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Neue jüdische Presse · 1904-11-25 · Heft 45 (25.11.1904) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 45 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr 45 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Sehr 11. bilden die großen Artikel „Griechenland" und „Großblitaniiien", in denen alles Wissenswerte über diese Länder in äußerst übersichtlicher knapper Form zusammengefaßt ist, aber doch in durchaus geläusiger Form, eine sehr geschickte Kombination, die zu den Eigentümlichkeiten des Großen Meyer gehört. Bei der-Lektüre dieser großen znsammensassenden Artikel kommt jeder auf seine Rechnung, mag er sich nun über geographische, geschichtliche, wirtschaftliche, nätur» wissenschastliche oder andre Fragen orientieren wollen. „Alt-Griechenland" ist von „Neu-Griechenland" natürlich getrennt. Auf Religion und Kultur, das geistige Leben, das Staats- und Kriegswesen, ferner aus die Gewerbe und das häusliche Leben ist für Alt- Griechenland besonderer Wert gelegt, die „griechische Geschichte" ist diesen Kapiteln angeschlossen, während die „griechische Literatur" einen besonderen Artikel erhalten hat. Sehr glücklich hat inan in der neuen Auflage den heutigen Interessen Rechnung getragen, daß man im Artikel „Großbritannien" den Kolonien mehr Raum eingeräumt hat, indein die „Geschichte der englischen Kolonien", die „englische Kolonialpolitik" und „-Verwaltung" eingehender behandelt werden. Eine ganze Reihe von Artikeln allgemeinsten Interesses liefern die Stichworte „Handel", „Handelsrecht", „Handelspolitik", „Handelsverträge", „Hasenanlagen", die viele für Deutschland so aktuelle Fragen umfassen. Auch die Artikel über „Grundeigentum", „Grundsteuer", „Hausrecht", „Grundbuchsordnung" werden manchein eine Quelle wichtigster Informationen für das tägliche soziale Leben bringen. Eine Reihe von Städteplänen- („Graz", „Halle", „Hannover", „Hamburg") lassen die Entwickelung im Anschluß an die betreffenden Artikel noch deutlicher erkennen, der im Artikel Hamburg besonders durch eine bildliche Zusammenstellung der bedeutendsten Bauten hervortritt. Einer der wichtigsten Abschnitte der deutschen Literatur, die Zeit „Goethes", . ist durch eine sehr ansprechende Biographie des Dichterfürsten vertreten, der uns auch in Bildnissen aus verschiedenen Zeiten seines Lebens cntgegeiitritt. Diese Stichproben aus dem reichen Wisseusschatz des Werkes müssen hier genügen, um auf die Vielseitigkeit der Artikel und die verständige Illustrierung -hinzuweisen, es ließen sich des Interessanten noch unzählige Beispiele geben. Der Stern von Halalat. Roma» von Martin Hellinden, Buchschmuck von I. van Taack, herausgegeben von der Deutschen Literatur-Gesellschaft, Verlag, Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H. 486 Seiten. Der Roman spielt in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft. Palästina ist verwüstet und entvölkert und seine einstigen Bewohner leben in der Verbannung. Der Verfasser schildert die Kulturzustände in Palästina und in Babylon nicht nach Phantasie, sondern auf Gruild sorgfältiger Studien, auf Grund jener Ergebnisse, welche die Ausgrabungen und die wissenschaftliche Forschung unserer Tage gezeitigt haben. Da demnach der Hintergrund ein historischer ist, dazu die Handlung spannend und der Styl gut und fließend, so darf das Buch der erwachsenen Jugend mit Ruhe in die Hand gegeben werden. Die vornehme Ausstattung — gutes Papier, sorgfältiger 'Druck und ein sehr reicher Buchschmuck — schließen sich den Vorzügen des Inhaltes an, und machen den Stern von Halalat zu einem geeigneten Geschenkswerke. Fay, Bilder aus dem alten Frankfurt. Heft 11 und 12, je 12 Ansichten nach der Natur in Lichtdruck. 8 Jk Bon den durch ihre künstlerische und meisterhaft exakte Ausführung bekannten Fay'schen Bildern sind soeben wiederum zwei neue Serien erschienen. Wir müssen gestehen: es sind uns in diesem Genre selten Bilder in die Hand gekommen, die so stylvoll gehalten sind und jedes unscheinbare Eckchen durch einen solch' poetischen Schimmer zu verklären wissen, wie die Fay'schen Bilder. Wer einem Frankfurter Kinde in der Fremde bauernde Hekmatsgrüße senden, wer bei dem Verschwinden des alten Frankfurts manchmal das Bedürfnis hat, sich in einer stillen, traulichen Stunde das alte Frankfurt herbeizuzaubern, dem können wir den Kauf de^ Fay'schen Bilder nur wärmstens ans Herz legen. Der Aufenthalt Israels in Egypten im Lichte der egyptischen Monumente von Wilhelm Spiegelberg, außerordentlicher Professor an der Universität Straßburg. 4. Ausl., Straßburg. Verlag von Schlesier u. Schweickhardt. 1804. Preis 1 Mark. Tie moderne Bibelkritik hat bekanntlich mit einem an Geflissentlichkeit grenzenden Eifer die geschichtlichen Berichte des Alten Testaments in die Welt der Sagen zu weisen sich bestrebt. Besonders war das der Fall bei de» ältesten Episoden in der Geschichte des jüdischen Volkes. Und unter diesen hat man nicht ■einmal gerade den biblischen Bericht über den Aufenthalt Israels in Egypten mit „wissenschaftlicher Gewißheit" bestritten. Nun kommt ein anerkannter Gelehrter wie Professor. Spiegelberg und weist auf Grund egyptischer und keilschriftlicher Urkunden die Geschichtlichkeit dieser Ueberlieserung nach. Man wird Spiegelberg keinen Orthodoxismus vorwerfen können, steht er doch selber noch vielfach auf bibelkritischem Standpunkte. Umsomehr werden vielleicht seine Ausführungen diejenigen, denen die Kritik — die wahrlich auch nicht unfehlbar ist — für mehr Autorität gilt als die Tradition — die eine ununterbrochene Kette bildet — unsre Thora mehr achten lehren. Eine pragmatische Darstellung der historischen Vorgänge in der nur die wesentlichen Züge, welche den politischen Verhältnissen Egyptens Rechnung tragen oder aus ihnen gefolgert werden können, gibt Verfasser im Folgenden: Semitische Nomaden zogen einmal zur Zeit, da in ihren Stammsitzen eine Hungersnot herrschte, in das fruchtbare Niltal, um dort vorübergehend ihr Vieh zu weiden. Einer dieser Clans, dessen Stammesgenosse, wie so viele semitische und ausländische Beamte, damals eine hohe Stellung im Staate einnahm, erhielt die Erlaubnis zu längerem "Aufenthalt und siedelte sich in dem Distrikt Gosen im Delta an. Im Laufe der Zeit änderte sich die politische Lage Egyptens, so daß die Existenz einer semitischen Enklave gefährlich wurde. Die egyptische Regierung wußte sich dadurch zu schützen, daß sie den inzwischen stark angewachsenen Stamm unter strenge Aussicht stellte, bis dieser schließlich unter Führung des Mose von dem Pharao die Erlaubnis zum "Auszug erzwang. So hält nun Verfasser zwei Punkte als historisch fest: Den Aufenthalt Israels in Gosen und den Auszug unter Mose. Dieser Gosen ist der ans egyptischen Texten bekannte Gosem, der an der Stelle des heutigen Sast-el Henne lag, südöstlich vom bubastischen Nilarm. Tie Geschichtlichkeit der Person des Mose findet Verfasser schon in seinem egyptischen Namen und in dem Bericht über seine egyptische Erziehung, was Lewiß nicht erfunden worden wäre, da das zu einer Tendenzschrist zum Ruhme des auserwählten Volkes und seines Gottes schlecht gepaßt hätte. Verfasser hält nämlich für sehr wahrscheinlich, daß Mosche dem nicht seltenen egyptischen Personennamen Mose entspricht, was „Sohn" bedeutet, wie z. B. in dem mit einem Gottesnamen zusammengesetzten „Thutmosis" — „Sohn des Thot". Die Erklärung dieses Namens in Exod. 2, 10, nennt er einen „verfehlten Versuch". Wir gestatten uns hier eine Erklärung dieser Stelle, die mit der Auffassung, daß Mosche egyptisch sei und „Sohn" bedeute, ganz gut zu vereinen wäre, mit der Bemerkung von „Luke demiste fine" zu versuchen. Man muß nur das Wort „meschillihu" nicht als eine etymologische Erklärung des Namens von dem Verbum „moschah" auffassen, vielmehr nur den Ton auf das Pronominalsuffix „tdi" legen. Demnach soll die Stelle sagen: Sie nannte ihn Mosche (— „Sohn"), indem sie sagte, denn ich habe ihn aus dem Wasser gezogen. Tie Tochter Pharaos nannte ihn „Sohn" oder vielleicht „mein Sohn", weil sie ihn aus dem Wasser gerettet und ihn an Sohnesstatt angenommen hat. Ter Verfasser sagt noch manch' Interessantes über „Pithom" und „Ramses", über den egyptischen Namen des Josefs „Zaphnatpaneach", über den Namen dax „Hebräer" u. a. m. B. F. Krmst und Literatur. Wie». Ueber Emil Kuh, den bekannten Prager Journalisten und Hebbelbiographen, urteilt der eben verstorbene ^Schriftsteller Hans von Hopfen in einem Aufsatz „Mein Wien" folgendermaßen:. „Er war von Grund aus ehrlicher Autodidakt von großem Fleiß und ruhelosem Streben. Sein eigenes Dichten hat er nach einigen jugendlichen Versuchen bald aufgegeben und ist trotz vorübergehender Anwandlungen nicht zu ihm zurückgekehrt; aber in der Presse wie auf dem Katheder war er unablässig und mit unleugbaren Erfolgen für deutsche Literatur bestrebt. Das. Beste hat er seiner Ileberzeugung getreu im-Dienste seines Ideals geschaffen. Hebbels Biographie und die Ausgabe seiner Briese werden in ihrer Sicherheit und Sorgfalt besonderen Wert, behaupten. Wir beide haben viel und gern miteinander verkehrt, bis ich mich eines MendS in einem sich mehr und mehr erhitzenden Worttreit zu der hochverräterischen Aeußerung hinreißenließ, Hebbels „Siegfried" sei trotz allen Sonnenglanzes, den der Dichter auf sein Geschöpf gesammelt habe, genau betrachtet, doch nur ein Michel, ein dummer Kerl. Siegfried, der Siegfried Hebbels, ein dummer Kerl! Solche Blaspheinie konnte niemand, auch einem guten Freunde nicht, vergeben werden. In seinem heiligsten Gefühl beleidigt, verließ er in wortloser Entrüstung das Lokal, brach alle Beziehungen zu mir höflich ab, und wir haben uns lang nicht wieder gesprochen, nicht wieder gesehen. Nach vielen Jahren fand ich ihn auf einer Bank in Meran im Sonnenscheine sitzend fahl, abgemagert, todkrank. Wir reichten uns die Hände und trafen uns nun all die Tage, die ich, dort verweilte; wie in alten Zeiten zu lebhaften künstlerischen Gesprächen zusammen. Ach, die einst so hell und verzehrend lodernde Flamme seines Wesens zuckte nur mehr zuweilen hoch auf, des baldigen VerlöschenS wehmütig bewußt; aber sie wärmte noch in der Nähe. Die Tragik seines eigenen Lebens hatte ihn mild und versöhnlich gestimmt. So schiede» wir voneinander im Rebengelände wie alte gute Freunde; die wir genau genomnien, trotz allem Streit und Verdruß im Innern geblieben ivaren. Vakanzen. Elmshorn. Religionslehrer, Kantor und Schächter per bald. Gehalt 1200 Jk und freie Wohnung. Bracht bei Breyell. Säufer zur Ausbesserung einiger Sefer-Thoras gesucht. Heppenheim a. Bergstr. (5800 Einwohner, 24 jüd. Familien.) Religionslehrer, Kantor, und Schächter per bald. Einkommen 1600 Jk Gochsheim i. Unterfranken. (2000 Einwohner, 14 jüd. Familien.) Religionslehrer, Kantor und Schächter per bald. Einkommen ca. 1050 Jfe und schöne freie Wohnung. Briefkasten. 8. K. Angenrod. Mk. 3.— für russische Auswanderer erhalten. Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 26. November, Wochenabschnitt: Wajischlach. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M.: 5 Uhr 15 Min., in Berlin 4 Uhr 48 Min. Das „Frankfurter Israel. Familienblatt» kostet: Fraukstrrt a. M. (durch Postkarte bei der Geschästsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Äuch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten zn dem gleichen Preise — in LandeSmünze umgerechnet — Abonnements entgegen. Bei direktem Streifband-Bezug von der Geschästsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes": in Deutschland Mk. 1,50, Oesterreich- Ungarn Kr. 2.—, Rußland Rubel 1.—, Holland fl. 1.25, Frankreich, Schweiz, Belgien. Italien Frcs. 2.50 vierteljährlich. Wir bitte» »nscre Leser, ihre» Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt btt unseren Inserenten zu decken. -Frankfurter Israel. Familienblatt. 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