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Neue jüdische Presse · 1904-12-09 · Heft 47 (9.12.1904) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 47 (9.12.1904)
Date
1904-12-09
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Sk. 47. Abend nicht nur Chanuka, sondern in nichtjüdischen Kreisen kehrte ja in der Abendstunde der langbärtige Rutenmann ein und in diesem gutjüdischen Kreise gabs mit seinem Erscheinen eine große Neberraschu n g. Eine llebcrraschung! Ja! denn bei dem seligen Vater hatte man sich selbst oder gerade am Chanukaabend von Gegenständen aus dem Gebiete der Tauro unterhalten lassen. Knecht R u p p r e ch t und Ch aiiufo, wie herrlich stimmt das zusammen. Das hatte man früher nicht gewußt. Wie ich höre soll das ehrenwerte Fräulein, das diesmal im Nikolauspelze stak, für das nächste Jahr schon eine ähnliche Ueberraschung ausgedacht haben. Davon darf ich Ihnen, sehr geehrter Herr Redakteur, aber noch nichts verraten. Uebrigens hat Knecht Rupprecht mit einer sehr schönen Altstimme Moaus zur Jeschuosi gesungen. Worte und Melodie merkwürdiger- Nieise ohne jeden .Fehler, ja wir Habens herrlich weit gebracht. Makabi. Bücherschau. Iokai und das Judentum (Iokai äs a z s i d o s a g) von Dr. Vajda Bela. In Kommission der Buchhandlung Karman, Losoncz. 48 S. Oktav. Es ist eine Begleiterscheinung der traurigen jüdischen Geschichte, daß man sich seit jeher veranlaßt gesehen hat, alles zusammenzutragen, was in Büchern und Zeitungen über Juden und Judentum geschrieben worden ist. Es bildet dies auch heute eine stehende Rubrik in beinahe allen jüdischen Zeitungen, wie es denn auch Organe gibt, die all diese Artikel und Artikelchen und alle auf die Juden Bezug habende Reden, von den freundlichsten eines Roosevelt und Hat) bis zu den wahnwitzigsten Pücklcriaden und den Wiener Gemeinderatssitzungen getreu registrieren. Und so geht denn auch kein bedeutender Mann von dannen, über dessen Stellung znm Judentum von jüdischer Seite nicht geschrieben wird. Es ist dies im allgemeinen bedauerlich und für die Lage der Juden recht kennzeichnend, daß man es für nötig erachtet, jeden nach seiner Meinung über uns zu befragen. Ta wir es aber hier mit einer Sachlage zu tun haben, die allsobald keine Aeuderung erfahren wird, so müssen wir cs nur begrüßen, einen Manu, wie Maurus Jokai, zu unseren Freunden zählen zu können. Und wie konnte er denn anders. Er, der in der ersten Reihe der ungarischen Freiheitskämpfer gefochten, er konnte mit 'seinem Liberalismus vor den Juden nicht Halt mache». Er, der Augenzeuge dessen ivar, wie unentwegt und voller Begeisterung die ungarischen Juden für die Unabhängigkeit Ungarns, das damals noch garnicht, ihr Vaterland war, gekäinpft und gelitten haben, konnten ihnen unmöglich feindlich gegeuüberstehen. Und Jokai's Stellungnahine für die Juden in Wort und Schrift sind von umso größerer Bedeutung gewesen, da er, als der gelesenste und volkstümlichste Dichter des Landes von nicht geringem Einflüsse auf die Denkweise des Volkes gewesen ist. In der vorliegenden Schrift hat der Verfasser in großen Zügen ans Pen zahlreichen Werken Jokai's diejenigen Stellen angeführt, die auf das Verhältnis des verstorbenen Dichters zu den Juden ein Licht werfen. Sie zeigen uns den Dichter, wie er in manchen seiner Schriften offen Stellung für die Inden nimmt, in anderen tvieder gegen das unüberwindbar scheinende Vorurteil, init welchem dem Juden allerorten begegnet wird, zu Felde zieht. Und, was sich viele ungarische Juden vor Augen halten dürften, ist der Umstand, daß Jokai in mehreren seiner Romane seiner Verachtung den Convertiten gegenüber Ausdruck verliehen hat. Leider aber geht allen Schriften dieser Art, wie es dse vorliegende ist, deshalb ihre Wirkung in der Hauptsache verloren, weil sie nicht in die Kreise dringen, an die sie in erster Reihe gerichtet sind. Dr. F. Frankfurter Israelitischer Familienblatt. W. Spemanns Kunstlexikon. Ein Handbuch für Künstler und Kunstfreunde vyn Wilhelm Spemann. Berlin und Stuttgart, Verlag von W. S P e - mann 1905. Oktav. 1054 S., geb. 12.50 JL Es ist nicht das erste Nachschlageiverk dieser Art, das vorliegt. Vorgänger Spemanns waren der Wiener Bruno Bücher und H. A. M ü l l e r. Ta jedoch beide seit 1883 nicht mehr erschienen, war wohl das Bedürfnis nach einem neuen solchen Werk vorhanden. Meyer und Brockhaus können in der Universalität ihrer Bestrebungen, nie so tief graben, wie man es von einem Speziallexikon erivarten kann. Das Zusammendrängen der riesigen Materie in einen Band, wie es hier geschieht, hat seine Vor- und Nachteile. In diesem Falle halte ich die letzteren sür überwiegend. Eine gewisse Uebersichtlichkeit ist wohl hergestellt, sie würde aber bei der alphabetischen Folge der einzelnen Artikel, wenn sie auf zwei Bände verteilt werden, nicht leiden. Soweit über die äußere Anordnung. Viel Lob ist der immensen geleisteten Arbeit zu zollen. Ist eine solche für gewöhnlich nur kompilatorisch, hier tritt diese Eigenschaft hinter den Ton einer persönlichen Rote zurück. Manche Auslassungen werden bei der .Herstellung einer neuen Auflage nachzutragen sein. So vermißt man unter der Beschreibung der architektonischen Werke Frankfurts das neue Rathaus, so sucht man auch vergebens nach den Namen der neu aufstrebenden jüdischen Kunst, wie L i l i e n , H i r s s c n b e r g , Struck: Israel ist im Verhältnis zu anderen zu kurz behandelt) hei Max Klinger vermißt man auch ein tieferes Eingehen auf seine Kunst, ein solcher Künstler verdient mehr als 15 Zeilen. Trotz dieser kleinen Mängel entspricht aber der Band vollständig den Zwecken, sür die er da ist. Wer nicht Zeit und Muße hat, Kompendien und Monographien über Kunstgeschichte zu lesen oder Kollegien darüber zu hören, greife getrost zu diesem Werk; es wird ihn ohne Schwerfälligkeit belehren, unterstützt durch eine Menge schön ausgesiihrter Illustrationen. 8. K. Daniel Sander s, Z i t a t e n l c x i k o n.. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig, I. I. W e b e r, 1905. 8». 712 Seiten. Mk. 6.—. ES kann nicht jeder Reichskanzler werden; bei den Lesern dieses Blattes ist die Wahrscheinlichkeit sogar gleich 'Null. Aber es kann jeder einmal in die Lage kommen, zu zitieren, wenn er auch nicht jm Reichstag vom Regierungstisch ans spricht. Dieses Werk ist also für jedermann brauchbar; daß cs gebraucht wird, zeigt die Veranstaltung einer zweiten Auslage. Daß es einen Sanders Kum Verfasser hat, kann es nur noch mehr empfehlen. Man wird sich erinnern, daß Sanders immer seine eigenen Wege gehen wollte. Dieser alte Kämpe auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft (181!)—1S!)7) ging ja schon mit den Gebrüdern Grimm nicht denselben Weg. Jene beiden gaben ein „Deutsches Wörterbuch" heraus; er war mit der darin gegebenen Richtung nicht zufrieden und gab für seine Person ein „Wörterbuch der deutschen Sprache" heraus; seine unzähligen Werke kann man hier nicht aufzählen. Nur das sei gesagt, er beschränkte sich mit feinen Studie» und Schriften nicht auf die deutsche Sprache, sondern gab auch, so viel ich zu wissen glaube, .auch ein französisches Wörterbuch heraus und verfaßte auch Studicnwerke für die neugriechische Sprache. Hier, in dem vorliegenden Werke, sucht er nicht nur Klassiker zu popularisieren, sondern auch Worte Unbekannter und Moderner klassisch zu machen, insofern sie treffend sind. Einige störende Druckfehler werden bei der nächsten Auflage auszumerzen sein. 8. 8. Heimat-Kunst. Die ständige Ausstellung Hessischer Kunst-Töpfereien in den Geschäftsräumen der Seite 11. Keramischen Kunstanstalt von L. Wendelstein u. Co. (Neue Mainzerstraße 8 2) findet von Rah und Fern viel Bewunderung und Anerkennung. Es ist eine Auswahl dieser schönen kunstgewerblichen Erzeugnisse hier vereinigt, wie solche nirgends anderwärts anzutressen ist. Sie umfaßt ständig über 1000 Originale, die immerfort wechseln, da Wiederholungen möglichst vermieden und nur auf besonderen Wunsch, bezw. Bestellung, ausgeführt werden. Künstler, welche die Technik — die ächte deutsche Fayence — beherrschen, sind die Entwerfenden; unter den aussührenden Keramikern sind namentlich auch jüngere, aus den hessischen Fachschulen hervorgegangene Kräfte. Es ist trauliche Heimatkunst, die da gepflegt wird im Geiste der Gegenwart, wo gegeben, unter Anlehnung an die Erzeugnisse aus bester früherer Blütezeit. Wenn auch nicht allen Erzeugnissen gleicher künstlerischer Wert beizumessen ist, so ist doch keines ohne solchen Wert, indem augenscheinlich neben den Bedürfnisse» der verschiedenen Volksschichten stets geläutertem Geschmack bestmögliche Rechnung getragen und überall gleiche Sorgfalt auf Farbe und Ausschmückung, sowie Zweckmäßigkeit im Verbände mit malerischer Wirkung verwendet wird, namentlich ist es das Spiel der Farben, das ganz entzückend wirkt. Zier- und Gebrauchsstücke, Vasen, Schalen, Teller, Krüge, Kannen und Gesäße aller Art, Wandjließen, Kamine, .Heizkörperverkleidungen, Oefen u. a. sind die ins Praktische umgesetzten Erzeugnisse dieser bekanntlich keineswegs leichten Kunst. Der Käufer dieser Fayencen hat für einen bescheidenen Betrag ein Original, das ihm etwas sagt, ihm lieb und vertraut ist und bleibt, und nicht kalt und langweilend neben ihm steht, wie das Stück einer Dutzendware. Die Erfahrung hat denn auch gelehrt, daß, wer sich einmal in diese Erzeugnisse intimer Art hineingesehen hat, stets zu denselben zurückkehrt. Sie sind, an ihrer bescheidenen Stelle, Pioniere für Wiedererweckung guten Geschmackes bis tief ins Volk hinein und daher mit Recht auch als Lehrmittel in den Schulen geschätzt. Die Stücke zum Haushaltungs-Gebrauche bieten neben ihrer künstlerischen Schönheit auch unmittelbare praktische Vorteile. Es ist bekannt, daß z. B. der Engländer als Keiiuer seinen Tee in der braunen Tonkanne bereitet, da er nur so gut schmeckt. Die Porosität des Materials hält das Aroma fest und gibt es wieder. Die hier ausgestellten Kunst-Fayencen wirke» auch in dieser Beziehung noch vorteilhafter, als die englische Kanne. Außerdem sind sie sehr dauerhaft, auch gegen Hitze, weil nicht spröde, wie es z. B. das Porzellan und .Halbporzellan ist. Die stets wechselnde künstlerische Ausstellung, speziell in den Schaufenstern, ist an sich schon eine Sehenswürdigkeit; der Vorübergehende hemnit unwillfiirlich den Schritt, um sie zu bewundern. Verein zur Pflege jüdischen Wiffens (Tiferes Bachnrim). Sonntag, den 11. crt. fällt der Bereinsabend aus. - Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschaunug (Nachalalh Ztvi). M i t t w o ch, deu 14. Dezember, abends 8:,/i Ilhr, Schützenstr. 2 (ehemals „Loge zur Morgenröthe"). Zweiter Lehrgang: Jüdisches Kalenderwesen. Leitung: Herr Oberlehrer Dr. E. Fink. 1. Der Ausbau des jüdischen Kalenders. Reserent: Herr I s. S u l z b a ch. 3HF“ Wegen Raummangel erscheint der Schluß .Zum 700jährigen Todestag des Maimonides" in nächster Nummer. An unserer Schule ist die Stelle einer Lehrerin» welche auch zur Erteilung des Handarbeits- und des Turnunterrichtes befähigt ist, zu besetzen. Nur streng religiöse Bewerberinnen, welche ihre Lehrerinnenprüfung in Preußen abgelegt haben, können berücksichtigt werden. Meldungen nebst Zeugnisabschriften sind an die Unterzeichnete Berwaltungskommission, z. H. des Herrn Rektor Falk» Bärenstraße 1, bis zum 15. d. M. einzureichen. Frankfurt a. M., den 4. Dezember 1904. Die Berwaltungskommission der Israelitischen Volksschule. Jm 5aale des Kaufmännischen Vereins Montag, den 12. Dezember, abends 8 Uhr: des Rassisten Herrn Max Rothschild, Karlsruhe, unter gefl. Mitwirkung von Frl. Krieger, Frankfurt a. M. (Sopran), sowie des Herrn Konzertmeisters Sold an, Marbnrg (Violine). Am Klavier: Herr Tullns Papperle, Frankfurt a. M. Karten ä M. 3,— und M. 2.-~ zu haben in Jfanmann’s Mnslkalienhandlnng, Bibergasse, bei Herrn David Straus», Langestr. 17, nnd an der Abendkasse. Ich verlege mit Anfang nächsten Jahres meine Lokalitäten von Schillerstrasse 20 nach Schillerstrasse 7 und unterstelle deshalb meine Vorräte einem Aii« verkant mit namhaftem Rabatt. Ich biete damit eine selten günstige Gelegenheit zum Einkauf silberner Gebrauchs- und Luxusgegenstände aller Art. Felix Horovitz Telefon 3851. Schillerstrasse 30. Telefon 3851. Das Specialhaus für feine Kaaeacbeiten empfiehlt Scheitel, Frisets, Toupets, Zopfe, Locken, Tuffen etc. in bekannt 1 - solider, gediegener Ausführung. .-- ... ------- Schäfergasse 2. Pb. Keller,' Heims Nachfolger. Schffleistr. 9. Philinn Mondrion Frankfupt am B#ain»| M, UUA|jp 1UU1AIU iUU, 13 Eschenheimer Landsirasse 131 Telephon 8152. nächst dem Dr. Hocb’schen Conservatorlum. Telephon 8159*. B Herrenu. Damen-Schuhmacher. Reparatur-Werkstatt*!

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