Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 43 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43. Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. En dichter Nebel ließ sich gegen Wend über die Gegend nieder; der Nebel verschwand, es wurde Morgen und — kein russisches Heer war mehr zu sehen. „4kun wohlan," ries er mit dem Tone der gewaltsam sich ergebenden Enttäuschung: „wir bleiben hier eine Zeitlang stehen, ruhen aus und stellen das talte Polenreich wieder her. Ter Feldzug von 1812 ist zu Ende, der von 1813 wird das Uebrige tun!" — Nach einigen Tagen aber bereute er diesen Entschluß und sprach zu seinen Feldherrn: „Glaubt Ihr denn wirklich, daß ich so weit hergekommen sei, um mich mit der Eroberung dieses Nestes zu begnügen? — Nein, nach Moskau, nach.Moskau, der altheiligcn Stadt; man muß die Welt mit Namen blenden!" Nach vierzehntägiger Rastzeit rückten wir über die Smolensker Straße gegen Moskau vor. Vor den Toren Smolensk's erwartete uns abermals ein zahlreiches russisches Heer. „Endlich," rief Napoleon entzückt, „bieten mir die Russen eine Schlacht an!" — Es wurde Abend, es wurde Morgen, und — abermals kein Russe zu sehen. Murat, sein Schwager und damaliger König von Neapel, warf sich ihm zu Füßen, um ihn zu beschwören, die Falle zu erkennen, und sich nicht weiter einzulassen; alles Dar aber unnütz. ,,Moskau ist das Wahnbild seiner Gedanken," rief Murat, verzweiflungsvoll die Hände zusammenschlagend, als er Napoleons Zelt verließ; „Moskau ist sein Untergang und der unsrige!" Smolensk, während der Nacht von den Russen angezündet, bot des Morgens nichts als einen, Aschcnhausen unfern Blicken dar. „Tie Russen sind Weiber und bekennen sich als überwunden," rief Napoleon, wahrend er trotzig über den Trümmern einherging. Seine niedergeschlagenen Soldaten und seine das Verhängnis witternden Offiziere murrten vergebens. - „Vorwärts nach Moskau; sollte ich wohl ein Land als Eroberer betreten haben, ohne in dessen Hauptstadt eingedrungen zu sein?" lautete der strenge Befehl. Unser Heer war schon damals durch Anstrengungen, Krankheiten, Hunger und Desertierungen auf 160003 Mann zusammengeschmolzen. Während unseres Vorrückens nach Moskau ging unterdessen im russischen Heere eine wichtige Veränderung vor. Barclan de Tolly, von, der altrussischen Partei, der Schwäche und des Verrats beschuldigt, während er durch sein Zögern das Land rettete, mußte den Oberbefehl des Heeres in die Hände Kutusoffs, eines kampflustigen, jungen Mannes, niederlegen. Ersterer, voll Liebe zu seinem Vaterland, willigte mit edler Hingebung ein, als 'Leutnant im Heere seines Nachfolgers zu dienen. Tieferkonnte cs nicht erwarten, sich mit dem großen Napoleon zu messen und stellte sich ihm in einer von Natur wohlbefestigten Lage, am Zusammenfluß der Moskwa und Kolowga entgegen. „Soldaten," rief Napoleon seinem Heer am Wend vor der längstersehnten Schlacht zu,;,hicc ist das Schlachtfeld, irach welchem wir uns schon längst sehnten; nun hängt der Sieg -von Euch ab; dieser tut Euch sehr Not; er wird Euch Ueberfluß, gute Winterlager und eine schnelle Rückkehr in die Heimat gewähren. Betraget Euch, wie einst zu Austerlitz, zu Friedland, zu Jena! Machet, daß die späteste Nachkommenschaft Eure morgige Tapferkeit rühmlichst nenne; daß bei Eurer siegreichen Rückkehr Jeder, der Einen von Euch sieht, sage: Dieser war auch bei jener großen Schlacht unter den Mauern Moskau's anwesend!" — (Fortsetzung folgt). Briefkasten. B. 'D. Mülhausen i. E. Ihr Wonnement ist nunmehr bis 1. April 1905 bezahlt. L. B. Egypten hat 21000, Griechenland 9000 jüdische Einwohner. Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung (Nachlatz-Zwi). Mittwoch den 16. Nop., abends 8*U Uhr, im Vereins lokale, Schützenstrabe 2: Literatur-Abend: a) Ibsen. Kaiser und Galiläer (Ref. Herr Albert Straus), b) Carlyle, Arbeiten und nicht verzweifeln (Ref. Herr I. Rosenheim), o) Dork-Steiner, Talmudbauer (Ref. Herr. Jos. Bamberger). Sonntag den 20. Rov.. Vorlesungen für Damen, Am Tiergarten 8, abends 6 Uhr: Hervorragende Frauengestalten aus der jüdischen Geschichte. grau Glücket von Hameln. Herr Rabbiner Dr. ondi, Mainz. Das „Frankfurter Israel. Familienblatt,, kostet: .Frankfurt a. M. (durch Postkarte bei der Geschäftsstelle des „Frankfurter Israel. Familienblattes" zu bestellen) Mk. 1.— frei ins Haus pro Vierteljahr. Auswärts (am Postschalter zu bestellen) Mk. 1.02 einschließlich Bestellgeld pro Vierteljahr. Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten zu dem gleichen Preise — in Landesmünze umgerechnet — Abonnements entgegen.. 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Bambus ist am 4. d. M. nach längerer Krankheit gestorben. Mit , der grössten Hingabe und mit einem seltenen Reichtum an Kenntnissen hat der Heimgegangene unseren humanitären Bestrebungen stets gedient. Er war ein Muster, von Pflichttreue, und unser Verein wird das Andenken dieses ausgezeichneten, leider viel zu früh verstorbenen Mannes in hohen Ehren halten. Hilfsverein der Deutschen Juden. James Simon. Dr. Paul Nathan. Koscher H ftdor Koscher Ge& geschützt verbessertes garantiert naturreines Pflanzenfett Preis p. Pfund 65 Pfg. Erhält], in allen Colonialwarengeschäft. WiederverkäuTer belieben sich zu wenden an den Generalvertreter für Deutschland Siegfried flisch, Frankfurt a. M. Hanauerlandstrasse 18. " --Frankfurter Musik-Institut fe Ausbildung für Erwachsene ■ und Kinder. Prospecte franco. Nordends Obst- und Semüsegeschäft ' empfiehlt in feinster Waare Obst, Südfrüchte, Gemüse, Conserven. 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