem hierauf Vizepräsident Leopold Lebovics dem. Festredner für seine Ausführungen gedankt hatte, las: Salomon Lindenfeld Fragmente aus den Werken! Maimonides'. Personalien. —i—Berlin. EmilOrlik, der vortreffliche Prager Künstler ist für ein Lehramt an der Untere richtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums aus-: ersehen worden. Er wird dort als Nachfolger, des verstorbenen Otto Eckmann sein Amt am 1. April antreten. Der Jude gilt im eigenen Vaterland nichts, Orlik also in Oesterreich nichts. Er aspirierte auf eine Stelle an der Prager Kunstakademie, erhielt sie aber nicht. Budapest. Auszeichnungen von Juden. Folgende jüdische Beamte der österreichisch-ungarischen Bank wurden ausgezeichnet:SigmundGoldvo« Täta, Generalrat, mit dem Kvmthurkreuz beS Franz-Iosef-Ordens; Zentralinspektor Viktor Eli sch er, Referent der Budapester Direktion, für sich und seine gesetzlichen Nachkommen den ungarischen Adelsstand mit dem Prädikat „Gölniczbänyai", Sekretär und Chef des Budapester Hauptinstitutes Dr. FriedrichFlittner mit der eisernen Krone 3. Klasse. Aus der Lehrerwelt. Berlin. Die hieflge jüdische Gemeinde unterhält acht Religionsschulen mit 2535 Knaben und Mädchen, welche in 97 Klassen von 64 Lehrern unterrichtet werden. Memel. Herr Dr. Jsaac Stein ist ein-' sttmmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Herr Dr. Stein, gebürtig aus Harburg in Bayern, erhielt seine Ausbildung im Berliner Rabbiner-Seminar. Budapest. Am 27. Januar feiert Rabbiner Moses Bloch, Vorsitzender des Lehrerkollegiums der Landesrabbinerschule, seinen 90. Geburtstag in voller Rüstigkett. Vakanzen. Jülich i. Rheinl. Unverheirateter, seminaristisch gebildeter Religionslehrer und Vorbeter per 1. Will.' Gehalt 1200 M. Laudenbach bei Karlstadt. (1000 Einwohner, 32 jüdische Familien.) Lehrer, Vorbeter und Schächter und Msttiltsftiedhossausseher. Gesamt-Cinkommeu über 2500 J(x, freie Wohnung und Heizung. Nur ledige, orthodoxe, in bayerischen Seminarien geprüfte Bewerber mit guter Stimme wollen sich melden. Kriegshaber bei Augsburg. (11 jüdische Familien.) Lediger Lehrer, Vorbeter und Schächter. Einkommen 1400 J&, Elmshorn i. Holstein. (14000 Einwohner, 33 jüdische Familien.) Lehrer, Borbeter und Schächter per bald. Gehalt 1200 M. und freie Wohnung. Baden bei Wien. Lediger Bassist, der befähigt ist den Chor zu dirigieren und den Vorbeter zu vertteten, per 15. März. Offerten an Oberkantor M. Seisext. Orlau i. Oesterr.-Schlesien. Lehrer, Borbeter und Schächter per 1. Mai. Gehalt Kr. 1500, Wohnungszuschuß und Nebeneinkommen. Meldungen bis 15. Febr. an Salomon Blumenthal. Briefkasten. ' L. D. Es liegt unseres Erachtens nach keine Veranlassung vor, aus der Tatsache, daß der Kronprinz auf dem Neichskommers des Vereins deutscher Studenten anwesend war, irgend welche Schlüsse zu Liehen. ■ . Wenn wir alle Angriffe, die der Verein deutscher Studenten sich gegen uns Juden erlaubt, gewissenhaft registrieren wollten, dann könnten wir ständig berichten. Es wundert uns durchaus nicht, dckß die Herren trotz der Gegenwart des hohen Gastes ihren Judenhaß, in dem sie täglich schwelgen, nicht unterdrücken konnten, denn er ist ihnen bereits zur zwellen Natur geworben. Alle Lorke» vbsi, LückftLcAe. SemLse. Consaoen, ßuttev, Sier, Kartoffeln etc. liefert zu den blllgstBn Tagespreisen auf Wunsch frei In’s Haus. CamI Friedbergerlandstrasse 45, " Ww Wg Erke Scheffelstrasse. Sehillerstrasse 1 JiTeiZ CJ ÖfT&^t 1 im Hanse Lansberg. 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