Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. FanrUiernrachrichle». bezieht die Universität Heidelberg, erlangt aber nicht den erhofften Eintritt in Zeines der feudalsten Korps. Tagegen gewinnt er bei Gelegenheit eines Duells die Freundschaft des hochadeligen jungen Barons von Sennitz. Toch diese Freundschaft beruht auf Seiten des Aristokraten auf rein egoistischen Motiven und zwar in der Ueberzeugung, daß dem alten Adel nur durch die Verbindung mit der baute fiaance wieder aufgeholfen werden könne. Von Heidelberg begleiten wir den Helden des Romanes nach Berlin, wo er seine-Villa zu einem Sammelplätze der spielwütigen zenuesse ckoräs vergibt, bis er einsieht, daß er auf diesem Wege sein Ziel nicht erreicht. Turch seine Beziehungen erwirbt er einen herrschaftlichen Stammsitz und erhält den Adel. Nun hofft er, als Krönung seines Glückes, die Hand der prächtigen .Schwester seines mit den Lasten eines verschuldeten Rittergutes schwer kämpfenden Freundes von Sennitz zu erhalten. Aber gerade in diesem Augenblicke klärt ein liegen gebliebener Brief des jungen Baron ihn darüber auf, wie verächtlich dieser über den Inden« sprößling denkt und wie sehr seine angebliche Freundschaft nur eine Maske für sein selbstsüchtiges Ilu-!- nutzungsshstem ist. Moritz verläßt, bis ins Herz verwundet und ohne seinen langjährigen Freund zur Rede zu stellen, sofort sein Gut, er begibt sich auf Reisen und ernste wissenschaftliche Arbeit bedeutet von nun ab seine Lebensaufgabe. Ter Weg ginn Judentum zurück war ihm wohl geebnet worden, Ada Salanda, eine schöne und geistreiche Jüdin, hatte versucht, ihn für das jüdische Volkstum, für den Zionismus, zu gewinnen, aber ihm fehlt jedes Verständnis hierfür. Zu seinen Brüdern zurück findet er den Weg nicht und bei den Christen bleibt ihm eine ebenbürtige Aufnahme versagt. Ter Roman zeichnet sich durch scharfblickende Lebensbeobachtung, treffende Charakterisierung der verschiedenartigsten gesellschaftlichen Typen und einen eleganten, flüssigen Styl aus. Ter christliche Autor entwirft ein warnendes Bild für jene Juden, die, ihr Judentum von sich werfend und ihre Abstammung verleugnend, nunmehr als Namenschristen ihr Glück aus dem Boden des ebenbürtigen Verkehrs mit ihren neuen Glaubensgenossen suchen.« Für den Christen bleibt der Jude Jude, ob getauft oder ungetanst, denn der Rassenunterschied ist und bleibt das störende Moment. Die erneute Januar-Ausstellung ini Kunst-Salon Hermes, Goethe-Eck, am Opernplatz, weist Kollektiv-Ausstellungen auf des Parisers Th. von Rysselberghe und jd'es Müncheners Emil Thoma. Außerdem sind vertreten mit neuen Werken die Mehrzahl unserer ersten Meister, wie. Hans Thoma, Max Liebermann, F. von llhde, E. von Gebhardt, A. Menzel, .F. von Defregger, F. Stuck, H. Zügel, L. v. Zumbusch usw. usw. Fernand Khnopff sandte eine Kollektion . Original-Handzeichnungen. lieber deu Maler Jakob Nußbaum wird der „Frkf. Ztg." aus Berlin geschrieben: Tie neue Ausstellung bei Schulte füllt eine Lücke aus, die sonst im Berliner Kunstleben, das leider auch von Unterströmungen nicht frei ist, offen geblieben wäre; sie führt die neueren Bilder von Gotthard Kuehl und dem jungen Frankfurter Jakob Nußbaum vor. Man hat von Nußbaum in der letzte» Sezessions- Ausstellung nur sehr wenig gesehen und wird jetzt doppelt überrascht von der reichen Ernte sein, die er ausbreitet. Dem, der ihn kennt, hat er freilich schon früher, unter anderem mit der groß gemalten ,.Kutschd im Garten", gezeigt, eine wie ernste Entwicklung sich in ihm, bei glücklichster Naturanlage, vorbereitet. Er ist einer der wenigen, die nicht nur das Zeug zum Impressionismus, sondern auch' zur malerischen Vertiefung haben; und wie alle Vertiefungen einen Kamps — einen Kampf mit Gedanken, mit Ausdrücken, mit irgendwelchem Material darflellen, so möchte man von den Bildern dieses Malers sagen: einen Kampf mit sich selbst, unerbittlich und bis zu dem Punkt geführt, wo der ausgeglichene Geschmack erreicht ist, verrät er in jeden! von ihnen. Bon einem Aufenthalt in Tunis hat er drei Arbeiten mitgebracht, die zu seinen besten gehören. Ten Hauptplatz der Araberstadt stellt er in einer nach vorn sich öffnenden geräumigen Ecke dar, die von dunklen Häuserreihen und der fernen Silhouette eines überragenden Kuppelbaus abgeschlossen wird: auf dem' gelben Sand, in der sonnigheißen Luft, find-vorbereitende Gestalten, Burnusträger und Europäer, lebendig verteilt. Auf den schwülen Lichtern liegen Kühle, blaue Schatten. Tas ist ganz ohne jede Spur der gewissen glasigen Tropcnmanier, ganz locker, körnig gemalt, und in der Komposition so zwangloszufällig, so Menzelhaft-graziös! Noch höher stelle ich die tunesischen Figurenbilder, hockend e. Schneider in ihren Werkstätten, an denen außer der glückliche» Profilierung vor allem die krause, eigenwillige und wieder im besten Sinn an Menzel erinnernde Art des Farbenstrichs geistvoll und wohltuend wirkt. Auch drei Porträts stellt Nußbaum aus, darunter das Bildnis eines sitzenden und „zwischen Bücher» und Papier" mit Schreiben beschäftigten Mannes, das, hell und augenscheinlich alla prima gemalt, eilt frisches, sicheres, unverkünsteltes Beherrschen der Wirklichkeit verrät. Tas Bildnis eines Schauspielers (wie ja die richtigen Schankpielerköpfe meistens malerisch undankbar sind), mutet daneben weniger bedeutend an, und eine vor grüner Laubwand gemalte Freilicht-Grupe läßt gleichfalls die bezwingende Ausgeglichenheit vermissen, durch dte ein Bild wie das genannte Schreibtisch-Porträt sofort besticht. Sehr lebendig skizziert sind zwei Straßenbilder aus Berlin und Frankfurt, sehr schön genralt eine S o m m e r st i tu in u n g a in Main. Verein „Mekor Chajim". Sonntag, den 15. Januar er., abends 6 Uhr. Schützenstraße 2: Vorlesung des Herrn Oberlehrer A. W e y l aus „I o s u a". Sonntag, den 22. Januar, nachmittags 5 Uhr, Schützenstraße 2: 30. ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Berichterstattung, Wahlen, eventuelle Anträge der Mitglieder. Verein zur Pflege jüdische« Wissens (Tiferes Bachurim.) Sonntag, den 15. Jaituar, abends S;<4 Uhr, Hermesweg 25/27: Vortrag des Herr» Steiger über Rabbi Jehuda hakodausch. Moutefiore, Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute. Aiittwoch, den 18. Januar, abends 83/i Uhr, Seilerstraße 22: Zweiter Vortrag des Herrn Oberlehrer Dr. Caro über Hebbel, Mokiere, Shakespeare. Israelitischer Mädcheuklnb. Dienstag, den 17. Januar, abends SVa Uhr, Fahrgasse 1461., Generalversammlung. Tagesordnung : Jahresbericht, Kassenbericht und Vorstandswahl. _ Frankfurter Zionistische Bereinigung. Mittwoch, den 18. Januar, abends 83/. Uhr im Saale des Kaufmännischen Vereins. Langestraße: Bortrag des Herrn Dr. I. Moses, Mannheim, „Judennot und Zionismus". Frankfurter Salat-Oel- und Essig-Varsandt Franz Becker, Egenolffstrasse 17, I. Spezialmarke „Dia" per Liter Mk. 1.—. Lieferung frei Haus bei wöchentlicher Nachfrage. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Eine Tochter, Herr» Moritz Geis, Frank« stirt a. M., Scheffelstraße 27. Ein Sohn, Herrn M. Rosenthal, Frankfurt a. M., Rechncigrabenstraße 6. Ein Sohn, Herrn Josef Mara, Frankfurt a. M.. Savignystraße 73. Eine Tochter, Herrn Sieginund Treysuß, Straßburg i. Elf., Weitzturniring 19. Eine Tochter, Herrn Hermann Loeb, Stuttgart. Verlobte. Tilly Stern, Bergen, mit Gnstav Goldschinidt, Frankfurt a. M. Hella Rosenthal, Frankfurt a. M., Banmweg 28, mit Ferdinand Weil, Buenos-Aires. Jda Lissa, Frankfurt a. M., Sternstraße 40, mit Adolf Sichel, Frankfurt a. M., Sandweg 105. Amalie Hirsch, Frankfurt a. M., Fischerfeldstraße 6II., mit Hermann Hainebach, Seligenstadt a. M. Rosa Marx, .Heilbronn, mit Hch. Neumann, München. Eheschließungen. Tr. med. Auerbach, Halberstadt, mit Rosa Kausfmaiut, Frankfurt a. M. Tavid Kassel, Frankfurt a. M., mit Lina Baer, Frankfurt a. M. Sterbefälle. Clara Opvenheiiner, 66 I. a., Frankfurt a. M., Friedbergerlaildstraßc 40. Henriette Schottländcr, 78 I. a., Nürnberg. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefL Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Julius Seligmann. Sohn des Herrn Siegmund Seligmann, Allerheiligensttaße 20, in der Synagoge, Unterlindau. Wochen-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, 14. Januar, Wochenabschnitt: Ban. Sabbath-Aus gang in Frankfurt a. M.: 5 Uhr 40 Min., in Berlin: 5 Uhr 6 Min. Das „Frankfurter Israel. Familienblatt„ kostet: Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleichen Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. Bei direktem Streifbaud-Bezug von der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes": in Deutschland Mk. 1.50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—, Holland fl. 1.25, Frankreich. Schweiz. Belgien, Italien Frcs. 2,50 vierteljährlich. 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