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Neue jüdische Presse · 1904-10-28 · Heft 41 (28.10.1904) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 41 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Serie 11 lichen Gesang „Israeli o" für das National-Geschenk für die Kinder Dr. Herzls. - In Italien macht die Bewegung gute Fortschritte. In Padua und in Verona sind zionistische Sektiones aufgekommen. Auf Anregung unserer „Federazione Sio - nistica Jtaliana" in Bologna ist ein neues Amt unter dem Namen „Afsicio Jnformazioni" gegründet worden, welches alle Vorstände der Italienischen Zionisten über die Bewegung unterrichtet. Auch in Mailand wird auf Antrag Dr. Morpurgo eine zion. Bibliothek gegründet. Seit einem halben Jahre erscheint hier ein bescheidenes Blatt unter dem Namen „Bollettino Lel Gruppo Sionistico Milan es e". Aus aller Welt. Deutschland. It. Heidelberg. Der kürzlich hier verstorbene außerordentliche Professor der Jurisprudenz (zu deutsch: „Rechtskunde") Dr. Hermann Strauch hatte der Universität eine Stipendienstistung vermacht, die für Privatdozenten und auch außerordentlichen Professoren der hiesigen juridischen Fakultät zur materiellen Unterstützung bei ihren Stildien dienen sollte. Jedoch müßte das Kapital, das jetzt 18 000 JL beträgt, sich erst bis auf 30 000 JL durch Verzinsung erhöhen. Ausgeschlossen vom Genuß der Stiftung sind jüdische Dozenten, ob getauft oder angetauft. Wegen dieser einen gewissen Edelnnd Rechtssinn des Stifters verratenden Klausel wird wahrscheinlich die Stiftung zurückgewiesen werden. Es gefällt uns sehr, daß die Nniversitätsbehörden soviel Gerechsigkeits- - sinn haben, wie man bei einem „Professor der Jurisprudenz" erwarten solle. Noch besser wird es uns gefallen, wenn wir in kurzer Zeit wieder lesen werden, daß ein aufgeklärter Jude Stiftungen er-, richtet, wo kein Unterschied in der Konfession der Genießenden gemacht werden Hochselden i. Elf. Unter Anregung unseres Lehrers, Herrn Metzger, von welchem auch zuerst der Gedanke dazu ausging, bildeten die jungen Herren unserer Gemeinde, ca. 30 an der Zahl, einen „Litcraturverein", welcher die Pflege der jüdischen Literatur bezwecken soll. Der Verein hält im Jsr. Gemeindehaus wöchentlich zwei Leseabende ab, woselbst jüdische Zeitungen und Bücher, die jüdische Geschichte betreffend, aufliegen. Auch beabsichtigt der Verein durch die Herren Rabbiner der Umgegend von Zeit zu Zeit Vorträge zu halten. Möge der Verein blühen und gedeihen!! A. R. Oesterreich-Ungarn. K. Jaroslau (Galizien). Daß nicht nur die Juden, wie die „Kreuzzeitung" in Berlin behauptete, anläßlich der russischen Mobilisierung desertieren, erweist die Meldung aus L u b a k o w, wonach dort eine ganze, aus 70 Mann bestehende Halbsotnie Kosaken, welche desertierten, samt Pferden und Munition dort eingetroffen sei. Die Pferde und das Geld, das die Abteilung mitführte, wurden von der Bezirkshauptmannschaft mit Beschlag belegt und an die russische Behörde abgeliefert. Nach Angaben dieser Kosaken desertierten bisher von der russischen Armee 80000 Mann. Lauter Juden, liebe Kreüzzeitung? Rußland. Rikolajew. (Abschied von den jüd. Soldaten.) Für die jüdischen Reservisten, die nach dem Kriegsschauplätze abgingen, wurde vor ihrer Abreise auf freiem Felde ein Gottesdienst veranstaltet, wobei auch zum Andenken der auf dem Schlachtfelde in Ostasien gefallenen jüdischen Soldaten Todesfeier abgehalten wurde. Rabbiner Wilensky hielt eine warme Ansprache: „Wenn Ihr irgend welche Wünsche habt — sagte er unter anderem — so bitte ich Euch, sie mir auszusprechen." Dann trat der Rabbiner an die jüdischen Gefreiten und küßte sie herzlichst. Die Soldaten trugen ihre Bitte vor. Es war nur eine Bitte: man möge für ihre Familien sorgen. Italien. Rom. (Papst und In de.) Alle Welt weißin.welch' gutem Verhältnisse Papst Pius X. mit der jüdischen Familie Romanin-Jacur in Padua steht. Dieses gute Einvernehmen rührt noch von der Zeit her, wo Papst.Pius X. auf einem der Güter der Familie ein Dezennium hindurch P f a r - rer war und in den Romanin-Jacur, wie er sich oft äußerte, die Juden schätzen und ehren lernte. Vor kurzem besuchte ein Mitglied dieser Familie, Dr. Romanin-Jacur den Papst in Rom, wo ihm die Ehre zuteil wurde, baß er sich neben Pius X. setzen mußte und fast eine Stunde mit dem Papste beisammen war und konferieren durste. Zum Andenken an diese Stunde überreichte der Papst dem Herrn seine Photographie mit der eigenhändig geschriebenen Widmung: „veas : omnipotens reglest te omni beneditione. Piüa X. Personalien. Mannheim. Dem Großkaufmann L o u i s H i r s ch wurde der Rote A d l e r o r d e n 4. Klasse verliehen. Bonn. Der außerord. Professor Dr. Alfred Philipp s.ohn ist als ordentlicher Professor für Geographie an die Universität nach Bern berusen worden. Posen. Dem Bankdirektor NaPhtaliHamburger hier wurde aus Anlaß des Geburtstages der Kaiserin die Rote K r e u z m e d a i l l e 3. Kl. verliehen. Hammelvnrg (Bayern), 24. Oktober. Im benachbarten W e st h e i m starb dieser Tage Herr Kaufmann B. H i r s ch e n b e r g e r. Der Verstorbene, der ich großer Beliebtheit erfreute, bekleidete in der Gemeindeverwaltung und der Freiwilligen Feuerwehr wiederholt Ehrenämter. Dreizehn Jahre lang war er Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. Aus -er Lehrerwett. Stratzburg. Ueber die „Frage der Besetzung von Rabbinatsstellen in Elsaß - Lothringen" bringt die „Straßburger Post" den folgenden Sprechsaal-Artikel: „In Pfalzburg (Lothringen)) ist die Rabbinatsstelle bereits seit 1. Juli vakant. Ueber die hohen Feiertage war dieses Rabbinat, zu dem die bedeutende Gemeinde Saarburg gehört, vollständig verwaist, kein Mensch kümmerte sich darum, und auch heute denkt noch kein Mensch daran, dieses Rabbinat wieder zu besetzen. Wie kommt es, daß es - so lange dauert, bis eine neue Ernennung erfolgt, zumal doch in Pfalzburg ein Lehrerseminar vorhanden ist, welchem alle israelisischen Seminaristen in Elsaß- Lothringen zur Ausbildung überwiesen werden, andererseits in Saarburg ein Gymnasium besteht, woran israelitischer Religionsunterricht vom Rabbiner aus Pfalzburg erteilt werden soll? Nun spricht man aber davon, den Sitz des Rabbinats von Pfalzburg nach Saarburg zu verlegen! Die Israeliten Pfatzburgs erheben mit Recht Einspruch gegen dieses Ansinnen seitens des lothringischen israelitischen Konsistoriums, und es wird daher die Entscheidung in dieser Frage noch sehr viel Staub aufwirbeln. Sollte je der Sitz des Rabbinats verlegt werden, so müßte dann die oberste Schulbehörde die israelisischen Kandidaten einem anderen Lehrerseminar überweisen, da ohne israelisischen Lehrer oder Rabbiner am Platze die israelitischen Schüler keinen genügenden Religionsunterricht haben würden, der gerade, heute von so großer Wichtigkeit ist! Und nun zu einem anderen Falle. DaS oberelsässische israelitische Konsistorium hat bereits im Mai 1904 den Rabbknatskandidaten Dr. Weill- Erstein, der seine Ausbildung am Rabbinerseminar in Berlin erhalten hat, zum Rabbiner von Biesheim-Neubreisach ernannt. Noch heute ist die Ernennung nicht erfolgt und wie man allgemein hört, wird derselbe auch nicht bestäsigt werden, da die Gemeinde Biesheim gegen die Wiederbesetzung des Rabbinates Einspruch erhoben haben soll, da sie mit der bisherigen einstweiligen Verwaltung des Rabbinates durch den Rabbiner von Winzenheim, ein Biesheimer Kind, äußerst zufrieden ist. Wenn man also Biesheim, die größte im Elsaß vakante Rabbinatsstelle, wo noch mindestens 40 bis 50 jüdische Familien wohnen, nicht, mehr besetzen will, so wird man umso weniger z. B. das Rabbinat Hattstadt wieder besetzen, welches bereits 32 Jahre vom Ober-Rabbiner von Colmar verwaltet wird, und um noch viel weniger wird man dann die anderen seit langen, langen Jahren vakanten Rabbinate wieoer besetzen wie Pfastatt, Sulzmatt, Niederhagenthal, Blatzheim, Regisheim, Niedcrsept usw., weil die Zahl der daselbst wohnenden Israeliten sehr klein ist! Unter solchen Umständen wäre daher für das kaiserliche Ministerium der günstigste Augenblick gekommen, alle diese vakanten Rabbinate einfach aufzuheben und die so ersparten Gelder zur generellen Verteilung unter sämtliche Rabbiner Elsaß-Lothringens zu verwenden, wodurch also auf eine sehr leichte Art und Weise, ohne Einführung einer besonderen Kultussteuer eine Aufbesserung der Gehälter der Rabbiner zu erreichen wäre." Filehne (Posen). Herr Rabbiner vr. Richter feierte am 10. Oktober sein 25jähriges Amtsjubiläum als Beamter der hiesigen jüdischen Gemeinde. Marieubad (Böhmen). Herr Rabb. vr. Goldberger vermählte sich am 23. d. M. in Marienbad mit Frl. Louise Schneider. ScheiufeU» (Bayern), 24. Oktober. Heute wurde hier Herr Lehrer Federlein zur letzten Ruhe gebracht. Derselbe war 41 Jahre im Dienste der hiesigen israelisischen Kultusgemeinde. Erst vergangenes Jahr trat er in den wohlverdienten Ruhestand, den lange zu genießen ihm nicht vergönnt war. Odessa (Rußland). Odessa nebst Vorstadt zählt 3 jüdische Regiernngsschulen, 6 Gemeindeschulen, 51 Privatschulen, 9 Sabbatschulen für Erwachsene, abgesehen von. den Chedorim. Die Gesamtzahl der Mischen Schüler beläuft sich auf 15,000. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Verein Montefiore (EB). Die Reihe der religiösen Bor träge, die während des Wintersemesters jeden Freitag Abend Slh Uhr im Vereinslokale stattfinden werden, wurde am letzten Freitag eröffnet. 'Nach einigen einleitenden Worten des 1. Vorsitzenden ergriff Herr Lehrer E i n st ä d t e r das Wort zu seinen lehrreichen Ausführungen. Der Vortragende gab eine kurze Uebersicht über den Inhalt der ersten drei Wochenabschnitte und schilderte die Entwickelungsgeschichte der Menschheit in der in Betracht kommenden Periode, wobei er durch einige Beispiele nachwies, daß gerade neuere Entdeckungen der Wissenschaft Beweise für die Wahrheit und den göttlichen Ursprung der Bibel liefern. An zahlreichen Midraschim zeigte er, wie unsere Weisen die Schrift für Verstand und Gemüt verwerteten, indem sie die mannigfaltigsten Beziehungen zu anderen Schriftstellen und zu Vorkommnissen aus dem Menschenleben aufsuchten. Das zahlreich erschienene Auditorium folgte mit sichtlichem Interesse den geistvollen Ausführungen des Redners. An den Vortrag knüpfte sich eine freie Aussprache, die das eingehende Verständnis der Erschienenen für das besprochene Thema bewies. — Die notwendige Anzahl Sesorim wurde von der Bibliothek de» „Montefiore" zur Verfügung gestellt. Ter Sch a ch k n r s u s sowie die beiden Stenographiekurse erfreuen sich ebenfalls äußerst zahlreicher Beteiligung. Königsberg i. Pr. Sein 200 jähriges- Stlftungsfest begeht der hiesige Israelitische Verein für Krankenpflege und Beerdigung Ende November; er ist wohl der älteste aller-hier bestehenden Wohltätigkeitsvereiiie. Wie wir hören, soll dieses Fest auf das feierlichste begangen werden; die Vorbereitungen dazu sind bereits im Gange. Bunte Chronik. Jüdisches Unterrichtswesen in Russland. Nach einer von der Jüdischen Kolonisattonsgesellschaft („Jca") herausgegebenen Statistik besuchen von 690,000 jüdischen schulpflichtigen Kindern Rußlands 343,000 das sogenannte Cheder. Es giebt in Rußland 24,540 Chedorim, 20,000 Kinder werden in 500 Botei hamidroschim (Talmud - Thoraschulen) unterrichtet. Dazu komme» 107,000 Kinder, die in 820 modernen Volksschulen (darunter 183 staatliche) und 20,000, die in den allgemeinen Volksschulen unterrichtet werden. 206,000 M ä d ch e n sind ohne jeden U n t e r r i cht. Ter Unterricht ist — besonders wenn man die große Armut der russischen "Juden bedenkt — ziemlich teuer. Das Chedergeld beträgt im Durchschnitt 2V- Rubel (— JL 5,50) monatlich. Die Unterhaltungskosten der 24,540 Chedorim werden auf nicht weniger als 11 Millionen Rubel jährlich geschätzt. Da die Gymnasien nur wenige Prozente jüdischer Schüler aufnehmen dürfen, so ist es nicht verwunderlich, daß im Jahre 1894 in ganz Rußland nur 5281 jüdische Schüler in den Gymnasien gezählt wurden. Aus dem gleichen Grunde wurden in demselben Jahre die gesamten russ. Universitäten nur von 1757 jüd. Studenten besucht. £ Jüdische Statistik. Die jüdische Gemeinde in N e w y o r k zählt ca. 700,000 Mitglieder. Es befinden sich hier sieben jüdische Krankenhäuser, deren Kapital etwa 14 Milk. Mark beträgt. Das Vermögen der drei Institutionen an dem Krankenhause „Har-Sinai" beträgt Mark' 12,700,000. Die Erziehungsgesellschaft (Educasion Alliance) verfügt über mehr als 11 Millionen Mark. Die Siechenhäuser der jüd. Gemeinde haben einen Fonds von 3,331,000 Mark. Insgesamt verfüge» die jüdischen Jnstttuttonen über unbewegliche Güter, die einen Wert von 42 Millionen Mark haben. Jtn vorigen Jahre hat die Newyorker „Tribüne" in einem Artikel anerkennend ans die bemerkenswerte Tatsache hingewiesen, daß so außerordentlich viele jüdische Schüler, darunter Kinder ganz armer, oft erst vor Kurzem eingewanderter Juden die ersten Preise bei den Prüfungen erhielten. Auch in diesem Jahre wurden sehr viele jüd. Schüler in den Vereinigten Staaten, sowie in Kanada mit ersten Preisen ausgezeichnet. Das Laad, in dem die Sonne nicht aufsetzt. Unter Karl V. ging die Sonne im spanischen Weltreiche nicht unter, unter König Alfons geht sie in Spanien nicht auf. In dem Katechismus, derin 200 000 Exemplaren in den Volksschulen verbreitet ist und den der Bischof von Madrid offiziell revidiert hat, wird gelehrt: Die fünf Kirchengebotc sind: Du darfst feine schlechten Zeitungen drucken, lesen, verbreiten oder kaufen; Du darfst der Freimaurerei nicht angehöre«^ Du darfst Deine Kinder nicht in konfessionslose (d. f)~ Staatsschulen) schicken; Tu darfst weder einen jüdischen: noch protestanttschen noch (ketzerischen) Arzt zu Rata ziehen, noch einem Juden dienen.

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