Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 49 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IrmtKfHtrker frarlitil'dirs linilinblatt. KedE-ir Heschäftsfiette: Srankfurl a. M„ LeUigkreuzgaffe 3L, Lcke Rlaxxerfeldstraße (gegenüber der Vene» IrU). Herattsgskep: Kali; Geis. 2. Jahrgang. Freitag, den 15. 'Sems 5665 (23. Dezember 1964). «o. 46. Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In- und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel, FamilienblatteS in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnemrntspreise.siehe Schluß des redaktionellen Jnfertionspreife: Die viergefpaltene Petitzcile. 25Psg. Die Reklamezeile .. 100 „ Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 „ Beilagen: Da3 Tausend Mk. 5.— bis Mk. 8.- Inhalt des Hausttblattes: Artikel: Ein semitischer Volksstamm in Ostaftlkä. Die Masai. Bon Heinrich Kolliner. — ermann Cohen. — Aus alter Welt. — eüilleton: Kinder unserer Zeit, Roman von acob Ledy. — Familiennachrich ten. — arm.izwohs. — Wochen-Kalender. Ein semitischer Bolksstamm in Ostafrika. Die Masai.') Von Heinrich Kolliner. Ein Hauptmann der deutschen Armee hat scheinbar /den traditionellen. Antisemitismus seiner Kreise aufgegeben und sich eine semitische Liebe beigelegt. .Sein Herz entbrannte in heftiger Leidenschaft, so stark/ daß er sogar die Sprache seiner Liebe lernte, um sich mit ihr verständigen zu können/Doch darf man sich unter , einer semitischen Liebe eines Hanptmanns nicht vorstellen, daß dieser Offizier zu einer nationalen Jüdin, die vielleicht Bankier- und Millionärstochter ist, in Liebe entbrannte — diese Liebe ist ganz platonisch: es ist kein Einzelindividunm, sonderii ein Volk, sie lebt nicht in Berlin (Westend), . sondern in Afrika (Ostend). Und die Masai sind keine Juden. Das erklärt uns vieles. Aber sie sind Semiten. Deshalb werden sie unser 'Interesse erregen. ' Im allgemeinen gibt es Semiten, die keine Juden sein wollen, aber ihren Semitismus nie verleugne,: können. Auch gibt es Juden, die keine Semiten -sein wollen, denen aber gewöhnlich der Semitismns - mit einem Nasenschwung auf dem Gesichte geschrieben steht. Sie wollen Germanen, Slaven, Romanenmit einem Worte Arier sein. Aber durch das Mißverhältnis zwischen Wolle» und Können, wirken sie zwar nicht tragisch, sondern s c u r r i l. Tenn in ihrer Natur ist nicht der Zwang enthalten, so denken zu müssen, wie sie es tun; die Verhältnisse ihrer Umgebung wirke» nicht gegen ihre Persönlichkeit, sondern gegen eine Einbildung. Tragisch würde die Wirkung sein, wenn diese Einbildung notwendig aus. der Umgebung erwüchse; da aber letztere täglich von neuem die Unhaltbarkeit einer Vorstellung darlegt, die gleichsam mit einer Fluchtauseinem Volk s.k ö r p e r spielt, kann ein Mensch mit diesen -falschen Idealen nur lächerlich wirken. IN. Aber Hauptmann Merker gibt diesen Volksflüchtlingen, aus die der Anruf „Semit" ebenso wie eine Ohrfeige wirkte Recht. Er behauptete: Die Juden s i n d k e i n e S e m i t e n. Wenn der Laie von Semiten höre, so denke er in der Regel an Menschen, deren Aeußeres dem der heutigen Juden gleiche oder -sehr ähnlich sei. Tie Juden seien aber in ihrer Allgemeinheit keine Semiten mehr; sobald sie ansässtg geworden wären, hätte sofort eine energische ~ *) Die Masai, Ethnographische Monographie eines ostafrikanischen Semitenvolkes von M. Merker, Hauptmann in der Schutztruppe für Deutsch- Ostafrika, Berlin '1904, Dietrich Reiner (Ernst Bohsen). Mit LS Figuren, 6 Tafeln, 6t Abbildungen und einer DlebersichtSkarte. Rasscnmischung begonnen, welche in der Folge die Körperform sehr stark veränderte und zu einer neuen ausbildete. (Hebräer-Hethiten; nach den angezogenen Bibelstellen Esra cap 9 und Genesis 26, 24.) Ter reine semitische Typus sei unter den heutigen Juden selten, am reinsten nach Merkers Beobachtungen bei den Inden Adens. Dagegen seien charakteristische Merkmale der Hethiterrasse häufig zu bemerken. In den Steppen, die in einer 'Ausdehnung von vier Längengraden als Gürtel von zehn Breitegraden um den Aequator liegen (34—38 Greenwich) wohnen die Masai. Als Nachkommen desjenigen nomadisierenden Semitenvolkes, dem das. Hirten v o l k d e r ä l t e st c n Hebräer« „gehörte, kommen sie über die afrikanisch-asiatische Landbrücke in den dunkeln Erdteil. Sie verdrängten auf ihrem Einzug die llreinwohner, die Tatoga, ans ihren Wohnsitzen. Ueber die Zeit der Einwanderung der Masai weiß man nur, daß sie bereits bei ihrer Einwanderung im Besitz des Eisens und der Schmiedekunst waren. In drei großen Volkssäulen zogen sie mit längeren Zwischenpausen nach Afrika ein. Ein Teil nach dem andern verdrängte den früher ansäßigen von seinen Wohnsitzen, so daß die zuletzt eingewanderten die jetzt noch Herrschenden sind. So sind die Nachkommen des ersten Volksteils, die Asa oder Wandorobbo die Unterdrücktesten, die E l K u a s i haben sich mit den umwohnenden Volksstämmen zur Zeit ihrer Bedrängnis vermischt, nur die Masai haben sich in ihrer Rasse rein und in diesem Bewußtsein sich die Herrschaft über die Landstriche erhalten. Sie huldigten fast nie dem Weiber- und Kinderraub im Kriege, sie verheirateten sich nicht mit Negerinnen und nahmen auch keine Neger in ihre Gemeinschaft auf. So bilden sie eine homogene Ihre charakteristischen Merkmale sind die folgenden : Tie Körper sind groß und schlank. Sie erscheinen indes nicht unschön mager, sondern gewähre» den Eindruck eleganter, elastischer Beweglichkeit. Tie dünnen, feinen Knochen sind mit gut entwickelten Muskeln umgeben, die zwar deutlich, aber der Schlankheit entsprechend, nicht aufdringlich hervortreten. Besonders schöne Formen weisen die jungen Masaimädchen auf. Gracile Gestalten, deren Glieder nur gerade soviel Rundung aufweisen, um sie anmutig erscheinen zu lassen. Ungegliederte, unschöne Fülle findet sich nur bei-älteren Frauen. Tie Hautfarbe variiert zwischen tief Dunkelnnd hellem Schokoladebraun. Die Köpfe sind hoch und schmal, das ovale Gesicht hat oft feingeschnittene, sympathische Züge und ist weniger Prognath als bei Negern, nicht mit Xegordlat gemischt, 1 zweifelhaft. selten auch orthognath. Tie hohe, schmale Stirn ist schön gewölbt, die Augen sind mandelförmig, gerade oder etwas schräg. Die Nase ist gestreckt, schmal und an der Wurzel flach oder wenig tief gegen die Stirnrichtung abgesetzt. Die Nasenflügel sind dünn und flach, der Nasenrücken grade, manchmal leicht konvex. Die Li P pe n sind voll, jedoch nicht wulstig. Tie Ohren Nein. Das Haar ist über die Kopfhaut gleichmäßig verteilt. Erst in einer Länge von 2—3 Ztmtr. kräuselt es sich leicht. Tie Arme und -besonders die Beine sind sehr lang, die Handgelenke dünn; Hände und Füße, besonders bei weiblichen Individuen^ klein, schmal, und zart, die Finger lang und schmal. (Fortsetzung folgt). Junge Sfaeal. 2 und 4 reinblülig,