Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 47 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9lrl 47. Veite 5. Frankftrrter Israelitisches FamMenblatt. Neben Herrn Berger saß ein dicker Herr, der sich mit der Serviette den Schweiß abwischte. Dessen ebenso dicke Ehefrau flüsterte ihm zu: „Guck emol, gestern hot mir aner den Mann gewiese, der do nebe d'r sitzt, des is der reiche Berger aus Frankfort, der Besitzer von de vier Jahreszeite. Schwätz emol mit em." Unzufrieden, ' aber gehorsam, wandte sich der Mann zu Berger, der sich eben Wein eknschänkte. „Sie verzeihe, mei Name is Meyer aus Meenz, mei.Fraa, mei Kinner," sagte er mit deutender Handbewegung. „Sind Sie aach zur Kur hier?" Herr Berger stellte ebenfalls vor, und so war das Gespräch bald im Gang. ' Erna und Heinrich amüsierten sich vorzüglich über die verschiedenen Typen, über die sie übermütig Glossen machten. Plötzlich zeigte Heinrich 'Erna verstohlen ein Männchen, das ihnen schräg gegenüber saß. .Es hatte ein freundliches Gesicht, ein Käppchen auf mit spärlichem, grauem Haar bedeckten Scheitel und erregte Heinrichs Aufmerksamkeit durch eine altfränkische geblümte seidene Weste. Heinrich flüsterte: „Erna, Onkel Bär". Im selben Momente nickte das Männchen, das sich von den - Geschwistern beobachtet sah, ihnen freundlich zu. Ernas Augen wurden feucht. Sie wiederholte „Onkel Bär" und ihre Gedanken schweiften rückwärts. Er war der Bruder ihres Vaters, etwa um zwölf Jahre älter und sehr fromm. Von den Zinsen seines . mäßigen Vermögens lebte er nicht nur, sondern übte noch große Wohltätigkeit aus. Er war Witwer ohne Kinder, eine alte Verwandte führte ihm die Haushaltung. Die Kinder speisten jeden Samstag Mittag bei ihm. Dies konnte nun aus dem einen oder anderen Grund bisweilen ausfallen; was aber nicht ausfallen durfte, das war ihre Anwesenheit beim Habdalahmachen ihres 'Onkels. Das gab's einfach nicht. Und als Erna die Masern hatte, und nicht ausgehen durfte, machte Onkel Bär bei ihnen Habdalah, „aber so schön joie bei Dir, Onkel, ist's doch nicht." Schon die Vorbereitungen, die streng geordnet waren! Erna holte aus 'dem Schränkchen den Becher, die Gewürzbüchse und die geflochtene Kerze, die Heinrich halten mußte. Nun sang Onkel Bär mit dünner Stimme: „Gott, Avrom, Jizchok und Jakob, Behüt' dein Volk Jisroel in deinem Lob. Die sieben Tage sollen uns bekommen Zu Glück und zu Heil und allen Frommen Daß der liebe Schabbes kaudesch geht dahin. Die Woche JotT uns kommen zu Scholem, zu Gesund, zu Auscher und zu Kowed und zu allem guten Gewinn. Omein, W'omein! Wenn dann die Kerze zischend erlosch, sagten ' die Kinder: „Jetzt ist der Schabbes' wieder beim lieben Gott." Tann zündete sich per Onkel die lange Pfeife an und setzte sich in den Sessel. Die Kinder holten sich Bänkchen, legten ihre Arme aus Onkels Knie und sahen ihn erwartungsvoll an. Er aber fragte die Haushälterin: - „Blümchen, müssen die Kinder nach Hause?" Ebenso regelmäßig antwortete sie — und wenn es Sommer und schon halb zehn war — „Nein, die Kinder haben noch ein Stündchen Zeit." „Dann hole ihnen noch einige Makronen." . Er paffte stärker, und dann begann er ferne wundervollen Erzählungen: „Ja Kinder, was wißt Ihr in Eurem Palast, in der großen Stadt vom Leben! Früher hatten die Leute andere Strapazen. Wenn man jetzt mit der Bahn fährt, mußte man früher laufen. Mein Urgroßvater, olow hascholaum, war ein Mohel und wohnte auf dem Westerwald. Dort sind heutzutage noch meilenweite, dichte Waldungen, aber die Eisenbahn fährt durch, bequeme Wege verbinden die Dörfer miteinander, aber in der damaligen Zeit waren kaum Wege da, geschweige denn Eisenbahnen oder Post. Eines Tages nun bekam mein Urgroßvater Botschaft aus einem vier Stunden entfernten Dorf, er solle zu einer Bris Miloh hinkommen, und da konnte ihn keine Entfernung, kein Wetter zurückhalten, diese Mizwoh auszuüben. Es war Winter, der Schnee lag hoch, und die Kälte war grimmig." „Onkel Bär," fragte Heinrich atemlos, „waren auch Wölfe im Wald?" . „Gewiß mein Kind, aber mein Urgroßvater fürchtete sich nicht. Er nahm einen dicken Stock und eine Pistole mit. Es war Freitag, er ging deshalb früh von Hause fort, um noch vor Schabbes anzukommen. Rasch ging es nicht, er mußte sich mühsam durch den tiefen Schnee arbeiten, er kam aber doch voran. Weit und breit war kein Mensch und kein, Haus zu sehen, die Bäume glitzerten im Schnee, eine Totenstille um ihn herum, die nur manchmal durch den Schrei eines Raubvogels unterbrochen wurde. Endlich kam er auf die letzte Höhe, er hatte noch ein Gehölz zu durchschreiten, eine viertel Stunde abwärts zu steigen, und dann war er angelangt. Wie er hem Gehölz nahte, hörte er plötzlich ein Geräusch. Er blickte durch die entlaubten Aeste und sah auf einer Lichtung drei Frauen stehen, die sich gegenseitig ein Bündel zuwarfen. Er trat näher und rief: „In Gottes Namen, was macht Ihr da?" Die Frauen schrieen auf, eine warf ihm das Bündel zu, das er mit seinem Mantel aussangen konnte, und im selben Augenblicke waren die Weiber verschwunden." (Fortsetzung folgt.) Brieflaste«. L. Z. Ter vor zwei Wochen verstorbene Direktor der Petersburger JUternationalen Handelsbank, Adolf Rothstein, der die bedeutendste Persönlichkeit der Petersburger Bankwelt gewesen ist, war wohl ein geborener Jude, hatte sich aber als konfessionslos erklärt. D. B. Heute ist bei uns Juden altes möglich. In Darmstadt wurde bei den Stadtverordnetenwahlen ein Kompromiß zwischen Nationalliberalen, Freisinnigen, Zentrum und Antisemiten geschlossen und der Wahlaufruf für diese Liste — unglaublich, aber wahr — auch von einem Mitglieds des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde unterschrieben. Familieimachrichteir. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn, Herrn Louis Bensinger, Frankfurt am Main, Feuerbachstr. 29. Eine Tochter, Herrn OSkar Meyer, Frankfurt am Main, Liebigstr. 52 I. Eine Tochter, Herrn Jakob Rosenselder, Bensheim a. d. Bergstraße. Verlobte. Tora Schwabacher, Würzburg, mit Emil Schwabacher, Frankfurt a. M., Rückertstr. 19. Eheschließungen. Marcus Oppenheimer, Antwerpen, mit Clara Stern, Frankfurt a. M. SterbeMe. Carl Koch, Frankfurt a. M.. Elkenbachstr. 6. Jettchen Heß, 78 Jahre alt, Gießen. Rudolf Spier, Frankfurt a. M., Langestr. 63. Es ist eine alte Geschichte. daß Katarrhe, die im Anfangvernachlässigtwerden, oft schwere Folgen haben. Darum ist die Regel: jeden Husten, jeden Bronchialkatarrh, alle Affektionen der Atmungswege gleich im Anfang bekämpfen. Dabei sind .Fah's ächte Sodener Mineral-Pastillen" altbewährt; ihre Anwendung ist leicht, bequem und angenehm, sie wirken ausgezeichnet auf die Schleimhäute des Halses und des Magens ein, und die Schachtel kostet dabei nur 8» Pfg. Alle Apotheken. Drogerien und Mineralwafferhandl. haben Mederlagen. Wocheu-Kakender. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 10. Dezember, Wochenabschnitt: Mikeiz. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 5 Uhr 15 Min., in Berlin 4 Uhr 42 Mn. Das „Frankfurter Israel. Familieublatt„ kostet: Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1,02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleicheu Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. Bei direktem Streifbaud-Bezug von der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes": in Deutschland Mk. 1.50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—, Holland fl. 1,25, Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien Frcs. 2.50 vierteljährlich. Verein Mratefto» Seiferstrasse 22 yrt. Vereins-IjoealitäteiB geöffnet täglich von 12—3 und 6—11 Uhr. Samstag and Sonntag den ganzen Tag. [Reparaturen, besonders in elektr. Hausschellen I nnd Telephonanlagen, Bowle Neuanlagen unt. billigst. Berechnung. | IH. J. Schwab, Vilbelerstr. II1besterCLnalifn w FLASCHE glas 50 pfg- NßFUbei binde hlnijPM § Scola&Jägrifcf^ -ZK-Z' *Holy.gral»cn 22. >r>M ■ II un Jcr Ltcblraucnstr. jV/ ” ßlfidcnstr. -t.jm Licbfraueribcrjy, ^3, empfiehlt lYicolausc in feiner Chocolade.Croquant etc. * Filiale Kaiserstrasse I. 1> I Bamberger & Jferfz kZeiI 54 (neben d. 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